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Hitler und Stalin: Führercharaktere im Vergleich

Scholary Paper (Seminar), 2002, 18 Pages
Author: Andrea Friemann
Subject: History - National Socialism, World War II

Details

Event: PS Einführung in die vergleichende Geschichtswissenschaft: Stalinismus und Nationalsozialismus
Institution/College: Free University of Berlin (Osteuropa-Institut FB Geschichte)
Tags: Charakter, Hitler, Stalin, Vergleich, Sendungsbewußtsein, Machterlangung, Bullock
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2002
Pages: 18
Grade: 2,3
Language: German
Archive No.: V12557
ISBN (E-book): 978-3-638-18411-3
ISBN (Book): 978-3-638-78755-0
File size: 176 KB

Abstract

Geschichte ist ein Prozess, in dem das Volk als träge, beeinflussbare Masse und Menschen mit politischen Ambitionen neben einander handeln und gegenseitig beeinflussen. Politisch erfolgreich wird derjenige, der die vorherrschenden Meinungen zu bündeln und mit seinen Interessen zu konkreten Zielen zu verbinden versteht. ,,Die Zeit sucht ihren Meister, aber in der Mehrzahl der Fälle findet sie ihn nicht; denken wir nur an die russische Revolution von 1905. Wenn aber ein Führer hervortritt - wie beispielsweise Kemal Pascha in der Türkei oder Mao in China -, dann kann er sich mitunter eine Position verschaffen, in der seine Persönlichkeit, seine individuellen Fähigkeiten und Anschauungen eine Bedeutung erlangen, die den Rahmen jeder normalen Erfahrung sprengt. Später, wenn sich seine Rolle erst einmal etabliert hat, ist es sehr schwierig, ihn wieder zu verdrängen, und ebendieser Fall ist, wie ich glaube, bei Hitler und Stalin eingetreten." Der Zustand der Atomisierung und Entstaatlichung der Gesellschaft, wie er bei Hannah Arendt beschrieben wird, spielte für den Erfolg beider Führer und ihrer totalitären Parteien eine wesentliche Rolle. Und doch können weder die Verhältnisse noch die individuellen Persönlichkeiten allein eine ausreichende Erklärung der Geschichte bieten. Mit der vorliegenden Untersuchung der Charaktere beider Führer soll keinesfalls ein rein institutionalistischer Weg eingeschlagen werden. Vielmehr wird von der Formel ,,dem Führer entgegenarbeiten" ausgegangen, wodurch sich eine Diskussion Intentionalismus versus Funktionalismus erübrigt.


Excerpt (computer-generated)

Freie Universität Berlin
Osteuropa-Institut/FB Geschichte
Wintersemester 2001/02
PS 31024: Einführung in die vergleichende Geschichtswissenschaft: Stalinismus und Nationalsozialismus

Hitler und Stalin: Führercharaktere im Vergleich

Gesamtzeichenzahl: 4.286

eingereicht von:
Andrea Friemann
Osteuropastudien

Inhaltsverzeichnis

Einführung 3

Sendungsbewusstsein 4

Die Wege zur Macht 5


Stalin 6
Hitler 7

Instinkte und Charaktere 8

Minderwertigkeitskomplex und Paranoia 11


Stalin 11
Hitler 12

Fazit 13

Literaturverzeichnis 17

 

Einführung

Geschichte ist ein Prozess, in dem das Volk als träge, beeinflussbare Masse und Menschen mit politischen Ambitionen neben einander handeln und gegenseitig beeinflussen. Politisch erfolgreich wird derjenige, der die vorherrschenden Meinungen zu bündeln und mit seinen Interessen zu konkreten Zielen zu verbinden versteht. ,,Die Zeit sucht ihren Meister, aber in der Mehrzahl der Fälle findet sie ihn nicht; denken wir nur an die russische Revolution von 1905. Wenn aber ein Führer hervortritt - wie beispielsweise Kemal Pascha in der Türkei oder Mao in China -, dann kann er sich mitunter eine Position verschaffen, in der seine Persönlichkeit, seine individuellen Fähigkeiten und Anschauungen eine Bedeutung erlangen, die den Rahmen jeder normalen Erfahrung sprengt. Später, wenn sich seine Rolle erst einmal etabliert hat, ist es sehr schwierig, ihn wieder zu verdrängen, und ebendieser Fall ist, wie ich glaube, bei Hitler und Stalin eingetreten."1
Der Zustand der Atomisierung und Entstaatlichung der Gesellschaft, wie er bei Hannah Arendt beschrieben wird, spielte für den Erfolg beider Führer und ihrer totalitären Parteien eine wesentliche Rolle. Und doch können weder die Verhältnisse noch die individuellen Persönlichkeiten allein eine ausreichende Erklärung der Geschichte bieten. Mit der vorliegenden Untersuchung der Charaktere beider Führer soll keinesfalls ein rein institutionalistischer Weg eingeschlagen werden. Vielmehr wird von der Formel ,,dem Führer entgegenarbeiten" ausgegangen, wodurch sich eine Diskussion Intentionalismus versus Funktionalismus erübrigt. Longerichs Dreieck erscheint zur Beschreibung der Verhältnisse im Nationalsozialismus sehr anschaulich. Es bedarf eines Anschubs durch den Führer, die offene Legalisierung im Regime führt dann zur Radikalisierung durch Einzelne. Ein solcher Mechanismus arbeitete auch im Stalinismus.
,,Neben Hitler und Stalin standen immer zahlreiche Männer, die die Situation in die Hand zu bekommen suchten. Eigenes Glück und fremde Fehler spielten eine wichtige Rolle, und doch war es eben Hitler, der es besser als Papen oder Hugenberg, und Stalin, der es besser als Trotzki und Sinowjew verstand, die Gunst der Stunde zu nutzen."2 Beim Vergleich beider Charaktere treten Ähnlichkeiten zutage, die zur Erklärung ihres politischen Aufstiegs beitragen können. Darüber hinaus liegt im Vergleich beider Führer der Kontrast nicht in der Persönlichkeit, sondern in ihrer jeweiligen Machtstellung. Hier treten deutliche Unterschiede zutage.
Erschreckend bleibt die Vorstellung, dass Menschen mit einer Halbbildung und derartigen Minderwertigkeitskomplexen durch Intrigen an die Macht gelangen, einem Größen- und Verfolgungswahn erliegen und den Tatsachen nicht mehr Rechnung tragen. Waren die Charaktereigenschaften für den Aufstieg beider Führer ausschlaggebend? Können solche politischen Entgleisungen durch die schonungslose Beschreibung der Verhältnisse und Charaktere vermieden werden?

Sendungsbewusstsein

Es ist kaum wahrscheinlich, dass Stalin und Hitler die Passagen in Hegels Werk gelesen haben, in denen er weltgeschichtliche Persönlichkeiten als Teil der Vorsehung bezeichnet. Mit Hilfe dieser Persönlichkeiten verwirklichte sich der Wille des Weltgeistes. Vor ihnen lägen Aufgaben, die gewaltige Opfer erforderten. Sie wären daher von den geltenden Normen menschlichen Verhaltens befreit.3 Sowohl Stalin als auch Hitler teilten den Glauben an ihre weltgeschichtliche Rolle und eine historische Mission, die sie von den geltenden Normen menschlichen Verhaltens befreien würde.

[...]


1 Bullock, Alan, Hitler und Stalin. Parallele Leben, dt. Berlin 1999, S. 1271.

2 Bullock, 1999, S. 1272.

3 Hegel, G., Die Vernunft in der Geschichte, herausgegeben von Hoffmeister, J., Hamburg 5. Auflage 1955, S. 74ff.


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