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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 41 Pages
Author: Michaela Hartmann
Subject: Romance Languages - French Didactics
Details
Tags: Märchen
Year: 2007
Pages: 41
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 27 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-29632-3
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Abstract
Im ersten Teil der Arbeit wird die literarische Gattung des „Conte de fée“ näher umrissen. Dazu wird die historische Entwicklung dieses Genres überblicksartig nachgezeichnet und im Anschluss der Versuch einer Definition unternommen. Im Hauptteil der Arbeit wird dann speziell auf die jeweiligen Schuletappen Grundschule und Sekundarstufe I bezogen erläutert, inwieweit die curricularen Vorgaben für den Französischunterricht eine Beschäftigung mit Märchen rechtfertigen. Die unterrichtspraktischen Vorschläge, welche dieser Analyse folgen, gliedern sich jeweils in zwei Teile. In einem ersten Schritt wird das methodische Konzept, welches dem Unterrichtsvorschlag zugrunde liegt, erläutert. Hierbei sind aktuelle Tendenzen der Fremdsprachendidaktik einbezogen worden, indem moderne methodisch-didaktische Prinzipien wie Ganzheitlichkeit (für die Grundschule) und kreativitätsorientierte Verfahren (für die Sekundarstufe I) als Basiskonzepte für die Unterrichtsvorschläge herangezogen wurden. In einem zweiten Schritt wird jeweils ein Unterrichtsvorschlag, der sich auf das vorher dargestellte Methodenkonzept stützt, näher skizziert werden. [...]
Excerpt (computer-generated)
Technische Universität Berlin
Institut für Sprache und Kommunikation
SS 2007
HS Le conte
Das ,,Conte de fée"
im Französischunterricht
Vorgelegt
von:
Michaela
Hartmann
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Das literarische Genre des ,,Conte de fée" 3
2.1 Historische Entwicklung 3
2.2 Versuch einer Definition 5
3. Begründung für den Einsatz des ,,Conte de fée" im
Französischunterricht 7
4. Der ,,Conte de fée" in der Grundschule 11
4.1 Curriculare Vorgaben 11
4.2 Unterrichtvorschlag zum Einsatz von Märchen in der Grundschule 13
4.2.1 Das methodische Konzept 13
4.2.2 Die praktische Umsetzung 16
5. Der ,,Conte de fée" in der Sekundarstufe I 18
5.1 Curriculare Vorgaben 18
5.2 Unterrichtsvorschlag zum Einsatz von Märchen in der Sekundarstufe I 21
5.2.1 Das methodische Konzept 21
5.2.2 Die praktische Umsetzung 25
6. Fazit 35
7. Literatur 37
1
1. Einleitung
,,Als elementare Literatur ist das volkstümliche Schrifttum (Märchen, Anekdote
[...]) und dergleichen anzusehen. Hier liegt ein didaktisch erst ansatzweise
genutztes Potential."1
Dieses Zitat verdeutlicht, dass die Beschäftigung mit dem ,,Conte de fée" weder
Alltag noch Routine an deutschen Schulen ist. Der Unterricht der ersten Lernjahre
wird meist von der Lehrbucharbeit dominiert, wobei unter den wenigen Texten, die in
modernen Lehrwerken wie beispielsweise ,,Découvertes"2 oder ,,Tous Ensemble"3 zu
finden sind, der ,,Conte de fée" völlig ausgespart bleibt. Später greifen Lehrer4 für
eine erste Lektüre dann eher auf althergebrachte Klassiker wie Camus oder
Maupassant zurück5. Auch ein Blick in die fachdidaktischen Publikationen und
Zeitschriftenaufsätze der letzten Jahre zeigt, dass der ,,Conte de fée" selten als
Unterrichtsgegenstand fungiert und wenn, dann beschränkt sich dies häufig auf den
frühen Französischunterricht in der Grundschule.
Aus diesem Grund scheint es angebracht, der Frage nachzugehen, welchen Nutzen
Märchen für den Französischunterricht darstellen können und wie sie aus
unterrichtspraktischer Sicht in den Französischunterricht integriert werden können.
Bevor ich allerdings in die unterrichtspraktische Beschäftigung mit Märchen
einsteigen werde, möchte ich versuchen, den thematischen Gegenstand meiner
Arbeit, also die literarische Gattung des ,,Conte de fée", näher zu umreißen. Dazu
werde ich die historische Entwicklung dieses Genres überblicksartig nachzeichnen
und im Anschluss den Versuch einer Definition unternehmen.
Das darauf folgende Kapitel widmet sich dann der oben angerissenen Fragestellung,
welchen Mehrwert Märchen zum Französischunterricht beisteuern können und
inwiefern sie sich besonders gut für die unterrichtliche Beschäftigung eignen. Dabei
soll zum einen die Auswahl dieses Themas als auch dessen Relevanz in allgemeiner
Art und Weise begründet werden.
Im Hauptteil der Arbeit werde ich dann speziell auf die jeweiligen Schuletappen
Grundschule und Sekundarstufe I bezogen erläutern, inwieweit die curricularen
1 Bausch, Karl-Richard / Christ, Herbert / Krumm, Hans-Jürgen (Hrsg.) (2003): Handbuch
Fremdsprachenunterricht. 4., vollständig neu bearbeitete Auflage. Tübingen: Francke. S. 136.
2 Alamargot, G. u.a. (2005): Découvertes für den schulischen Französischunterricht. Stuttgart: Klett.
3 Crismat, A. u.a (2004): Tous Ensemble für den schulischen Französischunterricht. Stuttgart: Klett.
4 Der Einfachheit halber werde ich bei geschlechtsbezogenen Formulierungen nur die jeweils männlichen
Formen verwenden.
5 Vgl. Nieweler, Andreas (Hrsg.) (2006): Fachdidaktik Französisch. Tradition, Innovation, Praxis. Stuttgart:
Klett. S. 208.
2
Vorgaben des Landes Berlin für den Französischunterricht eine Beschäftigung mit
Märchen rechtfertigen. Dabei sollen jeweils die Berührungspunkte, die zwischen den
Rahmenplanvorgaben und dieser literarischen Gattung liegen, aufgezeigt werden.
Die unterrichtspraktischen Vorschläge, welche dieser Analyse folgen, gliedern sich
jeweils in zwei Teile. In einem ersten Schritt werde ich das methodische Konzept,
welches meinem Unterrichtsvorschlag zugrunde liegt, erläutern. Hierbei habe ich
aktuelle Tendenzen der Fremdsprachendidaktik einbezogen, indem ich moderne
methodisch-didaktische Prinzipien wie Ganzheitlichkeit (für die Grundschule) und
kreativitätsorientierte Verfahren (für die Sekundarstufe I) als Basiskonzepte für meine
Unterrichtsvorschläge herangezogen habe.
In einem zweiten Schritt soll jeweils ein Unterrichtsvorschlag, der sich auf das vorher
dargestellte Methodenkonzept stützt, näher skizziert werden. Diese
Unterrichtsvorschläge verstehen sich per definitionem nur als Möglichkeiten einer
unterrichtlichen Auseinandersetzung. Ziel ist es, aus dem Fundus von Optionen,
welchen dieses literarische Genre für die schulische Umsetzung eröffnet, zwei
auszuwählen und an ihnen aufzuzeigen, wie ertragreich die Beschäftigung mit dieser
Gattung für den Französischunterricht sein kann.
2. Das literarische Genre des ,,Conte de fée"
2.1 Historische Entwicklung
,,Die Märchenentstehung stellte man sich als Prozess vor: Aus gleichartig
wirkenden Basiselementen, die den Menschen als Gattungswesen
charakterisieren, hätten sich unabhängig voneinander an verschiedenen Orten
der Erde Märchen herausgebildet, die daher übereinstimmende Merkmale
tragen. Bei allen Völkern gefundene, gleiche oder parallele Märchenvarianten
wurden auf diese allen Menschen gemeinsamen Eigenschaften
zurückgeführt."6
Die Ursprünge des ,,Conte de fée" reichen demnach weit in die
Menschheitsgeschichte zurück und finden sich in allen Kulturen wieder.
Märchenhafte Elemente sind bereits in den Erzählungen ,,Conte du naufragé" und
,,Conte des deux frères" anzutreffen, die auf ägyptischen Papyrusrollen gefunden
wurden und aus dem 8.Jahrhundert vor Christus stammen. Auch die griechische und
römische Antike brachte mythische Erzählungen, Sagen und Legenden wie
6 Pöge-Alder, Kathrin (2007): Märchenforschung. Theorien, Methoden, Interpretationen. Tübingen: Narr. S. 98.
3
beispielsweise die ,,Metamorphosen" Ovids hervor, welche Erzählstrukturen und
Motive beinhalten, die sich heute in vielen bekannten Märchen wiederfinden. ,,Ainsi
l′histoire de ,Pyché et Cupidon′ traverse les siècles pour inspirer ,La Belle et la Bête′
des Lumières."7
Die Themen und Handlungsabläufe, welche wir heute aus Märchen kennen, wurden
in ihren Anfängen von Generation zu Generation mündlich tradiert. Bevor sie
schriftlich fixiert wurden und später vor allem durch den Buchdruck Verbreitung
fanden, waren sie meist an einen sozialen Akt der Geselligkeit gekoppelt: Häufig war
es die Großmutter, die abends im Kreis der Familie Geschichten erzählte oder aber
ein Märchenerzähler, der von Dorf zu Dorf reiste, und mit dem Geschichten erzählen
sein Geld verdiente. Dieser mündlichen Tradition ist auch die Tatsache geschuldet,
dass Märchen heute noch in zahlreichen und teilweise sehr unterschiedlichen
Varianten auftauchen.
Die mittelalterliche Literatur integriert viele der bekannten Märchenstoffe, wandelt sie
um und erweitert sie. Sei es die Legende von der Fee Melusine oder seien es die
Artusromane, die voll von Feen, Drachen und anderen Märchenelementen sind, um
nur zwei bekannte Beispiele zu nennen. Inspiriert durch bretonische Volksmärchen
veröffentlicht Marie de France Anfang des 12. Jahrhunderts unter dem Titel ,,Lais"
zwölf in Versen geschriebene Novellen.
Doch erst in der Renaissance beginnt der ,,Conte de fée" sich als eigenständige
literarische Gattung zu entwickeln, in welche märchenhafte Elemente nicht nur
eingebaut werden, sondern die vollständige Handlung in eine märchenhafte Welt
außerhalb der Realität verlegt wird. Diese Entwicklung ist eng mit der Abgrenzung
zur ,,Novelle", wie wir sie in ihrer ursprünglichen Form in Bocaccios ,,Decamerone"
und später in Marguerite de Navarres ,,Héptameron" finden, verbunden. So
erscheinen Mitte des 16. Jahrhunderts die ,,Piacevoli Notti" von Giovanni Straparola
(1480-1558), einem venezianischen Literaten, welche neben anderen Erzählungen
vierzehn ,,Conte de fée" beinhalten, die ähnlich wie in Boccacios ,,Decamerone" in
eine der mündlichen Tradition folgende Rahmenhandlung integriert sind.
7 http://expositions.bnf.fr/contes/arret/ecrit/index.htm
4
,,L′originalité principale des ,,Piacevoli Notti" réside dans le fait de livrer les
premières transcriptions littéraires de contes populaires issus du folklore
paysan venitien, jusqu′alors exclusivement transmis oralement."8
In den im Jahre 1625 erschienenen 50 Erzählungen des « Pentamerone » von
Giambattista Basile (1575-1632) finden wir schließlich alle Elemente, die wir heute
mit dem ,,Conte de fée" verbinden: ,,Princes et princesses, fées, ogres et magiciens,
animaux parlants et objets magiques, désirs d′enfant, épreuves à surmonter et
dénouements heureux."9
Als Begründer der literarischen Gattung ,,Conte de fée" gilt jedoch Charles Perrault
(1628-1703) mit seinen 1695 erschienenen ,,Contes de ma mère l′Oye", der diese
zum einen während der ,,Querelle des Anciens et des modernes" theoretisch
fundierte und welchem zum anderen der Verdienst zukommt, das Märchen hof- und
salonfähig gemacht zu haben. Bei Perrault finden sich unter anderem die noch heute
zu den bekanntesten zählenden Märchen ,,Le petit chaperon rouge", ,,Cendrillon", ,,La
belle au bois dormant" oder ,,Blanche-neige et les sept nains".
2.2 Versuch einer Definition
Auch wenn die Grenzen teilweise fließend sind und beide Erzählformen heutzutage
manchmal synonym gebraucht werden, wird ab dem 18. Jahrhundert häufig
zwischen dem ,,Conte de fée" als eher literarisch orientierte und in der Tradition
Perraults stehende Form und dem ,,Conte merveilleux" oder ,,Conte populaire" als
eher dem Volksmärchen nahe und sich stärker an der mündlichen Tradition
orientierende Form unterschieden. Während der ,,Conte de fée" oder das
,,Kunstmärchen" von dem Moment seines Niederschreibens eine feste Form besitzt,
die durch einen Verfasser bewusst festgelegt wird, existiert der ,,Conte populaire"
oder das ,,Volksmärchen" in unterschiedlichen Erzählversionen und varianten, da es
,,de bouche à l′oreille" weitergegeben wird und dabei immer wieder modifiziert wird.
In erster Linie bestimmt der ,,Conte de fée" sich durch die Tatsache, dass das
Wunderbare oder Übernatürliche als etwas ,,Selbstverständliches"10 wahrgenommen
8 http://expositions.bnf.fr/contes/arret/ecrit/index.htm
9 Ebd.
10 Pöge-Alder (2007). S. 24.
5
wird, so dass ,,Alltägliches" und ,,Außerordentliches"11 sich überschneiden. Viele der
handelnden Figuren innerhalb des ,,Conte de fée" sind phantastischer Natur dem
Leser begegnen sprechende Tiere, Riesen, Zwerge, Feen, Hexen, Menschen mit
übernatürlichen Fähigkeiten usw. Die Personen, denen wir im ,,Conte de fée"
begegnen, verkörpern meist Typen, welche nach den Gesetzmäßigkeiten der
Polarisation und Entindividualisierung konstruiert sind. Dies führt zum einen dazu,
dass ihre Charaktere wenig komplex sind12 und sie zum anderen einen hohen
Wiedererkennungswert besitzen. Anstöße für die Handlungen der Protagonisten sind
meist weniger intellektueller als affektiver Natur13. In diesem Zusammenhang
überrascht es auch nicht, dass im ,,Conte de fée" selten die Reflexionen der
Protagonisten wiedergegeben werden.
Die Handlung vollzieht sich außerhalb von Raum und Zeit, was sich unter anderem in
den häufig anzutreffenden, unbestimmten Einleitungs- und Schlussformeln wie
beispielsweise ,,Il était une fois..." zeigt. ,,Insgesamt zeichnet sich die Darstellung
durch formelhafte Wendungen und Einschübe aus [...]."14 Innerhalb der Handlung
finden sich oft Wiederholungsstrukturen, wie beispielsweise die böse Stiefmutter in
,,Blanche-Neige", die dreimal erscheint. Diese Wiederholungsstrukturen stellen
sowohl eine ,,Stilisierung" als auch ,,Vereinfachung der Handlung"15 dar. In diesem
Zusammenhang sei auch die Zahlensymbolik, und hier vor allem die Zahlen drei,
sieben und dreizehn, genannt, die charakteristisch für den ,,Conte de fée" ist.
Die Handlungsführung wird sowohl inhaltlich als auch zeitlich überwiegend linear
präsentiert - inhaltliche Exkurse, Vorausdeutungen oder Rückblenden tauchen im
klassischen ,,Conte de fée" selten auf16. Ausgespart werden im ,,Conte de fée" auch
detaillierte Beschreibungen ,,von Situationen und sozialem Milieu"17.
Im Mittelpunkt des Märchens steht meist ein Held, welcher in eine Notlage bzw.
,,Mangelsituation"18 gerät, und, um diese zu überwinden, ausziehen und
verschiedene Abenteuer bestehen muss. Als typisches Märchenelement wird
außerdem der häufig anzutreffende Gegensatz zwischen Gut und Böse genannt,
11 Spinner, Kaspar (2003): Märchenalter. Bemerkungen zu einem umstrittenen Begriff. In: Jesch, Tatjana
(Hrsg.): Märchen in der Geschichte und Gegenwart des Deutschunterrichts. Frankfurt am Main: Peter Lang. S.
41.
12 Vgl. Spinner (2003), S. 41.
13 Vgl. Ebd., S. 42.
14 Pöge-Alder (2007), S. 25.
15 Spinner (2003), S. 42.
16 Vgl. Pöge-Alder (2007), S. 27.
17 Spinner (2003), S. 41.
18 Pöge-Alder (2007), S. 27.
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