Autor: Elisabetta D'Amato
Fach: Medien / Kommunikation - Sonstiges
Details
Institut: FB für angewandte Sprach- und Kulturwiss. (Institut für Germanistik)
Tags: Bühler, Buehler Karl, Kommunikationswissenschaft, Sprachwissenschaft, Organonmodell, Die Kriese der Psychologie, Interkulturelle Kommunikation, Axiomatik
Jahr: 2003
Seiten: 24
Note: 1,3
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 154 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-18360-4
Textauszug (computergeneriert)
Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
Institut für Germanistik
Karl Bühler:
Die Krise der Psychologie
Hausarbeit für das Hauptseminar:
„Interkulturelle Kommunikation: Wissen, Sprache und Kultur.“
SS 2002
Elisabetta D’Amato
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S. 2
2. Biographie und wichtige Werke Karl Bühlers S. 4
3. Karl Bühlers Bedeutung für die Kommunikationswissenschaft S. 5
4. Die Axiomatik der Sprachtheorie S. 6
5. Der Begriff der Steuerung S. 9
6. Das konkrete Sprechereignis am Organon-Modell S. 17
7. Fazit S. 21
8. Quellenverzeichnis S. 23
1. Einleitung
Karl Bühler (1879-1963) war Mediziner, Psychologe und Philosoph, ursprünglich also kein Sprachwissenschaftler. Ein vorrangiges Ziel Bühlers war die Programmatik einer neuen Psychologie, die Begründung einer allgemeinen geisteswissenschaftlichen Psychologie. Für die Psychologie sollten am Phänomen der Sprache Theoreme und Prinzipien formuliert werden, um sie aus ihrer Krise zu lotsen. Er hat sich mit diesem Ziel vor Augen sowie mit seinem sehr weiten Verständnis von Philosophie und Psychologie grundlegend mit sprachgeschichtlichen Studien, mit Entwicklungstheorien der Sprache, mit der Frage nach dem Quellpunkt der Semantik, mit der Korrelation von Kleinkindentwicklung und Sprachentwicklung sowie späterhin dann mit einer allgemeinen Theorie der Sprache auseinandergesetzt. Sein Hauptgebiet war die Psychologie. Hierbei war er vor allem auf den Gebieten der Denk-, Wahrnehmungs-, Entwicklungs- Gestalt-, Kinder- und Tierpsychologie tätig; weiterhin galt sein Erkenntnisinteresse der Sprachpathologie und der Sematologie. Ein gemeinsamer Punkt dieser verschiedenen Interessen und Forschungen sind immer wieder das Phänomen der Sprache und die Natur zeichenhafter Prozesse.
Karl Bühlers Werk ist ein wichtiger Beitrag zur Überwindung der mechanistischen Epoche in der Psychologie. Die Krise der Psychologie sollte ursprünglich ein Artikel über die Lage der Psychologie werden und entwickelte sich aber zu einem Buch über die Axiomatik der Psychologie. Bühler versuchte die Krise, in der die Psychologie seiner Meinung nach steckte, durch Kritik zu überwinden. Wobei es sich seines Erachtens nach nicht um eine Zerfallskrise, sondern um eine Aufbaukrise handelt, die durch einen rasch erworbenen und noch unüberwältigten Reichtum neuer Gedanken, neuer Ansätze und Forschungsmöglichkeiten heraufbeschworen wurde. Es geht in seinem Werk um die Axiomatik und die Methode der Psychologie. Bühler bemühte sich vor allem um eine Grundlage und die Gesichtspunkte für eine fruchtbare und entscheidende Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse Freuds, um die Trennung von der Psychoanalyse und der übrigen Psychologie beenden zu können. Im Mittelpunkt von Bühlers Kritik steht die Theorie des Kinderspiels, in der er Freuds Lehre vom animalischen Lustprinzip die Lehre von der Funktionslust und der Freude an der schöpferischen Leistung gegenüberstellt. Er sieht drei topologische Berührungspunkte: 1. die Seele des Kindes, 2. das kranke Seelenleben, 3. die psychoanalytische Symbollehre, die eine umfassende Theorie der Zeichen voraussetzt. Vielleicht noch bedeutender als seine psychologischen sind aber seine sprachtheoretischen Untersuchungen, die vielfältige Wirkungen gehabt haben.
Im wesentlichen untersucht meine Arbeit Teilaspekte der Theorien Bühlers. Es wird die Grundlegung seines kommunikationstheoretischen Ansatzes behandelt, die Darstellungsfunktion der Sprache, das Organonmodell, sein axiomatischer Ansatz, die Steuerung und die Problematik des Verstehens. Einleitend folgt eine Biographie Büehlers.
2. Biographie und wichtige Werke Karl Bühlers
Karl Bühler wurde am 27. Mai 1879 in Meckesheim geboren. Karl Bühler studiert zunächst in Freiburg Medizin, wo er 1903 bei Johannes von Kries (1853- 1928), einem Physiologen und Logiker, mit einer Arbeit über Farbwahrnehmung zum Dr.med. promoviert. Im Anschluss absolviert Bühler ein Philosophiestudium in Straßburg und promoviert 1904 unter Clemens Baeumker (1853-1924) mit der Arbeit Studien über Henry Home zum Dr.phil.
In der darauffolgenden Zeit beschäftigt Bühler sich v.a. mit Denk-, Gestalt-, Kinder- und Entwicklungspsychologie. So geht er 1906 als Assistent von Oswald Külpe (1862-1915) nach Würzburg. Külpe, ein Schüler Wilhelm Wundts (1832-1920), ist der Begründer der Würzburger Schule. Bühler wird einer der wichtigsten Vertreter dieser denkpsychologischen Richtung. Seine Habilitationsschrift Tatsachen und Probleme zu einer Psychologie der Denkvorgänge, die in drei Teilen 1907 und 1908 veröffentlicht wird, gilt als grundlegend für die Würzburger Denkpsychologie.
1909 folgt Bühler Külpe nach Bonn, wo er als Dozent arbeitet und sich in seiner Forschung v.a. auf Gestalttheorie konzentriert. Unabhängig von der prominenten Berliner Schule der Gestaltpsychologie, die mit den Namen Wolfgang Köhler (1887-1967), Kurt Koffka (1886- 1941) und Max Wertheimer (1880-1943) verbunden ist, führt Bühler experimentelle Untersuchungen zur Gestaltwahrnehmung durch. Er ist einer der ersten, der sich mit den von Christian Freiherr von Ehrenfels (1859-1932) formulierten Gestaltqualitäten (1890) methodisch experimentell auseinandersetzt. 1913 veröffentlicht Bühler die Ergebnisse seiner Untersuchungen in der Arbeit Die Gestaltwahrnehmungen. Experimentelle Untersuchungen zur psychologischen und ästhetischen Analyse der Raum- und Zeitanschauung. In demselben Jahr wechselt Bühler mit Külpe an die Universität München, wo er 1915 zum außerordentlichen Professor ernannt wird. 1918, in dem Jahr, in dem er als ordentlicher Professor an die TH Dresden berufen wird, veröffentlicht Bühler ein vielbeachtetes entwicklungspsychologisches Werk: Die geistige Entwicklung des Kindes. In Dresden bleibt Bühler, bis er 1922 an das psychologische Institut der Universität Wien berufen wird. Die Wiener Zeit wird Bühlers wichtigste Schaffensphase, in der er sich verstärkt sprachwissenschaftlichen Themen widmet. Er verfasst dort seine beiden Hauptwerke Die Krise der Psychologie (1927) und Sprachtheorie. Die Darstellungsfunktion der Sprache. (1934). In Der Krise der Psychologie versucht Bühler in kritischer Auseinandersetzung mit den wichtigsten psychologischen Strömungen seiner Zeit, insbesondere der Erlebnispsychologie, dem Behaviorismus und der geisteswissenschaftlichen Psychologie, eine einheitliche Grundbestimmung seiner Wissenschaft zu gewinnen. Er formuliert dabei die Grundlagen für eine Axiomatik der Sprachtheorie, die er in seiner Sprachtheorie weiter ausarbeitet, in der er auch das Organon-Modell der Sprache entwickelt. Insgesamt erstrecken sich seine Studien und Abhandlungen in aller Breite und Tiefe vornehmlich auf die Gebiete von: Denk-, Wahrnehmungs- , Entwicklungs-, Kinder-, Tiefen-, Gestalt- und Lebenspsychologie sowie die Sematologie.
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