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"Meine Puppe in Auschwitz" und "Meine Ortschaft" - Vergleich der Essays von Erich Fried und Peter Weiss

Scholary Paper (Seminar), 2008, 23 Pages
Author: Charlotte Baier
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2008
Pages: 23
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 16  Entries
Language: German
Archive No.: V123742
ISBN (E-book): 978-3-640-29088-8


Abstract

Als Erich Fried 1967 Auschwitz besuchte, tat er es nicht unvorbereitet. Eine seiner Vorlagen war Peter Weiss' Essay "Meine Ortschaft". Weiss hatte drei Jahre zuvor Auschwitz besucht und seine Eindrücke in diesem Essay verarbeitet. Beide Autoren waren Juden, beide ungefähr im selben Alter, beide wurden durch die Nationalsozialisten in das Exil getrieben und beide entwickelten sich in den 60er Jahren zu engagierten Autoren. Beide gehörten der Gruppe 47 an und protestierten in Ihren Werken gegen Ungerechtigkeit in der Dritten Welt und Deutschland und thematisierten das Thema der Vergangenheitsbewältigung und Beide besuchten Auschwitz. Wie also erleben zwei Männer, mit ähnlichen Lebenswegen ein und denselben Ort? Thema dieser Arbeit ist der Vergleich zwischen Erich Frieds Essay "Meine Puppe in Auschwitz" und Peter Weiss' Essay "Meine Ortschaft". Folgende Fragen sollen hierbei nähere Betrachtung finden: Welche Erwartungen hat der Autor an den Besuch? Wie erlebt der Autor seinen Besuch in Auschwitz? Welche Rolle spielen die Vorbereitungen auf den Besuch? Wie erlebt der Autor die Differenz zwischen Vergangenheit und Gegenwart? Welche Auswirkungen hat das auf sein Erleben? Was ist Fazit des Besuchs? Was bezweckt der Autor mit dem Verschriftlichen seines Erlebnisses? Zur Beantwortung dieser Fragen wird zunächst Frieds Essay ausführlich analysiert, um dann im zweiten Teil der Arbeit Peter Weiss' Essay mit diesem zu vergleichen. Im Fazit werden die Ergebnisse der Analyse und des Vergleichs zusammengefasst.


Excerpt (computer-generated)

Leibniz Universität Hannover

Seminar f. Deutsche Literatur und Sprache

Institut für Literaturwissenschaften

Seminar: Und Erich Fried und

SS 2008

,,Meine Puppe in Auschwitz" und
,,Meine Ortschaft"


Vergleich der Essays von Erich Fried und Peter Weiss



Charlotte Baier


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Textanalyse: Meine Puppe in Auschwitz 4

3. Vergleich: Frieds

Meine Puppe in Auschwitz

und Peter Weiss′

Meine Ortschaft

11

4. Fazit 18

Literaturverzeichnis 21

2


1. Einleitung

Als Erich Fried 1967 Auschwitz besuchte, tat er es nicht unvorbereitet. Eine seiner Vorlagen

war Peter Weiss′ Essay ,,Meine Ortschaft". Weiss hatte drei Jahre zuvor Auschwitz besucht

und seine Eindrücke in diesem Essay verarbeitet.

Beide Autoren waren Juden, beide ungefähr im selben Alter, beide wurden durch die

Nationalsozialisten in das Exil getrieben und beide entwickelten sich in den 60er Jahren zu

engagierten Autoren. Beide gehörten der Gruppe 47 an und protestierten in Ihren Werken

gegen Ungerechtigkeit in der Dritten Welt und Deutschland und thematisierten das Thema der

Vergangenheitsbewältigung und Beide besuchten Auschwitz.

Wie also erleben zwei Männer, mit ähnlichen Lebenswegen ein und denselben Ort?

Thema dieser Arbeit ist der Vergleich zwischen Erich Frieds Essay

Meine Puppe in Auschwitz

und

Peter Weiss′ Essay

Meine Ortschaft

. Folgende Fragen sollen hierbei nähere Betrachtung

finden: Welche Erwartungen hat der Autor an den Besuch? Wie erlebt der Autor seinen

Besuch in Auschwitz? Welche Rolle spielen die Vorbereitungen auf den Besuch? Wie erlebt

der Autor die Differenz zwischen Vergangenheit und Gegenwart? Welche Auswirkungen hat

das auf sein Erleben? Was ist Fazit des Besuchs? Was bezweckt der Autor mit dem

Verschriftlichen seines Erlebnisses?

Zur Beantwortung dieser Fragen wird zunächst Frieds Essay ausführlich analysiert, um dann

im zweiten Teil der Arbeit Peter Weiss′ Essay mit diesem zu vergleichen. Im Fazit werden die

Ergebnisse der Analyse und des Vergleichs zusammengefasst.

3


2. Textanalyse: Meine Puppe in Auschwitz.

Erich Fried wurde am 6. Mai 1921 in Wien geboren, musste aber 1938, nach dem Einmarsch

der Deutschen Österreich verlassen. Rechtlich gesehen war der Sohn eines jüdischen

Spediteurs und einer jüdischen Grafikerin ,,Volljude" und damit seit den ,,Nürnberger

Rassengesetzen" massiver Diskriminierung und auch der Gefährdung seines Lebens

ausgesetzt. Bis dahin hatte er das Gymnasium in der Wasagasse besucht, welches er

zwangsweise 1938 verlassen musste, immerhin mit einem Abschlusszeugnis. Schon als

Gymnasiast schrieb er und gründete nach dem Einmarsch der deutschen Truppen mit

Mitschülern in Wien eine Widerstandsgruppe. Im Mai ′38 wurden seine Eltern von der

Gestapo verhaftet, sein Vater starb im Mai an den Folgen eines Verhörs1. Als aus dem

,,österreichischen Oberschüler [ein] verfolgte[r] Jude[...]"2 wurde, floh er nach London, von

wo es ihm gelang seiner Mutter und 72 anderen Verfolgten aus Österreich zur Flucht zu

verhelfen3. Seine Großmutter, zu der er ein enges Verhältnis hatte, wurde nach Theresienstadt

deportiert und starb 1942 in Auschwitz. 25 Jahre nach dem Tod seiner Großmutter, im April

1967, besuchte Erich Fried das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz.

,,Meine Puppe in Auschwitz"4 ist der Titel des Textes, in dem Erich Fried seine Gedanken und

Erlebnisse seines Auschwitz Besuches festhält. Doch wofür steht dieser Titel?

,,Meine Puppe"- seine Puppe, die eigentlich gar nicht seine Puppe ist, ist ein Symbol für den

Wandel den Erich Fried in Auschwitz erlebt. Zum einen auf seiner persönlichen Ebene, indem

er seine Angst vor der Konfrontation mit Auschwitz bewältigt und sich damit von einer

vermeidlichen Passivität befreit. Zum anderen geht es ihm in diesem Prozess nicht nur um

seine Erfahrung, sondern er schildert eine Erfahrung, die wünschenswert für die gesamte

deutsche Gesellschaft wäre. Auf beiden Ebenen geht es Erich Fried darum zu zeigen, dass die

Angst vor dem Unerträglichen überwunden werden muss, um dieses auch in der Gegenwart

wahrzunehmen und gegen es vorzugehen. Er bezieht sich hier auf zeitgenössische Konflikte

und Kriegsverbrechen, wie zum Beispiel den Vietnam-Krieg, aber auch auf das Erinnern an

die NS-Vergangenheit, die durch die Auschwitzprozesse zur Zeit des Besuches sehr präsent

1 Fried, Erich: Höre Israel. In: Erich Fried. Werke. Gedichte 2. Hrsg von Volker Kaukoreit u.a.2. Auflage.2.

Auflage. Berlin: Klaus Wagenbach Verlag1998.S.93.

2 Fried, Erich: Höre Israel. Ebd.

3 .Woesler, Winfried: Zu Ehren von Erich Fried. In: Versuche, dichtend zu denken. Reden anlässlich der

Verleihung der Ehrendoktorwürde an Erich Fried durch den Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaft

der Universität Osnabrück an 20. Januar 1988. Aachen: Rimbaud Verlag1988.S. 16.

4 Fried, Erich: Meine Puppe in Auschwitz. In: Erich Fried. Werke. Prosa. Hrsg. von Volker Kaukoreit. 2.

Auflage. Berlin: Klaus Wagenbach Verlag1998. S. 418-426.

4


war.

Wie die Puppe Moritz diesen Wandel symbolisiert und welche Aspekte seiner Beobachtung

Fried in dem Text verarbeitet, um zu diesem Schluss zu leiten, soll im folgenden Kapitel

erschlossen werden.

,,Meine Puppe in Auschwitz" wird eingeleitet durch den Kontext des Besuches. Fried

schildert die Umstände, die ihn nach Auschwitz führen. Seine Erwartungen an den Besuch,

sind auf der Hinfahrt vor allem durch Angst vor der Konfrontation geprägt sind. Obwohl er

freiwillig zu diesem Besuch antritt, hofft er doch auf eine Panne oder einen Unfall, der die

Reise aufhält5. Die Atmosphäre eines schönen Frühlingstags und die friedliche Umgebung der

polnischen Dörfer, die von Fried einer sehr genauen Betrachtung unterzogen werden, schaffen

einen Gegensatz zu der Angst. Dieser Kontrast zwischen der Angst und der Landschaft

spiegelt den Konflikt zwischen Außenwelt und Innenleben Frieds wieder. Durch die genaue

Beschreibung der Landschaft wird die Fahrt in die Länge gezogen. Dennoch rückt Auschwitz

unaufhaltsam näher, geografisch wie gedanklich, denn Frieds Angst vor der Konfrontation

steigt. Auf der einen Seite möchte er das Museum Auschwitz besuchen, er hat sich freiwillig

zu dem Besuch entschlossen. Auf der anderen Seite steht die Angst und das Bedürfnis das zu

verdrängen, was man nicht sehen will. Der Aspekt der Verdrängung wird somit schon zu

Beginn des Textes angedeutet, um am Ende wieder aufgegriffen und bewusst reflektiert zu

werden.

Fried geht nicht unvorbereitet in dieses Erlebnis, noch in der Nacht vor dem Besuch, hat er

den Text ,,Meine Ortschaft" von Peter Weiss gelesen um sich ,,auf das, was ich sehen mußte

vorzubereiten"6.

Dieser Satz sagt viel über die Motivation Frieds aus, nach Auschwitz zu reisen. Er

musste

zu

diesem Besuch antreten, nicht etwa weil er von außen gezwungen würde, sondern weil der

innere Drang, das Bedürfnis nach der Konfrontation mit der Vergangenheit ihn dazu zwang.

Dennoch ist ihm auf der Hinfahrt nicht ganz klar, was ihn erwartet. Später bezeichnet er

Auschwitz als ,,das unvorstellbar Andere, das völlig Fremde und Tote". Um diese abstrakte

Angst greifbarer zu machen, ist die Vorbereitung eine wichtige Stütze für diesen Besuch, vor

allem um die Angst, die er empfindet, einigermaßen erträglich zu machen. ,,Verringerung des

5 Fried, Erich: Meine Puppe in Auschwitz. S. 418.

6 Fried, Erich: Meine Puppe in Auschwitz. S. 419.

5



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