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Adverbien im Indogermanischen

Subtitle: Entwicklung und Typologie der Adverbien in den indogermanischen Sprachen

Thesis (M.A.), 2008, 113 Pages
Author: Christian Voggenreiter
Subject: Speech Science / Linguistics

Details

Category: Thesis (M.A.)
Year: 2008
Pages: 113
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V125766
ISBN (E-book): 978-3-640-31171-2
ISBN (Book): 978-3-640-31050-0

Abstract

Gegenstand dieser Arbeit ist die Wortart Adverb und ihr Verhältnis zum Kasussystem in den indogermanischen Sprachen. Allgemein lässt sich feststellen, dass die indogermanischen Sprachen im Laufe ihrer Entwicklung das morphologisch hochdifferenzierte Kasussystem der rekonstruierten Grundsprache in unterschiedlichem Maße vereinfacht haben. Parallel dazu fanden neue Adverbien Eingang in das Lexikon dieser Sprachen. Da viele dieser Adverbien in den indogermanischen Sprachen auf erstarrte Kasusformen zurückgeführt werden können, stellt sich nun die Frage, wie sich die formalen und funktionalen Veränderungen des Kasussystems im Einzelnen auf die Wortart Adverb in diesen Sprachen ausgewirkt haben. Das heißt, ob es sich bei diesem Zusammenhang zwischen Kasus- und Adverbialsystem um ein isoliertes Phänomen im Kontext des oben skizzierten Sprachwandels handelt oder ob dieser nur Teil eines universellen systematischen Prozesses ist, anhand dessen sich zeigen lässt, dass das Adverb grundsätzlich in einem funktionalen und formalen Abhängigkeitsverhältnis zum Kasussystem steht.


Excerpt (computer-generated)

Adverbien

im Indogermanischen

Wissenschaftliche Hausarbeit

zur Erlangung des akademischen Grades

eines Magister Artium

der Universität Hamburg

vorgelegt von

Christian Voggenreiter

Hamburg 2008


Inhalt

Adverbien 1

Wissenschaftliche Hausarbeit 1

Inhalt 2

1. Einleitung 5

1.1. Allgemeines zur Wortart Adverb 5

1.2. Zur Bestimmung der Wortart 6

1.3. Das Adverb in den Sprachen der Welt 8

1.4. Zur Entstehung von Adverbien 9

1.4.1. Adverbien aus Substantiven und Adjektiven 10

1.4.2. Adverbien aus Verben 12

1.5. Zur Entstehung von Adpositionen aus Adverbien 13

2. Die Situation im Urindogermanischen 14

2.1. Allgemeines zum Kasussystem 15

2.2. Die adverbialen Funktionen der Kasus im Urindogermanischen 15

2.2.1. Die adverbialen Funktionen des Akkusativs 16

2.2.2. Die Funktionen des Ablativs 17

2.2.3. Die Funktionen des Instrumentals 17

2.2.4. Die Funktionen des Lokativs 18

2.3. Weitere Funktionen 19

2.3.1. Der Akkusativ der Beziehung 19

2.3.2. Der Genitiv in seiner Funktion als Partitiv 19

2.3.3. Der Dativ in adverbialer Verwendung 19

2.4. Adverbien im Urindogermanischen 20

2.4.1. Adverbien aus erstarrten Kasusformen 22

2.4.2. Adverbbildung durch Suffigierung 22

2.4.3. Adverbien aus dem Akkusativ Singular Neutrum des Adjektivs 23

3. Zum Kasussystem und den Adverbien in ausgewählten idg. Tochtersprachen 24

3.1. Griechisch 25

3.1.1. Allgemeines zum Kasussystem 25

3.1.2. Die adverbialen Funktionen der Kasus im Griechischen 29

3.1.2.1. Die adverbialen Funktionen des Akkusativs 30

3.1.2.2. Die adverbialen Funktionen des Genitivs 32

2


3.1.2.3. Die adverbialen Funktionen des Dativs 34

3.1.3. Weitere Funktionen 36

3.1.3.1. Relevante Funktionen des Akkusativs 36

3.1.3.2. Der Genitiv in seiner Funktion als Partitiv 37

3.1.4. Das Adverb im Griechischen 39

3.1.4.1. Adverbien aus erstarrten Kasusformen 40

3.1.4.2. Ererbte Adverbien 45

3.1.4.3. Adverbbildung durch Suffigierung 45

3.1.4.4. Adverbien aus und in Komposita 48

3.1.4.5. Adverbien aus dem Akkusativ Singular Neutrum des Adjektivs 49

3.2. Altindisch 49

3.2.1. Allgemeines zum Kasussystem 50

3.2.2. Die adverbialen Funktionen der Kasus 51

3.2.2.1. Die adverbiale Funktion des Nominativs 51

3.2.2.2. Die adverbialen Funktionen des Akkusativs 51

3.2.2.3. Die Funktionen des Ablativs 52

3.2.2.4. Die Funktionen des Instrumentals 53

3.2.2.5. Die Funktionen des Lokativs 53

3.2.3. Weitere Funktionen 54

3.2.3.1. Der doppelte Akkusativ 54

3.2.3.2. Der Genitiv in seiner Funktion als Partitiv 54

3.2.4. Das Adverb im Altindischen 55

3.2.4.1. Adverbien aus erstarrten Kasusformen 55

3.2.4.2. Ererbte Adverbien 57

3.2.4.3. Adverbbildung durch Suffigierung 58

3.2.4.4. Ableitung von Adverbien mittels Akzentverschiebung 61

3.2.4.5. Adverbien aus und in Komposita 61

3.2.4.6. Adverbien aus dem Akkusativ Singular Neutrum des Adjektivs 62

3.3. Lateinisch 63

3.3.1. Allgemeines zum Kasussystem 63

3.3.2. Die adverbialen Funktionen der Kasus im Lateinischen 64

3.3.2.1. Die adverbialen Funktionen des Akkusativs 64

3.3.2.2. Die Funktionen des Ablativs 66

3


3.3.3. Weitere Funktionen 69

3.3.3.1. Relevante Funktionen des Akkusativs 69

3.3.3.2. Der Genitiv in seiner Funktion als Partitiv 70

3.3.3.3. Eine relevante Funktion des Dativs 71

3.3.4. Das Adverb im Lateinischen 72

3.3.4.1. Adverbien aus erstarrten Kasusformen 72

3.3.4.2. Ererbte Adverbien 75

3.3.4.3. Adverbbildung durch Suffigierung 76

3.3.4.4. Adverbien aus und in Komposita 77

3.3.4.5. Adverbien aus dem Akkusativ Singular Neutrum des Adjektivs 77

3.4. Hethitisch 77

3.4.1. Allgemeines zum Kasussystem 78

3.4.2. Die adverbialen Funktionen der Kasus im Hethitischen 80

3.4.2.1. Die adverbialen Funktionen des Akkusativs 80

3.4.2.2. Die Funktionen des Ablativs 81

3.4.2.3. Die Funktionen des Instrumentals 82

3.4.2.4. Die adverbialen Funktionen des Dativ-Lokativs 82

3.4.2.5. Die Funktion des endungslosen Lokativs im Althethitischen 82

3.4.2.6. Die Funktion des Direktivs 83

3.4.3. Weitere Funktionen 83

3.4.4. Das Adverb im Hethitischen 84

3.4.4.1. Adverbien aus erstarrten Kasusformen 84

3.4.4.2. Ererbte Adverbien 86

3.4.4.3. Adverbbildung durch Suffigierung 86

3.4.4.4. Adverbien in Komposita 87

3.4.4.5. Adverbien aus dem Akkusativ Singular Neutrum des Adjektivs 87

3.5. Zusammenfassung und Auswertung 87

4. Schlussbetrachtung 94

Appendix A - Tabellarium 96

Appendix B ­ Quellen 104

4


1. Einleitung

1.1. Allgemeines zur Wortart Adverb

Der Begriff Adverb geht auf lat.

adverbium

,,Beiwort, das zum Verb gehörige" zurück,

das seinerseits eine Lehnübersetzung des griechischen Begriffs Epirrhma ,,das

Dazugesagte, das dem Verb Hinzugefügte" darstellt.

Die Wortart Adverb dient dazu, Verben, Adjektive, Adverbiale oder Sätze semantisch

zu modifizieren. Synchron werden Adverbien üblicherweise zusammen mit

Präpositionen / Postpositionen und Konjunktionen zu den Partikeln gezählt, da sie wie

diese nicht flektiert werden. Nur wenige Adverbien sind komparierbar. Wo dies

möglich ist, werden häufig suppletive Formen gebraucht, wie beim deutschen Adverb

bald

mit dem Komparativ

eher

und dem Superlativ

am ehesten

.

Die Wortart selbst kann in sich weiter untergliedert werden. Je nach angelegtem

Kriterium ergeben sich dabei Subtypen.

Eine Gliederung nach syntaktischen Kriterien liefert eine erste Unterteilung in

freie

Adverbien

und

Pronominaladverbien

, die stellvertretend für Adpositionalobjekte oder

Adverbiale stehen können.

Morphologisch unterscheidet man zwischen

reinen

(d.h. undurchsichtigen)

Adverbien

,

Adverbien aus Komposita

und solchen, die durch

Derivation

gebildet werden. In

Sprachen, in denen es möglich ist, durch Ableitung oder Komposition Adverbien dem

Lexikon hinzuzufügen, wird die Wortart als

offen

bezeichnet.

Semantisch kann man einteilen in

Lokal-

,

Temporal-

,

Modal-

,

Kausal-

und

Grad-

bzw.

Maßadverbien

.

Nicht alle Adverbien zeigen den gleichen Gebrauchsumfang. Neben solchen, die nur

adverbial

verwendet werden können, gibt es eine Gruppe von Adverbien, die darüber

hinaus noch

attributiv

oder

prädikativ

gebraucht werden können. Einen besonderen Typ

stellen die sogenannten

Satzadverbien

dar, die der semantischen Modifikation eines

ganzen Satzes dienen.

5


1.2. Zur Bestimmung der Wortart

Die Frage danach, welche Kriterien erfüllt sein müssen, um ein bestimmtes Wort den

Adverbien zuzurechnen, ist bis heute umstritten. Schmöe et al. (2002: Vorwort)

schreiben dazu:

,,Die Wortart Adverb ist die sperrigste und am wenigsten erforschte Wortklasse nicht

nur des Deutschen. In den Grammatiken und Wortbildungslehren wird sie häufig

stiefmütterlich behandelt, meist nach Kriterien, die untereinander schlecht kompatibel

sind."

Verfolgt man die Geschichte der Grammatikforschung zurück bis Dionysios Thrax

(1.Jh.v.Chr.)1, so findet sich bei ihm zum Adverb sinngemäß in etwa Folgendes:

,,Das Adverb ist ein flexionsloser Satzteil, der von einem Verbum ausgesagt oder ihm

hinzugefügt wird [...]"

Auf vieles, was heute zu den Adverbien gerechnet wird, darunter z.B. die

Satzadverbien, trifft eine solch eingeschränkte Definition aber nicht zu. Schmöe (2005:

S.12/13) klassifiziert das Adverb deshalb auch als unflektierbare Wortart (im

Unterschied zu den Adjektiven), die Satzgliedcharakter hat (im Unterschied zu den

anderen Partikeln) und im Satz nicht als Subjekt fungieren kann. Dabei handelt es sich

um eine Mischklassifikation nach zwei syntaktischen und einem morphologischen

Kriterium, die den Charakteristika der Adverbien, wie sie sich in den idg. Sprachen

finden, Rechnung trägt. Darauf, dass eine solche Klassifikation aber keinen Anspruch

auf universale Gültigkeit erheben kann, gehe ich unter

Punkt 1.3

. ein.

In neuzeitlichen Grammatiktheorien ist eine derartige Mischklassifikation, wie sie

schon klassische Grammatiker vorgenommen haben, häufig bemängelt worden. Vor

allem die strukturalistischen Schulen des 20.Jahrhunderts wandten sich gegen diese

traditionelle Einteilung der Wortarten nach Kriterien unterschiedlicher Sprachebenen.

Knobloch & Schaeder (2000: S.675) nennen dabei als wichtigste Kritikpunkte, die

dagegen ins Feld geführt wurden:

1 So entnommen aus Knobloch & Schaeder (2000: S.675).

6


- Es sei keine oder lediglich eine unzureichende Begründung der

Klassifikationszielsetzung erkennbar.

- Die angestrebten Klassen blieben hinsichtlich ihres theoretischen Status unklar;

d.h. es sei bei der Wortart nicht klar ersichtlich, ob es sich um eine

grammatische oder lexikalische Kategorie handele.

- Das lexikologische bzw. grammatische Modell innerhalb dessen die Wortart

etabliert werde, sei nur ungenügend präzisiert.

- Es herrsche eine definitorische Unklarheit über die formale und inhaltliche

Beschaffenheit der sprachlichen Einheiten, die klassifiziert werden.

- Das sich ergebende System sei inkonsistent aufgrund der Heterogenität der

Kriterien, die zur Klassifizierung herangezogen wurden.

- Die Bestimmtheit der Klassen sei mangelhaft, ebenso wie die Abgrenzung der

Klassen gegeneinander.

- Einige lexikalische Klassen ließen sich auf diese Weise schlecht zuordnen, so

dass es notwendig sei, Restklassen zu schaffen.

- Es fehle die Übertragbarkeit der Klassifikation in einer Sprache auf andere

Sprachen.

In der Folge gab es viele unterschiedliche Ansätze, eine kriterienreine

Wortartenklassifikation vorzunehmen, darunter morphologisch, syntaktisch und

semantisch begründete. Jede dieser Einteilungen brachte jedoch eigene Probleme mit

sich. So ist es z.B. bei einer Klassifikation nach rein morphologischen Gesichtspunkten

nicht möglich, die unflektierbaren Wörter weiter zu spezifizieren bzw. dem Anspruch

auf Übertragbarkeit gerecht zu werden, da es bekanntlich Sprachen gibt, die in

morphologischer Hinsicht keine Unterscheidung der Wortarten zulassen.

Daneben wurden Wortartenklassifikationen vorgeschlagen, die sich zur Unterscheidung

zwar ebenfalls auf Bewertungsaspekte verschiedener Sprachebenen stützen, diesen aber

einen spezifischen Rang zuordnen. Im Weiteren gab es dann noch Modelle, die mittels

logischer Prinzipien versuchten, die Wortarten zu bestimmen, und viele mehr.

Keines der Systeme konnte es aber leisten, Kriterien zu bestimmen, die auf alle

Adverbien zutreffen, und dabei den oben genannten Ansprüchen zu genügen. Es bleibt

also fraglich, ob eines dieser Modelle mit Recht einer einfachen Mischklassifikation,

7


wie sie schon die klassischen Grammatiker vorgenommen haben, vorgezogen werden

sollte. Vor diesem Hintergrund ziehen Knobloch & Schaeder (2000: S.690) das Fazit:

,,Jenseits aller pragmatischen und theoretischen Relevanzen, die das Wortartenproblem

von Fall zu Fall neu bestimmen, ist die Frage interessant, ob das enorme

Beharrungsvermögen der uralt tradierten, synkretistischen Wortartbegriffe und ­

merkmale vielleicht doch keinen Makel der Theorie indiziert, sondern den Umstand,

dass synkretische Klassen kognitiv äußerst effizient zu handhaben sind."

Was die folgende Untersuchung anbelangt, so werde ich mich auf die oben erläuterte

Mischklassifikation nach Schmöe stützen, da sie mir hinsichtlich der Fragestellung die

leistungsfähigste scheint, und dabei in Kauf nehmen, dass eine derart bestimmte Wortart

kein Muster eines universalen Typus Adverb sein muss.

1.3. Das Adverb in den Sprachen der Welt

Man findet bis heute kaum Angaben über die Vertretung der Wortart Adverb in den

Sprachen der Welt. Dass Adverbien nicht zur obligatorischen Grundausstattung einer

Sprache gehören müssen, wurde allerdings von unterschiedlicher Seite immer wieder

angemerkt. So schreibt bereits Sapir (1921: S.126):

,,No language wholly fails to distinguish noun and verb, though in particular cases the

nature of the distinction may be an elusive one. It is different with the other parts of

speech. Not one of them is imperatively required for the life of language."

Adverbien, wie u.a. auch Adjektive und die große Gruppe der Partikeln, sind also als

spezialisierte sprachliche Ausdrucksmittel zu verstehen, die nicht notwendigerweise

Bestandteil eines Sprachsystems sein müssen. Eine Voraussetzung dafür, dass sich

Adverbien, im Sinne der oben genannten Definition, in einer Sprache herausbilden

können, scheint zu sein, dass die fragliche Sprache auch das Adjektiv zu ihrem

Wortarteninventar zählt. Nur in solchen Sprachen kommen Adverbien überhaupt vor.

Zum Problem der Klassifikation, lässt sich an dieser Stelle noch hinzufügen, dass u.a.

das morphologische Kriterium der Unveränderlichkeit universal nicht adäquat ist, um

problemlos auf Adverbien angewendet werden zu können. Cuzzolin et al. (2006 : S.2)

8


führen als Beispiel an :

,,In Maori ,,adverbs" show agreement with the verb [...] for

diathesis (active or passive)."

Neben solchen Sprachen, in denen das Adverb mit seinem Modifikatum kongruiert,

stellt sich das Problem noch deutlicher in isolierenden Sprachen, da hier jede

Möglichkeit der morphologischen Klassifizierung ausgeschlossen ist. Die verbleibende

Option, allein nach syntaktischen Kriterien eine Wortart Adverb in diesen Sprachen

gegenüber anderen Wortarten, wie Substantiven und Verben in adverbialem Gebrauch,

abzugrenzen, birgt die Schwierigkeit, den vermeintlichen Adverbien hierzu ein

spezifisches Distributionsmuster nachweisen zu müssen. Manche der fraglichen Wörter

bieten dafür aber zu wenig syntaktische Anhaltspunkte.

Des Weiteren ist es auch nicht sicher, ob die einleitend genannten Funktionen des

Adverbs universale Gültigkeit beanspruchen können. Sasse (1993: S.663) stellt dazu

fest:

,,It has proven very difficult to define the functional basis of adverbs even for those

languages in which they are extremely prominent (Indoeuropean for instance)."

Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass das Adverb als eigenständige Wortart

nicht in allen Sprachen der Welt vorkommt, auch wenn diese einen

syntaktischen Slot

besitzen, der für adverbiale Bestimmungen reserviert ist. Außerdem scheint es auch in

den Sprachen, für die man annimmt, dass sie Adverbien haben, schwierig zu sein, diese

nach allgemein gültigen Kriterien zu klassifizieren.

1.4. Zur Entstehung von Adverbien

Heine & Kuteva (2007: S.59) gehen wie Sapir von der Grundannahme aus, dass

lediglich Substantive und Verben notwendig seien, um das Funktionieren einer Sprache

zu gewährleisten. Sie schreiben dazu:

,,Nouns and verbs are the only items that are crosslinguistically fairly stable and

clearly behave like open-class categories, even if there are languages that are claimed

to lack verbs, or a categorial distinction between nouns and verbs [...]"

Wenn aber die Wortart Adverb nicht zwingend zur Grundausstattung einer Sprache

gehören muss, schließt sich die Frage an, woraus sich die Adverbien in den Sprachen,

9


die sie zu ihren sprachlichen Ausdrucksmitteln zählen, entwickelt haben und woraus sie

sich grundsätzlich entwickeln können.

Die verschiedenen Ebenen der sprachlichen Ausdruckmittel eines universalen

Wortschatzes lassen sich in einem hierarchischen System darstellen, wie es sich bei

Heine & Kuteva (2007: S.111) findet:

I

NOUN

II

VERB

III

ADJECTIVE

ADVERB

IV

DEM

ADP

ASP

NEG

V

PRN

DEF

REL

CPL

CAS

TNS

VI

AGR PAS

SBR

I,II etc. = layers; AGR = agreement marker; ADP = adposition; ASP= (verbal) aspekt; CAS = case

marker; CPL = complementizer; DEF= marker of definiteness ("definite article"); DEM = demonstrative;

NEG = negation marker; PAS = passive; PRN = pronoun; REL = relative clause marker; SBR =

subordinating marker of adverbial clauses; TNS = tense marker.

Den Ebenen I und II - entsprechend dieser Grafik - gehören danach die ursprünglichsten

Wortarten Substantiv und Verb an. Es folgen auf Ebene III die Wortarten Adjektiv und

Adverb, die bereits nicht mehr in allen Sprachen vorkommen. Den folgenden Ebenen

gehören dann die restlichen Wortarten und Markierungen an. Die Pfeile stehen dabei für

die primären Entwicklungswege.

1.4.1. Adverbien aus Substantiven und Adjektiven

Eine der wichtigsten Quellen für Adverbien stellen Substantive dar. Diese können sich

in adverbialer Verwendung zu Adverbien entwickeln, wodurch sich in den meisten

Fällen der Gebrauchsumfang ausdehnt (eine Ausnahme bilden z.B. die Satzadverbien).

Mit dieser Entwicklung ist im Allgemeinen eine

Desemantisierung

verbunden, d.h.,

dass das Adverb einen Teil der Bedeutung des zugrundeliegenden Substantivs einbüßt,

10



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