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Die Adaptation von Liedtexten

Termpaper, 2008, 21 Pages
Author: Sibylle Heising
Subject: Interpreting / Translating

Details

Category: Termpaper
Year: 2008
Pages: 21
Grade: 2,0
Language: German
Archive No.: V125852
ISBN (E-book): 978-3-640-31370-9
ISBN (Book): 978-3-640-31744-8

Abstract

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Problemen, die bei der Adaptation von Liedtexten auftreten. In Anbetracht der Tatsache, dass die Translationswissenschaft eine relativ junge Disziplin ist, findet sich für viele Bereiche ausführliche und detaillierte Literatur. Für die Problematik, die bei der Adaptation von Liedtexten auftritt trifft dies jedoch nicht zu. Dieser Teilbereich wurde lange Zeit vernachlässigt. Klaus Kaindl wollte diesem Umstand abhelfen. Für Liedtexte im Allgemeinen und Operntexte im Besonderen gilt, dass die sich die Übertragung von einer in die andere Sprache nicht auf den Text beschränkt. So sagt Klaus Kaindl: Die Problematik der Übersetzung für das Musiktheater resultiert aus der multimedialen Beschaffenheit des Textes. Damit spricht er das Kernproblem an, auf das in dieser Arbeit detailliert eingegangen werden soll. Zur Annäherung an die Problematik wird zunächst kurz auf die Diskussion eingegangen, die die Einführung des Begriffs „audiomedialer Text“ bzw. „multimedialer Text“ durch Katharina Reiß ausgelöst hat. Danach nähern wir uns der Problematik theoretisch, unter besonderer Berücksichtigung der Arbeit von Klaus Kaindl, der sich mit den Schwierigkeiten bei der Übersetzung von Opern auseinandergesetzt hat, an. Schließlich werden wir uns anhand praktischer Beispiele von Liedtexten unterschiedlichen Niveaus konkrete Schwierigkeiten anschauen.


Excerpt (computer-generated)

Johannes Gutenberg ­ Universität Mainz

Fachbereich für Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft

Der audio-/multimediale Text

Die Adaptation von Liedtexten



Vorgelegt von Sibylle Heising




Im Rahmen des Übersetzerseminars



Im Sommersemester 2008

Lörrach, den 29.06.2008


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Der audio-multimediale Text ­ die Diskussion um den Begriff 3

3. Die Problematik beim Übersetzen von Liedtexten ­ theoretische Aspekte 4

4. Die Problematik beim Übersetzen von Liedtexten anhand ausgewählter praktischer

Beispiele 10

4. 1 Betrachtung von Kinderliedern 11

4. 2 Betrachtung von aktueller Populärmusik 12

4. 3 Betrachtung eines Liedermachertextes 14

4. 4 Betrachtung einer Opernszene 16

5. Schluss 19

Bibliographie 20











2


1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Problemen, die bei der Adaptation von

Liedtexten auftreten. In Anbetracht der Tatsache, dass die Translationswissenschaft eine

relativ junge Disziplin ist, findet sich für viele Bereiche ausführliche und detaillierte Literatur.

Für die Problematik, die bei der Adaptation von Liedtexten auftritt trifft dies jedoch nicht zu.

Dieser Teilbereich wurde lange Zeit vernachlässigt. Klaus Kaindl wollte diesem Umstand

abhelfen. Für Liedtexte im Allgemeinen und Operntexte im Besonderen gilt, dass die sich die

Übertragung von einer in die andere Sprache nicht auf den Text beschränkt. So sagt Klaus

Kaindl:

Die Problematik der Übersetzung für das Musiktheater resultiert aus der multimedialen Beschaffenheit

des Textes.1

Damit spricht er das Kernproblem an, auf das in dieser Arbeit detailliert eingegangen werden

soll. Zur Annäherung an die Problematik wird zunächst kurz auf die Diskussion eingegangen,

die die Einführung des Begriffs ,,audiomedialer Text" bzw. ,,multimedialer Text" durch

Katharina Reiß ausgelöst hat. Danach nähern wir uns der Problematik theoretisch, unter

besonderer Berücksichtigung der Arbeit von Klaus Kaindl, der sich mit den Schwierigkeiten

bei der Übersetzung von Opern auseinandergesetzt hat, an. Schließlich werden wir uns

anhand praktischer Beispiele von Liedtexten unterschiedlichen Niveaus konkrete

Schwierigkeiten anschauen.

2. Der audio-multimediale Text ­ die Diskussion um den Begriff

Katharina Reiß hat 1971 in ihrem Buch

Möglichkeiten und Grenzen der Übersetzungskritik

den drei geläufigen Texttypen nämlich 1. dem inhaltsbetonten, oder wie sie ihn später nennt,

informativen Text, 2. dem formbetonten, oder expressiven Text und 3. dem appellbetonten

oder operativen Text als vierte Gruppe den audio-medialen Text hinzufügt. Sie hatte sich zu

diesem Zeitpunkt bereits überlegt, dass diese Gruppe möglicherweise den drei vorher

genannten Texttypen subsumiert werden könnte, fand die Einführung dieser Gruppe jedoch

unumgänglich, da hier die Sprache durch zusätzliche Elemente gesteigert und ergänzt wird.

Diese Erweiterung hat in der Fachwelt eine lebhafte Diskussion ausgelöst, so dass sie 1995 in

Grundfragen der Übersetzungswissenschaft

zu folgender Erkenntnis kommt:

1 Klaus Kaindl in

Handbuch Translation,

1999, S. 258

3


Schrifttexte, die erst zusammen mit bildlichen oder graphischen Darstellungen (Bilderbücher,

Comicstrips, Begleittexte für Dias) oder mit Musik (Lieder, musikalische Bühnenwerke etc.) das

vollständige Informationsangebot ausmachen, weisen alle eine Interdependenz der verschiedenen

Medien bei der Textgestaltung auf. Ohne Beachtung dieser Interdependenzen können solche Texte nicht

adäquat übersetzt werden. Wir fassen solche Texte in dem Begriff der

multimedialen Varianten

der drei

Grundtypen zusammen. Diese Varianten überlagern die drei Grundtypen, denn sowohl informative als

auch expressive und operative Texte können in der Gestalt multimedialer Varianten auftreten.2

Sie wählt hier den Begriff der

multimedialen Varianten

, der insgesamt wohl eine bessere

Akzeptanz erfahren hat, da die anderen Texttypen allesamt in dieser Variante auftauchen

können.

Mary Snell-Hornby trägt zu dieser Diskussion im

Handbuch Translation

folgende

Anmerkung bei:

Diese "audio-medialen Texte", die Reiß damals noch als vierten Texttyp verstanden hat, lösten in der

Fachliteratur eine lebhafte Diskussion aus, so dass sie sich veranlasst sah, ihren Standpunkt zu

modifizieren. Zum einen räumte sie (1990) ein, es handle sich bei solchen Texten doch nicht um einen

gesonderten Texttyp in ihrem ursprünglichen Sinne, (...). Und zum anderen änderte sie die

Bezeichnung "audio-medial" in "multi-medial" um, wobei auch das Medium der bildlichen Darstellung

einbezogen wurde, wie etwa bei Comics. ( ) In der Übersetzungswissenschaft ist der Terminus

audiomedial

inzwischen durch

multimedial

völlig verdrängt worden. Allerdings gibt es Textsorten, die

zwar schriftlich fixiert, aber in gesprochener Form an das Ohr des Empfängers gelangen, jedoch nicht

multi

medial sind. Es sind Texte, die gezielt zum Sprechen geschrieben bzw. verwendet werden und

somit sehr wohl als

audio

medial bezeichnet werden könnten: politische Reden, wissenschaftliche

Vorträge, auch Textstellen aus der Bibel, die zu liturgischen Zwecken vorgelesen werden. Sie gelangen

akustisch über die menschliche Stimme an den Rezipienten statt visuell über das gedruckte Wort.

(...)

Im audiomedialen Text werden solche Elemente - im Gegensatz zum spontanen mündlichen Diskurs -

gezielt eingesetzt, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen, und sie variieren mit den verschiedene

Sprachen und Kulturräumen. (...) 3

3. Die Problematik beim Übersetzen von Liedtexten ­ theoretische Aspekte

Die intensive theoretische Auseinandersetzung mit der komplexen Problematik der

Opernübersetzung beginnt eigentlich erst mit Klaus Kaindl. Davor wurde diese Disziplin eher

vernachlässigt. Das Desinteresse an dieser Thematik resultiert seiner Meinung nach daraus,

dass sich insbesondere für die Oper eine Reihe von Einzeldisziplinen verantwortlich fühlen.

So wird das Libretto von der Literaturwissenschaft als Teil ihrer Disziplin gesehen, die

Musikwissenschaft sieht in der Analyse der Notenpartitur ihre Aufgabe, während sich die

Theaterwissenschaft mit der szenischen Umsetzung auseinandersetzt. Klaus Kaindl löst die

Oper aus dieser einzeldisziplinären Betrachtung heraus und beschäftigt sich mit ihrer

kulturellen Komplexität, um sie so zu einem Gegenstand fachwissenschaftlicher

Untersuchung zu machen.

Es verwundert ihn auch, dass die Übersetzungswissenschaft selbst für dieses Gebiet wenig

2 Katharina Reiß,

Grundfragen der Übersetzungswissenschaft,

Wien 20002 ,S. 87

3 Mary Snell-Hornby et al.,

Handbuch Translation,

1999, S.273

4


Interesse gezeigt hat. Er vermutet, dass der Grund dafür in der Tatsache zu suchen sei, dass

die Übersetzungswissenschaft bis in die 80-er Jahre hinein vor allem durch die Linguistik

dominiert wurde, deren primärer Untersuchungsgegenstand die Sprache war und welche mit

ihrem systemhaften Theorieanspruch der komplexen Realität der Opernübersetzung auch nur

schwerlich gerecht geworden wäre.

Zur Annäherung an die Thematik hat sich Klaus Kaindl zunächst auf die Suche nach einer für

seine Zwecke geeignete Textdefinition gemacht. Er hat sich hierzu einige Modelle kritisch

angeschaut, wurde hierzu aber zu seiner Verwunderung in der Textlinguistik nicht fündig. In

der Literaturwissenschaft jedoch fand er eine Definition von Text als Schichtenmodell, das

von Ingarden (1931) entwickelt wurde. Dieses Modell erschien Kaindl insofern als relevant,

als Ingarden den Textbegriff explizit auf den Theatertext ausweitet. Ingarden geht in seinem

Textmodell vom ,,fertigen literarischen Werk" aus, das heißt, er klammert zunächst sowohl

die Produktionsbedingungen, unter denen sich das Werk konstituiert, als auch das Verstehen

des Werkes durch den Leser aus, um den Aufbau des Werkes als ein ,,aus mehreren

heterogenen Schichten aufgebautes Gebilde" zu untersuchen. Ingarden unterscheidet konkret

vier Schichten, die den polyphonen Charakter eines Werkes ausmachen, nämlich 1. die

Schicht der Wortlaute und Lautgebilde; 2. die Schicht der Bedeutungseinheiten; 3. die Schicht

der mannigfaltigen schematisierten Ansichten; 4. die Schicht der dargestellten

Gegenständlichkeiten. Nicht alle Aspekte, die bezüglich dieses Modells diskutiert wurden,

erschienen Kaindl als für seine Arbeit relevant. Wesentlich erschien ihm jedoch die

Feststellung Ingardens, dass im Unterschied zum schriftlichen Werk in der Theateraufführung

andere Darstellungsmittel verwendet werden, die es zum Teil ermöglichen, die in der

Schriftfassung intentional entworfenen Gegenständlichkeiten in reale Gegenständlichkeiten

der Bühnenwirklichkeit zu verwandeln, wodurch auch die einzelnen Schichten im Vergleich

zum literarischen Kunstwerk im Theatertext eine etwas modifizierte Rolle spielen. Die

Schichten als Teile eines übergeordneten Ganzen lösen sich als solche im Werk nicht auf, jede

von ihnen wird auf ihre eigene Weise in dem Ganzen sichtbar und trägt etwas Eigenes zu dem

Gesamtcharakter des Ganzen bei, ohne dadurch der phänomenalen Einheit des letzteren

Abbruch zu tun. Hatte sich Ingarden zu Beginn für die Werksgestalt eines Stückes und ihrer

Werksgestalt interessiert, so wendet er sich später auch dem Verhältnis zwischen Text und

Rezipient zu. Dieser Kontakt mit dem Rezipienten wird für ihn insofern notwendig, als jedes

literarische Werk von ihm ,,Unbestimmtheitsstellen" enthält, die erst im produktiven Akt der

Rezeption aufgefüllt werden. Dieses Konzept der ,,Unbestimmtheitsstellen" bieten nach

Kaindl für die Übersetzungswissenschaft einen wertvollen Beitrag zur Beschreibung

5



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