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Das Schwedische Institut, ein Organ der auswärtigen Kulturpolitik Schwedens, und das Schwedenbild im Ausland

Magisterarbeit, 2008, 112 Seiten
Autor: Magister Artium Björn Kohlhepp
Fach: Skandinavistik

Details

Kategorie: Magisterarbeit
Jahr: 2008
Seiten: 112
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 111  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V123849
ISBN (E-Book): 978-3-640-28566-2
ISBN (Buch): 978-3-640-28617-1

Zusammenfassung / Abstract

Was soll die Arbeit alles leisten? Sie soll die Entstehung des Schwedischen Institutes im Jahre 1945 sowie deren Umstände nachzeichnen. Dabei spielen die Außenbeziehungen Schwedens, in erster Linie zu den Westmächten und zu Deutschland, eine entscheidende Rolle. Sie soll weiter die Entwicklung des Institutes und seine Tätigkeit bis zum heutigen Tage behandeln, um dann speziell auf dessen veränderte Rolle in den letzten zehn Jahren, nach seiner Umwandlung von einer davor relativ unabhängigen Stiftung in eine staatliche Einrichtung, einzugehen. Da das Institut heute mit der Vermarktung Schwedens durch die Förderung eines positiven Schwedenbildes im Ausland befasst ist, soll zum einen die dahingehende Arbeit des Institutes und zum anderen kurz gefasst auch die Entwicklung dieses Bildes dargestellt werden, um so sowohl diese neue Aufgabe als auch das gewünschte Bild erklärbar zu machen. Eine Rolle spielt immer die gesamte auswärtige Kulturpolitik Schwedens. Schließlich sollen kurz die Kulturinstitute anderer Länder und deren auswärtige Kulturpolitik allgemein vorgestellt werden, damit letztlich die Rolle des Institutes besser verständlich wird.


Textauszug (computergeneriert)

Das Schwedische Institut, ein Organ der auswärtigen

Kulturpolitik Schwedens,

und das Schwedenbild im Ausland

Magisterarbeit

im Studiengang

MAGISTER ARTIUM

der

Friedrich-Alexander-Universität

Erlangen-Nürnberg

in der Philosophischen Fakultät und Fachbereich Theologie

vorgelegt von

Björn M. A. Kohlhepp

Erlangen, im September 2008


Det finns t.ex. små länder som man aldrig hört talas om,

där dom inte vet ett dugg om vårt Sverige.

Es gibt z. B. kleine Länder, von denen noch nie jemand gehört hat, wo sie keinen

blassen Schimmer von unserem Schweden haben.

(Text einer Karikatur zum Thema ,,Wir müssen unsere Auslandspropaganda intensivieren" aus

dem Bericht des Schwedischen Institutes für das Jahr 1961/62)

2


Inhalt

Einleitung 6

Zielsetzung 6

Gliederung 6

Forschungsstand und Quellenlage 7

Zum Schwedischen Institut 7
Zu weiteren Themen 8

1 Auswärtige Kulturpolitik 9

1.1 Begriffliche Bestimmung 9

1.1.1 Der Kulturbegriff 9
1.1.2 Auswärtige Kulturpolitik 10

1.2 Die Auswärtige Kulturpolitik Schwedens 13

2 Die Entstehung des Schwedischen Institutes 15

2.1 Ziele 15

2.2 Schweden und das Ausland 1914 bis 1945 15

2.2.1 Der Erste Weltkrieg 15
2.2.2 Die Zwischenkriegszeit 16
2.2.3 Der Zweite Weltkrieg 17
2.2.4 Fazit 19

2.3 Von der Idee bis zur Gründung 20

2.4 Aufgabe 21

2.5 Schwedens auswärtige Kulturpolitik vor 1945 22

3 Das Schwedische Institut von 1945 bis heute 23

3.1 Organisation 23

3.1.1 Rechtsform, Zielsetzung und Finanzierung 23
3.1.2 Organisationsform 25
3.1.3 Standort 26
3.1.4 Personal 27
3.1.5 Finanzen 27
3.1.6 Geographische Schwerpunkte 30

3.2 Nachkriegshilfe 33

3.3 Allgemeine Auslandsinformation 34

3.3.1 Koordination und Zusammenarbeit 35
3.3.2 Publikationen 36
3.3.3 Filme 38
3.3.4 Ausstellungen 40
3.3.5 Dokumentationszentrum und Buchhandlung 41
3.3.6 Botschaftsservice 43

3.4 Kultur- und Erfahrungsaustausch 43

3.4.1 Gastdozentenaustausch 45
3.4.2 Studienbesuche 45
3.4.3 Stipendienaustausch 47

3


3.4.4 Kontaktvermittlung 49
3.4.5 Präsentation künstlerischer Tätigkeit 50
3.4.6 Kulturaustauschprogramme mit Osteuropa 53
3.4.7 Kurstätigkeit 55
3.4.8 Information über Studienmöglichkeiten in Schweden 56

3.5 Entwicklungszusammenarbeit und Sonderaufträge 57

3.5.1 Die Anfänge der Entwicklungszusammenarbeit 57
3.5.2 Stipendienprogramme 59
3.5.3 Expertenaustausch mit Entwicklungs- und Schwellenländern 60
3.5.4 Schwerpunktregion Mittel- und Osteuropa 61
3.5.5 Neue Programme 63

3.6 Schwedischunterricht im Ausland 63

3.6.1 Auslandslektorate 64
3.6.2 Gastdozenten- und Schriftstellerbesuche 66
3.6.3 Sommersprachkurse 66
3.6.4 Stipendien für Heimvolkshochschulen 67

3.7 Auslandsbüros 67

3.8 Skandinavische Zusammenarbeit 69

3.8.1 Auslandsinformation 70
3.8.2 Auslandslektorate 70

3.9 Fazit 71

4 Die Vermarktung Schwedens 72

4.1 Der Aufbau einer Ländermarke 72

4.1.1 Marketing 72
4.1.2 Der Markenbegriff 73

4.2 Die Bedeutung von Ländermarketing 73

4.3 Das Konzept der wettbewerbsfähigen Identität 74

4.4 Die Marke Schweden ­ das Schwedenbild 75

4.4.1 1936­1968 76
4.4.2 1968­1989 78
4.4.3 1990­1999 80
4.4.4 Nach 2000 81
4.4.5 Das aktuelle Schwedenbild 81
4.4.6 Exkurs: Das Schwedenbild der Deutschen 82

4.5 Die Rolle des Schwedischen Institutes 83

4.6 Das Schwedische Institut und das Schwedenbild 85

4.6.1 Analyse 85
4.6.2 Förderung 86

4.7 Fazit 90

5 Das Schwedische Institut im europäischen Vergleich 92

5.1 Deutschland 92

5.1.1 Auswärtige Kulturpolitik allgemein 92
5.1.2 Das Goethe-Institut 93

5.2 Großbritannien 93

4


5.2.1 Auswärtige Kulturpolitik allgemein 93
5.2.2 Der British Council 94

5.3 Frankreich 94

5.3.1 Auswärtige Kulturpolitik allgemein 94
5.3.2 Kulturinstitute 95

5.4 Dänemark 95

5.4.1 Auswärtige Kulturpolitik allgemein 95
5.4.2 Das Dänische Kulturinstitut 96

5.5 Österreich 96

5.5.1 Auswärtige Kulturpolitik allgemein 96
5.5.2 Kulturforen 97

5.6 Fazit 97

6 Resümee 99

Literaturverzeichnis 103

5


Einleitung

Zielsetzung

Die vorliegende Arbeit zur Erlangung des Grades eines Magisters Artium soll sich

mit dem Schwedischen Institut, dem wichtigsten Organ der schwedischen auswär-

tigen Kulturpolitik, beschäftigen. Dieses Thema liegt mir nicht zuletzt persönlich

nahe, da ich im Rahmen meines Studiums der Nordischen Philologie bereits etli-

che Male mittelbar oder unmittelbar mit dem Schwedischen Institut in Kontakt

gekommen bin, so beispielsweise als es mir ein Stipendium des Institutes im

Frühjahr 2007 ermöglichte, ein Semester an einer

folkhögskola

(Heimvolkshoch-

schule) in Schweden zu verbringen.

Aus einfachen Überlegungen, wie etwa welche Aufgaben genau in der Verant-

wortung des Schwedischen Institutes liegen, welche Zielsetzung es dabei verfolgt

oder seit wann es existiert, sowie Gedanken zum ­ zunächst vorwiegend deut-

schen ­ Schwedenbild entwickelte sich die Idee zu dieser Arbeit. Die ursprüng-

liche Vorstellung, dass das Institut schlichtweg das schwedische Pendant des

deutschen Goethe-Institutes sei, zeigte sich bei der Vertiefung in die Thematik als

so nicht haltbar. Auf diesen Vergleich soll jedoch nur kurz eingegangen werden,

im Mittelpunkt soll die Arbeit des Schwedischen Institutes stehen.

Ein Beweggrund für die recht ausführliche Behandlung des historischen As-

pektes ist, dass etwas tiefergehende Literatur über das Institut kaum vorhanden ist,

geschweige denn in einer anderen Sprache als Schwedisch. Zum anderen ist inte-

ressant, wie sich in den letzten Jahren langjährige Gemeinplätze zur Rechtsform

des Institutes und zu seiner Zielsetzung mehr oder weniger schlagartig als obsolet

erwiesen.

Was soll die Arbeit nun alles leisten? Sie soll die Entstehung des Schwedischen

Institutes im Jahre 1945 sowie deren Umstände nachzeichnen. Dabei spielen die

Außenbeziehungen Schwedens, in erster Linie zu den Westmächten und zu

Deutschland, eine entscheidende Rolle. Sie soll weiter die Entwicklung des Insti-

tutes und seine Tätigkeit bis zum heutigen Tage behandeln, um dann speziell auf

dessen veränderte Rolle in den letzten zehn Jahren, nach seiner Umwandlung von

einer davor relativ unabhängigen Stiftung in eine staatliche Einrichtung, einzuge-

hen. Da das Institut heute mit der Vermarktung Schwedens durch die Förderung

eines positiven Schwedenbildes im Ausland befasst ist, soll zum einen die dahin-

gehende Arbeit des Institutes und zum anderen kurz gefasst auch die Entwicklung

dieses Bildes dargestellt werden, um so sowohl diese neue Aufgabe als auch das

gewünschte Bild erklärbar zu machen. Schließlich sollen kurz die Kulturinstitute

anderer Länder und deren auswärtige Kulturpolitik allgemein vorgestellt werden,

damit letztlich die Rolle des Institutes besser verständlich wird.

Gliederung

Zunächst wird auf die Begrifflichkeit ,,auswärtige Kulturpolitik" eingegangen und

der für die Tätigkeit des Schwedischen Institutes bzw. für auswärtige Kulturpoli-

tik allgemein maßgebliche Kulturbegriff herausgearbeitet.

6


Im zweiten Kapitel wendet sich die Arbeit der Entstehungsgeschichte des

Institutes zu und beleuchtet den historischen Kontext, d. h. die entscheidenden

schwedischen Außenbeziehungen vom Beginn des Ersten bis zum Ende des Zwei-

ten Weltkrieges.

Kapitel drei hat sodann in groben Zügen, aber mit dem Anspruch, die wichtigs-

ten Aspekte abzudecken, die Geschichte des Schwedischen Institutes von seiner

Gründung bis zum heutigen Tage zum Thema. Das Kapitel gliedert sich ­ abgese-

hen von organisatorischen Entwicklungen ­ in der Hauptsache nach den verschie-

denen Tätigkeitsbereichen.

Danach soll die Vermarktung Schwedens und das Wirken des Schwedischen

Institutes für ein angestrebtes Schwedenbild im Ausland untersucht werden. Zu

Beginn des Kapitels soll auf die allgemeine Bedeutung einer solchen Vermark-

tung sowie in dessen weiteren Verlauf eben auf die Entwicklung des Schweden-

bildes und dessen Einflussfaktoren eingegangen werden.

Das nächste Kapitel soll dann den Vergleich zu ausgewählten europäischen

Ländern ­ zu Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Österreich

­ bzw. deren Kulturinstitute ziehen.

Abschließend sollen in einem kurzen Resümee die in dieser Arbeit gewonnen-

en Erkenntnisse zusammengefasst werden.

Forschungsstand und Quellenlage

Zum Schwedischen Institut

Der Forschungsstand zum Thema Schwedisches Institut ist als recht dürftig zu be-

zeichnen. Es existieren lediglich zwei Werke, die sich in der Hauptsache mit dem

Institut befassen.

Das lange Jahre einzige war eine von GUNNAR HELÉN geleitete, 1967 vollende-

te staatliche Untersuchung,1 die aber nur sehr grob Entstehung und Geschichte des

Institutes nachzeichnet und ansonsten das Zusammenspiel mit anderen schwedi-

schen Informationsorganen zum Gegenstand hat.

Das zweite ist die zum 50-jährigen Jubiläum des Institutes erschienene Schrift

Upplysningsvis. Svenska institutet 1945­1995

von PER-AXEL HILDEMAN, einem

ehemaligen Direktor des Institutes. Dieses ist zwar nicht sonderlich umfangreich,

behandelt aber dankenswerterweise doch ziemlich ausführlich die Entstehungsge-

schichte des Institutes und gibt einen breiten Einblick in dessen Entwicklung bis

1995. Das Werk erhebt jedoch nicht den Anspruch, die Geschichte des Institutes

zu schreiben, wie es im Vorwort heißt, und geht in lockerem Ton vor allem auf

interessante Begebenheiten und Umstände ein.

Darüber hinaus wird es hinsichtlich Literatur zum Institut sehr knapp. In der

Anfangszeit des Institutes wurden von zwei weiteren ehemaligen Direktoren des

Institutes ­ TORE TALLROTH2 und GUNNAR HECKSCHER3 ­ zwei kurze Aufsätze

1 HELÉN, GUNNAR / ALEMYR, STIG u. a.: Svenska Institutet som organ för utlandsinformation och

internationellt utbyte (Statens offentliga utredningar 1967:56). Stockholm 1967.

2 TALLROTH, TORE: Svenska Institutet och svensk upplysningsverksamhet i utlandet. In:

NAUCKHOFF, SIGURD u. a.: Harald Nordenson. En samling uppsatser tillägnade Harald

Nordenson på 60-årsdagen den 10.8.1946. Stockholm 1946, S. 368­378.

7


über dessen Tätigkeit verfasst, die mir vorlagen. Als Literaturgrundlage dienten

daneben weitere vom schwedischen Staat in Auftrag gegebene Untersuchungen,

die meist die Aufgabenverteilung zwischen den einzelnen Organen der auswär-

tigen Kulturpolitik Schwedens beleuchteten und dabei natürlicherweise auch auf

die Geschichte, aber vor allem auf die jeweils aktuelle Tätigkeit des Institutes ein-

gingen. Zu nennen wären in erster Linie die Studien von ARVIDSSON / AHLANDER

19784, von LÖFDAHL / JONSSON 19885 und von FAXÉN 19936.

Dieser mäßige Forschungsstand machte eine eingehende Beschäftigung mit

den zur Verfügung stehenden Quellen notwendig. Dies sind zum einen und vor-

wiegend die Jahresberichte des Schwedischen Institutes, wobei die älteren in ihrer

Gesamtheit nur im schwedischen Reichsarchiv (

Riksarkivet

) in Stockholm zu-

gänglich sind. Eine weitere Quelle stellen die sogenannten Weisungsbriefe (

regle-
ringsbrev

) dar, die das Institut einmal jährlich vom Außenministerium erhält, und

worin ­ zumindest was die Briefe in jüngerer Zeit anbelangt ­ Ziele, Tätigkeitsfel-

der und Pflichten sowie das jeweilige Budget des Institutes festgelegt sind. Für

neuere Aspekte dienten etwa der Internetauftritt und diverse Veröffentlichungen

des Institutes sowie persönliche Auskünfte als weitere Quellen.

Zu weiteren Themen

Das Thema Schwedenbild im Ausland ist insgesamt als sehr gut erforscht zu be-

zeichnen. Die bislang größte Studie hierzu aus dem Jahre 20057 diente als Haupt-

quelle für diesbezügliche Ausführungen. Ein Schwachpunkt dieser Studie ist je-

doch, dass Ausführungen zum Schwedenbild in der Vergangenheit hauptsächlich

auf Auswertungen von ausländischen Medien über deren Schwedenberichterstat-

tung, die zwar sicherlich zur Bildung oder Bestätigung eines Schwedenbildes bei-

trug, die aber wohl kaum das gesamte komplexe Bild widerspiegelt, fußen.

Bei Arbeiten zum deutschen Schwedenbild, das hier nur kurz angerissen und

hauptsächlich historisch behandelt wird, kommt man um Veröffentlichungen von

BERND HENNINGSEN nicht herum. Diese beziehen sich jedoch häufig auf Skandi-

navien als Gesamtheit.

Die auswärtige Kulturpolitik anderer Länder findet sich relativ gut dokumen-

tiert, mit Überblickinformationen und Links, auf der Internetseite des

Institutes für
Auslandsbeziehungen

, www.ifa.de. Als hilfreich für dieses Thema erwies sich

auch das Werk

Nationalkultur oder europäische Werte? Britische, deutsche und
französische Auswärtige Kulturpolitik zwischen 1989 und 2003

von JULIA SAT-

TLER, in dem die Autorin eben die auswärtige Kulturpolitik Deutschlands, Frank-

reichs und Großbritanniens in diesem Zeitraum gegenüberstellt.

3 HECKSCHER, GUNNAR: Svenska Institutet. In: Industria 46(1950) H. 13, S. 33­36.

4 ARVIDSSON, INGRID / AHLANDER, DAG SEBASTIAN: Kultur och information över gränserna

(Statens offentliga utredningar 1978:56). Stockholm 1978.

5 LÖFDAHL, GÖRAN / JONSSON, ANITA u. a.: Sverigeinformation och kultursamarbete (Statens

offentliga utredningar 1988:9). Stockholm 1988.

6 FAXÉN, MAGNUS: Svenska Bilder. Översyn av Sverigeinformationen (Ds 1993:72).

Stockholm 1993.

7 LUNDBERG, LARS-OLOF: Bilder av Sverige i utlandet. En studie av förändringar, nuläge och

mätmetoder. Stockholm 2005.

8


1 Auswärtige Kulturpolitik

1.1 Begriffliche Bestimmung

1.1.1 Der Kulturbegriff

Es stellt sich zu Beginn die Frage, was Kultur eigentlich ist oder vielmehr was im

Rahmen dieser Arbeit und im Hinblick auf auswärtige Kulturpolitik darunter zu

verstehen ist. BUSCHE stellt fest, dass ,,[d]er Begriff Kultur [...] für seine Unklar-

heit berüchtigt" ist.8 Wo Unklarheit herrscht, gibt es selbstredend viele Auslegun-

gen eines Begriffes. So unternehmen beispielsweise KROEBER / KLUCKHOHN eine

Analyse von 164 von 1870 bis 1950 verwendeten Kulturbegriffen und versuchen

sich schließlich an einer allen Definitionen gerecht werdenden eigenen Begriffs-

bestimmung:

Culture consists of patterns, explicit and implicit, of and for behavior

acquired and transmitted by symbols, constituting the distinctive achievement

of human groups, including their embodiments in artifacts; the essential core

of culture consists of traditional (i. e., historically derived and selected) ideas

and especially their attached values; culture systems may, on the one hand, be

considered as products of action, on the other as conditioning elements of

further action.9

Das Ergebnis dieses Versuches musste selbstverständlich ein sehr weit gefasstes

Verständnis von Kultur sein. Ein derart umfangreiches ­ und für die Belange die-

ser Arbeit maßgebliches ­ Verständnis findet sich auch in der 1982 formulierten

und mehrmals bestätigten eingängigen Begriffsbestimmung der UNESCO:

Kultur [sollte] als Gesamtheit der unverwechselbaren geistigen, materiellen,

intellektuellen und emotionalen Eigenschaften angesehen werden [...], die

eine Gesellschaft oder eine soziale Gruppe kennzeichnen, und [...] sie

[umfasst] über Kunst und Literatur hinaus auch Lebensformen, Formen des

Zusammenlebens, Wertesysteme, Traditionen und Überzeugungen [...].10

NILSSON spricht in Bezug auf ein solches Kulturverständnis von Kultur als ,,As-

pekt" ­ im Gegensatz zu Kultur als ,,Sektor", als welcher der Begriff lediglich die

künstlerischen Ausdrucksformen und die Institutionen, Organisationen und Perso-

nen, die sich dadurch ausdrücken, umfasse.11

In der Literatur zu auswärtiger Kulturpolitik oder zu Kulturinstituten wird der

Kulturbegriff oftmals nur auf ,,Werke, Manifestationen, Hervorbringungen geis-

tiger, musischer, künstlerischer Natur",12 beschränkt, was jedoch weder auswär-

8 Vgl. BUSCHE, HUBERTUS: Was ist Kultur? Erster Teil: Die vier historischen Grundbedeutungen.

In: Dialektik. Zeitschrift für Kulturphilosophie. H. 1, 2000, S. 69.

9 KROEBER, ALFRED L. / KLUCKHOHN, CLYDE: Culture. A Critical Review of Concepts and

Definitions. 2. Auflage. New York 1967, S. 357.

10 DEUTSCHE UNESCO-KOMMISSION (DUK): Allgemeine Erklärung zur kulturellen Vielfalt. Auf:

Internetseite der DUK. URL: http://www.unesco.de/443.html?&L=0 [08.07.2002 / 25.08.2008].

11 Vgl. NILSSON, SVEN: Kulturens vägar. Kultur och kulturpolitik i Sverige. Malmö 1999, S. 10.

12 ARNOLD, HANS: Auswärtige Kulturpolitik. Ein Überblick aus deutscher Sicht. München / Wien

1980, S. 9.

9


tiger Kulturpolitik insgesamt noch der Tätigkeit der mit ihr befassten Institutionen

gerecht wird, wobei es freilich auch solche Organe auswärtiger Kulturpolitik gibt,

deren Arbeit sich auf Kultur in diesem Verständnis beschränkt. Wie sich bei

einem Blick auf die Internetseite oder in einen Jahresbericht beispielsweise eben

des Schwedischen Institutes zeigt, umfasst dessen Kulturverständnis sowohl ­

oder vor allem ­ Kultur als Aspekt mit allen seinen Sphären als auch Kultur als

Sektor.

Während Kulturpolitik innerhalb der Grenzen eines Landes oft ­ um bei obiger

Unterscheidung zu bleiben ­ Kultur als Sektor meint,13 ist auswärtige Kulturpoli-

tik eben mit Kultur als Aspekt befasst. Es kommt also hier ein ,,erweiterter" oder

,,umfassender" Kulturbegriff zum Tragen.14

1.1.2 Auswärtige Kulturpolitik

Der Begriff ,,auswärtige Kulturpolitik" wurde vermutlich zum ersten Mal im Jahre

1912 vom Historiker Karl Lamprecht verwendet.15 Was darunter zu verstehen ist,

dazu schreibt ARNOLD:

Mit dem Begriff

auswärtige Kulturpolitik

ist die Einbeziehung der

internationalen Kulturbeziehungen in die Außenpolitik bzw. eine

international ausgerichtete Kulturpolitik im Interesse der Außenbeziehungen

eines Staates gemeint. In der außenpolitischen Praxis verwirklicht sich eine

solche Politik in erster Linie in der Förderung internationaler

Kulturbeziehungen durch den Staat.16

Auswärtige Kulturpolitik ist also ein Teil der Außenpolitik, wenn ihr auch interna-

tional und über die Zeit unterschiedliche Bedeutung beigemessen wurde und wird.

Denn ,,kulturelle Kontakte und Wechselwirkungen zwischen Völkern [haben

zwar] schon immer bestanden", eine ,,bewußte Einbeziehung von kulturellen Be-

ziehungen in die Außenpolitik der Staaten" aber begann erst im 19. Jahrhundert.

Damals wurden diese in erster Linie ,,als Mittel zur Unterstützung nationaler Inte-

resse [sic!] im Zeichen des Kolonialismus und Imperialismus eingesetzt."17

So verwundert es nicht, dass es bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges fast

ausschließlich ,,die größeren Staaten Europas [waren], die aus außenpolitischen

Motiven internationale Kulturbeziehungen förderten." Auswärtige Kulturpolitik

lief damals vor allen Dingen auf ,,Kulturwerbung bzw. -propaganda" hinaus, die

13 Vgl. z. B. SCHWEDISCHER KULTURRAT: Cultural Policy. A Review of State Cultural Policies and

Practices. Stockholm 1990, S. 12 zur staatlichen Kulturpolitik Schwedens.

14 Vgl. TROMMER, SIEGFRIED J.: Die Mittlerorganisationen der auswärtigen Kulturpolitik.

Tübingen 1984, S. 3­6.

TROMMER stellt diesem erweiterten den engeren Kulturbegriff gegenüber, der Kultur als etwas

,,Feierlich-Exklusives", etwas Elitäres versteht, was offenbar dem Kulturverständnis in der

deutschen auswärtigen Kulturpolitik bis 1970 entsprach. Vgl. ebd., S. 2­5.

15 Vgl. ARNOLD 1980, S. 12.

Häufig findet sich in der Literatur auch die Schreibweise ,,Auswärtige Kulturpolitik".

16 Ebd., S. 9.

17 MERKEL, STEPHANIE: Interkulturelle Zusammenarbeit. Das Goethe-Institut als Mittlerorganisa-

tion in der auswärtigen Kulturpolitik der Bundesrepublik Deutschland. In: Lernen in Deutsch-

land 12(1992) H. 2, S. 107.

10



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