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Hausarbeit, 2009, 19 Seiten
Autor: Nathalie Solis Pérez
Fach: Ethnologie / Volkskunde
Details
Institution/Hochschule: Universität Leipzig (Institut für Ethnologie)
Tags: Tukano-Völkern, Nordwest-Amazonas, Indianische, Konzepte, Praxen
Jahr: 2009
Seiten: 19
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 12 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-29343-8
ISBN (Buch): 978-3-640-29367-4
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Zusammenfassung / Abstract
Die Beziehung zwischen Menschen und ihrer Umwelt, insbesondere ihren natürlichen Ressourcen, ist im Zuge globaler Erwärmung, Klimakatastrophen und Sorgen um unsere jetzige und zukünftige Energiezufuhr besonders aktuell und Thema zahlreicher öffentlicher und wissenschaftlicher Debatten. Hiermit verbunden sind stets auch politisch- gesellschaftliche Konflikte auf nationaler, aber insbesondere auch internationaler Ebene. Es geht vor allem um Zugang und Kontrolle über Ressourcen, wie Erdöl, Ergas, Wasser, Land, aber auch Fauna und Flora. Das Amazonasgebiet wird in diesem Kontext auch oft behandelt und wird vor allem in Zusammenhang gebracht mit der Abholzung des Regenwaldes, dem Fördern und Verschmutzen von Lebensräumen durch Erdöl, sowie den Kampf der indigenen Bevölkerung um ihr traditionelles Territorium und die für ihre Subsistenz darauf befindlichen Ressourcen. Auch in unserer industrialisierten und kapitalistischen Gesellschaft müssen wir uns selbst zunehmend fragen inwieweit wir in die Vorgänge der Natur eingreifen dürfen bzw. schon eingegriffen haben. Bis heute ist in dieser Diskussion ein dualistisches Verständnis der Beziehung Mensch- Umwelt vorherrschend, welches sich in der problematischen Dichotomie Natur- Kultur ausdrückt. „The nature/culture dualism has provided the baseline for the greater part of scientific thinking throughout this century and has strong, often unrecognized, methodological and epistemological implications for research, including the separation of the natural from the social sciences, both institutionally and intellectually. New ecological research is engaged in the difficult, challenging process of finding practical ways of bridging this divide, and anthropology, which has always worked on both sides of the nature/culture fence, is strategically situated to contribute to this effort.” (Little 1999: 257) Insbesondere die Ethnologie wird mit diesem dualistischen Konzept immer wieder konfrontiert und herausgefordert in dem Sinne, dass in anderen Völkern, wie z.B. bei den Tukano Natur und Kultur keine binäre Opposition darstellen, sondern Manifestationen ein und derselben Lebensenergie sind.Um dieses Denken bei den Tukanovölkern des Amazonas zu beschreiben hat man sich unterschiedlicher Methoden und Modelle bedient, die versuchen kosmologische und ontologische Vorstellungen und praktisches Wissen über die natürliche Umwelt darzustellen.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Leipzig, Institut für Ethnologie
,,Indianische Ökologien- Konzepte und Praxen"
SS 2008
Ökosophie und Ökokosmologie bei den Tukano-
Völkern im Nordwest- Amazonas
*
Vorgelegt von:
Nathalie Solis Pérez
MA Ethnologie/ Hispanistik
Fachsemester: 8./ 7.
21.11.2008
Inhaltsverzeichnis
1.
Einleitung
2
2.
Hauptteil
3
2.1. Reichel- Dolmatoffs Modell der ökologischen Kosmologie
der Tukano
3
2.2. Luis Cayón: ökologisches Handeln und kosmologische
Vorstellungen bei den Makuna
7
2.3. Die Ökosophie bei den Makuna nach Kaj
rhem
9
3. Schlussbemerkung
14
4. Bibliographie
16
- 1 -
1. Einleitung
Die Beziehung zwischen Menschen und ihrer Umwelt, insbesondere ihren natürlichen
Ressourcen, ist im Zuge globaler Erwärmung, Klimakatastrophen und Sorgen um unsere
jetzige und zukünftige Energiezufuhr besonders aktuell und Thema zahlreicher öffentlicher
und wissenschaftlicher Debatten. Hiermit verbunden sind stets auch politisch-
gesellschaftliche Konflikte auf nationaler, aber insbesondere auch internationaler Ebene. Es
geht vor allem um Zugang und Kontrolle über Ressourcen, wie Erdöl, Ergas, Wasser, Land,
aber auch Fauna und Flora. Das Amazonasgebiet wird in diesem Kontext auch oft behandelt
und wird vor allem in Zusammenhang gebracht mit der Abholzung des Regenwaldes, dem
Fördern und Verschmutzen von Lebensräumen durch Erdöl, sowie den Kampf der indigenen
Bevölkerung um ihr traditionelles Territorium und die für ihre Subsistenz darauf befindlichen
Ressourcen. Auch in unserer industrialisierten und kapitalistischen Gesellschaft müssen wir
uns selbst zunehmend fragen inwieweit wir in die Vorgänge der Natur eingreifen dürfen bzw.
schon eingegriffen haben. Bis heute ist in dieser Diskussion ein dualistisches Verständnis der
Beziehung Mensch- Umwelt vorherrschend, welches sich in der problematischen Dichotomie
Natur- Kultur ausdrückt.
,,The nature/culture dualism has provided the baseline for the greater part of scientific thinking
throughout this century and has strong, often unrecognized, methodological and epistemological
implications for research, including the separation of the natural from the social sciences, both
institutionally and intellectually. New ecological research is engaged in the difficult, challenging
process of finding practical ways of bridging this divide, and anthropology, which has always worked
on both sides of the nature/culture fence, is strategically situated to contribute to this effort." (Little
1999: 257)
Insbesondere die Ethnologie wird mit diesem dualistischen Konzept immer wieder
konfrontiert und herausgefordert in dem Sinne, dass in anderen Völkern, wie z.B. bei den
Tukano Natur und Kultur keine binäre Opposition darstellen, sondern Manifestationen ein
und derselben Lebensenergie sind. Um dieses Denken bei den Tukanovölkern des Amazonas
zu beschreiben hat man sich unterschiedlicher Methoden und Modelle bedient, die versuchen
kosmologische und ontologische Vorstellungen und praktisches Wissen über die natürliche
Umwelt darzustellen. Der kolumbianische Ethnologe Gerardo Reichel- Dolmatoff lieferte mit
seiner Konferenz 1977 einen wichtigen Anstoß das wertvolle Wissen der indigenen
Amazonasvölker näher zu untersuchen und auch den sich dahinter verbergenden
kosmologischen Systemen mehr Beachtung zu schenken. Ausgehend von seinem
Equilibrium- Modell, welches aus der Thermodynamik inspiriert ist, sollen in dieser Arbeit
zwei weitere Ethnologen vorgestellt werden, die hierzu weitere Ideen geliefert haben. Zum
einen ist dies Luis Cayón, der zurzeit an der Universität von Brasilia forscht und einen
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Gegenentwurf liefert, der eine weitaus komplexeres und offeneres ökokosmologisches System
beschreibt. Zum anderen werde ich näher auf Kaj rhems Gedanken zu diesem Thema
eingehen.
2. Hauptteil
2.1. Reichel- Dolmatoffs Modell der ökologischen Kosmologie der Tukano
Der österreichische Ethnologe Gerardo Reichel- Dolmatoff (1912- 1994) forschte fast 30
Jahre bei den Tukano des Nordwestlichen Amazonas. Als Gründer des ersten Lehrstuhls für
Anthropologie an der
Universidad de Cartagena
und als ,,Retter der Würde des
kolumbianischen Indios" galten seine Arbeiten zu den kosmologischen Vorstellungen der
Tukano und die darin manifesten Vorstellungen von ihrer Umwelt lange als unantastbar. In
den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurde sein Modell jedoch zunehmend kritisiert
von Seiten anderer Ethnologen, wie z.B. Cayón und rhem. Daher ist es an dieser Stelle
sinnvoll zunächst sein Modell vorzustellen um davon ausgehend andere Ideen und
Denkansätze vorzustellen.
Die Völker, auf welche sich die drei Ethnologen in diesem Zusammenhang beziehen sind in
unter der Sprachgruppe der Tukano zusammengefasst. Sie bestehen aus mehr als 20
exogamen Gruppen, welche patrilinear und patrilokal organisiert sind. Ihre bevorzugte Heirat
ist die Kreuzcousinen- Heirat. Der Tukano Schöpfungsmythos besagt nach Reichel-
Dolmatoffs Auffassung, dass der Sonnenvater,
Padre Sol
, eine begrenzte Anzahl von Tieren
und Pflanzen geschaffen hat, welche jeweils ein Geistwesen haben, dass sie vor einer
Ausbeutung durch den Menschen beschützt und mit dem Schamanen über Nutzungsrechte
verhandelt. Der Schöpfungsmythos bezieht sich nur auf ihr eigenes Stück Land, welches
einen klar begrenzten Raum darstellt. Reichel- Dolmatoff stellt fest, das der Sonnengott für
das männliche Prinzip steht und die Erde für das Weibliche.
Padre Sol
, die seminale Energie,
macht das Land und die Menschen fruchtbar und spendet Lebensenergie,
yuruparí
genannt.
1977 erschien einer seiner wichtigsten Aufsätze ,,Cosmology as ecologocal analysis: a view
from the rain forest"1 in seinem Hauptwerk ,,The forest within. The worldview of the Tukano
Amazonian Indians". Dieser Aufsatz war paradigmenbildend und schuf ein Umdenken in der
ethnologischen Forschung zu kosmologischen und ökologischen Systemen in Amazonien. Er
1 Reichel- Dolmatoff, Gerardo 1996: Cosmology as ecologocal analysis: a view from the rain forest. In: The
forest within. The worldview of the Tukano Amazonian Indians. Totnes (Themis Books)
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