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Examination Thesis, 2008, 41 Pages
Author: Judith Düringer
Subject: Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
Details
Year: 2008
Pages: 41
Grade: 1
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-31500-0
ISBN (Book): 978-3-640-31844-5
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Abstract
Seit langem hat der Unterricht in den Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen an einer Schule für Praktisch Bildbare seinen festen Stellenwert. Wurde vor einigen Jahrzehnten noch über die Sinnhaftigkeit des Unterrichts in den Kulturtechniken an einer Schule für Menschen mit einer geistigen Behinderung diskutiert, so hat sich in den vergangenen Jahren doch die Erkenntnis durchgesetzt, dass mathematische Kompetenzen erarbeitet werden können und damit Voraussetzungen für eine bessere Bewältigung des Alltags geschaffen werden. Dabei muss berücksichtigt werden, dass nicht erst bei der Bewältigung von schwierigen mathematischen Rechenoperationen von mathematischer Kompetenz gesprochen werden darf, sondern die Mathematik nach Piaget bereits im pränumerischen Bereich beginnt. Pränumerische Kenntnisse und Fähigkeiten, wie z.B. das Beherrschen der Stück-für-Stück Zuordnung bei der Verteilung von Bonbons, ermöglichen einem/einer SchülerIn seine/ihre Handlungskompetenzen in eigene Interessen zu integrieren und motiviert weiter zu entwickeln. Im Schulalltag kommt dem angewandten Umgang mit Mengen und Zahlen deshalb große Bedeutung zu. Eine unterrichtsimmanente Diagnostik und Förderung findet z.B. beim Tischdecken (jedem Teller eine Tasse zuordnen), Einkaufen (bestimmte Mengen von Artikeln auswählen, Umgang mit Geld) oder beim Kochen (Zutaten abzählen) statt. Im praktischen Unterrichtsalltag an einer Schule für Praktisch Bildbare wird aber auch immer wieder deutlich, dass viele SchülerInnen zwar sehr weit zählen können, ihnen der Aufbau der Zahlwortreihe und die Beziehung zwischen Zahlen und Mengen aber weitgehend verborgen bleibt. Zur Erleichterung von Alltagshandlungen sind mathematische Kenntnisse und Fähigkeiten – vorrangig ein gesicherter Zahlbegriff – aber unabdingbar, da zahlreiche Alltagshandlungen mathematische Aspekte beinhalten. Eine konkrete Förderung wirkt sich somit positiv auf die Erweiterung und Verbesserung von Alltagskompetenzen aus. In den letzten Wochen und Monaten habe ich deshalb in einer Differenzierungsgruppe eine gezielte Förderung im elementaren mathematischen Lernen mit dem Ziel bzw. der Fragestellung durchgeführt, ob bei SchülerInnen mit einer Beeinträchtigung der geistigen Entwicklung durch eine systematische Förderung nach dem Konzept des struktur- und niveauorientierten Lernens nach Kutzer der Zahlbegriff inhaltlich vermittelt und gefestigt werden kann.
Excerpt (computer-generated)
Mathematik in der Haupt-Werkstufe einer
Schule für Praktisch Bildbare Versuch der
gezielten Entwicklung und Förderung von
Zahlbegriff und Mengenauffassung
Schriftliche Arbeit zur Zweiten Staatsprüfung
für das Lehramt an Förderschulen in Hessen
eingereicht dem Amt für Lehrerbildung in Frankfurt/Main
durch das Studienseminar für
Grund-, Haupt-, Real- und Förderschulen Marburg
Vorgelegt von
Judith Düringer
1. August 2008
Inhalt
1. Einleitung 1
Theoretische Grundlagen 4
2. Vom pränumerischen Bereich zum Zahlbegriffserwerb 4
2.1 Das ,,Haus der Mathematik" 4
2.2 Sachstruktur des pränumerischen Bereichs und der Aspekte Klassifikation und
Seriation 5
2.3 Aspekte
des
Zahlbegriffs 8
3. Motive für die Auswahl des Diagnose- und Förderkonzepts
und
Bezug
zum
Lehrplan 10
Praxisteil
eine Förderung im elementaren mathematischen Lernen 13
4. Vorüberlegungen und Rahmenbedingungen 13
4.1 Institutionelle Rahmenbedingungen und Beschreibung der
Differenzierungsgruppe 13
4.2 Zur Auswahl der Schülerinnen 14
5. Diagnostik 15
5.1 Diagnostisches Verfahren zur Ermittlung der Lernvoraussetzungen der
Schülerinnen 15
5.2 Beschreibung der Lernvoraussetzungen von Laura und Kübra 18
6. Förderung 20
6.1 Förderschwerpunkte bei Laura und Kübra 20
6.2 Ein Einblick in die Förderung Beschreibung von Förderbeispielen 21
6.3 Exemplarische Darstellung einer Förderstunde 25
7. Ergebnisse der Förderung 29
8. Reflexion und Ausblick 32
8.1 Zusammenfassende
Beurteilung
der Förderung Reflexion 32
8.2 Konsequenzen für die weitere förderdiagnostische Arbeit Ausblick 33
9. Literatur 35
Einleitung
1
1. Einleitung
Seit langem hat der Unterricht in den Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen an
einer Schule für Praktisch Bildbare seinen festen Stellenwert. Es ist mittlerweile
selbstverständlich, dass die Bereiche Schriftspracherwerb und Mathematik zum
Unterrichtsangebot gehören.
Wurde vor einigen Jahrzehnten noch über die Sinnhaftigkeit des Unterrichts in den
Kulturtechniken an einer Schule für Menschen mit einer geistigen Behinderung
diskutiert, so hat sich in den vergangenen Jahren doch die Erkenntnis durchgesetzt, dass
mathematische Kompetenzen erarbeitet werden können und damit Voraussetzungen für
eine bessere Bewältigung des Alltags geschaffen werden. Dabei muss berücksichtigt
werden, dass nicht erst bei der Bewältigung von schwierigen mathematischen
Rechenoperationen von mathematischer Kompetenz gesprochen werden darf, sondern
die Mathematik nach Piaget bereits im pränumerischen Bereich beginnt. Pränumerische
Kenntnisse und Fähigkeiten, wie z.B. das Beherrschen der Stück-für-Stück Zuordnung
bei der Verteilung von Bonbons, ermöglichen einem/einer SchülerIn seine/ihre
Handlungskompetenzen in eigene Interessen zu integrieren und motiviert weiter zu
entwickeln.1
Im Schulalltag kommt dem angewandten Umgang mit Mengen und Zahlen deshalb
große Bedeutung zu. Eine unterrichtsimmanente Diagnostik und Förderung findet z.B.
beim Tischdecken (jedem Teller eine Tasse zuordnen), Einkaufen (bestimmte Mengen
von Artikeln auswählen, Umgang mit Geld) oder beim Kochen (Zutaten abzählen)
statt.
Im praktischen Unterrichtsalltag an einer Schule für Praktisch Bildbare wird aber auch
immer wieder deutlich, dass viele SchülerInnen zwar sehr weit zählen können, ihnen der
Aufbau der Zahlwortreihe und die Beziehung zwischen Zahlen und Mengen aber
weitgehend verborgen bleibt. Das Aufsagen der Zahlwortreihe von 1 bis 10 beinhaltet
noch kein mathematisches Verständnis für den Zahlbegriff, da ein/e SchülerIn lediglich
zehn Wörter aneinander reiht, die in der Regel auswendig gelernt wurden. Sagt man den
SchülerInnen z.B., dass sie nicht für acht Personen den Tisch decken müssen, da ein/e
SchülerIn nicht da ist, so können sie die Anzahl der benötigten Teller meist nicht
spontan ermitteln, da ihr Zugang zur Zahlwortreihe rein rhythmisch-mechanisch ist,
1 Vgl. Vries, C. de (2006):
Mathematik an der Schule für Geistigbehinderte.
S. 9 f.
Einleitung
2
ohne dass ein Zahlbegriff2 vorhanden ist. Ein weiteres Beispiel für einen rein auswendig
gelernten Zugang zur Zahlwortreihe sind Schwierigkeiten, die auftreten, wenn in einer
Aufgabe die Zahlwortreihe nicht mit der 1 beginnt.
Die SchülerInnen der Haupt-Werkstufe sind zwischen 15 und 19 Jahre alt. Obwohl sie
kontinuierlich seit vielen Jahren in Mathematik unterrichtet werden, ist nur bei wenigen
ein gesicherter Zahlbegriff vorhanden. Zur Erleichterung von Alltagshandlungen sind
mathematische Kenntnisse und Fähigkeiten vorrangig ein gesicherter Zahlbegriff
aber unabdingbar, da zahlreiche Alltagshandlungen mathematische Aspekte beinhalten.
Eine konkrete Förderung wirkt sich somit positiv auf die Erweiterung und Verbesserung
von Alltagskompetenzen aus. In den letzten Wochen und Monaten habe ich deshalb in
einer Differenzierungsgruppe eine gezielte Förderung im elementaren mathematischen
Lernen mit dem Ziel bzw. der Fragestellung durchgeführt, ob bei SchülerInnen mit einer
Beeinträchtigung der geistigen Entwicklung durch eine systematische Förderung nach
dem Konzept des struktur- und niveauorientierten Lernens nach Kutzer3 der Zahlbegriff
inhaltlich vermittelt und gefestigt werden kann. Die Entscheidung für dieses
Förderkonzept wird in Kapitel 3 erläutert.
Im ersten Teil der Arbeit, in dem es um die theoretischen Grundlagen geht, soll
zunächst der pränumerische Bereich der Mathematik bis hin zum Zahlbegriffserwerb
vorgestellt werden. In Kapitel 3 werden, wie bereits erwähnt, Motive für die Auswahl
der verwendeten Diagnose- und Fördermaterialien erläutert und die Förderung wird
durch einen Bezug zum Lehrplan didaktisch begründet. Im darauf folgenden Praxisteil
findet in den Vorüberlegungen (Kapitel 4) eine kurze Beschreibung der
Differenzierungsgruppe statt und die institutionellen Rahmenbedingungen werden
dargestellt. Im Unterkapitel 4.2 wird erläutert, wie es zur Auswahl der Schülerinnen
gekommen ist, die bei der Förderung im Vordergrund stehen. In Kapitel 5 wird zunächst
das diagnostische Verfahren zur Ermittlung der Lernvoraussetzungen vorgestellt.
Anschließend werden die Lernvoraussetzungen der Schülerinnen zu Beginn der
Fördersequenz beschrieben. Kapitel 6 befasst sich mit der Förderung.
Förderschwerpunkte der Schülerinnen und Förderbeispiele werden dargestellt und eine
Förderstunde wird exemplarisch beschrieben. Daran anschließend werden in Kapitel 7
die Ergebnisse der Förderung aufgezeigt. Eine Reflexion der Fördersequenz mit der
2 Wesentliche Einsichten, die laut Kutzer für einen sicheren Zahlbegriff vorhanden sein müssen werden
unter Punkt 2.2 und Punkt 2.3 beschrieben.
3 Vgl. Kutzer (1998)
: Mathematik entdecken und verstehen. Kommentarband 1.
Einleitung
3
Formulierung von Konsequenzen für die weitere Arbeit im Bereich des elementaren
mathematischen Lernens schließt meine Ausführungen ab.
Theoretische Grundlagen
4
Theoretische Grundlagen
2. Vom pränumerischen Bereich zum Zahlbegriffserwerb
In diesem Kapitel soll ein Einblick gegeben werden, wie mathematische Kompetenzen
entwickelt werden können. Zunächst folgt im Subkapitel 2.1 ein Überblick in Form
einer Hausdarstellung. Unter Punkt 2.2 wird der Bereich Pränumerik inhaltlich näher
ausgeführt und unter Punkt 2.3 werden wesentliche Aspekte des Zahlbegriffs erläutert.
2.1 Das ,,Haus der Mathematik"
Eine einfache Darstellung, das ,,Haus der Mathematik"4, veranschaulicht die
notwendige Stufenfolge beim Aufbau mathematischer Fähigkeiten:
Die Darstellung macht deutlich, dass der so genannte pränumerische Bereich für den
Aufbau mathematischer Kompetenzen grundlegend ist. Mit dem pränumerischen
Bereich ist der vorzahlige Bereich gemeint, bei dem es um die Entwicklung
mathematischer Vorläuferkompetenzen geht. Dieser Aspekt befasst sich noch nicht mit
Ziffern und Operationszeichen, bildet aber das Fundament für das weitere
mathematische Denken.
4 Vries, C. de (2006):
Mathematik an der Schule für Geistigbehinderte.
S. 12.
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