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Business Process Management Suites: Ein Überblick

Scholary Paper (Seminar), 2006, 46 Pages
Authors: Sonja Pajkovska Goceva, Nicole Petrick
Subject: Information Management

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2006
Pages: 46
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 21  Entries
Language: German
Archive No.: V124522
ISBN (E-book): 978-3-640-29750-4
ISBN (Book): 978-3-640-30287-1

Abstract

Die Seminararbeit befasst sich mit dem Thema „Business Process Management Suites“ als Softwarelösungen für das Geschäftsprozessmanagement. Nach einer kurzen Einleitung in das Thema, die die Schwerpunkte der Arbeit sowie Arbeitsdefinitionen vorstellt, befasst sich der zweite Teil dieser Seminararbeit unter anderem mit der Thematik des Geschäftsprozessmanagements an sich. Hierbei werden Erfolgsfaktoren sowie Herausforderungen, Anforderungen und Ziele vorgestellt. Ebenso werden Anwendungsbereiche und schwerpunktmäßige Technologien für eine Überleitung zu den im weiteren Teil der Arbeit im Mittelpunkt stehenden Business Process Management Suites angeführt. Im dritten Teil der Arbeit wird der Markt dieser Softwarelösungen näher untersucht und anhand von bisherigen Entwicklungen, dem derzeitigen Stand sowie den zu erwartenden Änderungen charakterisiert. Nachfolgend wird eine Auswahl an Produkten näher betrachtet, wobei vor allem auf Technologie, Funktionalität und Interoperabilität eingegangen wird. Abschließend werden zukünftige Entwicklungen bezüglich des Enterprise-Modelling und der Interoperabilität als auch der Business Process Management Notation vorgestellt.


Fulltext (computer-generated)

BUSINESS PROCESS MANAGEMENT SUITES

­ EIN ÜBERBLICK

von

Sonja Pajkovska Goceva

und

Nicole Petrick

Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät

Humboldt-Universität zu Berlin

Seminar:

Geschäftsprozessmodelle im Unternehmen

Institut für Wirtschaftsinformatik

Wintersemester 2005/06

Berlin, 6. März 2006


Business Process Management Suites

Vorwort

Die Seminararbeit befasst sich mit dem Thema ,,Business Process Management Suites" als

Softwarelösungen für das Geschäftsprozessmanagement. Nach einer kurzen Einleitung in das

Thema, die die Schwerpunkte der Arbeit sowie Arbeitsdefinitionen vorstellt, befasst sich der

zweite Teil dieser Seminararbeit unter anderem mit der Thematik des

Geschäftsprozessmanagements an sich. Hierbei werden Erfolgsfaktoren sowie

Herausforderungen, Anforderungen und Ziele vorgestellt. Ebenso werden Anwendungsbereiche

und schwerpunktmäßige Technologien für eine Überleitung zu den im weiteren Teil der Arbeit

im Mittelpunkt stehenden Business Process Management Suites angeführt. Im dritten Teil der

Arbeit wird der Markt dieser Softwarelösungen näher untersucht und anhand von bisherigen

Entwicklungen, dem derzeitigen Stand sowie den zu erwartenden Änderungen charakterisiert.

Nachfolgend wird eine Auswahl an Produkten näher betrachtet, wobei vor allem auf

Technologie, Funktionalität und Interoperabilität eingegangen wird. Abschließend werden

zukünftige Entwicklungen bezüglich des Enterprise-Modelling und der Interoperabilität als

auch der Business Process Management Notation vorgestellt.

Im Abschluss werden die wichtigsten Ergebnisse der Arbeit nochmals kurz zusammengefasst.


Business Process Management Suites

i

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis ii

Abbildungsverzeichnis iii

Abkürzungsverzeichnis iv

1

Einleitung 1

1.1

Inhaltlicher Schwerpunkt der Seminararbeit 2

1.2

Begriffe und Definitionen 2

2

Geschäftsprozessmanagement und IT-Lösungen 3

2.1

Erfolgsfaktor Geschäftsprozessmanagement 4

2.2

Ziele und Anforderungen an BPM-Softwarelösungen 6

2.2.1

Die ,,BPM Challenges Matrix" 7

2.3

Vorteile von BPM-Suites 9

2.4

Technologien der BPM-Suites 10

3

Marktanalyse 11

3.1

Räumliche und zeitliche Eingrenzung des Marktes 11

3.2

Bisherige Entwicklung 12

3.3

Status Quo 14

3.3.1

Anbieter 14

3.3.2

Nachfrager 16

3.4

Trends 19

3.5

Initiativen und Organisationen 20

3.5.1

Object Management GroupTM (OMG) 20

3.5.2

Business Modelling & Integration Domain Task Force (BMIDTF) 21

3.5.3

BPM-Allianz 22

4

Produktanalyse 22

4.1

Ausgewählte Produkte 23

4.1.1

COSA BPM 23

4.1.2

Ultimus BPM Suite 7.0 25

4.1.3

Nautilus 4.5 27

4.1.4

FileNet BusinessProcess Manager 3.0 27

4.1.5

IBM Business WebSphere Business Integrator 28

4.2

Anwendungsbereiche von BPM-Suites 29

5

Zukünftige Entwicklungen und Trends 31

6

Zusammenfassung 32

Appendix 34

Literaturverzeichnis 35


Business Process Management Suites

ii

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: BPM Challenges Matrix 8


Business Process Management Suites

iii

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Vorteile GPM 2004 5

Abbildung 2: Vorteile GPM 2005 (nur Deutschland) 6

Abbildung 3: BPM - Softwareschichten 11

Abbildung 4: Ursprungsmärkte des BPM-Marktes 12

Abbildung 5: IT-Anwendungen mit Einfluss auf Gestaltung von Abläufen 16

Abbildung 6: Unternehmensbranche 17

Abbildung 7: Unternehmensgröße 18

Abbildung 8: Ultimus BPM Suite Hauptkomponente 26

Abbildung 9: Ultimus Überwachung und Analyse 26

Abbildung 10: FileNet P8 Plattform. Hauptkomponente 27

Abbildung 11: IBM WebSphere Integrationsplattform 29

Abbildung 12: BPMN Prozessmodell 31


Business Process Management Suites

iv

Abkürzungsverzeichnis

BCF

Boston Corporate Finance

BPEL

Business Process Executive Language

BMIDTF

Business Modelling & Integration Domain Taskforce

BPM

Business Process Management

BPMI

Business Process Management Initiative

BPMN

Business Process Management Notation

BPMS

Business Process Management Suite

CEO

Chief Executive Officer (Geschäftsführer)

CIO

Chief Information Officer (Leiter EDV-Abteilung eines Unternehmens)

CWM

Common Warehouse Metamodel

EM Enterprise

Modelling

GPM Geschäftsprozessmanagement

IKT Informations-

und

Kommunikationstechnologie(n)

IT

Informationstechnologie

M&A

Mergers & Acquisitions

MOF

OMG Meta-Object Facility

OLAP

Online Analytical Processing


Business Process Management Suites

v

OMG Object

Management

Group

ROI

Return on Investment

SME

Small and Medium-sized Enterprise

UML

Unified Modelling Language

XMI XML

Meta

Interchange

XML

Extensible Mark-up Language


Business Process Management Suites

1

1 Einleitung

,,If the object of the 19th-century robber barons was to build vertical monopolies and

control entire industries, and the 20th century spawned diversified horizontal

conglomerates, then the start of the 21st century is the age of the scattered cooperation."1

Die Transformation der Unternehmen und das Ende unternehmerischer Autarkie sind kein

schleichender Prozess. Die sich immer wieder selbst beschleunigende Weiterentwicklung neuer

Technologien hat nicht nur den menschlichen Alltag im Privaten, sondern vor allem den

unternehmerischen Arbeitstag verwandelt. Heutige Unternehmen sind keine sich selbst

versorgenden Inseln, die von eigenen Rohstoffen über die Produktion bis zum Vertrieb jeden

Prozess im Alleingang oder mit Hilfe exklusiver Zulieferer und Abnehmer vollziehen.

Gegenwärtige Unternehmen finden sich in einer globalisierten Welt wieder, deren

Anforderungen eine unbedingte und zeitlich sowie örtlich extrem flexible Anpassung zwingend

erforderlich macht. Die meisten, und darunter vor allem die großen Unternehmen, exerzieren

diese neue Geschäftstätigkeit bereits par excellence - flexible Strukturen, weltweite Standorte

und eine globale Logistik: Unternehmen, die sich an jede Marktanforderungen schnellstens

anpassen und dies meist rastloser als es den jeweiligen an ihren Standort gebundenen Staaten

lieb ist. Die neue Informations- und Kommunikationstechnologie, die diese Entwicklung erst

möglich gemacht hat, lässt natürlich mit Lösungen für die nun viel komplexeren

Geschäftsprozesse und somit neu entstehenden Ansprüche nicht auf sich warten. Business

Process Management- oder Geschäftsprozessmanagementlösungen versprechen ,,Unternehmen

auf dem Weg zum flexiblem Echtzeitunternehmen einen Schritt weiter zu bringen"2. Sie

versichern den Übergang von Autarkie zu Globalität zu unterstützen, um dem Unternehmen so

zu ermöglichen, auf neue Informationen schneller zu reagieren sowie die Prozesse flexibler an

geänderte Erfordernisse anzupassen. Der Markt der Softwarelösungen in diesem Bereich ist

ebenso lebhaft wie die neuartige unternehmerische Anpassung an globale Gegebenheiten: jung,

dynamisch aber auch unübersichtlich da kaum etabliert und sich ständig weiter entwickelnd.

1 Sterling Commerce (2005): Business Process Management.

2 Müller, Dietmar (2004): Business Process Management (BPM) auf dem Vormarsch


Business Process Management Suites

2

1.1 Inhaltlicher Schwerpunkt der Seminararbeit

Diese Seminararbeit versucht demzufolge jenen neuen Markt näher zu erforschen. Dabei

werden mehrere Perspektiven in Betracht gezogen. Neben der unternehmerischen Grundlage

des Geschäftsprozessmanagements werden die Business Process Management Suites darauf

folgend sowohl von wirtschaftlich-ökonomischer Seite, als auch von einer eher technisch-

angewandten Seite her betrachtet. Zu Beginn wird der Bereich des

Geschäftsprozessmanagements folglich näher berührt. Dabei wird vor allem auf die

Erfolgsfaktoren und die daraus entstehenden Anforderungen und Ziele an das

Geschäftsprozessmanagement eingegangen. Anwendungsbereiche als auch

schwerpunktmäßige Technologien für die Modellierung von Geschäftsprozessen werden

nachstehend vorgestellt, um ein erstes Verständnis für die inhaltliche Bedeutung, die in dem

Geschäftsprozessmanagement liegt, zu erlangen, als auch um in die Thematik der Business

Process Management Suites einzuleiten. Des Weiteren wird die Seminararbeit den Markt der

angebotenen Softwarelösungen in diesem Bereich vorstellen. Hierbei wird kurz auf bisherige

Entwicklungen eingegangen, wobei der Schwerpunkt jedoch auf dem derzeitigen Stand sowie

der weiterhin zu erwarteten Entwicklung liegt. Während der Vorstellung einiger selektierter

Produkte liegt das Hauptaugenmerk dabei vor allem auf dem derzeitigen technologischen Stand

sowie eventuellen Problematiken und deren Lösungsvorschlägen mit Hilfe erster

Standardisierungsvorhaben. Ein Ausblick in die weitere Entwicklung und die Trends in diesem

Bereich beendet die Seminararbeit, deren Anliegen es ist, einen ersten Ein- und Überblick in

diesen Markt aus sowohl wirtschaftlicher als auch technologischer Sicht zu bereiten.

1.2 Begriffe und Definitionen

Im Rahmen dieser Arbeit werden die Begriffe Geschäftsprozessmanagement oder dessen

englische Entsprechung ,,Business Process Management" synonym verwandt. Dabei werden

verschiedene Abkürzungen wie ,,BP-Management" oder ,,BPM" bzw. ,,BP-Management

Suites", ,,BPM-Suites" sowie ,,BPMS" wechselnd verwendet werden, sich jedoch stets auf das

Geschäftsprozessmanagement sowie die betreffende Softwarelösung einer Suite beziehen.


Business Process Management Suites

3

Aufgrund der derzeit noch fehlenden allgemeingültigen Definitionen werden hier kurz die

wichtigsten Begriffe innerhalb des Rahmens dieser Arbeit definiert:

Unter Geschäftsprozessmanagement wird eine ,,Methode zur ganzheitlichen Ablaufoptimierung

von Prozessen"3, die sich an der allgemeinen Geschäftsstrategie des Unternehmens orientiert,

verstanden. Dies beinhaltet den Prozessentwurf, die Prozessimplementierung und

Prozesskontrolle sowie die Optimierung von Prozessen.

Analog wird unter einer BPM-Suite im Rahmen dieser Arbeit eine Softwarelösung für das

Geschäftsprozessmanagement verstanden, die der folgenden Definition entspricht:

Eine BPM Suite ermöglicht die Modellierung, die Kontrolle und die Optimierung sowie die

Integration von Geschäftsprozessen in einer Lösung. Im speziellen verfügt sie über folgende

Funktionsbausteine: Definition von Prozessen, Ausführung von Prozessen, Verwaltung von

Prozessen, Optimierung von Prozessen, Integration von Anwendern, Prozessen und

Anwendungen sowie Einbindung der Benutzer in Prozesse.

2 Geschäftsprozessmanagement und IT-Lösungen

Geschäftsprozessmanagement ist ein Begriff, der heutzutage regelrecht zum Modebegriff

avanciert. Benutzt man z.B. die Online Suchmaschine ,,Google"4, so erhält man für den

Suchbegriff <Geschäftsprozessmanagement> allein für Seiten auf Deutsch 1.060.000 Treffer in

0,18 Sekunden. Das englische Akronym <BPM> bringt es sogar auf 1.580.000 Suchergebnisse.

Es ist wohl kaum notwendig zu erwähnen, dass die wenigsten Seiten dieses Suchergebnisses

weder im weiten noch im engeren Sinne letztendlich inhaltlich dem Begriff des

Geschäftsprozessmanagements gerecht werden. So eröffnet sich folglich die Frage, was es mit

diesem Begriff nun tatsächlich auf sich hat.

Vor allem in Deutschland findet in regelmäßigen Abständen eine immer wieder teilweise mehr

oder weniger fachlich basierte sowie emotional kontrollierte Diskussion bezüglich der

Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen im internationalen Vergleich statt. Insbesondere

3 Siehe http://www.tiscon.com/Was_ist_BPM.15.0.html (Stand: Februar 2006)

4 http://www.google.de (alle Sucherergebnisse mit Stand: 02. März 2006)


Business Process Management Suites

4

zu hohe Arbeitskosten werden hier als für den Wettbewerb nachteilig angesehen. Dabei wird

aber häufig ein weiterer wichtiger Faktor übersehen ­ die Produktivität eines Unternehmens.

Laut einer Analyse von Gartner entfallen ,,30 ­ 40 % der Arbeitszeit in deutschen Büros [...]

auf manuelle Dokumentenverwaltung [...]. Diese ließe sich mit elektronischen Dokumenten um

70% reduzieren ­ ein Potenzial von umgerechnet 55 Milliarden Euro für die Steigerung der

Produktivität in Deutschland."5 Ziel ist es folglich, die Funktionsorientierte Struktur der

Unternehmen in eine Prozessorientierte Struktur umzuwandeln. Das dazugehörige

Geschäftsprozessmanagement definiert sich hierbei ,,über das Bewusstsein, Geschäftsprozesse

abteilungsübergreifend [sic] planen, steuern und kontrollieren zu müssen sowie der Umsetzung

dieser Erkenntnis mithilfe der vorgestellten und ggf. weiterer Methoden."6 Abstrahiert kann

man GPM folglich als die Prozessorientierte Betrachtung der unternehmerischen Tätigkeiten

eines Unternehmens ansehen, dessen Optimierung zur Steigerung von Effizienz und Effektivität

führt. Dabei bedient sich das Management von Geschäftsprozessen verschiedener Methoden,

die aus unterschiedlichen Bereichen entnommen werden, so zum Beispiel des Real-time

Business Managements, des Business Process Re-engineerings und der Prozesskostenrechnung.

Hinzu kommen Methoden des Wissensmanagements, des Total Quality Managements, der

Business Intelligence, dem Customer Relationship Management und des Change Managements.

Primäres Ziel ist jedoch die Optimierung von Geschäftsprozessen, welches einen permanenten

Handlungsbedarf darstellt und nicht durch eine Einmaligkeit der Handlung charakterisiert

werden kann.

2.1 Erfolgsfaktor

Geschäftsprozessmanagement

Geschäftsprozessmanagement soll folglich die Effizienz und Effektivität von Unternehmen

durch die Modellierung, Kontrolle und vor allem durch die Optimierung von

Geschäftsprozessen steigern. Hierbei soll letztendlich die Produktivität gesteigert werden, die

sich nicht zuletzt in den betriebswirtschaftlichen Kennzahlen für unternehmerischen Erfolg

niederschlägt: vor allem in Umsatzzahlen und einen gesteigertem ROI. Die Zugrundelegenden

Erfolgsfaktoren für ein überzeugendes Ergebnis des GPM sind hierbei laut Berlecon Research7

5 Weige, Franz (2005): Geschäftsprozesse optimieren: Warum eigentlich nicht?

6 Freund, Jakob (2004): Was ist eigentlich Prozessmanagement?

7 Berlecon Research GmbH (2005): BPM in der Praxis.


Business Process Management Suites

5

die Einbindung der Fachabteilungen, ein durchgängiges BPM-Konzept, kurze Projektlaufzeiten,

vordefinierte Prozesse und Serviceorientierte Architekturen. Die ROI-Berechnung ­ als

Erfolgsmesser des GPM ­ ist neben der fachlichen Ausrichtung und der Festlegung der

Prozesskennzahlen somit die Herausforderung, der sich das Geschäftsprozessmanagement

stellen muss. Dennoch kann BPM bereits Erfolge aufweisen. Die vom ,,Kompetenzzentrum für

Geschäftsprozessmanagement"8 in Auftrag gegebene Umfrage bezüglich des Status Quo im

Geschäftsprozessmanagement für den deutschsprachigen Raum ergab für das Jahr 2004/05

folgendes Ergebnis bezüglich der Vorteile, die eine nachhaltige Steuerung mit

Geschäftsprozessen dem befragten Unternehmen bisher gebracht hat:

Abbildung 1: Vorteile GPM 2004

Quelle:

http://www.bpm-expo.com/bpmexpo/export/sites/default/fachinfo/Trend_und_studien/Umfrageergebnisse_2004_Gesamt.pdf

Ein ähnliches Ergebnis lässt sich aus der für das Jahr 2005 durchgeführten Wiederholung der

Studie erkennen, welche zurzeit nur für Deutschland vorliegt:

8 Siehe: http://www.bpm-expo.com.


Business Process Management Suites

6

Abbildung 2: Vorteile GPM 2005 (nur Deutschland)

Quelle:

http://www.bpm-expo.com/bpmexpo/export/sites/default/fachinfo/Trend_und_studien/GPM_2005_Ergebnisse_Deutschland.pdf

Aus Obenstehenden Umfrageergebnissen, die jeweils unter ca. 200 in Deutschland, Österreich

und der Schweiz ansässigen Unternehmen durchgeführt wurden, lassen sich somit vor allem die

finanziellen Vorteile des Geschäftsprozessmanagements erkennen: Senkung von Prozesskosten

bei verbesserten Durchlaufzeiten und gesteigerter Qualität, die zudem eine erhöhte

Kundenzufriedenheit mit sich bringt. Dass dies Umsatzsteigerungen zu Folge hatte, überrascht

folglich wenig.

2.2 Ziele und Anforderungen an BPM-Softwarelösungen

Die hohen Erwartungen an das Geschäftsprozessmanagement übertragen sich natürlich auch auf

die potenzielle in Einsatz kommende Softwarelösung. BPM-Suites sollen die für das BPM

wichtigen Tätigkeiten nicht nur unterstützen, sondern vor allem vereinfachen. Ziel ist es

folglich, die durch das Geschäftsprozessmanagement entstehenden Effizienzvorteile durch ein

an sich ebenfalls effizientes BPM erneut zu erhöhen. Prozesse zu modellieren, zu kontrollieren,

zu optimieren und zu analysieren soll folglich durch IT-Unterstützung effektiver, schneller und

kostengünstiger vonstatten gehen. Da BPM-Suites, wie bereits erwähnt, jegliche Stufen des

Geschäftsprozessmanagements von der Modellierung der Prozesse bis hin zur Optimierung

dieser ausführen können müssen, können die Anforderungen entsprechend auf die jeweiligen


Business Process Management Suites

7

Abschnitte unterteilt werden. Somit werden sowohl an die Modellierung, als auch an die

Implementierung, die Integration und die Optimierung spezifische Anforderungen gestellt.

Neben den selbstverständlichen Erwartungen, die an jede Software gerichtet werden (wie z.B.

Handhabung, Verlässlichkeit und syntaktische Fehlerfreiheit), existieren auch spezifischere

Anforderungen. Diese können jedoch sehr detailliert und auf den jeweiligen Wirtschaftssektor,

die Unternehmensaktivität, die Unternehmensstruktur bzw. auch auf das Profil des jeweiligen

Entscheiders bezogen und somit sehr unterschiedlich ausgeprägt sein.

Ein allgemeingültigerer Ansatz wurde durch das Athena Projekt9 formuliert. Hierbei wird

beansprucht, dass BPM Softwarelösungen geringe Ressourcen beanspruchen, Wissen

transferieren, einfach verständliche und kundenspezifische Modellierungen ermöglichen sowie

in der Handhabung leicht adaptierbar sind. Eben diese Anforderungen unterstreichen erneut das

Ziel des erfolgreichen Geschäftsprozessmanagements: Effizienz und Effektivität. Dazu gehört

natürlich auch, neben der verlässlichen Unterstützung, dass eine derartige Software keine

zusätzlichen Hemmnisse durch unhandliche oder zu komplexe Handhabung verursacht und

wenig Personaleinsatz fordert. Zusätzlich soll der Wissenstransfer zwischen den einzelnen

Geschäftsbereichen, aber auch über die strukturellen und lokalen Grenzen des Unternehmens

hinaus, unterstützt bzw. vereinfacht werden. Eine weitere allgemeine Beschreibung der

Anforderungen an BPM-Suites wird in nachfolgender ,,BPM Challenges Matrix" dargestellt.

2.2.1 Die ,,BPM Challenges Matrix"

Das Athena Project10 hat ebenfalls bezüglich der innerhalb des Enterprise Modelling (EM)

resultierenden Problematiken eine gute Ausarbeitung für die im Rahmen des EM gestellten

Anforderungen formuliert, welche hier durch die für das BPM erweiterten Anwendungen

angepasst dargestellt werden.

9 Garcia Diez, Ana Belén (2004): First Version of State of the Art in Enterprise Modelling Techniques and Technologies to

Support Enterprise Interoperability.

10 Garcia Diez, Ana Belén (2004): First Version of State of the Art in Enterprise Modelling Techniques and Technologies to

Support Enterprise Interoperability.


Business Process Management Suites

8

Tabelle 1: BPM Challenges Matrix

Prozess

Wissen

Infrastruktur

Heterogenität

Prozessvielfalt:

Schaffung von

Interoperabilität

Modellierung und

Kommunikation zwischen

zwischen den

Koordinierung von

verschiedenen

gängigsten

verschiedenen

Prozessteilnehmern des

Softwarelösungen im

Geschäftsprozessen des

selben oder

unternehmerischen

selben oder zwischen

unterschiedlichen

Alltag sowie

unterschiedlichen

Unternehmens

innerhalb eines

Unternehmen

Unternehmens als
auch zwischen
Unternehmen

Komplexität

Prozessmanagement,

Integration und

Berücksichtigung der

Planung, Koordinierung Koordinierung von

Unternehmens-

und Monitoring von

unterschiedlichen

Architektur, Lösung

Aufgaben über

Kapazitäten in verwandten

des Problems von

Prozessteilnehmer

Prozessen

komplexen

zwischen untereinander

Geschäftsprozessen

zusammenhängenden

Prozessen

Flexibilität

Unterstützung von

Ständige Lern- und

Kundenspezifischer

vorformulierten und

Verbesserungskapazitäten und personalisierter

ad-hoc

zwischen

Support,

Prozessanforderungen, Prozessteilnehmern

effiziente

Handling von

Kommunikation

unvorhersehbaren
Faktoren

Die in der Obenstehenden ,,BPM Challenges Matrix" angeführten Anforderungen beschreiben

die Problemfelder innerhalb des Geschäftsprozessmanagements, welche durch BPM-Suites

beantwortet werden sollten. Bezüglich der Funktionalität von BPM-Suites können folglich drei

Kernanforderungen formuliert werden: Heterogenität, Komplexität und Flexibilität. Während

die

Heterogenität

der Geschäftsprozesse jeweilige Vielfalt von Informationen und

Basiskenntnissen, sowie der Software- und Systemkapazitäten und die Arbeitspraxen zwischen

verschiedenen Prozessen berücksichtigen muss, bezieht sich die

Komplexität

auf korrelierende

Aktivitäten, Ressourcen, Fähigkeiten und Services zwischen den zwar unterschiedlichen, jedoch

zueinander in einer Wechselbeziehung stehenden Prozessen. Die Bedingung der

Flexibilität

muss zudem der kontinuierlichen Innovation, dem Wechsel oder dem Einbezug von neuen


Business Process Management Suites

9

Prozessen gerecht werden. Diese Anforderungen sollen innerhalb des Unternehmens auf

verschiedene Ebenen differenziert werden, welche sich wiederum durch den Bezug zu den

jeweiligen Prozessen unterscheiden. Innerhalb der Matrix wird hierbei zwischen Prozess,

Wissen und Infrastruktur unterschieden. Hierbei bezieht sich

Prozess

wiederum auf die

Modellierung, Koordinierung und Optimierung von Aktivitäten und Ressourcen.

Wissen

wird

als die Herleitung und Bewertung von Herangehensweisen, Methoden und Fähigkeiten

beschrieben, die für das GPM von Bedeutung sind. Die

Infrastruktur

beinhaltet schlussendlich

die unternehmensinterne und -externe Interoperabilität zwischen anderen Softwarelösungen.

2.3 Vorteile von BPM-Suites

Die Funktionen jedes Unternehmens sind auf mehreren Geschäftsprozessen basiert. Diese

Prozesse definieren verschieden Aufgaben, Regeln und Ressourcen, deren Ziel wiederum die

Lieferung von Produkten, Dienstleistungen oder Informationen zum internen und externen

Kunden darstellen. Während die Geschäftsprozessmanagementprinzipien auf jegliche Art der

Abläufe anwendbar sind, sind einige Prozessmerkmale hierbei relevant um das

Verbesserungspotential zu beurteilen. Diese Merkmale können durch den Einsatz von BPM-

Suites systematisch bearbeitet und visualisiert werden:

1.

Zusätzliches Verbesserungspotential:

Häufig durchgeführte Prozesse generieren hohe

anfallende Kosten für das Unternehmen. Mit der Anwendung von BPM-Prinzipien

können Verbesserungen erfolgen, die höhere Werte für das Unternehmen liefern.

2.

Optimierung der Prozessschritte:

Je mehr Ressourcen und Aktionen in einem Prozess

beteiligt sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Ablaufverzögerungen

eintreten. Die Automatisierung von derartigen Prozessen führt zur Reduzierung von

Verzögerungen und zu verbesserter Koordination der jeweiligen Ressourcen.

3.

Automatisierungsmöglichkeiten:

Die Einsatzmöglichkeiten der Automatisierung

spezifischer Abläufe sind mit Hilfe von BPM gut erkennbar. Allerdings bedeutet dies

nicht, dass manuelle Aufgaben komplett ersetzt werden können.

4.

Vermeidung von Fehlern:

Viele Geschäftsprozesse sind mit Fehlern belastet.

Versehentliche Fehler und inkonsistente Prozessanwendungen können mit Hilfe von

BPM-Suites identifiziert und korrigiert werden.


Business Process Management Suites

10

2.4 Technologien

der

BPM-Suites

Auf dem Markt werden derzeit viele verschiedene Arten von Softwarelösungen unter dem

Namen ,,BPM-Suites" angeboten. Auf der Basis der unter dieser Bezeichnung offerierten BPM-

Suites können die folgenden Kategorien definiert werden11:

1.

BPM-Softwarelösungen mit vordefinierten Lösungsvorlagen, Notationen,

Metamodellen und Modellen von Geschäftsprozessen.

2. BPM-Softwarelösungen mit Tools und Plattformen für modifizierbare Modellvorlagen,

Metamodellen und Sprachen.

3. BPM-Softwarelösungen mit Modellierungsplattformen, Modellierungssprachen und

Modellverwaltung.

4. BPM-Softwarelösungen wie in Kategorie 3, die jedoch auch Verbindungen zu anderen

Modellierungsplattformen und BPM-Softwarelösungen beinhalten.

5. BPM-Softwarelösungen, in denen Knowledge-Management-Systeme integriert sind.

Hierbei werden hauptsächlich die in den Kategorien drei und vier genannten Softwarelösungen

in der Industrie angewandt. Die Verbindung zwischen den verschieden Softwarelösungen und

Herangehensweisen können anhand mehrerer aufeinander aufbauender Schichten graphisch

dargestellt werden12. Jede BPM-Suite ist auf Modellierungssprachen oder

Entwicklungsplattformen basiert, wie z. B. auf J2EE, Eclipse, XML oder BPEL. Zusammen mit

verschieden BPM-Tools, Utilities und BPM Server Engines, sind die Modellierungssprachen in

einer BPM-Suite vereinigt. Zusätzlich wird das Knowledge-Framework in die BPM-Suite und

Applikation eingefügt. 13

Innerhalb dieser Schichten sind klare Abgrenzungen verschiedener Technologien und deren

Hierarchie angezeigt. Jede Schicht basiert auf der darunter liegenden Ebene und verwendet die

Technologien, welche in dieser Ebene definiert sind. Jede BPM-Suite ist somit auf der

Verwendung von verschiedenen Technologien basiert.

11 Garcia Diez, Ana Belén (2004): First Version of State of the Art in Enterprise Modelling Techniques and Technologies to

Support Enterprise Interoperability.

12 Siehe Abbildung 3.

13 Meyers D., und P. Harmon (2005): The 2005 BPM Report.


Business Process Management Suites

11

Abbildung 3: BPM - Softwareschichten

Quelle: Meyers D. and P. Harmon; The 2005 BPM Report.

3 Marktanalyse

Dieser Teil der Seminararbeit beleuchtet den wirtschaftlichen Aspekt eines Überblickes über

den Markt der derzeitigen Anbieter von Geschäftsprozessmanagement-Softwarelösungen.

Hierbei wird kurz auf die vergangene Entwicklung im Zeitrahmen von circa zwei Jahren

eingegangen. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch bei der näheren Erläuterung der derzeitigen

Anbieter und Nachfrager von Business Process Management Suites. Anhand von kürzlich

durchgeführten Studien werden außerdem Trends für eine weitere Entwicklung des Marktes

bezüglich Wachstum und Struktur abgeleitet.

3.1 Räumliche und zeitliche Eingrenzung des Marktes

Marktübersichten müssen mehreren Anforderungen genügen, so auch der Vollständigkeit.

Natürlich ist Vollständigkeit eine Maxime, welche schwer zu erreichen ist und auch im Rahmen


Business Process Management Suites

12

dieser Arbeit nicht erreicht wird. Jedoch wurde der zu untersuchende Markt mit der Vorgabe,

diesem Anspruch zumindest in einem gewissen Maße gerecht zu werden, räumlich eingegrenzt.

Die Marktübersicht bezieht sich daher ausschließlich auf den deutschsprachigen Markt, wobei

die Länder Deutschland, Österreich und die Schweiz einbezogen werden. Folglich werden alle

Unternehmen, die (auch) deutschsprachige Lösungen anbieten, in die Analyse mit einbezogen.

Entscheidend für die Auswahl der Produkte ist somit nicht das Ursprungsland, sondern das

Zielland. Dementsprechend ist die Analyse der Nachfrager strikt auf die soeben genannten

Länder reduziert. Zeitlich ist der Markt in einem Zeitfenster von ca. 4 Jahren zu sehen. Die

bisherige Entwicklung verlässt den Zeitraum von vor zwei Jahren nicht. Auch die Trends sind

als kurzfristige Prognosen anzusehen. Die Analyse der Anzahl der Anbieter auf dem deutschen

Markt, ist auf den Monat Februar 2006 datiert.

3.2 Bisherige

Entwicklung

Der BPM-Markt ist ein sehr junger Markt, der seit circa zwei Jahren ein überdimensionales

Wachstum verzeichnet. Diese rasante Entwicklung lässt sich auch zum Teil dadurch erklären,

dass der BPM-Markt sich nicht aus einem Vakuum heraus generierte, sondern aus elf

Teilmärkten entsprang, welche in nachfolgender Grafik dargestellt sind.

Während man anhand der Vielzahl an Ursprungsmärkten gut erkennen kann, welcher

Funktionsumfang eine komplette BPM-Softwarelösung ausmachen sollte, führte dies jedoch

auch zu einem gewissen Mangel an Transparenz und somit zu Verunsicherung für potenzielle

Kunden. Unter dem Begriff ,,Business Process Management" wurden und werden die

unterschiedlichsten Technologien und Lösungen angeboten.

Abbildung 4: Ursprungsmärkte des BPM-Marktes


Business Process Management Suites

13

Quelle: http://www.prozessmanagement-news.de/html/bpm_vendor_beratung.html

Trotz der schnellen Expansion des Marktes, der innerhalb kürzester Zeit um die 100 Anbieter

von BPM-Softwarelösungen im allein auf dem deutschen Markt verzeichnete, fiel das

Wachstum somit leicht geringer aus als erwartet14. Dies lasse sich hauptsächlich in einer

latenten Zurückhaltung der Kunden begründen. Im internationalen Vergleich hinkt vor allem

der deutsche Markt leicht hinterher, obwohl deutsche Unternehmen konsequent ihre Effizienz

zu steigern versuchen. Die Gründe hierfür liegen laut Jon Pyke, dem Vorsitzenden der

Workflow Management Coalition in einer falschen Fokussierung deutscher Unternehmen: ,,Der

Fokus liegt noch zu sehr auf den technischen Möglichkeiten der Prozessmodellierung als auf

der Implementierung von Lösungen."15 Der Vorsitzende des Fachbeirats BMPcircle, Thomas J.

Olbrich, sieht die Ursachen hingegen eher in dem funktionalen Aufbau deutscher Unternehmen

und der fehlenden Bereitschaft diese Strukturen zu ändern, weil dies mit der ,,Änderung von

Machtverhältnissen" zu tun habe.16

14 Boston Corporate Finance, Inc. (2004): Enterprise Integration Software.

15 In Petrik, Claudia E. (2005): BPM kann funktionieren ­ auch in Deutschland.

16 In Petrik, Claudia E. (2005): BPM kann funktionieren ­ auch in Deutschland.


Business Process Management Suites

14

3.3 Status

Quo

"Der Markt für BPM-Lösungen ist derzeit so undurchsichtig wie noch nie."

(Marc S. Tenbieg, BRAICONN Deutschland)

Mit obigem Zitat kann der derzeitige Zustand auf dem Markt für Business Process Management

Softwarelösungen bereits vollständig beschrieben werden. Die Ursachen liegen in dem bereits

erwähnten Entstehungsprozess des BPM-Marktes. BPM als effektive Lösungsvariante für eine

effizientere Unternehmensführung hat natürlich per se eine Berechtigung für Marktwachstum.

Dieses Wachstum hat jedoch konsequenterweise zu einem regelrechten ,,Hype" geführt, da

Anbieter von Business Software Solutions einen Teil des hier entstehenden Umsatzes in ihre

Unternehmenskassen lenken und somit auch für sich Gewinne abschöpfen möchten. Ein

gewisser Prozentsatz des daraus resultieren und als ,,überdimensional" eingestuften Wachstums

ist daher inhaltlich nicht eindeutig auf BPM-Suites im eigentlichen Sinne zurück zu führen.

Dennoch ist BPM derzeitig das vorherrschende Thema in der IT-Welt, neben dem stets

relevanten und Aufmerksamkeit erhaltenden Kommunikationsbereich. Dieser Trend lässt sich

auch an der Zusammensetzung der diesjährigen CeBIT in Hannover erkennen. 6 ½ der 24

Hallen sind dem Thema ,,Business Process" gewidmet, was nur noch durch die

Endverbraucher-freundlicheren Themen ,,Communications" (7 Hallen) und ,,Digital Equipment

& Systems" (7 ½ Hallen) übertroffen wird17.

3.3.1 Anbieter

Derzeit kann man von mehr als 120 Anbietern auf dem deutschsprachigen Markt ausgehen.

Hierbei ist es jedoch sehr schwer festzustellen, inwiefern diese Anbieter auch den Ansprüchen

an eine BPMS in allen Punkten gerecht werden. Eine gute Auflistung einiger Anbieter, die in

BPM Engine Anbieter und BPM Design Anbieter unterteilt ist, führt jedoch allein für den

deutschen Markt bereits 96 Anbieter auf18. Der BPM-Anbietermarkt ist einer rasanten

Veränderungsdynamik bezüglich Strategiewechsel, Methodik und Technologieentwicklung

ausgesetzt. Der daraus resultierende verstärkte Wettbewerb, der bereits erste M&A Trends

aufweist, zwingt die Anbieter bereits zur Spezialisierung, welche entweder horizontal oder

17 Siehe: http://www.cebit.de/7301?x=1.

18 Siehe: http://www.bpm-uebersicht.de


Business Process Management Suites

15

vertikal erfolgt. Dabei können die Anbieter von BPM-Softwarelösungen jedoch noch weiter

differenziert werden. Die Boston Corporate Finance19 unterteilte derzeitige BPMS-Anbieter in

,,platform players", ,,template players" und ,,packaged application vendors". Plattform-Anbieter,

wie z.B. Ultimus, offerieren Entwicklungsplattformen, die typischerweise zur Automatisierung

von unternehmensweiten oder Unternehmensübergreifenden Prozessen verwendet werden.

Zusätzlich liefern diese Anbieter Entwicklungstools, die die Programmierung von

Anwendungen auf der Plattform ermöglichen. Laut BCF sind die meisten Plattform-Anbieter

ebenfalls ,,template players". Diese Anbieter nutzen vorgefertigte Templates, die spezifische

Geschäftsprozesse automatisieren. Diese Art der BPM-Softwarelösungen liefern in der Regel

70-90% aller notwendigen Funktionalitäten auf einem wesentlich niedrigeren Preisniveau als es

kundenspezifische Entwicklungen zulassen würden, wobei sie zudem flexibler als die dritte

Gruppe der von den ,,packaged players" angebotenen Lösungen sind. Letztere offerieren

punktgenaue Lösungen für sehr spezifische, weitestgehend homogene unternehmerische, die

zudem auf Best-Practice Modellen basieren. Laut BCF waren vor allem Anbieter der letzten

Gruppe im Verkauf von BPM-Solutions weniger erfolgreich, woraufhin sich vor allem diese

Unternehmen auf Nischenprodukte spezialisieren. BPM-Templates- und BPM-Plattform-

Anbieter gehören zu den erfolgreicheren Anbietern. Insgesamt ist der deutschsprachige Markt

vor allem durch kleinere und mittlere Unternehmen geprägt. Noch halten sich die großen

Anbieter wie IBM, Microsoft, SAP und Oracle zurück. Die bereits beginnende

Marktkonsolidierung, die durch Aufkäufe und Zusammenschlüsse von Firmen geprägt ist, kann

den Trend der immer noch weiter steigenden Anzahl an Anbieter noch nicht ausgleichen. Diese

steigende Zahl wird zurzeit zum einem durch in ausländischen Märkten bereits etablierte

Anbieter hervorgerufen, die nun auch in den deutschsprachigen Markt eintreten, als auch von

neuen Anbietern innerhalb des deutschsprachigen Marktes. Es ist schwer, wenn nicht sogar

unmöglich einen Marktführer ausfindig zu machen. Ultimus und Tibco-Staffware sind

zumindest bereits sehr gut etablierte Anbieter, die von Adobe, Verity und Fujitsu in ihrer

Position herausgefordert werden können. Des Weiteren sind auch Gründungen von

übergeordneten Organisationen oder deren Zusammenschlüsse derzeit für den Markt

charakterisierend20.

19 Boston Corporate Finance, Inc. (2004): Enterprise Integration Software.

20 Siehe Teil 3.5. dieser Seminararbeit.


Business Process Management Suites

16

3.3.2 Nachfrager

Nachfrager sind jegliche Unternehmen des deutschsprachigen Raumes, die ihr

Geschäftsprozessmanagement durch IT-Lösungen unterstützen möchten. Hierbei ist die

Definition oder die Festlegung der Nachfrager per se weniger von Bedeutung, als ihre

Wahrnehmung für die Bedeutung von Geschäftsprozessmanagement als auch ihre Bereitschaft

bezüglich der Implementierung von diesbezüglicher Software. Dabei werden eine durch die

Firma Vitria im Juli 2005 durchgeführte, sowie die durch das Kompetenzzentrum für

Geschäftsprozessmanagement in Auftrag gegebene Umfrage zugrunde gelegt. Die durch die

Firma durchgeführte Umfrage21 unter 82 IT-Entscheidern in deutschen Unternehmen mit

jeweils mehr als 1000 Mitarbeitern, ergab, dass 76% der Befragten der Optimierung von

bestehenden Geschäftsprozessen den Vorrang vor dem Einsatz der jeweils neuesten IT-

Technologie geben. Somit ist die IT für eine aktive Gestaltung der Geschäftsprozesse und zieht

dies sogar dem optimierten Technologieeinsatz vor. Das oft herrschende

Kommunikationsproblem zwischen CEO und CIO scheint zumindest in Bezug auf das

Geschäftsprozessmanagement nicht mehr von Relevanz zu sein, die IT erkennt somit die für das

Unternehmen wichtige Prozessoptimierung als vorrangig und unterstützenswert an. Die durch

das Kompetenzzentrum für Geschäftsprozessmanagement im Jahr 2004 in Auftrag gegebene

Umfrage22 unter 800 Unternehmen, die mit 191 auswertbaren Antworten dennoch als

repräsentativ gelten kann, kann vor allem im Bereich der Wahrnehmung und

Adaptionsbereitschaft gute Ergebnisse präsentieren. So ergab die Umfrage, dass für 94% aller

Befragten das GPM von aktuellem Interesse ist, wobei 64% sogar eine zunehmende Bedeutung

für die Zukunft angaben. Lediglich 2% hielten GPM für unwichtig oder fanden keinen

thematischen Bezug. Nachfolgende Grafik stellt die IT-Anwendungen dar, die derzeit die

Gestaltung der unternehmerischen Abläufe in den befragten Unternehmen beeinflusst.

Abbildung 5: IT-Anwendungen mit Einfluss auf Gestaltung von Abläufen

21 Siehe: http://www.globalewirtschaft.de/pm/index.php?w=det&ID=16212.

22 Siehe http://www.bpm-

expo.com/bpmexpo/export/sites/default/fachinfo/Trend_und_studien/Umfrageergebnisse_2004_Gesamt.pdf


Business Process Management Suites

17

Quelle: http://www.bpm-

expo.com/bpmexpo/export/sites/default/fachinfo/Trend_und_studien/Umfrageergebnisse_2004_Gesamt.pdf

In Anbetracht der in der obigen Abbildung dargestellten Ergebnisse, ist vor allem die

nachfolgende Frage bezüglich der aktuellen Situation hinsichtlich des Einsatzes einer

integrierten IT-Anwendung für das Prozessmanagement von Bedeutung. Dabei gaben 24% an,

dies bereits realisiert zu haben. Weitere 18% erklärten, dass eine Umsetzung in Konzeption sei,

während 5% den Status als ,,fest geplant" und weitere 32% als ,,vorgesehen" angaben. Lediglich

21% der an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen sahen eine BPM-Softwarelösung für

,,nicht sinnvoll" an. Somit ist eine breite Nachfrage nach BPM-Suites per se gegeben. Für eine

bessere demoskopische Einschätzung der Ergebnisse, seien jedoch noch die Ergebnisse

bezüglich der Branche und der Unternehmensgröße dargestellt.

Abbildung 6: Unternehmensbranche


Business Process Management Suites

18

Quelle: http://www.bpm-

expo.com/bpmexpo/export/sites/default/fachinfo/Trend_und_studien/Umfrageergebnisse_2004_Gesamt.pdf

Abbildung 7: Unternehmensgröße

Quelle: http://www.bpm-

expo.com/bpmexpo/export/sites/default/fachinfo/Trend_und_studien/Umfrageergebnisse_2004_Gesamt.pdf


Business Process Management Suites

19

Dabei ist zu erkennen, dass die Nachfrage sowohl hinsichtlich der Branchen als auch der

Unternehmensgröße weitestgehend gegeben ist. Da jede Unternehmensgröße und alle Sektoren

in der Umfrage vertreten sind, so ist zumindest davon auszugehen, dass in jedem

wirtschaftlichen Bereich über alle Unternehmensgrößen hinweg der Begriff

Geschäftsprozessmanagement bereits bekannt ist.

3.4 Trends

Bezüglich der Wahrnehmung von BPM ist eine weitere Verbreitung und steigende Bedeutung

zu erwarten. Dieses Ergebnis liefert auch die erneut im Jahr 2005 stattgefundene Umfrage des

Kompetenzzentrums für Geschäftsprozessmanagement, wobei bisher jedoch nur die Ergebnisse

für Deutschland vorliegen23. Dabei konnte festgestellt werden, dass im Vergleich zum Vorjahr

das generelle Interesse an GPM noch weiter zugenommen hat. Insgesamt 96% stuften GPM

mindestens als wichtiges aktuelles Thema ein, was eine Steigerung um 3 % für Deutschland

bedeutet. Ebenso stieg die eingeschätzte steigende zukünftige Bedeutung um 12% auf 77% aller

Unternehmen, die diese Aussage bestätigen, an. Des Weiteren nimmt der geplante Einsatz von

BPMS ebenfalls mit insgesamt 18% deutlich im Vergleich zum Vorjahr deutlich zu. Eine

stärkere Adaptionsbereitschaft von BPMS ist auch durch die deutlich geringer vertretene

Einstellung, dass Einsatzes einer integrierten IT-Anwendung für das Prozessmanagement als

,,nicht sinnvoll" angesehen wird, zu erkennen. Als exakten Trend für das Jahr 2006 gaben des

Weiteren 73% der an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen an, dass ein konkretes Projekt

zur Verbesserung der Geschäftsprozesse geplant ist. All diese Informationen lassen auf ein

weiteres starkes Wachstum im Bereich der Nachfrage schließen ­ die Wahrnehmung für die

Bedeutung des GPM wächst, während zudem die Adaptionsbereitschaft für BPM-Suites

zunimmt.

Im Bereich der Anbieter wird sich daher der Wettbewerb weiter verstärken. In Bezug auf die

unterschiedlichen Varianten der BPM-Softwarelösungen vermutet BCF einen anhaltenden

Erfolg für die Variante, Templates auf bestehende Plattformen aufzubauen. Der deutsche Markt

wird in Zukunft eine verstärkte Konsolidierung erfahren. Die optimistischen

23 Siehe: http://www.bpm-expo.com/bpmexpo/export/sites/default/fachinfo/Trend_und_studien/

GPM_2005_Ergebnisse_Deutschland.pdf


Business Process Management Suites

20

Wachstumsprognosen sowie die damit verbundenen Umsatzgrößen locken die großen Anbieter

wie SAP, Microsoft, Oracle und IBM auf den Plan, die bereits angekündigt haben, ihr Portfolio

bezüglich BPM in den nächsten Jahren erheblich zu erweitern. Laut Berlecon Research wird

besonders SAP den derzeitigen Anbietern von BPM-Suites zunehmend starke Konkurrenz

machen. Dies wird auch die Spezialisierung von Anbietern weiter vorantreiben. Kurzfristig wird

der deutschsprachige Markt sicherlich noch mit einer großen Anzahl an Anbietern bestehen

bleiben. Mittel- und längerfristig werden sich entweder Marktführer oder spezialisierte

Nischenanbieter behaupten können. Die bereits eingesetzte Konsolidierung führt in

Kombination längerfristig zu einer kleineren Anzahl an Anbietern und somit einer besseren

Transparenz und Übersichtlichkeit des Marktes.

3.5 Initiativen und Organisationen

Wie anhand der Marktanalyse zu erkennen ist, so fehlt es dem noch relativen jungen Markt der

BPM-Softwarelösungen vor allem an Transparenz. Diese fehlt zum einen im Hinblick auf die

allgemeine Beschaffenheit des Marktes hinsichtlich Anbieter und Nachfrager, zum anderen aber

auch vor allem aufgrund von fehlenden Standards und einheitlichen Kriterien. Dass es hier

jedoch noch an solchen Rahmenbedingungen fehlt, implementiert jedoch nicht, dass an diesen

noch nicht etablierten oder umgesetzten einheitlichen Richtlinien bereits intensiv gearbeitet

wird. Hierbei treten vor allem Initiativen und Organisationen in den Vordergrund, die sich aus

auf dem Markt positionierten Anbietern zusammensetzen. Nachfolgend seien drei dieser

Institutionen erwähnt, wobei zwei hiervon vor allem durch ihre Vorreiterrolle bezüglich der

Einführung von Standards internationale Bedeutung genießen. Die dritte Organisation

fokussiert hingegen speziell den deutschsprachigen Markt und sollte somit faktisch innerhalb

dieses Marktes in Zukunft eine verstärkte Rolle spielen.

3.5.1 Object Management GroupTM (OMG)

Die OMG ist ein bereits im Jahre 1989 gegründetes Konsortium, welches sich mit der

Entwicklung von Standards für die Herstellerunabhängige und Systemübergreifende

Objektorientierte Programmierung beschäftigt. Das nicht-kommerzielle Konsortium mit offener

Mitgliedschaft produziert und erhält Spezifikationen der Computerindustrie zum Zwecke der


Business Process Management Suites

21

interoperatiblen Unternehmensapplikationen. Laut der OMG gehören beinahe alle großen

Unternehmen, sowie hunderte SMEs der Computerindustrie dem Konsortium an. Das

,,Flagschiff"24 der bisherigen Spezifikationen ist die Multi-Plattform ,,Model Driven

Architecture" (MDA), die auf Modellierungssprachen wie MOF, UML, XML und CWM

basiert und derzeit verabschiedet wird. Die OMG unterhält ebenfalls eine eigene Middleware

Plattform, die unter CORBA bekannt ist und die Interface Definition Language OMG IDL

beinhaltet. Neben den zahlreichen Spezifikationen der OMG, wie z.B. auch bezüglich von UML

(um nur eine sehr bekannte zu nennen) ist die OMG zudem ein ISO PAS Submitter, womit sie

in der Lage ist, die entwickelten Spezifikationen direkt in den schnellen Adoptionsprozess der

ISO zu übermitteln. So ist z.B. auch OMG IDL bereits ein ISO-Standard. Die OMG ist folglich

vor allem aufgrund ihrer regen Betriebsamkeit bezüglich der Entwicklung von Spezifikationen

und Standards auf internationaler Ebene von großer Bedeutung und spielt daher auch für die

Entwicklungen und Trends auf dem deutschen Markt eine entscheidende Rolle.

3.5.2 Business Modelling & Integration Domain Task Force (BMIDTF)

Im Juni 2005 veröffentlichte die Business Process Management Initiative (BPMI) und die OMG

den Zusammenschluss ihrer Aktivitäten bezüglich des Business Process Managements um eine

geistige Führungsrolle innerhalb und Industriestandards für den vitalen und wachsenden Markt

der BPM-Software zu installieren. Die zusammengeschlossene Gruppe nannte sich folglich in

die heute bestehende Business Modelling & Integration (BMI) Domain Task Force (DTF) um.

Die BPMI war ebenfalls durch weit verbreitete Standards für das Modellieren von Unternehmen

bekannt, hierzu gehört u.a. die Business Process Modelling Notation (BPMN) und das Business

Motivation Model (BMM). 98% der ehemaligen BPMI-Mitglieder arbeiten nun auch innerhalb

der OMG.

Die Mission der BMIDTF ist es, Spezifikationen von integrierten Modellen zu entwickeln,

um das Management von Unternehmen zu unterstützen. Diese Spezifikationen sollen die

Integration innerhalb eines Unternehmens, als auch zwischen Unternehmen unterstützen,

sowie die Zusammenarbeit von Menschen, Systemen, Prozessen und Informationen

unternehmensweit vereinfachen, wobei Partnerunternehmen und Kunden inbegriffen sind.

24 See http://www.omg.org/gettingstarted/gettingstartedindex.htm


Business Process Management Suites

22

Hauptaugenmerk liegt dabei u.a. auch auf dem Business Process Management, des Weiteren

jedoch auch auf ,,Business Planning and Motivation Modelling", ,,Business Rules", ,,Business

Modelling", ,,Business Language and Vocabulary"25. Hierbei wird die BMIDTF Vorschläge

unterbreiten um diese in die OMG Spezifikationen aufzunehmen. Die BMIDTF ist folglich,

als Einheit der OMG, analog auf internationaler Ebene von Bedeutung, wenn es um BPM-

spezifische Weiterentwicklungen und Schaffung von Standards geht. Dies ist natürlich ebenso

für den deutschsprachigen Markt von Bedeutung.

3.5.3 BPM-Allianz

Im Gegensatz zu den obigen in den USA ansässigen, jedoch aufgrund ihrer Internationalität

auch auf dem deutschen Markt eine Rolle spielenden Organisationen, ist die BPM-Allianz eine

auf den deutschsprachigen Markt begrenzte Initiative. Dieser erst im Dezember 2005

gegründete Verband der Unternehmen abaXX, Axway, GFT Solution, IQ-Work, Pallas Athena,

Vitegris und WJ&P, ,,hat sich zum Ziel gesetzt, die Markttransparenz im Umfeld des Business

Process Managements zu erhöhen und Unternehmen auf Ihrem Weg zum Prozessorientierten

Unternehmen zu unterstützen."26 Dabei soll der Einsatz von BPM-Systemen in der Wirtschaft

gefördert werden. Die BPM-Allianz setzt folglich nicht im technischen Bereich der

Entwicklung von Systemen oder Herleitung von Standards an, sondern will die Diskrepanzen

aufgrund der fehlenden Transparenz des noch relativ jungen deutschen Marktes reduzieren, um

für mehr Sicherheit auf Seiten der potenziellen Kunden zu sorgen. Dabei sollen natürlich auch

Standards geschaffen werden, die hier aber mehr auf die Sicherung einheitlicher Kriterien der

Hersteller fokussieren, denn ,,nicht überall wo BPM drauf steht, ist wirklich BPM drin"27.

4 Produktanalyse

Der bisherige theoretische sowie wirtschaftliche Teil der Seminararbeit wird nun mit einer

Produktanalyse fortgesetzt. Dabei werden verschiedene Softwarelösungen von Anbietern

anhand ihrer Technologie und Funktionalität näher untersucht. Des Weiteren werden die

25 Siehe: http://bmi.omg.org/

26 Siehe http://www.bpm-allianz.de

27 Entnommen aus einer Pressemeldung auf den Seiten der BPM-Allianz. Siehe http://www.bpm-allianz.de


Business Process Management Suites

23

Anwendungsbereiche für BPM-Suites anhand der Produktdiversifizierung erläutert, sowie

jeweils einige Beispiele angeführt.

4.1 Ausgewählte

Produkte

Für die Produktanalyse wurden mehr als 30 so genannter ,,BPM-Suites" näher betrachtet.

Letztendlich wurden fünf Produkte ausgewählt, die nun detaillierter analysiert werden. Diese

Auswahl soll einen groben Überblick über den Stand und die Herangehensweisen der

Entwicklung von BPM-Suites geben. Die Selektion der analysierten Anbieter erfolgte unter

Berücksichtigung der räumlichen Eingrenzung des Marktes28 sowie anhand der für den Rahmen

dieser Seminararbeit festgelegten Arbeitsdefinition einer Business Process Management Suite29,

was vor allem nachfolgendem Zitat Rechnung trägt:

"Aktuell existieren so viele Definitionen wie es auch Lösungsanbieter gibt. Jeder versucht auf

sein Produkt passende BPM-Definitionen zu formulieren, um ein Stück vom Umsatzkuchen

abzubekommen." (Marc S. Tenbieg, BRAICONN Deutschland)

Die somit in der Seminararbeit einbezogenen Produkte verfügen über die folgende

Funktionsbausteine: Definition von Prozessen, Ausführung von Prozessen, Verwaltung von

Prozessen, Optimierung von Prozessen, Integration von Anwendern, Prozessen und

Anwendungen sowie Einbindung der Benutzer in Prozesse. Sämtliche Produktinformationen

wurden hierbei entweder von den jeweiligen Internetpräsenzen der Anbieter direkt oder mit

Hilfe von Sekundärliteratur30 recherchiert.

4.1.1 COSA BPM

Die COSA GmbH spezialisiert sich im Bereich der BPM- und Workflow Management Systeme

und ist zudem Gründungsmitglied des Workflow Management Konsortiums. Ihr Produkt, die

COSA BPM Suite unterstützt die folgenden Funktionalitäten:

28 Siehe Teil 3.1. dieser Seminararbeit.

29 Siehe Teil 1.2. dieser Seminararbeit.

30 Meyers D., und P. Harmon (2005): The 2005 BPM Report. Oktober 2005.


Business Process Management Suites

24

Die

Darstellung von Geschäftsprozessen

ist durch den ,,COSA Prozess Designer" möglich,

welcher auf der Basis des Business Prozess Diagrams und der Petri-Netze (für frühere

Versionen der COSA BPM) arbeitet. Mit Hilfe von so genanten Proclets-Definitionen können

Prozessbausteine modelliert werden, die für verschiedene Geschäftsmodelle wieder verwendbar

sind. Zeitlich zu dirigierende Aktivitäten können im Wiedervorlage-Modus definiert werden.

Die Prozesse können parallel in verschiedenen Prozessebenen modelliert werden, wobei

zwischen synchronen und asynchronen Prozessen unterschieden wird. Der COSA Prozess

Designer erlaubt die Modellierung von Anwenderhierarchien oder so genannten

Organisationsmodellen.31 Die Modelle können im XML-Format gespeichert werden, inklusive

der Informationen bezüglich des Formates, der Definitionen und des Modellayouts.

Die

Prozesssimulation und -analyse

wird von dem ,,COSA Simulator" übernommen. Dabei

können die Simulationsszenarios als komplette oder partielle Abläufe durchgeführt werden.32

Die

Workflowbearbeitung

wird durch den ,,COSA Worklist-Handler" unterstützt. Die

Workflow-Aufgaben können hier definiert und mit Microsoft Office Programmen verknüpft

werden.

Integration

: Die Integrations-Plattform von COSA wird auch als Enterprise Application

Integration und Internet Application Plattform eingesetzt. ,,Cosa ist ein offenes System, das

verschiedenste Integrationsmöglichkeiten mit externen Funktionalitäten und Applikationen

erlaubt."33 Dabei werden verschiedene Programmschnittstellen zur Verfügung gestellt, welche

Programmiersprachen wie C++, Java, Perl, VBA und Anwendungen wie Microsoft Office

unterstützen.

Der ,,Business Activity Monitor" von COSA basiert auf SQL-formulierten Anfragen, die relativ

einfach individuell an die Informationsanforderungen anzupassen sind. Die Ergebnisse werden

dann tabellarisch aufgelistet oder graphisch dargestellt.

31 Siehe http://www.cosa.de/geschaftsprozessmodellierung_mit_COSA_BPM

32 Siehe http://www.cosa.de/geschaftsprozessmodellierung_mit_COSA_BPM

33 Siehe http://www.cosa.de/Business_Process_Management_Integration.html


Business Process Management Suites

25

4.1.2 Ultimus BPM Suite 7.0

Die Funktionalitäten der von der Firma Ultimus, Inc. angebotenen Ultimus BPM Suite 7.0

beinhalten die Geschäftsprozessmodellierung, die Analyse und Simulation, die Integration

sowie das Monitoring.

Die

Geschäftsprozessmodellierung

wird in zwei verschiedenen Umgebungen durchgeführt. Der

,,Ultimus Process Designer" ist eine allein stehende graphische Prozess Design Anwendung,

welche das einfache Modellieren, die Dokumentation und die Optimierung von

Geschäftsprozessen ohne tiefgründige IT-Kenntnisse ermöglicht.

Das ,,Business Studio" erlaubt die Integration der Modelle mit Datenbanken, Business Rules,

und durch Prozessmodelle von anderen Anwendungen. Business Studio erlaubt zudem

mehreren Prozessentwicklern auf verschiedenen Teilen des gleichen Prozesses gleichzeitig

zuzugreifen. Mit Hilfe der

Simulation

wird die Wirksamkeit des entworfenen Prozesses

überprüft.

Die

Integration

anderer Applikationen wird durch so genannte ,,Ultimus FloBots" erzielt, die

auf die Bearbeitung der Abhängigkeiten zwischen unterschiedlichen Systemen trainiert sind.

Diese FloBots sind für Programmanwendungen wie Word, Excel, Adobe, Web Services, XML,

Datenbanken und .NET angepasst.

Ultimus stellte des Weiteren eine neue Funktion, die Adaptive DiscoveryTM, vor, um die

Entwicklung und Anpassung der Geschäftsprozesse zu beschleunigen. Anstatt der Definition

kompletter Prozesse benötigt die Adaptive DiscoveryTM nur die Bestimmung von Aufgaben

sowie Informationen zur Integration und über Daten. Auf dieser Basis wird der gesamte Prozess

fast automatisch modelliert und führt so zu einer höheren Anpassbarkeit des Prozesses.

Die vollständige Architektur der Ultimus Hauptkomponente ist in der nachfolgenden Grafik

abgebildet.


Business Process Management Suites

26

Abbildung 8: Ultimus BPM Suite Hauptkomponente

Quelle: Miers, D. and P. Harmon (2005): The 2005 BPM Report.

Das

Prozessmonitoring und die Prozessanalyse

werden durch den ,,Ultimus Administrator",

den ,,Ultimus Client / Thin Client", die FloPorts und ,,Ultimus Reports" unterstützt (siehe

Abbildung 9 ). Anfragen können mit dem ,,Ultimus Administrator" durchgeführt, sowie die

Ergebnisse bearbeitet werden.

Abbildung 9: Ultimus Überwachung und Analyse

Quelle: Miers, D. and P. Harmon (2005): The 2005 BPM Report.

Ultimus Reports sind Web-Basierte Module zur Generierung von Berichten. Ein ,,Reports

Wizzard" soll zusätzlich die Erstellung von neuen bzw. die Modifizierung von bereits erstellen


Business Process Management Suites

27

Berichten erleichtern. Für die Ultimus BPM Suite existieren hingegen keine Modellvorlagen

oder Frameworks.

4.1.3 Nautilus 4.5

Die von der Firma Gedilan Consulting GmbH angebotene BPM-Suite Nautilus 4.5 beinhaltet

die nachfolgenden Funktionalitäten: Geschäftsprozessmodellierung, Analyse, Automatisierung

und Dokumentation.

Die

Prozessmodellierung

ist bei Nautilus auf einer Ereignisgesteuerten Prozessketten-Notation

basiert und wird durch Microsoft Visio unterstützt. Die graphisch dargestellten

Prozessdiagramme werden durch Organigramme, automatische Layoutfunktionen und durch die

Bewertung verschiedener Kennzahlen ergänzt. Die

Integration

mit anderen Systemen wird

mittels XML und BPEL Schnittstellen gewährleistet.34

4.1.4 FileNet Business Process Manager 3.0

Abbildung 10: FileNet P8 Plattform. Hauptkomponente

Quelle: Miers, D. and P. Harmon (2005): The 2005 BPM Report.

34 Siehe http://www.bpm-guide.de


Business Process Management Suites

28

Der durch die Firma FileNet Corporation angebotene ,,FileNet Business Prozess Manager"

integriert in seiner Version 3.0 die Business- and Content-Management-Tools, welche auf der

FileNet P8 Plattform-Architektur basieren. Die Funktionalitäten lassen sich in vier

verschiedene Ebenen (Presentation Layer, Business Logic Layer, Service Layer and Data

Layer) unterteilen, die wiederum weitere Softwarekomponenten beinhalten35.

Die Prozessmodelle werden als Reihenfolge von Aktionen definiert, wobei die Aktionen

wiederum von Ressourcen unterstützt und durch Übergänge verbunden werden.

Zur Generierung der ,,Business Rules" dient eine integrierte und unabhängige ,,Rules Engine"

(angeboten von einem anderem BPM-Suite Anbieter ­ iLOG). Die Prozessmodelle können mit

so genannten ,,Checkpoints" oder ,,Milestones" detailliert und verfeinert werden.

Für eine weitere dynamische

Prozessanalyse

wird ein ,,Discrete Event Simulation Tool"

eingesetzt um verschiedene Szenarien abzubilden. Die ,,Process Engine" dient für eine zeitnahe

Entwicklung des Simulationsmodells. Weiterhin können die Simulationsszenarien mit dem

,,Simulation Designer" bearbeitet werden und die Ergebnisse auf den verschiedenen

Detaillierungsgrad der Prozesse analysiert werden.

Das ,,Case Handling" Modul ermöglicht eine einfache Anpassung der Prozessmodelle, um auf

entstehende Änderungen reagieren zu können. Das

Monitoring

wird mit der Business

Management Console (BMC) realisiert und mit Hilfe von OLAP Anwendungen zur Report

Generierung genutzt.

4.1.5 IBM Business WebSphere Business Integrator

Die BPM-Suite ,,IBM Business WebSphere Business Integrator" von IBM ist eine

Integrationsplattform für mehrere Softwarelösungen, die auch als allein stehende Anwendungen

benutzt werden können. Prozessmodellierung, Prozessmanagement und Prozessmonitoring

sind die Funktionalitäten dieser BPM-Suite, welche in der nachfolgenden Abbildung dargestellt

ist.

35 Siehe Abbildung 10.


Business Process Management Suites

29

Abbildung 11: IBM WebSphere Integrationsplattform

Quelle: Miers, D. and P. Harmon (2005): The 2005 BPM Report.

Die Hauptkomponenten der IBM WebSphere Business Integration sind: Der ,,IBM WebSphere

Business Integration Modeller" (WBI Modeller), für die

Prozessmodellierung

, Simulation und

Erstellung von Prozessberichten, unterstützt durch die BPM-Notation sowie der ,,IBM

WebSphere Business Integration Server" (WBI Server) zur Modellierung von Prozessen, die

Anforderungen an Integration und Connectivity stellen. Der ,,IBM WebSphere Business

Integration Monitor" ermöglicht zudem die Darstellung von Prozesskennzahlen in Echtzeit.

In Zusammenarbeit mit Microsoft hat IBM des Weiteren die Prozessmodellierungssprache

BPEL4WS entwickelt, welche, basierend auf XML, als De-facto-Standard in der BPM-

Umgebung auch mittlerweile von anderen Anbietern angenommen wird.36

4.2 Anwendungsbereiche von BPM-Suites

Analog der Differenzierung des BPMS-Marktes durch Boston Corporate Finance37 sowie der

sich entweder horizontal ausrichtenden oder vertikal spezialisierenden Anbieter, sind die

36 Meyers D., and P. Harmon; The 2005 BPM Report. Seite 148-153

37 Siehe Teil 3.3.1 dieser Seminararbeit.


Business Process Management Suites

30

Anwendungsbereiche, welche durch BPM-Suites zur Verfügung gestellt werden in ihrer Art

und Differenzierung weit gefächert. Je nach Ausrichtung des Anbieters werden so entweder

vordefinierte Templates, die somit einen gewissen Grad der Generalisierung beinhalten, oder

speziell auf die Anforderungen des Kunden gestaltete Softwarelösungen angeboten. BPM-

Suites sind somit in jedem Sektor und für jeden Unternehmensbereich einsetzbar, so z.B. in der

Supply Chain, in der Produktion, im Controlling und im Vertrieb.

Anbieter, die sich vertikal spezialisieren, bieten ihre Lösungen nur für bestimmte Sektoren an,

wie z.B. die Tibco Software Inc., die sich auf den Versicherungs- und

Telekommunikationssektor sowie staatliche Behörden konzentriert. Eine vertikale

Spezialisierung bedeutet jedoch meist für die in diesem Sektor befindlichen Unternehmen eine

Komplettlösung bezüglich aller in diesem Wirtschaftsbereich stattfindenden Prozesse. Im

Gegensatz hierzu beschränkt sich die horizontale Spezialisierung auf bestimmte Teilprozesse,

wie z.B. die Planung von Human-Ressourcen, die unter der Berücksichtigung von planbaren

Abwesenheiten eingesetzt werden können, oder auf eine Anwendbarkeit im Rahmen des

Projektmanagements. Die dritte Gruppe der von der BCF differenzierten Anbieter offeriert

punktgenaue Lösungen, die sehr spezifische unternehmerische Prozesse optimieren und meist

auf einem Best-Practice-Modell basieren. Anwendungsbereiche dieses Typs wären z.B. die

Modellierung von Rechnungsprüfungsprozessen, wie die zentrale und dezentrale Prüfung von

Eingangsrechnungen über mehrere Abteilungen und Instanzen hinweg, inklusive der Prüfung

von Sammelrechnungen parallel durch mehrere Bearbeiter, oder auch das Prozessgesteuerte

Reklamationsmanagement in Service- und Call-Centern. Des Weiteren gibt es BPMS-

Anbieter, deren Softwarelösungen komplett auf kundenspezifische Prozesse angepasst werden.

Hierbei sind sehr verschiedene Anwendungsmöglichkeiten denkbar. Zu nennen wäre z.B. ein

Workflow-gesteuerter Prozess zur Freischaltung von Mobilfunkverträgen:

von der Vertragsunterzeichnung über Bonitätsprüfung bis hin zur technischen Freischaltung

der SIM-Karte, oder aber auch ein Schadens-Workflow zur Qualitätsgesicherten

Vorgangsbearbeitung bei Unfallversicherungen.


Business Process Management Suites

31

5 Zukünftige Entwicklungen und Trends

Die Vielfalt der BPM-Suites ist auch ein Resultat der ständigen Entwicklungsaktivitäten, die

durch erhöhte Anforderungen an die Flexibilität und Interoperabilität unterschiedlicher

Prozessmodelle und Applikationen getrieben werden. Dies berücksichtigend, lassen sich

folgende Entwicklungstendenzen bei BPM-Suiten erkennen:

Die Modellierung von ,,Collaborative Enterprises", die zu effizienter Interoperabilität

und Kompatibilität mit Modellen, die auf unterschiedliche Plattformen entworfen

werden, führt.

Das ,,Enterprise-Modelling" sowie die Entwicklung von BPM-Anwendungen, die auch

Content Management oder Knowledge Management Systeme integrieren.

Des Weiteren ist auch die Entwicklung und Verbesserung von neuen Notationen, die als

Standard angeboten werden können, zu nennen. Hier ist z.B. die Business Process Management

Notation (BPMN) bereits existent, welche durch die BPMI Notation Working Group entwickelt

wurde. BPMN definiert ein Business Process Diagram, welches einfach zu verstehen und

bereits weitläufig bekannt ist. Die nachfolgende Abbildung stellt ein Beispiel der BPM-

Notation dar.

Abbildung 12: BPMN Prozessmodell

Quelle: Miers, D. and P. Harmon (2005): The 2005 BPM Report.

Die Elemente des BPMN sind ,,Flow Objects", ,,Connecting-Objects", ,,Swim lanes" und

,,Artifacts". Jedes dieser Elemente umfasst weitere Subelemente, mit deren Hilfe die Prozesse


Business Process Management Suites

32

genauer definiert werden können38. So können z.B. die Variable ,,Zeit" wie auch andere

Merkmale oder Steuerungsfunktionen als interne Prozessmarke in ein BPMN-Modell eingefügt

werden.

BPM-Suites und Agenten Technologien:

"To manage the inherent complexity in enterprise or value-chain business processes, smart

companies will demand smart processes that go far beyond today′s typical business rules

engines. But `smart′ doesn′t mean some Orwellian thinking machine, it means agent

technology." (Peter Fingar)39

Intelligente Agenten sind Software-Programme, die über Eigenschaften wie Autonomie,

Reaktion und Datenübertragung mit anderen Agenten oder anderen Anwendungen, wie z.B.

modellierte Geschäftsmodelle, verfügen. Darüber hinaus besitzen sie Fähigkeiten wie das

Planen, Lernen und Erzielen von ,,Beliefs". Die Agenten sind als Anwendungen zur

Problemlösung konzipiert. BPM-Suites können durch den Einsatz von Agenten im Rahmen der

Entwicklung von adaptiven Modellen und so genannten Business Rules, der Interoperabilität

mit Knowledge Systemen und der Kommunikation mit anderen BPM-Modellen profitieren40.

6 Zusammenfassung

Die Seminararbeit versuchte einen ersten groben Überblick über den sehr jungen Markt der

Business Process Management Suites zu geben. Hierbei wurden sowohl theoretische

Grundlagen kurz vorgestellt, als auch, aufgrund der noch fehlenden allgemeingültigen

Standards, Definitionen bezüglich des Geschäftsprozessmanagements und BPM-Suites

aufgestellt. Der Marktüberblick schloss eine wirtschaftliche Sicht, welche die Struktur und

Entwicklung der derzeit auf dem Markt agierenden Anbieter als auch die in Frage kommenden

Anbieter näher betrachtete. Dies wurde durch eine Produktanalyse vervollständigt, die sich auf

den aktuellen technologischen Stand und die angebotenen Funktionalitäten konzentrierte.

Schlussendlich wurde sowohl für die wirtschaftliche als auch technologische weitere

Entwicklung ein Ausblick abstrahiert.

38 White, Stephen A (2004): Introduction to BPMN.

39 Fingar, Peter (2005): Business Process Management: The Next Generation.

40 Aus http://www.bpmg.org/downloads/Articles/Article-

T

he_Next_Generation.pdf,


Business Process Management Suites

33

Dabei zeigte die Seminararbeit, dass es der Markt für Business Process Management Suites vor

allem durch die existierende Dynamik und die hohe Anzahl an Anbietern derzeit hauptsächlich

an Transparenz fehlen lässt. Die meisten Anbieter geben an, komplette Softwarelösungen

bezüglich des BPM anzubieten, was somit der Betitelung einer BPM Suite entsprechen würde.

Jedoch ist es noch oft der Fall, dass viele Produkte lediglich dem Prozessdesign zum Zwecke

der IT-Implementierung (unterstützt mit Codegeneratoren) anstatt das Management der

Geschäftsprozesse offerieren. Dies führt häufig zu Produkten, die für weniger

Programmiererfahrene Benutzer schwer zu bedienen sind, was der Idee und dem Ziel von

Software, welche das Geschäftsprozessmanagement unterstützen soll, widerspricht.

Im Rahmen der Seminararbeit konnten des Weiteren verschiedene Herangehensweisen an die

Bereitstellung von BPM-Suites identifiziert werden. So gibt es BPM-Suites als allein stehende

Anwendungen, welche die gesamten BPM-Funktionen beinhalten. Des Weiteren existieren

Integrationsplattformen, die unabhängige Anwendungen von denselben oder unterschiedlichen

Anbietern unterstützen. Als dritte Variante sei zudem die Kooperation zwischen zwei oder

mehreren Anbietern verschiedener BPM-Softwarelösungen genannt.

In Zukunft wird der BPM-Markt weiterhin vor allem durch stetes Wachstum gekennzeichnet

sein, welches zudem mit einem verstärkten Wettbewerb, dem Neueintritt von großen Anbietern

bzw. deren Portfolio-Erweiterung einhergeht. Dies führt mittel- und langfristig, komplettiert

durch die bereits beginnende Konsolidierung, zu einem Markt größerer Marktführender

Anbieter sowie kleinerer spezialisierter Anbieter. Technologisch wird sich hierbei

wahrscheinlich die Kombination aus Integrationsplattform und Templates durchsetzen. Dabei

werden zudem die durch die Initiativen und Organisationen weiterentwickelten Spezifikationen

und Standards für eine einheitlichere Struktur in der Technologie führen. Schlussendlich kann

gesagt werden, dass die Entwicklung von BPM-Suites analog der allgemeinen IKT-

Entwicklung weiter an Bedeutung gewinnen wird und eine führende Rolle im Bereich des e-

Business übernehmen wird. So wie wahrscheinlich in Zukunft Business und e-Business

synonym für die Art der Leitung eines Unternehmens stehen wird, so wird die

Geschäftsprozessoptimierung mit Hilfe von Softwarelösungen wie BPM-Suites ein nicht mehr

wegzudenkender Teil des unternehmerischen Alltags in effizienten Unternehmen werden.


Business Process Management Suites

34

Appendix

Erklärungen einzelner verwendeter Abkürzungen:

BPEL ­ Business Process Execution Language:

wurde im Jahr 2003 von IBM, BEA und

Microsoft eingeführt. BPEL ist eine XML-basierte Sprache zur Beschreibung von

Geschäftsprozessen, deren einzelne Aktivitäten durch Webservices implementiert sind.

Weiterhin kann mit BPEL ein Webservice beschrieben werden.

CWM - Common Warehouse Metamodel:

eine Spezifizierung, die den Austausch von

Metadaten zwischen Datawarehousing, Business Intelligence, Knowledge Management und

Portaltechnologien beschreibt.

MOF - OMG Meta-Object Facility:

eine spezielle Metadaten-Architektur, spezifiziert durch

die Object Management Group. MOF überbrückt die Lücke zwischen unterschiedlichen

Meta-Modellen, eine allgemeine Grundlage für Meta-Modelle schaffend.

UML - Unified Modelling Language:

eine standardisierte Beschreibungssprache für

Strukturen und Abläufe in Objektorientierten Programmsystemen. Eine Spezifikation der

OMG.

XMI - XML Meta Interchange:

XML Meta Interchange (XMI) ist ein Standard der Object

Management Group (OMG) und wird zunehmend als Austauschformat zwischen Software-

Entwicklungswerkzeugen verwendet.

XML - Extensible Mark-up Language:

Metasprache zur Erstellung von Dokumenten im

World Wide Web, ein Standard zur Erstellung maschinen- und menschenlesbarer Dokumente

in Form einer Baumstruktur. XML definiert dabei die Regeln für den Aufbau.


Business Process Management Suites

35

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