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Zum Wesentlichen fremdsprachlicher Rezeption

Subtitle: O istocie recepcji obcojezycznej

Thesis (M.A.), 2008, 77 Pages
Author: Lukasz Tyczkowski
Subject: German Studies - Miscellaneous

Details

Category: Thesis (M.A.)
Year: 2008
Pages: 77
Grade: 1
Bibliography: ~ 70  Entries
Language: German
Archive No.: V123912
ISBN (E-book): 978-3-640-29580-7
ISBN (Book): 978-3-640-30169-0

Abstract

In der vorliegenden Arbeit beschäftigen wir uns mit dem Problem der Schulung und des Erlernens der rezeptiven Fertigkeiten. Wir listen einige Übungen zum Erlernen von Hör- sowie Lesefertigkeit auf. Davor aber werden wir uns im ersten Kapitel mit dem Phänomen der fremdsprachlichen Rezeption aus kommunikativer Sicht auseinandersetzen, wobei wir die Rolle des Senders und die Aufgaben des Empfängers näher beleuchten. Dazu benutzen wir das Vier-Seiten-Modell von Schulz von Thun und die Axiome von Watzlawick. Wir listen auch die Arten der fremdsprachlichen Rezeption auf und teilen sie in auditive und optische Rezeption. Es wird dabei noch der akustisch-auditive und der optisch-visuelle Übertragungskanal der fremdsprachlichen Substanz untersucht. Das zweite Kapitel widmen wir der Rezeption im Fremdsprachenunterricht und untersuchen die Rolle des Lehrers als des Senders des fremdsprachlichen Stoffes, wie auch die Aufgaben des Schülers als des Empfängers diesen Stoffes. Bei der Lehrerrolle nennen wir methodische Hinweise, die er beim Einsatz neuen Materials zu berücksichtigen hat. Es werden Didaktisierungsvorschläge und Motivierungstechniken angegeben und die Vorgehensweise bei der Fehlerkorrektur dargestellt. Dabei definieren wir den Begriff „Fehler“ und nennen Unterrichtsphasen, in denen korrigiert wird. Was die Aufgaben der Schüler anbelangt, betrachten wir sie aus rein kommunikativer Sicht und untersuchen die Prozesse der Dekodierung, Verarbeitung, Speicherung und Kodierung der Fremdsprache. In diesem Abschnitt vermögen wir zu erörtern, was „ganzheitliches Lernen“ bedeutet und wie der fremdsprachliche Speicher-Mechanismus funktioniert. Dabei nennen wir auch drei Gedächtnistypen und legen den fremdsprachlichen Kodierungsvorgang dar. Den letzten Teil der Ausführungen widmen wir der praktischen Seite und stellen einige Übungsbeispiele zur fremdsprachlichen Rezeption, wie auch zur Produktion, dar. Es werden Beispiele von Übungen zum Hör- sowie Leseverstehen angegeben, wonach zur Produktion übergegangen wird. Hier nennen wir Übungsmöglichkeiten zum Sprechen sowie zum Schreiben und skizzieren die beiden Fertigkeiten als individuelle wie auch kommunikative Aufgabe des Schülers.


Excerpt (computer-generated)

UNIVERSITÄT DANZIG

Philologisch-Historische Fakultät

Institut für Germanische Philologie

Lukasz Tyczkowski

Studienrichtung: Philologie

Zum Wesentlichen fremdsprachlicher Rezeption





Magisterarbeit verfasst

am Lehrstuhl für Theorie der fremdsprachlichen Kommunikation

DANZIG 2008

UNIWERSYTET GDASKI

Wydzial Filologiczno-Historyczny

Instytut Filologii Germaskiej


O istocie recepcji obcoj

zycznej





Praca magisterska napisana

w Zakladzie Teorii Komunikacji Obcojzycznej

GDASK 2008


Zum Wesentlichen fremdsprachlicher Rezeption

- 3 -

___________________________________________________________________________

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

4

1. Fremdsprachliche Rezeption und ihre Arten

6

1.1. Rezeption in der fremdsprachlichen Kommunikation 7

1.1.1. Zur Rolle des Senders 11

1.1.2. Zu den Aufgaben des Empfängers 15

1.2. Arten der fremdsprachlichen Rezeption 17

1.2.1. Auditive Rezeption 19

1.2.2. Optische Rezeption

22

2. Grundlagen der Rezeption im Fremdsprachenunterricht

26

2.1. Zur Rolle des Lehrers 27

2.1.1. Vorbereitung und Darbietung des fremdsprachlichen Stoffes 29

2.1.2. Motivierung und Steuerung der Schüler 30

2.1.3. Kontrolle und Überprüfung der Ergebnisse 34

2.2. Zu den Aufgaben des Schülers 36

2.2.1. Dekodierung des fremdsprachlichen Stoffes 38

2.2.2. Verarbeitung des Materials 40

2.2.3. Speicherung der fremdsprachlichen Informationen 41

2.2.4. Kodierung als Gebrauch des Gelernten 45

3. Die Strecke von der Rezeption bis zur Produktion

48

3.1. Versuch einer Typologie von rezeptiven Übungen 49

3.1.1. Übungen zum Hörverstehen 52

3.1.2. Übungen zum Leseverstehen 57

3.2. Aufgaben zur fremdsprachlichen Produktion 60

3.2.1. Sprechen als individuelle Aufgabe des Schülers 61

3.2.2. Schreiben als eine kommunikative und produktive Aufgabe 65

Zusammenfassung

68

Literaturverzeichnis

70


Zum Wesentlichen fremdsprachlicher Rezeption

- 4 -

___________________________________________________________________________

Einleitung

In der heutigen Welt werden den Menschen sehr viele Informationen geliefert.

Verschiedene Medien, wie Fernsehen oder Internet, aber auch Rundfunk oder

Zeitungen und Zeitschriften stellen uns eine unvorstellbare Menge von Nachrichten

zur Verfügung. Aus diesem Grund ist es von einer sehr großen Bedeutung, die

Aufnahme dieser Informationen zu lernen, besonders wenn sie in einer fremden

Sprache geliefert werden.

Den Fremdsprachenlernenden sollen vor allem rezeptive Fertigkeiten

beigebracht werden, damit sie imstande sind, mit der Aufnahme dieser

Informationsmenge zurechtzukommen. Das Ziel des Erlernens rezeptiver Fertigkeiten

besteht auch darin, den Lernenden zu helfen, eine Basis, eine Grundlage für den

Erwerb produktiver Fertigkeiten, wie Sprechen und Schreiben, zu bilden.

In der vorliegenden Arbeit beschäftigen wir und mit dem Problem der Schulung

und des Erlernens der rezeptiven Fertigkeiten. Wir listen einige Übungen zum Erlernen

von Hör- sowie Lesefertigkeit. Davor aber werden wir uns im ersten Kapitel mit dem

Phänomen

der

fremdsprachlichen

Rezeption

aus

kommunikativer

Sicht

auseinandersetzen, wobei wir die Rolle des Senders und die Aufgaben des Empfängers

näher beleuchten. Dazu benutzen wir das Vier-Seiten-Modell von Schulz von Thun

und die Axiome von Watzlawick. Wir listen auch die Arten der fremdsprachlichen

Rezeption auf und teilen sie in auditive und optische Rezeption. Es wird dabei noch

der

akustisch-auditive

und

der

optisch-visuelle

Übertragungskanal

der

fremdsprachlichen Substanz untersucht.

Das zweite Kapitel widmen wir der Rezeption im Fremdsprachenunterricht und

untersuchen die Rolle des Lehrers als des Senders des fremdsprachlichen Stoffes, wie

auch die Aufgaben des Schülers als des Empfängers diesen Stoffes. Bei der Lehrerrolle

nennen wir methodische Hinweise, die er beim Einsatz neuen Materials zu

berücksichtigen hat. Es werden Didaktisierungsvorschläge und Motivierungstechniken

angegeben und die Vorgehensweise bei der Fehlerkorrektur dargestellt. Dabei

definieren wir den Begriff ,,Fehler" und nennen Unterrichtsphasen, in denen korrigiert

wird. Was die Aufgaben der Schüler anbelangt, betrachten wir sie aus rein


Zum Wesentlichen fremdsprachlicher Rezeption

- 5 -

___________________________________________________________________________

kommunikativer Sicht und untersuchen die Prozesse der Dekodierung, Verarbeitung,

Speicherung und Kodierung der Fremdsprache. In diesem Abschnitt vermögen wir zu

erörtern, was ,,ganzheitliches Lernen" bedeutet und wie der fremdsprachliche

Speicher-Mechanismus funktioniert. Dabei nennen wir auch drei Gedächtnistypen und

legen den fremdsprachlichen Kodierungsvorgang dar.

Den letzten Teil der Ausführungen widmen wir der praktischen Seite und

stellen einige Übungsbeispiele zur fremdsprachlichen Rezeption, wie auch zur

Produktion, dar. Es werden Beispiele von Übungen zum Hör- sowie Leseverstehen

angegeben, wonach zur Produktion übergegangen wird. Hier nennen wir

Übungsmöglichkeiten zum Sprechen sowie zum Schreiben und skizzieren die beiden

Fertigkeiten als individuelle wie auch kommunikative Aufgabe des Schülers.


Zum Wesentlichen fremdsprachlicher Rezeption

- 6 -

___________________________________________________________________________

1. Fremdsprachliche Rezeption und ihre Arten


Die Termini

Rezeption

und

rezipieren

stammen vom lateinischen Wort

recipere

,

was

aufnehmen, empfangen

bedeutet1. Der Begriff der fremdsprachlichen Rezeption

geht eng mit dem der fremdsprachlichen Kommunikation einher. Anhand der

Kommunikationstheorie von Watzlawick (1967:53 ff.) können wir feststellen, dass die

Kommunikation ohne Rezeption nicht existiert, weil wir nicht kommunizieren können

ohne zu produzieren und zu rezipieren. Die Botschaften, die der Sender (der

Produzent) kodiert und sendet, werden von dem Empfänger (dem Rezipienten)

wahrgenommen und dekodiert. Die Prozesse, die dabei Verlauf nehmen, werden wir

ferner erklären und genauer erörtern.

Rezeption spielt beim Fremdsprachenlernen eine sehr wichtige Rolle. Im

Fremdsprachenunterricht haben wir sowohl mit dem Sender (Lehrer), als auch mit dem

Empfänger (Schüler) zu tun. Wer spricht oder schreibt, ist Sender, und wer das

Gesprochene und/oder das Geschriebene wahrnimmt, ist Empfänger. Die

Kommunikationsprozesse, die im Unterricht ablaufen, sind beim Fremdsprachenlernen

unentbehrlich, weil die meisten Lernenden den einzigen Kontakt mit der neuen

Sprache nur durch die vier Fertigkeiten haben. Diese Fertigkeiten, einer gewissen

Reihe nach angeeignet und geübt, ermöglichen den Schülern einen immer leichter und

spontaner werdenden Sprachgebrauch auf verschiedenen Ebenen.

Heutzutage konzentrieren sich die Lehrwerke und die Pädagogen darauf, dass

der Fremdsprachenunterricht kommunikativ wird. Die Lehrer versuchen den Unterricht

so zu gestalten, dass die Lernenden motiviert sind und die Fremdsprache erlernen

wollen. Es werden die für die Schüler relevanten Themen behandelt, sinnvolle und

realistische Aufgaben gestellt, die bei ihnen das Selbstvertrauen wecken (Sheils

1994:1). In dem schulischen Alltag werden alle vier Fertigkeiten geübt, aber den

Vorrang haben die rezeptiven, und aus einem ganz einfachen Grund. Wenn wir eine

Sprache nicht verstehen, dann können wir sie auch nicht sprechen oder schreiben

(Solmecke 1997:30). Heyds Untersuchungen (1990:108) haben bewiesen, dass die

rezeptiven Fertigkeiten von größerer Bedeutung sind. Ihrer Auffassung nach stehen die

1 Duden - Deutsches Universalwörterbuch, 5. Aufl. Mannheim 2003, Bayern [CD-ROM].


Zum Wesentlichen fremdsprachlicher Rezeption

- 7 -

___________________________________________________________________________

rezeptiven zu den produktiven Sprachtätigkeiten im Verhältnis 5:2. Mit so einer

Situation haben wir zu tun, weil die Lernenden, oder mindestens deren Mehrzahl, in

außerschulischen Kontakten mit den Ausländern vor allem als Hörer oder Leser

fungieren, viel seltener als Sprecher oder Schreiber. Deshalb dürfen wir als Lehrer

nicht vergessen, dass auch die Schulung rezeptiver Fertigkeiten wichtig ist. Wir sollen

uns darauf konzentrieren, dass die Schüler das Gehörte und/oder das Geschriebene zu

verstehen imstande sind. Erst dann sollen wir zur Schulung produktiver Fertigkeiten

übergehen. Hier kann uns der Prozess des Transfers die Arbeit erleichtern, wo das

Erlernen einer Fertigkeit durch das früher Erworbene unterstützt wird. Dabei bieten

uns die sog. kombinierten Übungen (vgl. Sheils 1994:138) eine große Hilfe. Wenn wir

beispielsweise mit den Schülern das Leseverstehen trainieren wollen, können wir vor

dem Lesen ihr Vorwissen aktivieren und zum Sprechen bewegen. Nach dem Lesen

eines Textes können wir auch verschiedene reproduktive oder reproduktiv-produktive

Übungen zum Schreiben einsetzen. Damit aber beschäftigen wir uns im praktischen

Teil dieser Arbeit, wo wir konkrete Beispiele für die Übungen zur Schulung aller vier

Fertigkeiten nennen werden.

Nachdem wir den Begriff der fremdsprachlichen Rezeption erklärt und die

Bedeutung der rezeptiven Fertigkeiten betont haben, wollen wir zum nächsten Kapitel

dieser Arbeit übergehen und die kommunikativen Elemente der fremdsprachlichen

Rezeption auflisten. Wir werden die Kommunikation als eine zwischenmenschliche

Tätigkeit darstellen und die fünf Axiome Watzlawicks mit ihrer Erklärung nennen.

1.1. Rezeption in der fremdsprachlichen Kommunikation

Im Punkt 1 ,,Fremdsprachliche Rezeption und ihre Phasen" haben wir erörtert,

dass ohne Rezeption keine Kommunikation existieren kann. An dieser Stelle versuchen

wir zu beweisen, dass die beiden Begriffe eng miteinander verbunden sind.

Um zur Rezeption übergehen zu können, müssen wir uns zuerst die

Kommunikation als eine zwischenmenschliche Tätigkeit darstellen, weil sie hier einen

gewissen

Oberbegriff

bildet.

Eine

der

umfassendsten

und

genausten

Kommunikationstheorien hat Paul Watzlawick (1967:53 ff.) geschaffen, im Rahmen

der er auch fünf Axiome aufgelistet hat, die wir als Regeln betrachten können, wenn es

um die Analyse der zwischenmenschlichen Beziehungen gehen soll. Wenn die


Zum Wesentlichen fremdsprachlicher Rezeption

- 8 -

___________________________________________________________________________

Kommunikationspartner diese Regeln einhalten und sie immer im Hinterkopf haben,

kann bereits von einer funktionierenden Kommunikation die Rede sein. Wenn aber die

Kommunikation ohne Rücksichtnahme auf diese Regeln abläuft, kann es zu vielen

Störungen kommen und die kommunikative Absicht wird nicht erreicht. Jetzt listen wir

die Grundregeln, also Watzlawicks pragmatische Axiome, auf und erörtern sie, um

einen entsprechenden Überblick zu bekommen:

1. Man kann nicht nicht kommunizieren1.

"Man kann nicht nicht kommunizieren, denn jede Kommunikation (nicht nur mit

Worten) ist Verhalten und genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man

nicht nicht kommunizieren."2

Aus diesem Zitat geht hervor, dass es unmöglich ist, nicht zu kommunizieren, weil wir

die Botschaften nicht nur mit Hilfe von Sprache oder Schrift senden. Das tun wir auch

mit Hilfe unserer Gestik und Mimik. Unsere ,,Körpersprache" lässt sich nicht so leicht

steuern, sie läuft eher unbewusst ab. Nur wenn wir lernen, sie zu lenken, wird sie

bewusst, aber nie ausgeschaltet, deshalb können wir nicht nicht kommunizieren. Auch

unsere

Körperhaltung und

die nonverbalen

Mitteilungen sagen

unseren

Gesprächspartnern, dass wir z. B. keinen Kontakt möchten oder umgekehrt, dass wir

ihn gern aufnehmen.

2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt,

wobei Letzterer den Ersteren bestimmt3.

Jede zwischenmenschliche Kommunikation enthält nicht nur eine reine

Sachinformation (Inhalt), sondern sie birgt in sich noch eine Information darüber, wie

die Botschaft verstanden werden soll und wie der Sender zu dem Empfänger steht

(Beziehung). Es gibt kaum Nachrichten, die nur auf der Sachebene verstanden werden

können, weil bei der Kommunikation viele andere Faktoren mitspielen. Gefühle und

Einstellungen dem Gesprächspartner gegenüber sind hier sehr wichtig, denn sie zeigen

den richtigen Weg für das Verstehen der Mitteilung. Wenn wir diesen Aspekt der

Kommunikation betrachten wollen, dürfen wir nicht vergessen, dass die Nachrichten

1 Watzlawick, P. (1967):

Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien.

Huber, Bern, S. 53.

2 http://www.uni-bielefeld.de/paedagogik/Seminare/moeller02/06watzlawick1/ (Abgerufen: 22.12.2007).

3 Ebd. S. 56.



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