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Grammatikalisierung in den Kreolsprachen

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 23 Pages
Author: Cezary Bazydlo
Subject: Romance Languages - Other Languages

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2002
Pages: 23
Grade: 1,5
Language: German
Archive No.: V12461
ISBN (E-book): 978-3-638-18341-3

File size: 333 KB
Notes :
Die Arbeit konzentriert sich mehr auf Kreolsprachen, als auf den Sprachwandel. 1. Teil: Theoretische Grundlagen, 2. Teil: Die Grammatikalisierung wird als Teilprozess der Kreolisierung dargestellt, außerdem wird die Rolle der Universalien und der Substrateinflüsse besprochen, 3. Teil: zahlreiche Fallbeispiele



Excerpt (computer-generated)

 

GRAMMATIKALISIERUNG IN DEN KREOLSPRACHEN

 

 


INHALT

Einleitung 3

1. Grundlagen 4

1.1. Grammatikalisierung 4
1.2. Pidgin- und Kreolsprachen 4

2. Grammatikalisierung als Teilprozess der Kreolisierung 8

2.1. Besonderheiten der Grammatikalisierung in den Kreolsprachen 8
2.2. Universalien 9
2.3. Substrateinflüsse 10

3. Fallbeispiele 13

3.1. Kreolisierung im Verlauf – Tok Pisin 13
3.2. Grammatikalisierung des englischen futurum proximum in drei englisch-basierenden Kreolsprachen 15
3.3. Substrateinwirkung – komplexe lokative Präpositionalphrasen im Sranan 16

Resümee 21

Literatur 22

 



EINLEITUNG

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Bedeutung der Grammatikalisierung für die Herausbildung von Kreolsprachen darzustellen, die Unterschiede zur klassischen Grammatikalisierung, wie sie in Sprachen mit einer längeren Geschichte stattfindet, aufzuzeigen, und andere an der Kreolisierung beteiligte Prozesse zu skizzieren. Im ersten Abschnitt werden die Grundlagen dargestellt – eine kurze Definition des Terminus Grammatikalisierung und eine ausführliche Schilderung des Kreolisierungsprozesses. Im zweiten Abschnitt soll Grammatikalisierung als Vorgang dargestellt werden, der an der Kreolisierung maßgeblich beteiligt ist: Besonderheiten und Funktion der Grammatikalisierung im Kreolisierungsprozess werden ebenso besprochen, wie andere Faktoren, die bei der Kreolisierung eine Rolle spielen (Substrateinflüsse) bzw. spielen könnten (grammatische Universalien). Im dritten Abschnitt schließlich sind konkrete Beispiele für die zuvor besprochenen Phänomene zu finden – die in diesem Teil bei der Notation verwendeten Abkürzungen werden im Folgenden aufgelöst: DET = Determinierer DUR = durativ / progressiv FUT = Futur LOK = lokativ NP = Nominalphrase PP = Präpositionalphrase Präp. = Präposition 3Sg. = 3. Person Singular Abschließend wird im Resümee eine kurze Zusammenfassung gegeben.


1. GRUNDLAGEN

1.1. Grammatikalisierung

Grammatikalisierung ist ein diachroner Wandelprozess, bei dem lexikalische Morpheme, die auf Elemente der außersprachlichen Wirklichkeit referieren (sog. Grundkonzepte), zu grammatischen Morphemen werden, die Relationen zwischen sprachlichen Elementen untereinander oder zwischen sprachlichen Elementen und der Sprechsituation bezeichnen (relationale Konzepte). Lexikalische Einheiten treten größtenteils als freie Morpheme auf, grammatische Einheiten haben dagegen eine eingeschränkte Selbständigkeit – sie sind meistens gebunden oder tendieren zumindest dazu. Die Grammatikalisierung verläuft über mehrere Zwischenstadien, erstreckt sich normalerweise über einen längeren Zeitraum und ist mit einem zunehmendem Verlust der semantischen Eigenschaften des grammatikalisierten Elements verbunden (sog. bleaching). Auf den Punkt gebracht, lässt sich Grammatikalisierung als eine graduelle Verschiebung auf der funktionalen Achse zwischen Lexem und Grammem definieren1.

1.2. Pidgin- und Kreolsprachen

Kreolsprachen sind Sprachsysteme, die sich auf der Basis einer Behelfssprache entwickelt haben. Solche Behelfssprachen – als Pidgins bezeichnet – sind in Gebieten entstanden, in denen Sprecher verschiedener Muttersprachen „aus politischen, kulturellen, aber zumeist wirtschaftlichen Gründen regelmäßig miteinander kommunizieren müssen, ohne auf die gleiche Muttersprache oder zumindest verwandte Idiome zurückgreifen zu können“ (Fanselow und Felix 1990, S. 211). Solche Bedingungen waren v.a. in den ehemaligen Kolonialgebieten gegeben, wo die meisten Pidginsprachen entstanden sind2 – besonders dann, wenn eine verstärkte Einfuhr von Sklaven unterschiedlicher ethnischer Zugehörigkeit aus anderen Gebieten und somit eine sprachliche Durchmischung der Bevölkerung stattfand.

[...]


1 Einige Forscher benutzen den Terminus Grammatikalisierung auch für die Konventionalisierung neuer syntaktischer Muster.
2 Es bedarf allerdings nicht notwendigerweise einer Zwangssituation, wie sie in den Kolonien gegeben war, damit ein Kreol entstehen kann. Auch bei einer Bevölkerungsvermischung auf freiwilliger Basis finden solche Prozesse statt.


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