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Die Lüneburger Saline und ihre Bedeutung für das mittelalterliche Lüneburg und den Ostseeraum

Hauptseminararbeit, 2008, 21 Seiten
Autor: Susanne Stäblein
Fach: Skandinavistik

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2008
Seiten: 21
Note: 1,3
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V126497
ISBN (E-Book): 978-3-640-32926-7
ISBN (Buch): 978-3-640-33112-3

Zusammenfassung / Abstract

Wer im Jahr 2000 durch die Lüneburger Innenstadt spaziert ist, wird sich an den zahlreichen kunstvoll bemalten Wildschweinfiguren erfreut haben, die es dort zu sehen gab. Gleichwohl wird einem Ortsfremden die Bedeutung dieser Wildschweine verborgen geblieben sein. Mit dieser werbewirksamen Aktion wurde nämlich an eine alte Lüneburger Legende erinnert, wonach ein Jäger vor mehr als 1000 Jahren eine schneeweiße Wildsau erlegt haben und im Zuge dessen die erste Salzquelle der Stadt entdeckt haben soll. Die ungewöhnliche Farbe des Felles stammte der Legende zufolge von kristallisiertem Salz, in dem sich die Sau gesuhlt hätte. Es war also eine Sau, die die Einwohner Lüneburgs auf ihren wertvollen Bodenschatz aufmerksam gemacht haben soll. Auf einem Salzstock erbaut, beruht die geschichtliche Bedeutung der Stadt Lüneburg in der Tat in erster Linie auf einem reichen Salzvorkommen. Das Salz stand im Mittelpunkt des mittelalterlichen Lüneburgs, prägte das wirtschaftliche Leben und schuf somit die Basis für den ökonomischen Aufstieg dieser Stadt, die zu einem der wichtigsten Mitglieder der Hanse werden sollte. Noch heute spiegeln sich in Lüneburgs Stadtbild der einstige Reichtum und der intensive Handel des Städtebundes wider. Prächtige Giebelhäuser, der Alte Hafen mit dem berühmten Kran und dem historischen Kaufhaus und nicht zuletzt die Saline, in der heute das deutsche Salzmuseum untergebracht ist, zeugen von der Vergangenheit der Stadt. Lüneburg, Lüneburger Salz und die Hanse sind daher Begriffe, die unmittelbar miteinander zu verbinden sind - seit dem 05. Oktober 2007 trägt Lüneburg wieder den Namenszusatz „Hansestadt“, womit direkt an die ältere Geschichte der Stadt erinnert wird. Man ist sich in Lüneburg folglich der historischen Stellung der Stadt bewusst und nutzt dies in touristischer und somit ebenfalls in wirtschaftlicher Hinsicht. Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit liegt auf der Verbindung zwischen dem Lüneburger Salz und der Hanse bzw. dem Ostseeraum. Warum stand gerade das Lüneburger Salz im Fokus des Salzhandels, so dass Lüneburg im 14. Jahrhundert gar ein Salzhandelsmonopol besaß, durch welches die Stellung innerhalb der Hanse wesentlich bestimmt werden konnte. Auf welchen Wegen gelangte das Salz in den gesamten Ostseeraum und andere Regionen Norddeutschlands? [...]


Textauszug (computergeneriert)

Humboldt-Universität zu Berlin

Nordeuropa-Institut

VK 52 268 Die Ostsee ­ ein europäisches Binnenmeer.

Politik ­ Wirtschaft ­ Kultur

WiSe 07/08

Die Lüneburger Saline und ihre Bedeutung für das mittelalter-

liche Lüneburg und den Ostseeraum


Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 3

2. Die Bedeutung des Salzes im Mittelalter 4

3. Die Struktur der Lüneburger Saline und ihre Bedeutung für die Stadt 6

3.1 Die Lüneburger Saline 6

3.2 Die Bedeutung der Saline und des Salzhandels für das mittelalterliche Lüneburg ... 8

4. Der Handel mit Lüneburger Salz und seine Bedeutung für den Ostseeraum des

Mittelalters 11

5. Fazit 17

Literaturverzeichnis 19

2


1. Einleitung

Wer im Jahr 2000 durch die Lüneburger Innenstadt spaziert ist, wird sich an den zahlreichen

kunstvoll bemalten Wildschweinfiguren erfreut haben, die es dort zu sehen gab.1 Gleichwohl

wird einem Ortsfremden die Bedeutung dieser Wildschweine verborgen geblieben sein. Mit

dieser werbewirksamen Aktion wurde nämlich an eine alte Lüneburger Legende erinnert, wo-

nach ein Jäger vor mehr als 1000 Jahren eine schneeweiße Wildsau erlegt haben und im Zuge

dessen die erste Salzquelle der Stadt entdeckt haben soll. Die ungewöhnliche Farbe des Felles

stammte der Legende zufolge von kristallisiertem Salz, in dem sich die Sau gesuhlt hätte. Es

war also eine Sau, die die Einwohner Lüneburgs auf ihren wertvollen Bodenschatz aufmerk-

sam gemacht haben soll.

Auf einem Salzstock erbaut, beruht die geschichtliche Bedeutung der Stadt Lüneburg in

der Tat in erster Linie auf einem reichen Salzvorkommen.2 Das Salz stand im Mittelpunkt des

mittelalterlichen Lüneburgs, prägte das wirtschaftliche Leben und schuf somit die Basis für

den ökonomischen Aufstieg dieser Stadt, die zu einem der wichtigsten Mitglieder der Hanse

werden sollte. Noch heute spiegeln sich in Lüneburgs Stadtbild der einstige Reichtum und der

intensive Handel des Städtebundes wider. Prächtige Giebelhäuser, der Alte Hafen mit dem

berühmten Kran und dem historischen Kaufhaus und nicht zuletzt die Saline, in der heute das

deutsche Salzmuseum untergebracht ist, zeugen von der Vergangenheit der Stadt. Lüneburg,

Lüneburger Salz und die Hanse sind daher Begriffe, die unmittelbar miteinander zu verbinden

sind - seit dem 05. Oktober 2007 trägt Lüneburg wieder den Namenszusatz ,,Hansestadt",3

womit direkt an die ältere Geschichte der Stadt erinnert wird. Man ist sich in Lüneburg folg-

lich der historischen Stellung der Stadt bewusst und nutzt dies in touristischer und somit eben-

falls in wirtschaftlicher Hinsicht.

Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit liegt auf der Verbindung zwischen dem Lüneburger

Salz und der Hanse bzw. dem Ostseeraum.4 Warum stand gerade das Lüneburger Salz im

Fokus des Salzhandels, so dass Lüneburg im 14. Jahrhundert gar ein Salzhandelsmonopol

besaß,5 durch welches die Stellung innerhalb der Hanse wesentlich bestimmt werden konnte.

1 Vgl. http://www.luene-info.de/thema/salzsau/auktion/salzsau.html; Stand 20.08.2008.

2 Vgl. Witthöft, Harald: Struktur und Kapazität der Lüneburger Saline seit dem 12. Jahrhundert, In: Vierteljahr-

schrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 63, 1976, S. 1.

3 Vgl. http://www.abendblatt.de/daten/2007/10/06/801795.html; Stand 20.08.2008.

4 Im engeren Sinne ist mit Salz das natürlich vorkommende Kochsalz, Natriumchlorid, gemeint.

5 Vgl. Witthöft, Harald: Der Export Lüneburger Salzes in den Ostseeraum während der Hansezeit, In: Die Hanse

und der deutsche Osten, Lüneburg 1990, S. 41-65, hier S. 49.

3


Auf welchen Wegen gelangte das Salz in den gesamten Ostseeraum und andere Regionen

Norddeutschlands? Zunächst soll jedoch geklärt werden, welche Bedeutung das Salz für den

Menschen des Mittelalters allgemein hatte, um anschließend die Bedeutung des Salzes für die

Stadt Lüneburg zu erläutern.

2. Die Bedeutung des Salzes im Mittelalter

Salz ist eine elementare Voraussetzung für das Leben und somit der wohl bedeutendste Mine-

ralstoff überhaupt - sowohl Pflanzen und Tiere als auch Menschen sind darauf angewiesen.

Wissenschaftlich bewiesen ist dies zwar erst seit circa 150 Jahren,6 nachdem die chemische

Konsistenz entschlüsselt wurde, aber schon in früheren Zeiten kannten die Menschen den

Nutzen des Salzes als Nahrungs-, Haushalts- oder Arzneimittel. Nach Jean-François Bergier

würzten bereits die Menschen in der Jungsteinzeit ihre Speisen mit Salz. Der vorgeschichtli-

che Mensch ernährte sich hauptsächlich von der Jagd und mit dem Fleisch nahm er stets aus-

reichend Salz auf, so dass der tägliche Bedarf an Salz gedeckt wurde. Mit der Entwicklung

des Ackerbaus in der Jungsteinzeit musste das Salz der Nahrung jedoch zugefügt werden, da

der Salzgehalt von Pflanzen wesentlich geringer ist. Die wirtschaftliche Bedeutung des Salzes

stieg im Mittelalter noch zusätzlich an und lag vor allem in der Konservierung von Nah-

rungsmitteln, so dass der Verbrauch pro Person viel höher war als das heute der Fall ist. Vor

allem in den Städten bestand die Ernährung zunehmend aus Lebensmitteln, für deren Konser-

vierung Salz erforderlich war ­ mit durchaus positiven Auswirkungen auf die Viehzucht und

den Heringsfang in der Nordsee. In den nordischen Ländern wurde etwa der frisch gefangene

Fisch mit Salz haltbar gemacht und konnte so über weite Wege transportiert und gehandelt

werden. Zur Konservierung einer Tonne Hering (entspricht ca. 136 kg) benötigte man etwa

ein Viertel bis zu einem Drittel einer Tonne an Salz (entspricht ca. 34-45 kg).7 Dies zeigt

deutlich wie groß der Bedarf an Salz im Mittelalter gewesen ist. Mit Hilfe des Salzes konnten

die Nahrungsmittel jedoch nicht nur für den Eigenverbrauch haltbar gemacht werden. Viel-

mehr ermöglichte man auf diese Weise erst den Ankauf von weiteren Lebensmitteln. Da etwa

in Norwegen ein Mangel an Getreide, jedoch ein ,,Überschuss" an Fisch herrschte, tauschte

man mit den Händlern aus dem Norddeutschen Raum oder dem heutigen Dänemark Fisch

gegen Getreide. Dort gab es zwar genügend Getreide, aber nicht ausreichend Fisch, welcher

6 Vgl. Bergier, Jean-François: Die Geschichte vom Salz, Frankfurt/ New York 1989, S. 14f.

7 Vgl. Witthöft: Struktur und Kapazität der Lüneburger Saline, S. 109. Zur Konservierung von einem Kilo Fleisch

benötigte man etwa 100 Gramm Salz. Es gab zwar auch andere Konservierungsmethoden, diese waren aber

nicht so zuverlässig wie das Salzen.

Vgl. http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/ard/sendung/65553/index.html; Stand 16.9.2008.

4


sich gerade in der Fastenzeit großer Beliebtheit erfreute.8 Die Konservierung des Fisches als

Handelsgut ermöglichte also erst den Ankauf von Getreide.

Salz ist jedoch nicht überall in der gleichen Menge vorhanden und abbaubar. Besonders

salzreiche Böden finden sich an Meeresküsten, wobei der Salzgehalt des Bodens durch den

Salzgehalt des Meeres beeinflusst wird. So herrschte beispielsweise in Finnland und Schwe-

den stets Salzmangel,9 da die Salzgewinnung aus dem Ostseewasser aufgrund des geringen

Salzgehaltes nicht ertragreich war. Man war folglich auf den Ankauf von Salz angewiesen.

Das ungleiche Vorkommen und der unterschiedliche Bedarf an Salz führten bereits in der

Antike zum Handel mit selbigem.10 Die größte wirtschaftliche und politische Bedeutung er-

langte der Salzhandel in Europa im Mittelalter und verhalf denjenigen Städten und Regionen,

in denen Salz abgebaut wurde zu großem Reichtum und Macht.

Im Allgemeinen ist für das 12. und 13. Jahrhundert eine wirtschaftliche Blüte zu verzeich-

nen, die sich in den Städten besonders bemerkbar machte. Dass Salz einer der bedeutendsten

Faktoren dieses ausgedehnten Wirtschaftswachstums im Hoch- und Spätmittelalter war, steht

außer Frage. Diejenigen Städte, die Salzquellen besaßen, profitierten in besonderer Weise,

indem sie sich ein Monopol auf die Salzproduktion sicherten und Verbrauchssteuern auf Salz

erhoben und so die Einnahmen zusätzlich gesteigert wurden.11 Spätestens seit dem 12. Jahr-

hundert war aus dem schlichten Mineralstoff ein wahres Politikum geworden. Dies lässt sich

auch daran erkennen, dass es in Dänemark durchaus üblich war, dass Gutsbesitzer ihre Abga-

ben an den königlichen Hof in Salz entrichteten.12 Die Politisierung des Salzes ist vor allem

auf den rasch wachsenden Gesamtverbrauch bzw. ­bedarf zurückzuführen. Immerhin verdop-

pelte sich zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert die Bevölkerungszahl Europas. Während

Salz heute relativ preiswert ist, war es im Mittelalter kostbar und rar und wurde daher nicht zu

Unrecht als ,,weißes Gold" bezeichnet, um das sogar Kriege geführt wurde. Bergier vergleicht

das Salz des Mittelalters daher mit dem heutigen Rohöl.13

8 Vgl. Engel, Evamaria: Die deutsche Stadt im Mittelalter, Düsseldorf 2005, S. 181.

9 Vgl. Hildebrand, Karl-Gustav: Salt and Cloth in Swedish Economic History, in: The Scandinavian Economic

History Review, Vol. II, Nr. 1, 1954, S. 94f.

10 Vgl. Bergier: Geschichte vom Salz, S. 161.

11 Vgl. Engel: Stadt im Mittelalter, S. 95f. sowie Bergier: Geschichte vom Salz, S. 53.

12 Vgl. Witthöft: Struktur und Kapazität der Lüneburger Saline, S. 4.

13 Vgl. Bergier: Geschichte vom Salz, S. 15.

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