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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 49 Pages
Author: Simon Muss
Subject: History - Early and Ancient History
Details
Institution/College: University of Duisburg-Essen (Historisches Institut)
Year: 2008
Pages: 49
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-33978-5
ISBN (Book): 978-3-640-33707-1
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Abstract
Im Bezug auf das religiöse Leben der römischen Kaiserzeit bieten sich insbesondere drei Kulte für eine Betrachtung an. Zusammen mit dem Christentum sind dies der römische Mithras – Kult und der römische Isis – Kult. In der Zeit ihrer gemeinsamen Existenz verbreiten sich diese drei Religionsformen im gesamten römischen Reich. Der Kult der Isis findet bereits in der Zeit der späten Republik seinen Weg nach Rom. Erste Zeugnisse für den römischen Mithras – Kult finden sich in der 2. Hälfte des 1. Jh. n. Chr. Von einer beginnenden überregionalen Verbreitung des Christentums ist etwa seit der 2. Hälfte des 1 Jh. n. Chr. im Zuge der paulinischen Mission auszugehen (...) Der zu untersuchende Zeitraum in welchem alle drei Religionsformen existieren, lässt sich anhand der vorliegenden Forschungsergebnisse relativ genau eingrenzen. Er umfasst die Zeit vom Ende des 1. Jh. n. Chr. bis zum Ende des 4. Jh. n. Chr. Die Textgrundlage bilden in diesem Zusammenhang vor allem die Texte der christlichen Autoren, welche sich im Zuge der Entwicklung des christlichen Schrifttums, bzw. einer christlichen Theologie ausführlich mit den Grundlagen der christlichen Religion selbst auseinandersetzen. Die Schriften des Neuen Testaments und - darauf bezogen - die Schriften der christlichen Apologetik, deren Autoren sich in der Tradition des Urchristentums sehen, sollen hier als zentrale Quellen Berücksichtigung finden (...) Die angegebenen Quellen, sowie die verwendete Forschungsliteratur sind in der Literaturliste vermerkt.
Excerpt (computer-generated)
Universität Duisburg - Essen
Campus Essen
Fachbereich 1: Geisteswissenschaften
Historisches Institut
Hauptseminar: Orientalische Kulte in der römischen Kaiserzeit.
SS 08
Christentum, Mithras Kult und Isis Kult in der römischen
Kaiserzeit: Ein Vergleich.
Simon Muss
MA:
Geschichte/Philosophie/
Sozialwissenschaften
19. FS
1
Einleitung
1.
Christentum, Mithras - Kult und Isis - Kult (Gemeinsamkeiten im
Bezug auf Inhalt, Praxis, Symbolik)
1.1 Gemeinsamkeiten im Bezug auf die Inhalte der religiösen Lehre S.7.
1.2 Gemeinsamkeiten in der Kultpraxis S.17.
1.3. Gemeinsamkeiten in der Symbolik S.21.
2.
Christentum, Mithras - Kult und Isis - Kult (Unterscheidungen,
Abgrenzungen,
Konfliktpunkte).
2.1. Unterscheidungen
im
Bezug auf die Inhalte der religiösen Lehre S.24.
2.2. Unterscheidungen im Bezug auf die Kultpraxis S.28.
2.3. Unterscheidungen in der Symbolik S.31.
3.
Bewertungen aus gesamtrömischer Sicht (Bevölkerung und staatliche
Institutionen).
3.1. Die Bewertung der Kulte durch die Bevölkerung S.33.
3.2. Die Bewertung der Kulte auf der Ebene der staatlichen Institutionen S.37.
4.
Fazit S.41.
5. Literaturverzeichnis
S.45.
2
Einleitung
Im Bezug auf das religiöse Leben der römischen Kaiserzeit bieten
sich insbesondere drei Kulte für eine Betrachtung an. Zusammen mit
dem Christentum sind dies der römische Mithras Kult und der
römische Isis Kult. In der Zeit ihrer gemeinsamen Existenz
verbreiten sich diese drei Religionsformen im gesamten römischen
Reich.1 Der Kult der Isis findet bereits in der Zeit der späten Republik
seinen Weg nach Rom.2 Erste Zeugnisse für den römischen Mithras
Kult finden sich in der 2. Hälfte des 1. Jh. n. Chr.3 Von einer
beginnenden überregionalen Verbreitung des Christentums ist etwa
seit der 2. Hälfte des 1 Jh. n. Chr. im Zuge der paulinischen Mission
auszugehen.4
Zu dieser Zeit prägen religiöse Vorstellungen das Weltbild der
Menschen im römischen Reich. Religiöse Feste und die Ausführung
religiöser Riten strukturieren den Alltag der Menschen.
Gesellschaftliches, politisches und religiöses Leben sind hierbei
nicht voneinander zu trennen.5 Die Expansion des römischen
Reiches und der damit seit der Zeit der späten Republik -
verbundene Romanisierungsprozess setzt allerdings viele der
ursprünglich nicht unter römischem Einfluss stehenden und viele
zum Teil nur lokal oder regional verbreitete Religionen und Kulte in
einen neuen sozialen und politischen Zusammenhang. In der
1 T., Fleck, Isis, Serapis, Mithras und die Ausbreitung des Christentums im 3.
Jahrhundert, in: K. - P., Johne/T., Gerhardt/U., Hartmann, Deleto paene imperio
Romano, Transformationsprozesse des Römischen Reiches im 3. Jahrhundert und
ihre Rezeption in der Neuzeit, Stuttgart 2006, S.290 291.
2 J., Bleicken, Verfassungs und Sozialgeschichte des Römischen Kaiserreiches,
Band 2, Paderborn 1994, S.115.
3 M., Clauss, Mithras, Kult und Mysterien, München 1990, S.31 32.
4 J., Bleicken, Verfassungs und Sozialgeschichte des Römischen Kaiserreiches,
Band 2, Paderborn 1994, S.141 146.
5 ebd., S.161 162.
3
römischen Kaiserzeit setzt sich dieser Prozess fort.6 Die
gesellschaftlichen und politischen Veränderungen führen wiederum
zu einer Veränderung des religiösen Lebens. Innerhalb des
römischen Reiches finden sich nun eine Vielzahl religiöser
Vorstellungen, die nun Teil des römischen religiösen Lebens werden,
da Bürger des römischen Reiches sie praktizieren.7 Zusammen mit
der im Zuge dieser Entwicklung stattfindenden als Synkretismus
bezeichneten - Vermischung religiöser Inhalte kommt es zur
Umdeutung bzw. Wandlung religiöser Traditionen und Inhalte. Eine
besondere Rolle spielen in diesem Zusammenhang die sogenannten
Erlösungsreligionen bzw. Mysterienkulte.8 Hierzu lassen sich der
römische Isis Kult, der Mithras Kult und auch das Christentum
zählen.9 Die Anerkennung des Christentums durch den römischen
Staat im Jahr 313 n. Chr. leitet den Untergang des Mithras und des
Isis Kultes - zusammen mit den anderen heidnischen Religionen
ein.10
Die Frage nach eventuellen Gemeinsamkeiten oder Unterschieden
zwischen diesen drei Religionen drängt sich nicht allein aufgrund
ihres Einflusses und ihrer überregionalen Verbreitung auf. Alle drei
Kulte stehen zur Zeit ihrer gemeinsamen Existenz in einem
Spannungs bzw. Konkurrenzverhältnis, das von der christlichen
Seite ausgeht.11 Für die christliche Seite insbesondere für die
christlichen Autoren der Apologetik - spielt im Zuge der inhaltlichen
Bestimmung der ,,wahren" christlichen Lehre die Frage nach
6 ebd., S.113 121.
7 Tert. apol. 24, 7 10; Min. Fel. 6, 1 3.
8 J., Bleicken, Verfassungs und Sozialgeschichte des Römischen Kaiserreiches,
Band 2, Paderborn 1994, S. 113 114.
9 ebd., S. 147. Laut Bleicken finden sich die zentralen Charakteristika der
Mysterienkulte auch im Christentum.
10 Das Mailänder Reskript von 313 n. Chr. überliefert Eusebius: Eus. h. e. 10, 5, 1
3. Zum weiteren Verlauf: J., Vogt, Toleranz und Intoleranz im constantinischen
Zeitalter, der Weg der lateinischen Apologetik, in: Saeculum 19 (1986), S.345
347.
11 M., Clauss, Mithras, S.175.
4
Gemeinsamkeiten, bzw. Unterschieden zwischen den genannten
Kulten eine wichtige Rolle. In diesem Zusammenhang finden sich bei
wichtigen Autoren wie Justin oder Tertullian Äußerungen über
beobachtbare Gemeinsamkeiten und vermeintliche Vermischungen
der Kulte in Inhalt, Kultvollzug und Symbolik.
Die von den Autoren der Apologetik in der Bemühung um die
Charakterisierung des Christentums als die einzig wahre religiöse
Lehre geführte Diskussion um Gemeinsamkeiten und Unterschiede
findet ihre Entsprechung in der modernen Forschungsliteratur. Hier
dauert die Diskussion bis zum heutigen Tag unvermindert an. Sie
resultiert in einer Vielzahl unterschiedlicher Positionen. Einige
Autoren wie Vermaseren oder Merkelbach gehen zum Beispiel von
einer Vermischung bzw. Übernahme zentraler religiöser Inhalte
zwischen den Kulten aus. Autoren wie Manfred Clauss
argumentieren gegen diese Annahmen und von gehen von
beobachtbaren Ähnlichkeiten aus, deren Feststellung jedoch
keinerlei Rückschlüsse auf weitergehende inhaltliche Vermischungen
oder Übernahmen zulassen.
Ziel dieser Arbeit ist es, beobachtbare Gemeinsamkeiten und
Unterschiede im Bezug auf den Inhalt der Lehre, den Kultvollzug und
die Symbolik als zentrale, die Religion charakterisierende Elemente
herauszuarbeiten. Inwieweit lassen die beobachtbaren
Gemeinsamkeiten weitere Schlüsse im Bezug auf eine Vermischung,
bzw. Übernahme von Kultelementen zu? Inwieweit lassen sich
beobachtbare Unterschiede klar voneinander abgrenzen? Im zweiten
Teil der Arbeit sollen die herausgearbeiteten Punkte dann im Bezug
auf die römische Bevölkerung und den römischen Staat betrachtet
werden. Nicht alle Bürger des römischen Reiches waren Mitglieder
dieser drei Religionsgemeinschaften. Es ist also die Frage, inwieweit
dort Unterschiede oder Gemeinsamkeiten in der Bewertung vorliegen
5
und ob sich hier vielleicht vorangegangene Argumentationen
wiederfinden und stützen lassen.
Der zu untersuchende Zeitraum in welchem alle drei Religionsformen
existieren, lässt sich anhand der vorliegenden Forschungsergebnisse
relativ genau eingrenzen. Er umfasst die Zeit vom Ende des 1. Jh. n.
Chr. bis zum Ende des 4. Jh. n. Chr. Die Textgrundlage bilden in
diesem Zusammenhang vor allem die Texte der christlichen Autoren,
welche sich im Zuge der Entwicklung des christlichen Schrifttums,
bzw. einer christlichen Theologie ausführlich mit den Grundlagen der
christlichen Religion selbst auseinandersetzen. Die Schriften des
Neuen Testaments und - darauf bezogen - die Schriften der
christlichen Apologetik12, deren Autoren sich in der Tradition des
Urchristentums sehen, sollen hier als zentrale Quellen
Berücksichtigung finden. Die Apologeten setzen sich darüber hinaus
mit den angesprochenen Kulten der Isis und des Mithras
auseinander. Äußerungen aus nicht christlicher Sicht finden sich
bei römischen Autoren wie Tacitus und Plinius dem Jüngeren sowie
bei griechischen Autoren wie Celsus oder Porphyrios. Im Bezug auf
den römischen Isis Kult wird auf die Schriften von Apuleius und
Plutarch verwiesen. Darüber hinaus ist man hier auf die
archäologische Überlieferung angewiesen. Auch beim römischen
Mithras - Kult ist die Forschung im Wesentlichen auf die
archäologische Überlieferung in Form von Inschriften, Monumenten,
etc. angewiesen. Die für das 2. Jh. nach Chr. angenommenen
schriftlichen Zeugnisse sind bis auf ein bei Porphyrios erwähntes
Fragment des Eubolos - leider nicht erhalten. Darüber hinaus sollen
zentrale Positionen der aktuellen Forschungsliteratur berücksichtigt
werden. Die angegebenen Quellen, sowie die verwendete
Forschungsliteratur sind in der Literaturliste vermerkt.
12 Zu dem Begriff der Apologetik: G., Bardy, Apologetik, in: RAC I (1950), Sp. 538
543.
6
1.
Christentum, Mithras - Kult und Isis - Kult
(Gemeinsamkeiten im Bezug auf Inhalt, Praxis, Symbolik)
1.1 Gemeinsamkeiten im Bezug auf die Inhalte der religiösen
Lehre
Alle drei Religionsformen sind inhaltlichen Veränderungen
unterworfen, die zum Teil zeitlich, aber auch lokal bedingt sind. Die
Mysterienkulte der Isis und des Mithras werden in diesem
Zusammenhang von ihren Anhängern unterschiedlich interpretiert.13
Auch im Christentum finden sich in dem angesprochenen Zeitraum
unterschiedliche Strömungen und lokal bedingte Phänomene.14 Dort
dauert die inhaltliche Auseinandersetzung in Form immer
widerkehrender inhaltlicher Diskurse bis zum heutigen Zeitpunkt an.
Insofern kann es nur darum gehen, wesentliche und kontinuierlich
fassbare Inhalte der Religionen vor dem Hintergrund beobachtbarer
möglicher Gemeinsamkeiten widerzugeben.
Die Geschichte des Christentums als eigenständige, vom Judentum
als unabhängig begriffene Religion beginnt mit Paulus. Die auf dem
Konzil von Jerusalem 48 n. Chr. beschlossene Loslösung von der
jüdischen Gesetzgebung ist der Ausgangspunkt für die Entwicklung
eines eigenen christlichen Selbstverständnisses.15 Die Christen
glauben an den einen Gott, der keine Götter neben sich hat.16 Er ist
charakterisiert als der ,,Schöpfer und Werkmeister des Alls."17 Er ist
der Erschaffer und Lenker der Welt, denn ,,alles kommt von ihm, hat
13 Zum Mithras Kult: M., Clauss, Mithras, S. 27. Zum Isis Kult: T., Fleck, Isis,
Serapis Mithras und die Ausbreitung des Christentums im 3. Jahrhundert, S. 291
292.
14 B., Möller, Geschichte des Christentums in Grundzügen, Göttingen 1992, S.42
48.
15 J., Bleicken, Verfassungs und Sozialgeschichte des Römischen Kaiserreiches,
Band 2, Paderborn 1994, S.141 142.
16 Aristeid. apol. 15, 1 3; Min. Fel. 16,7; Cypr. unit. eccl. 4.
17 ebd.; Tert. apol. 17,1.
7
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