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Die Symbolik in Theodor Storms "Die Regentrude"

Scholary Paper (Seminar), 2006, 20 Pages
Author: Magister Artium Björn Kohlhepp
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2006
Pages: 20
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 17  Entries
Language: German
Archive No.: V123856
ISBN (E-book): 978-3-640-28181-7
ISBN (Book): 978-3-640-28465-8

Abstract

Ziel dieser Arbeit ist das Interpretieren der wichtigsten Symbolik in Theodor Storms Märchen "Die Regentrude". Zunächst wird jedoch kurz erörtert, inwieweit Storm mit diesem Werk in der Tradition der Märchen der Romantik steht.


Excerpt (computer-generated)

Die Symbolik in Theodor Storms Die Regentrude


2

Inhaltsverzeichnis

1.

ZIEL DIESER ARBEIT 3

2.

DIE REGENTRUDE

IN DER TRADITION DES ROMANTISCHEN MÄRCHENS 3

3.

DIE SYMBOLIK IN DIE REGENTRUDE 5

3.1

DIE BEGRIFFE ,SYMBOL′ UND ,SYMBOLIK′ 5

3.2

DIE SYMBOLIK 6

3.2.1

Die Hauptvertreter des männlichen Prinzips 6

3.2.2

Die Hauptvertreter des weiblichen Prinzips 7

3.2.3

Die Dominanz des männlichen Prinzips 9

3.2.4

Die Mittlerfunktion von Maren und Andrees 10

3.2.5

Der phantastische Teil 11

3.2.6

Die Hochzeit 14

3.2.7

Weitere Textstellen 15

4.

DER VORAUSWEISENDE CHARAKTER VON DIE REGENTRUDE 16


3

1. Ziel dieser Arbeit

Ziel dieser Arbeit ist das Interpretieren der wichtigsten Symbolik in Theodor Storms

Märchen

Die Regentrude

. Zunächst wird jedoch kurz erörtert, inwieweit Storm mit

diesem Werk in der Tradition der Märchen der Romantik steht.

2. Die Regentrude in der Tradition des romantischen Märchens

In einem Brief an seine Eltern am 29.12.18631 erklärt Storm, warum er sich in der Zeit

um Weihnachten 1863 veranlasst sieht, sich der Gattung des Märchens zu bedienen: von

einer Flucht ,,ins äußerste Reich der Phantasie" aufgrund eines ,,unabweislichen

Drang(es) zur Märchendichtung [...] zur Erholung der unerbittlichen Wirklichkeit"

wegen der ,,schleswig-holstein. Verhältnisse", also des damals herrschenden zweiten

deutsch-dänischen Krieges, ist darin die Rede. Dass aber dieses Hinwenden zu einer in

der Epoche des Realismus als trivial betrachteten, ja sogar verachteten Gattung2 nicht

einfach mir nichts, dir nichts kam, zeigt ein Brief vom 18.01.18643, in dem Storm an

Hartmuth Brinkmann schreibt, dass er sich seit bereits zwanzig Jahren gewünscht habe,

Märchen schreiben zu können. Märchen scheinen also auf ihn aus irgendeinem Grund

eine besondere Faszination ausgeübt zu haben. Offenbar spielten Märchen in seiner

Kindheit, die in die Zeit der Romantik fällt, für ihn eine sehr wichtige Rolle.4 Da ist es

natürlich nicht verwunderlich, dass er mit seinen eigenen Märchen an romantisch-

phantastische anknüpft und in einer gewissen Tradition dieser Literaturform steht. Diese

Erkenntnis unterstreichen beispielsweise Mayer & Tismar, die behaupten, dass sich

Storm mit seinen Märchendichtungen unter den Autoren des Bürgerlichen Realismus

am deutlichsten an romantischen Vorbildern orientiere.5

Wenn man sich nun speziell

Die Regentrude

anschaut, stellt sich die Frage, inwiefern

dieses Werk Storms Merkmale aufweist, die für einen Bezug auf romantische Kunst-

und Volksmärchen sprechen. Das zentrale Motiv in der Regentrude ist die

1 Vgl. Goldammer, P. (Hg.):

Theodor Storm. Sämtliche Werke in vier Bänden

. Bd. 1 Berlin 1978, S. 766

2 Vgl. Scherer, G.:

Theodor Storm. ,,Die Regentrude"

. In: Rolf Tarot (Hg.): Kunstmärchen. Erzählmög-

lichkeiten von Wieland bis Döblin. Berlin 1993, S. 218

3 Vgl. Goldammer, P. (Hg.):

Theodor Storm. Briefe

. Bd. 2 Berlin 1972, S. 438

4 Vgl. Roebling, I.:

Prinzip Heimat ­ eine regressive Utopie? Zur Interpretation von Theodor Storms
,,Regentrude"

. In: Schriften der Theodor-Storm-Gesellschaft 34 (1985), S. 55

5 Vgl. Mayer, M. & Tismar, J.:

Kunstmärchen

. 4. Auflage. Stuttgart 2003, S. 121


4

Gegenüberstellung gegensätzlicher Prinzipien, mithin die ,,vollständig gespaltene

Welt". Diese Spaltung wird am Ende jedoch überwunden und das Märchen gipfelt ,,in

einer phantastischen, prächtigen Vereinigung und Aufhebung aller Gegensätze".6 Hier

ergibt sich bereits eine Beziehung, wenn man berücksichtigt, was Mayer & Tismar über

das zentrale Thema romantischer Kunstmärchen schreiben:

Das zentrale Thema vieler romantischer Kunstmärchen ist der Versuch, nichtent-

fremdete Weltverhältnisse [...] mit einer durch die Reflexion hindurch wiederer-

langten Unschuld zu imaginieren und die Entzweiung der Welt als wenigstens

partiell aufhebbar vorzustellen, ohne zu vergessen, daß diese Vorstellung Literatur

ist.7

Darüber hinaus lassen sich natürlich direkte intertextuelle Bezüge der Regentrude zu

bestimmten Märchen der Romantik feststellen. Dies betrifft sowohl Kunst- als auch

Volksmärchen. Beispielhaft sei hier neben der auffälligen Ähnlichkeit des Feuermannes

Eckeneckepenn mit dem Rumpelstilzchen die Verwandtschaft zu dem in die Sammlung

der Gebrüder Grimm aufgenommenen Volksmärchen

Frau Holle

und dem von E.T.A.

Hoffmann verfassten Kunstmärchen

Der goldne Topf

genannt.

So sorgt Frau Holle durch das Aufschütteln der Betten für den Schneefall in der Welt

wie die Regentrude für den Regen. Beide Frauen ähneln einer Muttergottheit. Frau

Holle erinnert an die Göttin ,,Freia, [...] die als Frau Hulda über den Segen der Fluren

wacht und in deren Reichen der Baum steht, der Silber und Gold abwirft, wenn man ihn

schüttelt"8. Die Regentrude erinnert wahlweise an die Erdgöttin und Urmutter Nerthus

beziehungsweise Nehalennia9 oder bei Tax10, der die Regentrude auch gleich mit Frau

Holle vergleicht, ebenfalls an Freia und an ,,klassische Göttinnen wie Demeter oder

Ceres". Beide sind von der Welt aus durch einen geheimen Zugang in ihrem Unterwelt-

Reich zu erreichen. Der Übergang von der oberen zur unteren Welt scheint bei der

Rückkehr der Protagonisten in beiden Märchen mehr oder weniger schwellenlos.

Außerdem spielt in beiden Märchen der Brunnen eine zentrale Rolle. Interessant ist

auch die Etymologie des Wortes ,,Holle", das offensichtlich von ,,Höhle" abgeleitet ist

6 Vgl. Bendel, S.:

Hochzeit der Gegensätze oder die Suche nach dem Weiblichen? Wasser- und Feuer-
imaginationen in Theodor Storms ,,Regentrude"

. In: Schriften der Theodor-Storm-Gesellschaft 50

(2001), S. 70-71

7 Mayer & Tismar, S. 55

8 Lenz, F.:

Bildsprache der Märchen

. 4. Auflage. Stuttgart 1980, S. 209

9 Vgl. Freund, W.:

Rückkehr zum Mythos. Mythisches und symbolisches Erzählen in Theodor Storms
Märchen ,,Die Regentrude"

. In: Schriften der Theodor-Storm-Gesellschaft 35 (1986), S. 41

10 Vgl. Tax, P. W.:

Storms ,,Regentrude" ­ auch eine nachdenkliche Geschichte

. In: Modern Language

Notes 97 (1982), S. 628


5

und sich eigentlich auf das Reich der Frau Holle bezieht11. Dies lässt einen an den

seltsamen Raum, den die Regentrude gemeinsam mit Maren betritt, denken. Und

schließlich ist noch erwähnenswert, dass Frau Holle als ,,Begründerin des Spinnens"12

gilt und Mutter Stine in der Regentrude mit eben einem Spinnrad zugange ist.

Mit

Der goldne Topf

hat

Die Regentrude

vornehmlich den Gegensatz zwischen dem

Glauben an das Irreale und dem bürgerlichen Rationalismus, der alles Wunderbare als

Humbug abtut, gemein. Prägnant ist bei beiden die starke Verwobenheit zwischen der

Ebene des Realen und der des Irrealen, die bei Hoffmann vom gralshaften goldenen

Topf sowie dem Garten-Eden-Atlantis-Reich des Salamanders gekrönt wird. Schließlich

kann noch angeführt werden, dass in den zwei Märchen die sich feindlich gegenüber

stehenden mythischen Hauptfiguren auf der einen Seite weiblichen und auf der anderen

Seite männlichen Geschlechts sind.

3. Die Symbolik in Die Regentrude

In Storms Kunstmärchen

Die Regentrude

fällt dem aufmerksamen Leser die sehr hohe

Dichte der Symbolik auf. Im Weiteren soll deshalb untersucht werden, welche

konkreten Symbole Storm in der Regentrude verwendet.

3.1 Die Begriffe Symbol und Symbolik

An dieser Stelle soll zunächst einmal geklärt werden, was unter den Begriffen Symbolik

und Symbol überhaupt zu verstehen ist. Im hier relevanten ,,übertragenen (metaphor.)

Sinne" steht Symbol

... für ein bildhaftes Zeichen, das über sich hinaus auf höhere geist.

Zusammenhänge weist, für die Veranschaulichung eines Begriffes, als sinnl.

Zeugnis für Ideenhaftes. [...] Das S. [...] ist ein Sinn-Bild, bei dem die Relation

zwischen Sinn und Bild, zwischen dem Geistigen und der Anschauung offen-

kundig ist. [...] neben symbol. Zeichen finden sich auch symbol. Handlungen ...13

Unter Symbolik in dem Zusammenhang hier ist die ,,Verwendung von Symbolen in

Werken der Literatur"14 zu verstehen.

11 Vgl. Lenz, S. 209

12 Vgl. ebd.

13 Schweikle, G.:

Symbol

. In: Schweikle, G. & Schweikle, I. (Hgs.): Metzler-Literatur-Lexikon. Begriffe

und Definitionen. 2., überarb. Aufl. Stuttgart 1990, S. 450-451

14 Schweikle, G.:

Symbolik

. In: ebd., S. 451



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