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Friedrich Nietzsche: "Fröhliche Wissenschaft" - Eine Interpretation

Termpaper, 2005, 14 Pages
Author: Achim Zeidler
Subject: Philosophy - Philosophy of the 19th Century

Details

Event: GER 494C - Nietzsche-Seminar
Institution/College: West Virginia University
Tags: Friedrich, Nietzsche, Fröhliche, Wissenschaft, Eine, Interpretation, Nietzsche-Seminar
Category: Termpaper
Year: 2005
Pages: 14
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 4  Entries
Language: German
Archive No.: V124056
ISBN (E-book): 978-3-640-29650-7
ISBN (Book): 978-3-640-30208-6

Abstract

Die „Fröhliche Wissenschaft“, zuerst als Fortsetzung der „Morgenröthe“ gedacht, später jedoch als eigenes Werk 1882 (1887 das 5. Buch) beendet, ist in einem durchgehend helleren Ton als die vorhergehenden Bücher Nietzsches geschrieben. Der Philosoph, der des öfteren an unterschiedlichsten körperlichen und geistigen Beschwerden und Krankheiten litt, konnte nach einem Aufenthalt über den Sommer in Sils-Maria in der Schweiz die Schmerzenswelt überwinden und sich in einem Anflug von höchstem geistigen und körperlichen Wohlbefinden der Arbeit an der „Fröhlichen Wissenschaft“ widmen. Ein Brief an Franz Overbeck soll das Vorstadium der Produktionserhöhung verdeutlichen: „Der Schmerz besiegt Leben und Willen. O, was habe ich für Monate, was für einen Sommer gehabt. Ich habe so viele Martern des Körpers erfahren, wie ich am Himmel Wechsel sah. In jeder Wolke ist etwas von einem Blitz verborgen, das mich mit unvermuteter Gewalt treffen und mich unglücklichen gänzlich zugrunde richten kann. Fünfmal bereits habe ich als Arzt den Tod gerufen und hoffte, der gestrige Tag sei der letzte gewesen – ich hab es vergebnes gehofft. Wo auf Erden gibt es einen Himmel von immerwährender Heiterkeit, meinen Himmel? Leb wohl mein Freund“ (B 6,128; 18. September 1881, zitiert in Safranski 239f.) Nietzsche erfährt in den Monaten darauf den bereits angesprochenen Veränderungswechsel in der physischen und psychischen Verfassungslage. Als er im Juli 1881 die „Morgenröthe“ in Sils-Maria beendete, hat er in der Folgezeit das erste große Inspirationserlebnis, dass ihm den Gedanken der ewigen Wiederkehr bringt, den er in der „Fröhlichen Wissenschaft“ ebneo zur Thematik macht, wie den Tod Gottes, das Problem des Nihilismus, die Rolle der Wahrheit und den Willen zur Wahrheit im menschlichen Leben. Des weiteren beschäftigte sich Nietzsche in diesem aphoristischen Werk mit der Frage nach der richtigen Einstellung in Bezug auf Leiden, Vollendung und Erreichen und kritisiert Wissenschaft und Philosophie. Nietzsche benutzt in diesem Buch ausschließlich Aphorismen, durch die er eine innere Einheit herstellen kann. Somit verkündet Nietzsche, dass durch Aphorismen „die lange Logik einer ganz bestimmten philosophischen Sensibilität“ und nicht „ein Durcheinander von hundert beliebigen Parodoxien und Heterodoxien“ erreicht wird (Löwith 120, in Safranski 241). Er unterteilt die „Fröhliche Wissenschaft“ in fünf Bücher, von denen das letzte erst 1887 für die Neuauflage geschrieben wurde und bei dem sich Nietzsche vermehrt mit dem „Willen zur Macht“ auseinandersetzt: „Jetzt ergötze und erhole ich mich an der kältesten Vernunft-Kritik, bei der man unwillkürlich blaue Finger bekommt (...)


Excerpt (computer-generated)

West Virginia University

Eberly College of Arts and Sciences

GER 494C

Nietzsche-Seminar

Spring 2005

,,

Fröhliche Wissenschaft"

Interpretation

Von

Achim Zeidler

German/ TESOL

2. Semester

Morgantown, 07. Mai 2005


Die ,,Fröhliche Wissenschaft", zuerst als Fortsetzung der ,,Morgenröthe" gedacht,

später jedoch als eigenes Werk 1882 (1887 das 5. Buch) beendet, ist in einem durchgehend

helleren Ton als die vorhergehenden Bücher Nietzsches geschrieben. Der Philosoph, der des

öfteren an unterschiedlichsten körperlichen und geistigen Beschwerden und Krankheiten litt,

konnte nach einem Aufenthalt über den Sommer in Sils-Maria in der Schweiz die

Schmerzenswelt überwinden und sich in einem Anflug von höchstem geistigen und

körperlichen Wohlbefinden der Arbeit an der ,,Fröhlichen Wissenschaft" widmen. Ein Brief

an Franz Overbeck soll das Vorstadium der Produktionserhöhung verdeutlichen:

,,Der Schmerz besiegt Leben und Willen. O, was habe ich für Monate, was für einen

Sommer gehabt. Ich habe so viele Martern des Körpers erfahren, wie ich am Himmel

Wechsel sah. In jeder Wolke ist etwas von einem Blitz verborgen, das mich mit

unvermuteter Gewalt treffen und mich unglücklichen gänzlich zugrunde richten kann.

Fünfmal bereits habe ich als Arzt den Tod gerufen und hoffte, der gestrige Tag sei der

letzte gewesen ­ ich hab es vergebnes gehofft. Wo auf Erden gibt es einen Himmel

von immerwährender Heiterkeit, meinen Himmel? Leb wohl mein Freund" (B 6,128;

18. September 1881, zitiert in Safranski 239f.)

Nietzsche erfährt in den Monaten darauf den bereits angesprochenen Veränderungswechsel in

der physischen und psychischen Verfassungslage. Als er im Juli 1881 die ,,Morgenröthe" in

Sils-Maria beendete, hat er in der Folgezeit das erste große Inspirationserlebnis, dass ihm den

Gedanken der ewigen Wiederkehr bringt, den er in der ,,Fröhlichen Wissenschaft" ebneo zur

Thematik macht, wie den Tod Gottes, das Problem des Nihilismus, die Rolle der Wahrheit

und den Willen zur Wahrheit im menschlichen Leben. Des weiteren beschäftigte sich

Nietzsche in diesem aphoristischen Werk mit der Frage nach der richtigen Einstellung in

Bezug auf Leiden, Vollendung und Erreichen und kritisiert Wissenschaft und Philosophie.

Nietzsche benutzt in diesem Buch ausschließlich Aphorismen, durch die er eine innere Einheit

herstellen kann. Somit verkündet Nietzsche, dass durch Aphorismen ,,die lange Logik einer

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ganz bestimmten philosophischen Sensibilität" und nicht ,,ein Durcheinander von hundert

beliebigen Parodoxien und Heterodoxien" erreicht wird (Löwith 120, in Safranski 241).

Er unterteilt die ,,Fröhliche Wissenschaft" in fünf Bücher, von denen das letzte erst

1887 für die Neuauflage geschrieben wurde und bei dem sich Nietzsche vermehrt mit dem

,,Willen zur Macht" auseinandersetzt: ,,Jetzt ergötze und erhole ich mich an der kältesten

Vernunft-Kritik, bei der man unwillkürlich blaue Finger bekommt (...) Ein Generalangriff aif

den gesammten >Causalismus< der bisherigen Philosophie" (Aufzeichnung vom 21. Januar

1887, Zitiert in Safranski 386). Die ersten vier Bücher der ,,Fröhlichen Wissenschaft" werden

wie gesagt schon 1882 in Genua geschrieben. Nietzsche beschreibt diese Lebenszeit in Italien

folgend: ,,Wir hatten das schönste Wetter inzwischen, und alles in allem, ich habe nie

Besseres erlebt. Jeden Nachmittag sitze ich am Meere. Durch die Abwesenheit der Wolken ist

mein Kopf frei und ich bin voller guter Gedanken" (Aufzeichnung vom 18. November 1881,

zitiert in Safranski 382). Nietzsche ist also in einem Formhoch, welches die unterschiedlichen

und weitreichenden Themen der ,,Fröhlichen Wissenschaft" erklären kann, und noch im

Januar 1882 schreibt er nach der Beendigung der ersten drei Bücher an Peter Gast: ,,Oh

welche Zeit! Oh diese Wunder des schönen Januarius! (B 6, 161; zitiert in Safranski 240). In

Erinnerung an diese gesundheits- und schaffensfördernde Zeit betitelte Nietzsche das vierte

Buch der ,,Fröhlichen Wissenschaft" mit ,,Sanctus Januarius".

Durch das Inspirationserlebnis des vorhergehenden Sommers, in dem Nietzsche den

Gedanken der ewigen Wiederkunft entwickelte. Schon als Schüler wusste Nietzsche von der

Ansicht der indischen Mythen, der Vorsokratiker, der Phythagoräern, die über die Idee ,,der in

sich kreisenden, ihren begrenzten Inhalt immer wieder durchspielenden Zeit" (Safranksi 229),

auf die Symbolik und Thematik dieses Phänomens hinwies. Schon 1862 in seinem Aufsatz

,,Fatum und Geschichte" verweist Nietzsche auf diesen Gedanken der ewigen Wiederkehr, der

in fortwährend in seinem Leben beschäftigte: ,,Hat dies ewige Werden nie ein Ende? (...) Von

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