Please wait
Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2009, 14 Pages
Author: Sebastian Theodor Schmitz
Subject: Sociology - Law, Delinquency, Abnormal Behavior
Details
Institution/College: University of Frankfurt (Main)
Tags: Abriss, Soziologie, Nekrophilie, Soziologie, Sexualität
Year: 2009
Pages: 14
Grade: 1,7
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-31139-2
ISBN (Book): 978-3-640-31027-2
Other users also were interested in the following titles:
Abstract
Ausgehend von Krafft-Ebings Psychopathia Sexualis, finden sich bis heute einige dutzend wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Nekrophilie. Meist liegen diese in Form kurzer Aufsätze oder Artikel vor. Eine einzige knappe quantitative Studie zur Nekrophilie liefern Jonathan Rosman und Peter Resnick (1989). Das vorhandene Material lässt sich grob in drei Typen gliedern: psychoanalytische Fallanalysen, Verhaltensanalysen und medizinische Einordnungsversuche. Eine einheitliche Definition des Phänomens fällt anhand der wenigen und diesbezüglich uneinheitlichen Texte schwer. Ich möchte daher im Rahmen der vorliegenden Arbeit eine primäre Unterscheidung von latenter und manifester Nekrophilie einführen. Als latent nekrophil sollen erotische Phantasien in Verbindung mit dem Tod oder Leichen, aber auch sexuelle Handlungen, die symbolisch auf den Tod verweisen, bezeichnet werden. Hierzu gehört beispielsweise das lustvolle Totstellen beim Koitus, die Bevorzugung schlafender Sexpartner (sleepy sex), die Erotisierung von Särgen, bleichem Make-up und dergleichen mehr. Tatsächliche sexuelle Handlungen mit und in Gegenwart von Leichen, sei dies in Form von Onanie, Streicheln, Küssen, Koitus, Nekrophagie oder Verstümmelungen sollen jedoch als manifest nekrophil gekennzeichnet werden. Das Gros der verfügbaren Literatur beschäftigt sich fast ausschließlich mit manifest nekrophilen Phänomenen. Dagegen scheinen Beispiele latenter Nekrophilie von höherer soziologischer Relevanz zu sein, da hier soziales Handeln in stärkerem Maße interpretierbar wird. Ziel dieser Arbeit ist die Interpretation nekrophiler Handlungen als soziale Handlungen, wobei eine möglichst hohe Bandbreite an Dimensionen der Nekrophilie, wie sie in der Fachliteratur präsentiert werden, angerissen werden soll.
Excerpt (computer-generated)
Goethe Universität Frankfurt am Main
Fachbereich 03 - Gesellschaftswissenschaften
Seminar: Soziologie der Sexualität
Wintersemester 2008/2009
Abriss einer Soziologie der Nekrophilie
vorgelegt von Sebastian T. Schmitz
am 21. Januar 2009
,,Was wollen Sie denn, ein jeder hat seine Leidenschaft, die meinige ist die
Leiche" Ein Nekrophiler im gerichtlichen Verhör (Rauch 1947: 78).
Ausgehend von Krafft-Ebings
Psychopathia Sexualis
, finden sich bis heute einige
dutzend wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Nekrophilie. Meist liegen diese in
Form kurzer Aufsätze oder Artikel vor. Eine einzige knappe quantitative Studie zur
Nekrophilie liefern Jonathan Rosman und Peter Resnick (1989). Das vorhandene
Material lässt sich grob in drei Typen gliedern: psychoanalytische Fallanalysen, Ver-
haltensanalysen und medizinische Einordnungsversuche. Eine einheitliche Definition
des Phänomens fällt anhand der wenigen und diesbezüglich uneinheitlichen Texte
schwer. Ich möchte daher im Rahmen der vorliegenden Arbeit eine primäre Unter-
scheidung von latenter und manifester Nekrophilie einführen. Als
latent nekrophil
sol-
len erotische Phantasien in Verbindung mit dem Tod oder Leichen, aber auch sexu-
elle Handlungen, die symbolisch auf den Tod verweisen, bezeichnet werden. Hierzu
gehört beispielsweise das lustvolle Totstellen beim Koitus, die Bevorzugung schla-
fender Sexpartner (
sleepy sex
), die Erotisierung von Särgen, bleichem Make-up und
dergleichen mehr. Tatsächliche sexuelle Handlungen mit und in Gegenwart von Lei-
chen, sei dies in Form von Onanie, Streicheln, Küssen, Koitus, Nekrophagie oder
Verstümmelungen sollen jedoch als
manifest nekrophil
gekennzeichnet werden. Das
Gros der verfügbaren Literatur beschäftigt sich fast ausschließlich mit manifest
nekrophilen Phänomenen. Dagegen scheinen Beispiele latenter Nekrophilie von hö-
herer soziologischer Relevanz zu sein, da hier soziales Handeln in stärkerem Maße
interpretierbar wird. Ziel dieser Arbeit ist die Interpretation nekrophiler Handlungen
als soziale Handlungen, wobei eine möglichst hohe Bandbreite an Dimensionen der
Nekrophilie, wie sie in der Fachliteratur präsentiert werden, angerissen werden soll.
Nekrophilie stellt im deutschen Rechtssystem keinen gesonderten Straftatbestand
dar. Die diesbezüglichen Schwierigkeiten liegen auf der Hand: Wer wäre im Falle
manifester Nekrophilie der Geschädigte? Tote Körper sind keine Rechtspersonen,
Angehörige der Leiche können sich dagegen sehr wohl geschädigt fühlen, jedoch
verfügen auch sie über kein Besitzrecht am Toten. Diese Schwierigkeiten werden je-
doch über den Umweg eines Rekurses auf moralische Werte umschifft. Manifeste
Nekrophilie ist daher sehr wohl strafbar. Dieser Umweg wird über den §168 StGB ge-
regelt. Darin heißt es:
2
,,(1) Wer unbefugt aus dem Gewahrsam des Berechtigten den Körper oder
Teile des Körpers eines verstorbenen Menschen, eine tote Leibesfrucht, Tei-
le einer solchen oder die Asche eines verstorbenen Menschen wegnimmt
oder wer daran beschimpfenden Unfug verübt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu
drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Ebenso wird bestraft, wer eine Aufbahrungsstätte, Beisetzungsstätte o-
der öffentliche Totengedenkstätte zerstört oder beschädigt oder wer dort be-
schimpfenden Unfug verübt.
(3) Der Versuch ist strafbar."
Der Gesetzestext belegt ein starkes moralisches Tabu. Hinter der Bezeichnung des
,,beschimpfenden Unfugs" steht die Auffassung, dass auch der tote Körper über ein
gewisses Maß an Würde verfügt und damit nicht ein bloßes Ding ist. Diese Auffas-
sung lässt sich auf christlich-abendländische Moralvorstellungen zurückführen. Ru-
hestätten, Orte an denen Leichen aufgebahrt werden und auch die möglichst mit
dem Sterbesakrament versehene Leiche gelten dort als
geweiht
. Die Durchführung
sexueller Handlungen mit Bezug auf Leichen gilt in diesem Kontext in zweierlei Hin-
sicht als moralisch falsch.
Erstens
ist gemäß der christlichen Tradition das Praktizie-
ren sexueller Handlungen ohne die Intention der Fortpflanzung zumindest problema-
tisch. Symbolisch steht die Sexualisierung des Todes einer reinen,
lebenserzeugen-
den
Fortpflanzungssexualität sogar konträr gegenüber.
Zweitens
ist die Durchfüh-
rung einer solchen unmoralischen Handlung in Verbindung oder in Gegenwart von
Toten eine Entweihung eines gesegneten Körpers oder einer gesegneten Stätte.
Auch der Begriff der Totenruhe bezieht sich auf diese den Toten zukommende Wei-
he, die nicht auf
beschimpfende
Weise zerstört werden darf. Die Existenz dieses
auch rechtlich verankerten Tabus verleiht der Nekrophilie eine soziologische Rele-
vanz. Obgleich die Allgemeinverbindlichkeit christlicher Werte in der Moderne rück-
läufig ist, bleiben kulturgeschichtlich verankerte Ressentiments gegenüber nekrophi-
len Akten institutionell verankert.
In Hinblick auf ältere europäische Gesetzbücher, wie dem alten österreichischen
Recht, ist interessant, dass an Leichen verübte Handlungen so bestraft werden konn-
ten als seien sie an lebenden Menschen ausgeführt worden. Nekrophilie wird so
noch immer kein expliziter Straftatbestand, das
Schänden
einer Leiche kann rechtlich
jedoch beispielsweise als äquivalent zu Vergewaltigung oder Mord gelten (vgl. Rauch
1947: 72), womit ein bloßer Objektstatus von Körpern toter Menschen negiert wird.
Jener Umstand kann als Kernaspekt der bis heute andauernden rechtlichen Ächtung
manifester Nekrophilie angesehen werden.
Eine solche Ächtung liegt nicht allein im Rechtssystem vor. Die Medizin liefert ein
anderes Beispiel einer solchen institutionellen Verankerung von Moralvorstellungen.
3
Comments
No comments yet
Other users also were interested in the following titles:
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit - Formatvorlage / Vorlage für eine Hausarbeit für Microsoft Word
Author: GRIN VerlagPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2005 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit - Formatvorlage / Vorlage für eine Hausarbeit für OpenOffice.org
Author: GRIN VerlagPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2005 Download as PDF-file for 9,99 EUR
Formatvorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit / Vorlage zur Erstellung einer Hausarbeit
Author: Marco FeindlerPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2005 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Author: GRIN VerlagPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2008 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit
Author: Zoran ZivkovicPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Author: Claudia NickelPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2006 Download as PDF-file for 4,99 EUR
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Author: Maik PhilippPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - Hausarbeiten - Seminararbeiten
Author: Mark RichterPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2008
This text can be quoted and accessed from this url: