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Die Suche nach den Wurzeln als Geschichtsschreibung, Wege, Orte und ihre Bedeutung für Identität in der Fremde

Hauptseminararbeit, 2002, 31 Seiten
Autor: Ilka Borchardt
Fach: Afrikawissenschaften

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2002
Seiten: 31
Note: sehr gut
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V12520
ISBN (E-Book): 978-3-638-18381-9

Dateigröße: 240 KB


Textauszug (computergeneriert)

Humboldt-Universität zu Berlin

Seminar für Afrikawissenschaften

Wintersemester 2001/2002

HS: Afrika und der Black Atlantic

Semesterarbeit

Die Suche nach den Wurzeln als Geschichtsschreibung
Wege, Orte und ihre Bedeutung für Identität in der ,,Fremde"

Ilka Borchardt

9. Fachsemester
Abgabedatum: 05.03.2002

1 Einleitung 2

2 Der Zusammenhang von Selbstdefinition/ Identität und Geschichtsschreibung 4

3 Die Orte - Der Versuch einer Kategorisierung 6
3.1 Historische Orte - Orte mit Erinnerung 6
3.2 Historische Orte oder Erinnerte Orte? 8

4 Diaspora - Auf der Suche nach neuen Erinnerungsorten? 11

5 Erinnern und Vergessen in der Gemeinschaft, der afrikanischen Diaspora 14

6 Pilgerreise als praktizierte Gemeinschaft: Black Atlantic 17
6.1 ,,Black Atlantic" oder ,,Die Afrikanische Diaspora"? 18
6.2 Gemeinschaft und Praxis 19

7 Die Bedeutung von Pilgerreisen für die Afrikanische Diaspora 21
7.1 Die erste Trennung 22
7.2 Der Übergang oder die Konfrontation 23
7.3 Die Integration des Neuen durch Rückkehr ins Alte 25

8 Zusammenfassung 26

9 Bibliographie 29
9.1 Primärliteratur 29
9.1.1 Door of No Return (gelesen 01.03.2002) 29
9.1.2 Rezensionen, Filmbesprechungen, Interviews 29
9.2 Sekundärliteratur 29
9.3 Weiterführende Literatur 30

 

1 Einleitung

Die vorliegende Semesterarbeit entstand im Rahmen des Hauptseminars ,,Afrika und Black Atlantic" im Wintersemester 2001/2002. Ursprünglich sollte der Fokus auf der Bedeutung von Orten als Ziel für Pilgerreisen und eines Heimkehrwunsches für AfrikanerInnen in der Diaspora liegen. Während der Arbeit an diesem Thema aber wurde klar, dass das Anliegen einer Pilgerreise nicht mit dem Erreichen des Zielortes erfüllt ist, sondern im Gegenteil sich bis in das Residenzland fortsetzt und fortwirkt ebenso wie die Vorbereitungen nicht erst unmittelbar vor der Reise beginnen, sondern dem Ganzen ein langwieriger Prozess vorausgeht, der in bestimmte gesellschaftliche Verhältnisse eingebettet ist.
Des weiteren konnte während des Hauptseminars immer wieder festgestellt werden, dass Diskussionen oft von verschiedenen Ausgangspunkten (als Deutsche, AfrikanerInnen, Afrodeutsche usw.) geführt wurden, und diese dem jeweils anderen Mitdiskutanten nicht unbedingt klar oder nachvollziehbar waren. Ebenso wurden scheinbar Perspektiven beim Mitdiskutanten angenommen, die so nicht gegeben sein mussten. Daraus ergab sich eine Emotionalität und Spannung in der Diskussion, die sich dann m.E. oft im Kreis drehte. Aufgrund dieser Beobachtungen stellte sich die Frage nach dem Zusammenhang von Identität und Geschichtsverständnis. So war nicht nur das Thema ,,Afrika und Black Atlantic" sondern auch Beobachtungen im Hauptseminar selbst Anstoß für die hier dargelegten Ergebnisse.
Die These dieser Arbeit lässt sich in den Worten Paul Connertons zusammenfassen:


,,Thus we may say that our experiences of the present largely depend upon our knowledge of the past, and that our images of the past commonly serve to legitimate a present social order. And yet these points, though true, are as they stand insufficient when thus put. For images of the past and recollected knowledge of the past, I want to argue, are conveyed and sustained by (more or less ritual) performances."1

Wenn alle möglichen Formen von Gedächtnis performativ immer wieder hergestellt und bestätigt werden und dies der Legitimation sozialer Ordnungen dient, liegt es nahe, eine solche Performativität auch für Geschichte anzunehmen, die bereits in der Annahme der Konstruiertheit von Geschichte angedeutet wird.
Es soll im Folgenden weder um die Konstruktion von Geschichte als eine Frage von Macht gehen, noch um Rolle oder Verantwortung der Geschichtswissenschaft und ebenso wenig um die Diskussion um ,,die" Wahrheit in Geschichte oder Gedächtnis. Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es vielmehr, wissenschaftliche Ansätze zu finden, die der Komplexität des Black Atlantic als Diaspora gerecht werden. Dazu gehören u.a. Phänomene wie Fremdsein, Heimkehrwunsch und Pilgerreisen, aber auch kollektive Identität als ,,AfrikanerInnen in der Diaspora" und Unterschiede zwischen den Residenzländern. Um diesem Ziel näher zu kommen, ist eine Synthese verschiedener Theorien notwendig. In der Entlehnung und Anwendung ,,fachfremder" Konzeptionen liegen Ideen verborgen, die aus der Krise der Geisteswissenschaften weisen können.2
Aus diesem Grund finden sich in dieser Arbeit im Wesentlichen drei theoretische Modelle, die auf das Thema angewandt werden können und sollten: Das Konzept der ,,Erinnerungsorte" von Pierre Nora stammt aus der Geschichtswissenschaft. Der Ethnologe Arnold van Gennep entwickelte die inzwischen zum Klassiker avancierte Analyse von ,,Pilgerreisen", und dem Sozialwissenschaftler Etienne Wenger ist die Vorstellung von den ,,communities of practice" entlehnt.
Die Arbeit beginnt mit der Darstellung des Zusammenhangs von Identität und Geschichtsschreibung. Dies kann gleichsam als die Essenz der Autorin aus dem Hauptseminar verstanden werden. Die Unterscheidung und Bedeutung von historischen und erinnerten Orten sowie die darauf folgende Darstellung des Diaspora-Begriffes werden ab dem fünften Kapitel auf die afrikanische Diaspora angewandt. Dem Erinnern und Vergessen ist ein ganzes Kapitel gewidmet, da sie bereits Ende des 19. Jahrhunderts von Ernest Renan als wichtig für die Bewusstseinsbildung von Gruppen erkannt wurden. Abschließend werden Pilgerreisen in der von van Gennep vorgeschlagenen Struktur hinsichtlich der vorausgegangenen Überlegungen betrachtet.
Zugunsten eines hoffentlich anwendbaren theoretisches Konzeptes als Ergebnis ist die Auswahl an Primärquellen sehr gering gehalten, und deren Analyse findet nicht statt. Die Autorin hält dies trotz anderslautender geschichtswissenschaftlicher Konventionen für vertretbar, vor allem angesichts der Fülle an angesprochenen Aspekte des Themas und des äußerst begrenzten Umfangs einer solchen Arbeit.

2 Der Zusammenhang von Selbstdefinition/ Identität und Geschichtsschreibung

An dieser Stelle soll etwas genauer auf den Zusammenhang von Identität und Geschichtsschreibung eingegangen werden. Ich gehe davon aus, dass Wissenschaft nicht nur gesellschaftliche Strukturen offen legen soll, sondern diese beeinflusst und auch von ihnen beeinflusst wird.3 Wissenschaft kann nicht von Gesellschaft und Politik losgelöst betrachtet werden ebenso wenig wie einzelne Diskurse, die scheinbar auf akademische Kreise beschränkt sind (wie z.B. der Gorée-Disput), letztlich aber politische, gesellschaftliche Auswirkungen haben (können).

[...]


1 Connerton, 1989: S. 11.

2 Von dem, was ich hier populistisch ,,Krise der Wissenschaft(en)" nenne, sind vor allem Disziplinen wie Ethnologie oder Regionalwissenschaften betroffen, die sich mit Themen des Südens befassen, aber im Norden und zumeist aus kolonialen Interessen heraus entstanden sind.

3 Mit dieser Problematik sind wohl alle WissenschaftlerInnen, die jemals mit Drittmitteln gearbeitet haben, vertraut, ebenso wie jene, die versuch(t)en, Forschungen oder Diskurse in universitäre Einrichtungen einzubringen, die bis dahin noch nicht etabliert waren.


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