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Veränderungen im Vokalismus - Eine diachrone graphematische Analyse des Briefes „Ursachen des Dolmetschens“ von Martin Luther (1536)

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 22 Pages
Author: Achim Zeidler
Subject: Speech Science / Linguistics

Details

Event: HS: Historische Stadtsprachenforschung
Institution/College: University of Bamberg
Tags: Veränderungen, Vokalismus, Eine, Analyse, Briefes, Dolmetschens“, Martin, Luther, Historische, Stadtsprachenforschung
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 22
Grade: 2,00
Bibliography: ~ 20  Entries
Language: German
Archive No.: V124087
ISBN (E-book): 978-3-640-29654-5
ISBN (Book): 978-3-640-32659-4

Abstract

Die vokalischen Veränderungen der mittelhochdeutschen Laute <î>, <i>, <ei>, <ie> und <iu> werden im Folgenden den frühneuhochdeutschen Realisierungen in Martin Luthers Brief „Ursachen des Dolmetschens“ untersucht. Dabei interessieren die Entsprechungen dieser fünf mittelhochdeutschen Lauten vor allem in der veränderten Schreibung. Da sich Schreibung und Sprache nicht im Verhältnis 1:1 entsprechen und die mündliche Ausdrucksweise auch wegen fehlender Belege nicht eindeutig bewiesen bzw. differenziert werden kann, werden sprachliche Hinweise nur sehr selten die schriftliche Analyse unterstützen. Meine Basis für die Analyse der fünf genannten Laute bildet also ein Brief aus dem 16. Jahrhundert des Reformators Martin Luther. Der Brief stammt aus dem Jahre 1536 und wird von Zeile 1 bis 105 auf die schriftlichen frühneuhochdeutschen Realisierungen der genannten fünf Laute untersucht. Dabei habe ich alle Beispiele aufgeführt, die im Text belegt werden können. Sonderfälle oder Besonderheiten werden im Anschluß an die normalen Entsprechungen, bei den eine gewisse Konsequenz und Regelmäßigkeit zu erkennen ist, aufgeführt und untersucht. Die jeweiligen mittelhochdeutschen Entsprechungen gebe ich nach dem „kleinen mittelhochdeutschen Wörterbuch“ von Beate Henning an, wohl wissentlich, dass als Bezugspunkt ein klassisch-standartisiertes Mittelhochdeutsch benutzt wird und nicht zwangsläufig die mittelhochdeutschen Entsprechungen des mitteldeutschen Gebietes oder andere abweichende und analog verwendete Formen. Der graphematischen Analyse gehen noch drei Punkte voraus: Zum einen möchte ich noch einen ganz kurzen Einblick in die historische Situation des 16. Jahrhunderts geben, des Weiteren einen ebenfalls kurzen Überblick über die Textsorte bzw. besonders auf den Textinhalt. Dieser Grobzusammenfassung folgt ein Überblick, der wiederum nicht den Anspruch auf Vollzähligkeit hat noch haben möchte, über Luthers Sprachgeschichte, seine Sprachheimat und –umgebung. Unter diesem Punkt wird ein kleiner Einblick in den Wirkungs- und Schaffungsbereich Luthers gegeben, seiner persönlichen Bereicherung und seine Stellung zur frühneuhochdeutschen Sprache inklusive Ausblick auf die Normierungen und Bereicherungen unserer heutigen Gegenwartssprache...


Excerpt (computer-generated)

OTTO-FRIEDRICH-UNIVERSITÄT BAMBERG

Lehrstuhl für deutsche Sprachwissenschaft


HS:

Historische Stadtsprachenforschung

Semester:

SoSe 2003

Veränderungen im Vokalismus.

Eine diachrone graphematische Analyse des Briefes ,,Ursachen des

Dolmetschens" von Martin Luther (1536)

Vorgelegt von:

ACHIM ZEIDLER

Lehramt Realschule Germanistik/ Geschichte

4. Semester

16. Oktober 2003


2

Inhaltsverzeichnis:

0. Vorwort Seite 3

1. Einleitung Seite 3

2. Historische Situation Seite 5

3. Textinhalt und Textsorte Seite 5

4. Einbettung der Sprache Luthers in einen geographischen

und soziokulturellen Rahmen Seite 6

5. Graphematische Analyse:

5.1. mhd. <î> und frnhd. Entsprechung Seite 8

5.2. mhd. <i> und frnhd. Entsprechung Seite 11

5.3. mhd, <ie> und frnhd. Entsprechung Seite 13

5.4. mhd. <ei> und frnhd. Entsprechung Seite 15

5.5. mhd. <iu> und frnhd. Entsprechung Seite 16

6. Schlussbetrachtung Seite 19

7. Literaturverzeichnis Seite 20


3

o. Vorwort:

Diese Seminararbeit wurde für das Hauptseminar ,,Historische Stadtsprachenforschung" aus

dem Sommersemester 2003 angefertigt. Sie soll in die Veränderungen zwischen dem

mittelhochdeutschen und frühneuhochdeutschen Vokalinventar einführen und eine

graphematische Analyse aufweisen, die diese Veränderungen festhält. Den Bezug dieser

Untersuchung stellt ein Text aus dem 16. Jahrhundert dar.

1. Einleitung:

Die vokalischen Veränderungen der mittelhochdeutschen Laute <î>, <i>, <ei>, <ie> und <iu>

werden im Folgenden den frühneuhochdeutschen Realisierungen in Martin Luthers Brief

,,Ursachen des Dolmetschens" untersucht. Dabei interessieren die Entsprechungen dieser fünf

mittelhochdeutschen Lauten vor allem in der veränderten Schreibung. Da sich Schreibung und

Sprache nicht im Verhältnis 1:1 entsprechen und die mündliche Ausdrucksweise auch wegen

fehlender Belege nicht eindeutig bewiesen bzw. differenziert werden kann, werden

sprachliche Hinweise nur sehr selten die schriftliche Analyse unterstützen.

Meine Basis für die Analyse der fünf genannten Laute bildet also ein Brief aus dem 16.

Jahrhundert von dem großen religiösen Reformator Martin Luther. Der Brief stammt aus dem

Jahre 1536 und wird von Zeile 1 bis 105 auf die schriftlichen frühneuhochdeutschen

Realisierungen der genannten fünf Laute untersucht. Dabei habe ich alle Beispiele aufgeführt,

die im Text belegt werden können. Sonderfälle oder Besonderheiten werden im Anschluß an

die normalen Entsprechungen, bei den eine gewisse Konsequenz und Regelmäßigkeit zu

erkennen ist, aufgeführt und untersucht. Die jeweiligen mittelhochdeutschen Entsprechungen

gebe ich nach dem ,,kleinen mittelhochdeutschen Wörterbuch" von Beate Henning an, wohl

wissentlich, dass als Bezugspunkt ein klassisch-standartisiertes Mittelhochdeutsch benutzt

wird und nicht zwangsläufig die mittelhochdeutschen Entsprechungen des mitteldeutschen

Gebietes oder andere abweichende und analog verwendete Formen.

Der graphematischen Analyse gehen noch drei Punkte voraus: Zum einen möchte ich noch

einen ganz kurzen Einblick in die historische Situation des 16. Jahrhunderts geben, des

Weiteren einen ebenfalls kurzen Überblick über die Textsorte bzw. besonders auf den

Textinhalt. Dieser Grobzusammenfassung folgt ein Überblick, der wiederum nicht den

Anspruch auf Vollzähligkeit hat noch haben möchte, über Luthers Sprachgeschichte, seine

Sprachheimat und ­umgebung. Unter diesem Punkt wird ein kleiner Einblick in den


4

Wirkungs- und Schaffungsbereich Luthers gegeben, seiner persönlichen Bereicherung und

seine Stellung zur frühneuhochdeutschen Sprache inklusive Ausblick auf die Normierungen

und Bereicherungen unserer heutigen Gegenwartssprache.

Diesen drei ersten Überpunkte folgt nun der entscheidende Teil der Arbeit: Die graphemtische

Analyse. Die Vokale des Mittelhochdeutschen werden je einzeln untersucht, dabei wird je

eine Gruppe in einer Tabelle zusammengefasst und Unterschiede zwischen dem

Mittelhochdeutschen und (Früh-)neuhochdeutschen herausgestellt.

Dem genannten Hauptteil und Bezugspunkt dieser Hauptseminararbeit folgt ein kurzes

Resumée, dass die wichtigsten Gedanken noch mal verdeutlicht und einen Ausblick gibt.

Aus den gängigen Abkürzungen werden im übrigen folgende benutzt:

Ahd. = Althochdeutsch

Mhd. = Mittelhochdeutsch

Frnhd. = Frühneuhochdeutsch

Obd = Oberdeutsch

Md. = Mitteldeutsch

Omd. = Ostmitteldeutsch

Germ. = Germanisch

< > = Grapheme (graphemische Zeichen)

/ / = Phoneme (phonologische Zeichen)

[ ] = phonetische Zeichen


5

2. Historische Situation:

Die Zeit des 16. Jahrhunderts ist geprägt von vielen Veränderungen im sozialen, politischen

und wirtschaftlichen Bereich. Durch das Aufblühen der Städte, die der mittelalterlichen

feudalen agrarischen Gesellschaft einen Gegenpol boten, entstanden geistige und kulturelle

Zentren, in denen die Verwaltung (durch die Kanzleien) und die Bevölkerungsbildung

verbessert und ausgebaut werden konnte. Überschattet wurde diese durchaus positiven

Entwicklungen von Umwälzungsbestrebungen in der Gesellschaft die, ausgelöst durch Martin

Luthers Thesenanschlag an die Stiftskirche zu Wittenberg von 1517, in einer blutigen

Bauernrevolte 1524/25 und einer Aufspaltung in drei politisch-religiöse Lager (Lutheraner,

Calvinisten und Katholiken) fusste.1

Daraus entstanden nicht nur politische und religiöse Spaltungen, sondern auch die kulturelle

Absonderung der einzelnen Lager und Gebiete von einander.2

Die deutsche Sprache wurde aber im 16. Jahrhundert sehr richtungsweisend verändert. Diese

Veränderungen im Vergleich zum Sprachstand des Mittelalters werden im weiteren in dieser

Hausarbeit erläutert.

3. Textinhalt und Textsorte:

Im Jahre 1530 legte Luther in seinem ,,Sendbrief des Dolmetschens" seine

Übersetzungsprinzipien dar. Diese detailliert er im vorliegenden Brief ,,Ursachen des

Dolmetschens", der einen Teil eines Druckes mit dem Titel ,,Summarien vber die Psalmen/

vnd Ursachen des dolmetschens" ausmacht, noch genauer und richtet sich damit an Kritiker

seiner Zeit. Luther legitimiert in seinem Brief die Übersetzungsentscheidungen, die er im

Hinblick auf die Zielsprache Deutsch vorgenommen hat und versucht mit belehrenden Worten

die Kritiker von dem Nutzen einer einheitlichen deutschen (Hoch-) Sprache zu überzeugen,

damit eine Verständigung in einer richtigen deutschen Sprache für alle Deutschen (v.a. die

,,fromen Christen", die er in der Überschrift anspricht) gegeben ist.3

1 Der Große Ploetz (1998), S. 652

2 Stedje, Antje (1979), S. 118

3 Vgl. Reichmann/ Wegera (1988), S. 36



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