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Economic Decline und sicherheitspolitische Vormachtstellung

Subtitle: Zur Aktualität der Reagan-Ära

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 23 Pages
Author: Benedikt Sperl
Subject: Politics - International Politics - Region: USA

Details

Event: Politische Ökonomie der internationalen Sicherheit
Institution/College: LMU Munich (Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaften)
Tags: Economic, Decline, Vormachtstellung, Politische, Sicherheit
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2008
Pages: 23
Grade: 1,7
Language: German
Archive No.: V124723
ISBN (E-book): 978-3-640-29848-8


Abstract

Noch zwanzig Jahre vor dem Ende des Ost-West Konflikts wurde der amerikanischen Öffentlichkeit erzählt, dass sich ihre Nation wirtschaftlich wie politisch im Niedergang befindet. Direkt gefolgt von knapp fünfzehn Jahren in der ihr genau das Gegenteil erzählt wurde. Amerika als die Hegemonialmacht, die die 90er Jahre dominierte. Erste Vergleiche mit Amerika als Imperium wurden aufgestellt. Nicht nur das 20. Jahrhundert sollte also das amerikanische Jahrhundert werden. Das 21. Jahrhundert sollte nahtlos an die amerikanische Vormachtstellung nach dem zweiten Weltkrieg anknüpfen. Was zu Beginn der ersten Dekade des neuen Jahrhunderts noch als so selbstverständlich galt, scheint zu Ende der Dekade wieder ins wanken zu geraten. Eine sich abzeichnende Rezession, immense Defizite des Haushalts und der Handelsbilanz, der langsame Verfall des Dollars als Weltwährung, der wirtschaftliche Aufstieg Chinas, Russlands und der Europäischen Union, das Debakel im Irak und in Afghanistan nach schnellen militärischen Erfolgen scheinen die wirtschaftliche und sicherheitspolitische Vormachtstellung der Amerikaner in der Welt erneut in Frage zu stellen. Die Probleme, vor denen der neue Präsident der Vereinigten Staaten stehen wird, sind ähnliche wie die, welche während und zum Ende der Präsidentschaft Reagans akut waren, wie etwa steigende Defizite im Haushalt und der Handelsbilanz, der relative Machtverlust im internationalen System, und eine drohende Rezession sowie Finanzmarktkrise. Damit wird eine Fragestellung aktuell, die ihren Höhepunkt während der 80er Jahre hatte, nämlich inwiefern Amerika seine sicherheitspolitische Vormachtstellung trotz wirtschaftlichen Niedergangs behalten kann, oder ob ein relativer wirtschaftlicher Machtverlust zum Ende der sicherheitspolitischen Vormachtstellung der Amerikaner führen könnte. Ziel dieser Arbeit ist es zu untersuchen, in welchem Verhältnis die wirtschaftliche Entwicklung der USA und ihre sicherheitspolitische Position stehen. Zusätzlich soll gezeigt werden, dass die geführte Debatte der späten 80er Jahre heute mehr denn je wieder aktuell wird. Dabei wird die These aufgestellt, dass die USA durch einen relativen wirtschaftlichen Niedergang einen Teil ihrer sicherheitspolitischen Dominanz verlieren könnten, jedoch ihre Vormachtstellung zunächst nicht gefährdet ist.


Excerpt (computer-generated)

Ludwig-Maximilians-Universität München

Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaften

Wintersemester 2007/2008

Hauptseminar

Politische Ökonomie der internationalen Sicherheit

Thema der Seminararbeit:

,,Economic Decline" und sicherheitspolitische Vormachtstellung ­ Zur

Aktualität der Reagan-Ära

Benedikt Sperl

7.Semester (Politik (HF), VWL (NF), Soziologie (NF))


,,Economic Decline" und sicherheitspolitische Vormachtstellung ­ Zur Aktualität der Reagan-Ära

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

- 3 -

2.1 Die ,,American Decline" - Debatte - 5 -

2.2

Zum Zusammenhang von Verteidigungsausgaben und wirtschaftlichem

Wachstum

- 7 -

2.2.1 Kanonen oder Butter? - 8 -

2.2.2 Sicherheitspolitische Konsequenzen

- 11 -

2.3 ,,Economic Decline" = Verlust sicherheitspolitischer Vormachtstellung? - 11 -

2.4 Zur Aktualität der Decline-Debatte und der Reagan-Ära - 17 -

3. Schlussbetrachtung - 19 -



- 2 -


,,Economic Decline" und sicherheitspolitische Vormachtstellung ­ Zur Aktualität der Reagan-Ära

1. Einleitung

Wie wir die Vergangenheit bewerten, hängt zu einem Großteil davon ab, wie sich die

Geschichte dann später entwickelt. Das trifft auch für die letzte Dekade des Kalten

Krieges zu. Als Ronald Reagan zu Beginn der achtziger Jahre zum Präsidenten der

Vereinigten Staaten gewählt wurde, waren die Vorraussagen über seine kommende

Amtszeit erschreckend pessimistisch. Die anhaltende Debatte über den Niedergang der

amerikanischen Vormachtsstellung und einen Präsidenten, der scheinbar wenig über die

Welt im nuklearen Zeitalter wusste und die sich verändernden Bedingungen im

internationalen System nicht anerkennen wollte, könnten den wirtschaftlichen und

politischen Niedergang der Vereinigten Staaten nur beschleunigen. Sein merkwürdiger

Mix aus neoliberaler Wirtschaftspolitik, steigenden Verteidigungsausgaben, Kalter-

Krieg-Rhetorik, bedingungslosem Antikommunismus und gnadenlosem U.S.-

Optimismus und Patriotismus schien die Kritiker in ihren Aussagen zu bestätigen und

die zu dieser Zeit geführte Debatte um den wirtschaftlichen Niedergang Amerikas und

dessen politische Folgen zusätzlichen Schwung zu verleihen. Knapp 20 Jahre nach dem

Ende seiner Amtszeit wird Reagan inzwischen als der große Privatisierer, Liberalisierer

und als Held gesehen, der es geschafft hat die Sowjetunion in die Knie zu zwingen,

Frieden über die Welt zu bringen und die Amerikaner zurück an die Spitze der Welt zu

führen.1

Dies scheint sehr verwunderlich zu sein, denn noch zwanzig Jahre vor dem Ende des

Ost-West Konflikts wurde der amerikanischen Öffentlichkeit erzählt, dass sich ihre

Nation wirtschaftlich wie politisch im Niedergang befindet. Direkt gefolgt von knapp

fünfzehn Jahren in der ihr genau das Gegenteil erzählt wurde. Amerika als die

Hegemonialmacht, die die 90er Jahre dominierte. Erste Vergleiche mit Amerika als

Imperium wurden aufgestellt. Nicht nur das 20. Jahrhundert sollte also das

amerikanische Jahrhundert werden. Das 21. Jahrhundert sollte nahtlos an die

amerikanische Vormachtstellung nach dem zweiten Weltkrieg anknüpfen.

Was zu Beginn der ersten Dekade des neuen Jahrhunderts noch als so selbstverständlich

galt, scheint zu Ende der Dekade wieder ins wanken zu geraten. Eine sich abzeichnende

Rezession, immense Defizite des Haushalts und der Handelsbilanz, der langsame

Verfall des Dollars als Weltwährung, der wirtschaftliche Aufstieg Chinas, Russlands

1 Für einen Überlick über die zeitgenössische Rezession Ronald Reagans vergleiche: Barker, Russell:

Reconstructing Ronald Reagan, in: New York Review of Books, 1 March 2007 oder Troy, Gil: Morning in

America. How Ronald Reagan invented the 1980s, New Jersey: Princeton University Press, S.2 ff

- 3 -


,,Economic Decline" und sicherheitspolitische Vormachtstellung ­ Zur Aktualität der Reagan-Ära

und der Europäischen Union, das Debakel im Irak und in Afghanistan nach schnellen

militärischen Erfolgen scheinen die wirtschaftliche und sicherheitspolitische

Vormachtstellung der Amerikaner in der Welt erneut in Frage zu stellen.

Deutlich wird dies auch am amerikanischen Wahlkampf um das Erbe George W. Bush

Juniors. Die republikanischen Kandidaten versuchen sich bewusst das Image eines

,,neuen Reagans" zu geben, der das amerikanische Volk aus den wirtschaftlichen und

moralischen Tief herausholen wird um es in eine glorreiche Zukunft zu führen, wie es

einst der große Republikaner in den 80er Jahren gemacht haben soll.

Obwohl diese Glorifizierung der Person Reagan vielleicht typisch für das amerikanische

Politikverständnis sein mag so zeigt es doch deutlich, dass die Ära Reagan heute nicht

an Aktualität verloren hat. Die Probleme, vor denen der neue Präsident der Vereinigten

Staaten stehen wird, sind ähnliche wie die, welche während und zum Ende der

Präsidentschaft Reagans akut waren, wie etwa steigende Defizite im Haushalt und der

Handelsbilanz, der relative Machtverlust im internationalen System, und eine drohende

Rezession sowie Finanzmarktkrise. Damit wird eine Fragestellung aktuell, die ihren

Höhepunkt während der 80er Jahre hatte, nämlich inwiefern Amerika seine

sicherheitspolitische Vormachtstellung trotz wirtschaftlichen Niedergangs behalten

kann, oder ob ein relativer wirtschaftlicher Machtverlust zum Ende der

sicherheitspolitischen Vormachtstellung der Amerikaner führen könnte.

Ziel dieser Arbeit ist es zu untersuchen, in welchem Verhältnis die wirtschaftliche

Entwicklung der USA und ihre sicherheitspolitische Position stehen. Zusätzlich soll

gezeigt werden, dass die geführte Debatte der späten 80er Jahre heute mehr denn je

wieder aktuell wird. Dabei wird die These aufgestellt, dass die USA durch einen

relativen wirtschaftlichen Niedergang einen Teil ihrer sicherheitspolitischen Dominanz

verlieren könnten, jedoch ihre Vormachtstellung zunächst nicht gefährdet ist.

Dafür wird zuerst auf die American Decline Debatte der 80er Jahre eingegangen und die

zentralen Thesen eines wirtschaftlichen Niedergangs der USA aus damaliger Sicht

beleuchtet. Anschließend wird auf die Zusammenhänge zwischen Sicherheitsausgaben

und wirtschaftlichen Wachstum eingegangen und es soll geprüft werden inwiefern

überhaupt ein negativer Zusammenhang besteht und auf deren politischen Folgen

untersucht werden. Davon ausgehend, soll geklärt werden, welche sicherheitspolitischen

Konsequenzen sich aus einem wirtschaftlichen Niedergang der USA ergeben und diese

Folgen werden daraufhin gegenwartsbezogen diskutiert.

- 4 -


,,Economic Decline" und sicherheitspolitische Vormachtstellung ­ Zur Aktualität der Reagan-Ära

2.1 Die ,,American Decline" - Debatte

Während der siebziger und zu Beginn der achtziger Jahre entstand in der akademischen

Diskussion die Debatte darüber, inwiefern sich die USA in einer Phase des

wirtschaftlichen und hegemonialen Niedergangs befindet, während andere

Machtzentren, hauptsächlich die asiatische Region mit Japan und China, so wie die

europäischen Staaten einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebten und die

Vormachtstellung der Amerikaner gefährden würden. Ergeben hatte sich die Diskussion

durch viele Faktoren, wie den schleichenden Verlust des amerikanischen

Selbstbewusstseins nach dem Vietnamkrieg, und besonders die wirtschaftliche

Konstellation der 80er Jahre und erlangte mit dem zunehmenden Budget- und

Handelsbilanzdefiziten der USA, sowie dem Börsencrash im Oktober 1987 Einzug in

die öffentliche Debatte und ebnete damit den Erfolg für Paul Kennedys historischer

Analyse über den Aufstieg und den Fall der Großmächte von 1500 bis 2000.2 Neben

Kennedys historischer Perspektive, wurde die Tragweite eines wirtschaftlichen

Niedergangs der USA gegenwartsbezogen von verschieden Politikwissenschaftlern

kontrovers diskutiert.3

Die Grundlage der Debatte basiert dabei auf scheinbar unwiderlegbaren Fakten. Zum

einen, die eher realistische Auffassung, dass es im internationalen Staatensystem

unumstößlich ist, dass Großmächte eine endliche Lebensspanne haben. Keine

Großmacht konnte ihre hegemoniale Stellung auf Dauer halten und ihnen allen war

eines gemein: Der Niedergang.4

Zum andere, der wahrgenommene relative Machtverlust der Amerikaner seit den späten

60er Jahren. Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges und zu Beginn der fünfziger Jahre

produzierten die Vereinigten Staaten noch knapp 40 Prozent des Weltinlandsprodukts.

Ende der sechziger Jahre erreichte die USA nur noch einen Anteil von 20-25 Prozent

der in der Welt produzierten Güter.5 Nach knapp 25 Jahren des ,,amerikanischen

Jahrhunderts", machte vor allem in der akademischen Diskussion, aber nicht nur in ihr,

die Ansicht die Runde, dass die Welt sich verändert hatte und dass sich diese

2 Vgl. Kennedy, Paul: The Rise and Fall of the Great Powers. Economic Change and Military Conflict from 1500

to 2000, New York: Random House, 1987

3 Ein guter Überblick über die Debatte wird gegeben von Herz, Dietmar: The American School of Decline.

Anmerkungen zur Literatur über den Verfall amerikanischer Macht, in: Neue politische Literatur, Vol. 34:1,

1989, S.41-57

4 Vgl. Cox, Michael: Is the United States in decline ­ again?, in: International Affairs, Vol. 83:4, 2007, S.645

5 Vgl. Huntington, The U.S. ­ Decline or Renewal, 1988, S.81

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