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Adverbien, Argumentstruktur und Aspekt

Hausarbeit, 2009, 16 Seiten
Autor: Anonym
Fach: Sprachwiss. / Sprachforschung (fachübergreifend)

Details

Veranstaltung: Minimalistsiche Syntax
Institution/Hochschule: Universität Potsdam (Institut für Linguistik)
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2009
Seiten: 16
Note: 1,3
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V126490
ISBN (E-Book): 978-3-640-32385-2


Zusammenfassung / Abstract

Laut Bußmann (2002) ist der Aspekt „eine ver-bale Kategorie, die sich auf die interne zeitliche Struktur oder andere inhaltliche Merkmale von Verbbedeutungen bezieht und die in der Morphologie einzelner Sprachen grammatikalisiert ist.“ Travis (in prep.) unterscheidet den Aspekt der Sichtweise und den Aspekt der Situation. Der Aspekt der Sichtweise (auch grammatischer, funktionaler oder äußerer Aspekt genannt) ist ein morpholo-gischer oder grammatischer Aspekt. Für das morphologische Material, das den Aspekt anzeigt, wird ein zusätzlicher funktionaler Kopf innerhalb der Flexionsdomäne des Satzes angenommen. In dieser Arbeit geht es jedoch mehr um den Aspekt der Situation (auch lexikalischer oder innerer Aspekt genannt), der sich auf die Aktionsart bezieht. Nach MacDonald (1996) zeigt dieser innere Aspekt an, wie ein Prädikat ein Ereignis beschreibt. Hat das Ereignis einen Endpunkt, hat es einen telischen Aspekt, hat es keinen Endpunkt, ist der Aspekt atelisch. Da der innere Aspekt morphologisch nicht unbedingt sichtbar ist, ist es weniger klar als beim Aspekt der Sichtweise, dass er syntaktisch realisiert ist. Travis (in prep.) behauptet jedoch, dass es für den inneren Aspekt in der lexikalischen Domäne des Satzes (innerhalb der VP) eine funktionale Projektion gibt. Sie nimmt eine AspP an, die zwischen 2 VP-Schalen positioniert ist. Evidenz für diese AspP liefert das Tagalog, bei dem die Anordnung von Morphemen diese Projektion notwendig macht. Adger & Tsoulas (2004) nehmen ebenfalls an, dass es solch eine AspP gibt. Sie nutzen diese, um die Positionierung von (Manner- und Lokativ-)Adverbien im Englischen zu lizensieren, wobei sie sich auf Chomsky (2000) und die darin beschriebene Lizensierung der Adverbien beziehen. Durch die Analyse der Adverbien zeigen Adger & Tsoulas (2004), dass es einen Zusammenhang zwischen den Adverbien, Aspekt und der Argumentstruktur gibt. Unabhängig von den Adverbien sieht auch Travis (in prep.) einen Zusammenhang zwischen Argumentstruktur/Kasus und Aspekt. Um diesen Zusammenhang im sechsten Abschnitt aufzuzeigen und zu erklären, wird im zweiten Abschnitt der Arbeit erst einmal der Zusammen-hang der Adverbien zur Argumentstruktur und zum Aspekt dargelegt. Darauf folgen frühere Annahmen zur Struktur der Adverbien, Evidenz für die von Adger & Tsoulas (2004) eingeführte AspP, ihre Annahme zur Positionierung der Adverbien, die im fünften Abschnitt mit der schon angesprochenen Theorie von Chomsky (2000) erklärt und analysiert wird.


Textauszug (computergeneriert)

Universität Potsdam

Institut für Linguistik

Wintersemester 2008/09

HS Minimalistische Syntax

Adverbien, Argumentstruktur und

Aspekt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 1

2. Syntax und Semantik von Adverbien 2

3. Frühere Ansätze 3

4. Evidenz für die AspP 4

5. Ansatz von Adger & Tsoulas (2004) 5

5.1 Analyse von Adverbien ­ Die H-assoziierte Relation 6

5.2 Semantische Interpretation/Lizensierung von Lokativen 7

5.3 Lizensierung der Manneradverbien 8

6. Zusammenhang zwischen Aspekt und Argumentstruktur/Kasus 9

7. Zusammenfassung 11

Literatur 13


1. Einleitung

Laut Bußmann (2002) ist der Aspekt (lat.

a-spectus -

Anblick, Betrachtungsweise) ,,eine ver-

bale Kategorie, die sich auf die interne zeitliche Struktur oder andere inhaltliche Merkmale

von Verbbedeutungen bezieht und die (im Unterschied zur Aktionsart im engeren Sinn) in der

Morphologie einzelner Sprachen grammatikalisiert ist." Travis (in prep.) unterscheidet zwei

Arten von Aspekt, den Aspekt der Sichtweise und den Aspekt der Situation. Der Aspekt der

Sichtweise (auch grammatischer, funktionaler oder äußerer Aspekt genannt) ist ein morpholo-

gischer oder grammatischer Aspekt wie z.B. perfektiv/imperfektiv. Für das morphologische

Material, das den Aspekt anzeigt, wird ein zusätzlicher funktionaler Kopf innerhalb der Flexi-

onsdomäne des Satzes angenommen. In dieser Arbeit geht es jedoch mehr um den Aspekt der

Situation (auch lexikalischer oder innerer Aspekt genannt), der sich auf die Aktionsart be-

zieht. Nach MacDonald (1996) zeigt dieser innere Aspekt an, wie ein Prädikat ein Ereignis

beschreibt. Hat das Ereignis einen Endpunkt, hat es einen telischen Aspekt, hat es keinen

Endpunkt, ist der Aspekt atelisch. Da der innere Aspekt morphologisch nicht unbedingt sich-

tbar ist, ist es weniger klar als beim Aspekt der Sichtweise, dass er syntaktisch realisiert ist.

Travis (in prep.) behauptet jedoch, dass es für den inneren Aspekt in der lexikalischen Domä-

ne des Satzes (innerhalb der VP) eine funktionale Projektion gibt. Sie nimmt eine AspP an,

die zwischen 2 VP-Schalen positioniert ist. Evidenz für diese AspP liefert das Tagalog, eine

philippinische Sprache, in der die Anordnung von Morphemen diese Projektion notwendig

macht. Adger & Tsoulas (2004) nehmen ebenfalls an, dass es solch eine AspP gibt. Sie nutzen

diese, um die Positionierung von (Manner- und Lokativ-)Adverbien im Englischen zu lizen-

sieren, wobei sie sich auf Chomsky (2000) und die darin beschriebene Lizensierung der Ad-

verbien beziehen. Durch die Analyse der Adverbien zeigen Adger & Tsoulas (2004), dass es

einen Zusammenhang zwischen den Adverbien, Aspekt und der Argumentstruktur gibt.

Unabhängig von den Adverbien sieht auch Travis (in prep.) einen Zusammenhang zwischen

Argumentstruktur/Kasus und Aspekt. Um diesen Zusammenhang im sechsten Abschnitt auf-

zuzeigen und zu erklären, wird im zweiten Abschnitt der Arbeit erst einmal der Zusammen-

hang der Adverbien zur Argumentstruktur und zum Aspekt dargelegt. Darauf folgen frühere

Annahmen zur Struktur der Adverbien, Evidenz für die von Adger & Tsoulas (2004) einge-

führte AspP, ihre Annahme zur Positionierung der Adverbien, die im fünften Abschnitt mit

der schon angesprochenen Theorie von Chomsky (2000) erklärt und analysiert wird.

1


2. Syntax und Semantik von Adverbien

Wie in der Einleitung beschrieben, sehen Adger & Tsoulas (2004) einen Zusammenhang zwi-

schen Adverbien, Argumentstruktur und Aspekt. Anhand von Manneradverbien zeigen sie

den Zusammenhang von Adverbien und Argumentstruktur bzw. Kasus. In (1) ist zu sehen,

dass es Verben gibt, die nicht mit Manneradverbien (

slowly, worriedly

) stehen können.

(1)

a. *John resembled Sue slowly

b. *John had flu worriedly

(2)

a. *John´s resembling of Sue

b. *John´s having of flow (Adger & Tsoulas 2004: 1)

Resemble

und

have

nehmen eigentlich ein Objekt im Akkusativ, erlauben, wie in (2), bei der

Nominalisierung aber keine Einfügung von

of

, durch die Akkusativ eingefügt wird. Daraus

lässt sich schließen, dass der Akkusativ bei diesen Verben nicht strukturell, sondern inhärent

ist. Wie (3) zeigt, können auch psychologische Verben nicht zusammen mit Manneradverbien

auftreten.

(3)

a. *He aggravated me revoltingly

b. *They enthused the audience excitedly (Adger & Tsoulas 2004: 2)

Man kann also sagen, dass unakkusative Verben (

resemble, have

und psychologische Verben)

nicht mit Manneradverbien stehen können. Der Zusammenhang zwischen Argumentstruktur

und Manneradverbien besteht darin, dass Verben, die keinen strukturellen Akkusativ zuwei-

sen können, auch nicht mit Manneradverbien stehen können. Den Zusammenhang zwischen

Adverbien und Aspekt verdeutlichen Adger & Tsoulas (2004) anhand von Lokativen. (4)

zeigt, dass es bestimmte Verben erlauben, Lokativpräpositionen auszulassen, wenn der As-

pekt des Verbs verändert wird. (4a) hat eine atelische Lesart, der Berg wurde nicht ganz be-

stiegen. Fällt die Lokativpräposition

up

wie in (4b) weg, wird die Lesart telisch, der Satz hat

einen Endpunkt, der Berg wurde komplett bestiegen.

(4)

a. They climbed up the mountain.

b. They climbed the mountain. (Adger & Tsoulas 2004: 2)

Der Zusammenhang zwischen Aspekt und Adverbien besteht also darin, dass Sätze ohne (lo-

kative) Adverbien telisch sind. Adger & Tsoulas (2004) stellen eine Annahme auf, wie die

2



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