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Subtitle: Dargestellt am praktischen Beispiel von Milka in Spanien
Diploma Thesis, 2009, 101 Pages
Author: Ulrike Paul
Subject: Economics / Business: Marketing, Corporate Communication, CRM, Market Research
Details
Tags: Co-Branding, Internationalisierung, Markenallianz, Prozess, Anchoring-and-Adjustment, Wachstum, Milka, Spill-over Effekt, Co-Branding Effekt, international
Year: 2009
Pages: 101
Grade: 1,7
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-34169-6
ISBN (Book): 978-3-640-34167-2
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Abstract
In Zeiten hart umkämpfter Märkte und hohen Wettbewerbsdruck suchen Unternehmen nach neuen Möglichkeiten, um sich behaupten und weiterhin wachsen zu können. Kooperationen zwischen Unternehmen sowie der Eintritt in internationale Märkte scheinen dabei eine mögliche Lösung zu sein. Ziel dieser Arbeit ist es, diese beiden Aspekte miteinander zu vereinen. Dazu wird ein allgemeingültiger Prozess für die Kooperationsform eines „Co Branding“ Projekts entwickelt und dessen Einsatzmöglichkeit für den internationalen Markteintritt geprüft. Im Rahmen einer deduktiven Vorgehensweise wird das Thema Co-Branding vom Allgemeinen zum Speziellen hin erschlossen. Dazu werden zunächst die Grundlagen und Erfolgsfaktoren des Co-Brandings dargestellt. Sie zeigen die Chancen und Risiken sowie die notwendigen Rahmenbedingungen für einen Erfolg einer solchen Kooperation auf. Dem Aspekt der Partnerwahl wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt, da er den größten Einfluss auf die Umsetzung, Wahrnehmung und den Erfolg eines Co-Brandings hat. Die gewonnenen Erkenntnisse münden in der Darstellung eines ganzheitlichen Prozesses, dessen Stufen im Hinblick auf eine Internationalisierungsstrategie beleuchtet werden. Die Untersuchung und Bewertung der einzelnen Prozessstufen erfolgt durch die Bildung von Analogien zum nationalen Co-Branding Prozess, sowie unter Einbindung wissenschaftlicher Aspekte zur Internationalisierung. Das Beispiel des Markteintritts der Marke Milka in Spanien dient der praktischen Veranschaulichung. Als Ergebnis kann festgestellt werden, dass der Prozess grundsätzlich auch für den internationalen Markteintritt einsetzbar ist, wenn ein Partner gefunden werden kann, der die Anforderungen in Bezug auf Zielgruppe, Image bei den Konsumenten, Produktkategorie und Produktart hat und zudem bereit ist im gemeinsamen Co-Brand die Führungsrolle abzugeben. Eine schnelle Etablierung im Markt ist unter gewissen Modifikationen möglich. Erfolgsfaktoren sind hier die Erkennbarkeit des eigenen Produktes im Co-Brand und, wie im nationalen Prozess auch, die passende Partnerwahl.
Excerpt (computer-generated)
Co-Branding als Internationalisierungsstrategie
dargestellt am Beispiel von Milka in Spanien
DIPLOMARBEIT
vorgelegt bei
FH Aachen
Lehrgebiet BWL, insb. Marketing
von
Ulrike Paul
Aachen, 12. März 2009
I
Abstract
In Zeiten hart umkämpfter Märkte und hohen Wettbewerbsdruck suchen Unter-
nehmen nach neuen Möglichkeiten, um sich behaupten und weiterhin wachsen
zu können. Kooperationen zwischen Unternehmen sowie der Eintritt in inter-
nationale Märkte scheinen dabei eine mögliche Lösung zu sein.
Ziel dieser Arbeit ist es, diese beiden Aspekte miteinander zu vereinen. Dazu
wird ein allgemeingültiger Prozess für die Kooperationsform eines
,,Co Branding" Projekts entwickelt und dessen Einsatzmöglichkeit für den
internationalen Markteintritt geprüft.
Im Rahmen einer deduktiven Vorgehensweise wird das Thema Co-Branding
vom Allgemeinen zum Speziellen hin erschlossen. Dazu werden zunächst die
Grundlagen und Erfolgsfaktoren des Co-Brandings dargestellt. Sie zeigen die
Chancen und Risiken sowie die notwendigen Rahmenbedingungen für einen
Erfolg einer solchen Kooperation auf. Dem Aspekt der Partnerwahl wird
besondere Aufmerksamkeit geschenkt, da er den größten Einfluss auf die
Umsetzung, Wahrnehmung und den Erfolg eines Co-Brandings hat. Die
gewonnenen Erkenntnisse münden in der Darstellung eines ganzheitlichen
Prozesses, dessen Stufen im Hinblick auf eine Internationalisierungsstrategie
beleuchtet werden. Die Untersuchung und Bewertung der einzelnen
Prozessstufen erfolgt durch die Bildung von Analogien zum nationalen
Co- Branding Prozess, sowie unter Einbindung wissenschaftlicher Aspekte zur
Internationalisierung. Das Beispiel des Markteintritts der Marke Milka in Spanien
dient der praktischen Veranschaulichung.
Als Ergebnis kann festgestellt werden, dass der Prozess grundsätzlich auch für
den internationalen Markteintritt einsetzbar ist, wenn ein Partner gefunden
werden kann, der die Anforderungen in Bezug auf Zielgruppe, Image bei den
Konsumenten, Produktkategorie und Produktart hat und zudem bereit ist im
gemeinsamen Co-Brand die Führungsrolle abzugeben. Eine schnelle
Etablierung im Markt ist unter gewissen Modifikationen möglich. Erfolgsfaktoren
sind hier die Erkennbarkeit des eigenen Produktes im Co-Brand und, wie im
nationalen Prozess auch, die passende Partnerwahl.
II
Inhaltsverzeichnis
Abstract I
Abkürzungsverzeichnis V
Abbildungsverzeichnis V
1
Problemstellung, Zielsetzung und Struktur 1
1.1 Einleitung 1
1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit 2
2
Grundlagen des Co-Branding 3
2.1 Klassisches Wachstum durch Markenerweiterung 3
2.2 Kooperation als strategische Option im Unternehmen 5
2.3 Definition und Merkmale des Co-Branding 5
2.4 Abgrenzung von verwandten Begriffen 6
2.4.1 Co-Advertising 7
2.4.2 Co-Promotion 7
2.4.3 Ingredient Branding 7
2.4.4 Mega
Brand 8
2.5 Einfluss der Marken auf die Urteilsbildung zum Co-Brand 8
2.6 Chancen von Co-Branding 12
2.6.1 Spill-Over-Effekte 12
2.6.2 Co-Brand-Effekte 14
2.7 Risiken von Co-Branding 16
2.7.1 Spill-Over-Effekte 16
2.7.2 Co-Brand-Effekte 17
3
Rahmenbedingungen und Umsetzung eines Co-Branding Projektes 18
3.1 Vorraussetzungen für ein erfolgreiches Co-Branding 18
3.1.1 Erfolgsfaktoren
auf
konzeptioneller Ebene 18
3.1.1.1 Markenfit 18
3.1.1.2 Produktkategorie- und Produktfit 21
3.1.1.3 Komplementarität 24
3.1.1.4 Markenstärke
und Markenwissen 25
3.1.2 Erfolgsfaktoren
auf operativer Ebene 27
3.1.2.1 Rollenverteilung 27
3.1.2.2 Namensstellung 28
3.1.2.3 Markenspezifische Merkmale 29
3.1.2.4 Verpackungsgestaltung 29
3.2 Prozess der Partnerwahl 30
3.2.1 Identifikation 31
3.2.2 Bewertung
und
Reduktion 32
3.2.3 Auswahl
und Bindung 35
3.3 Co-Branding im Unternehmen 36
III
3.4 Umsetzungsprozess von Markenallianzen 36
3.4.1
Voranalyse und Zielkonkretisierung 39
3.4.2 Partnersuche 39
3.4.3 Partnerauswahl 40
3.4.4 Partnerbindung
und Umsetzung 42
3.5 Zwischenfazit Co-Branding 43
4
Co-Branding als strategische Alternative zu klassischen
Internationalisierungsformen 44
4.1 Klassische Markterschließungen 44
4.1.1 Export 45
4.1.2 Vertragliche
Markteintrittsformen 46
4.1.2.1 Lizenzvergabe 46
4.1.2.2 Vertragsfertigung 46
4.1.3 Kooperationen 47
4.1.3.1 Strategische Allianz 47
4.1.3.2 Joint
Venture 48
4.2 Länderauswahl 49
4.2.1 Erfahrungsbasierte Länderauswahl 50
4.2.2 Länderauswahl
mittels Filterverfahren 51
4.2.2.1 Einleitende Überprüfung 52
4.2.2.2 Rahmenbedingungen
und Makroumfeld 53
4.2.2.3 Mikroumfeld 53
4.2.2.4 Abschließende Auswahl 54
4.3 Generelle Zielsetzung von internationalen Markenallianzen 54
4.4 Anwendbarkeit des Co-Branding Prozesses zum Markteintritt 55
4.4.1 Analyse
des
Markenstatus 57
4.4.1.1 Notwendigkeit
einer
Analyse im Ausland 57
4.4.1.2 Markenstatus
von
Milka in Spanien 58
4.4.2 Darstellung
der
Ist-Situation 59
4.4.3 Formulierung
von Zielen 59
4.4.3.1 Allgemeingültige Co-Branding Ziele im Ausland 59
4.4.3.2 Co-Branding
Ziele für Milka 60
4.4.4
Ermittlung und Auswahl möglicher Produktkategorien 61
4.4.4.1 Der Einfluss des eigenen Produktes für die Auswahl möglicher
Produktkategorien 61
4.4.4.2 Kooperationsmöglichkeiten für Milka 66
4.4.5
Ableitung eines Anforderungsprofils 71
4.4.5.1 Besondere Betrachtung des Aspekts Markenbekanntheit 71
4.4.5.2 Anforderungen an mögliche Allianzpartner für Milka 77
4.4.6 Identifikation
möglicher Partnermarken 78
4.4.6.1 Vorgehensweise
zur Identifikation 78
4.4.6.2 Mögliche
Partnermarken für Milka 79
4.4.7 Bewertung
der
identifizierten Marken 80
4.4.7.1 Bewertungsmöglichkeiten
der Fits bei unbekannten Marken .. 80
4.4.7.2 Bewertung
der
identifizierten Partner für Co-Brand mit Milka.. 81
4.4.8
Führen von Vertragsverhandlungen 82
4.4.8.1 Allgemeingültige Aspekte 82
4.4.8.2 Vertragsinhalte
für Co-Brand mit Milka 83
4.4.9
Gestaltung der Leistung, Markteinführung und Kontrolle 83
IV
4.4.9.1 Allgemeine Betrachtung 83
4.4.9.2 Co-Brand von Milka in Spanien 84
Fazit 86
Literaturverzeichnis VI
V
Abkürzungsverzeichnis
PoS = Point of Sale
JV = Joint Venture
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Urteilsbildung mit der Anchoring-and-Adjustment Theorie 10
Abbildung 2: Wirkung von Markenallianzen 12
Abbildung 3: Wichtige Chancen durch Co-Branding 15
Abbildung 4: Wichtige Risiken durch Co-Branding 17
Abbildung 5: Mögliche Marktabgrenzung eines Saftherstellers 23
Abbildung 6: unterschiedliche Dominanzen in der Verpackungsgestaltung 30
Abbildung 7: Beispielhaftes Scoring-Modell 34
Abbildung 8: Co-Branding Prozess 38
Abbildung 9: Systematisierung der Markteintrittsformen 44
Abbildung 10: Varianten von Joint Venture 48
Abbildung 11: Länder-Cluster ausgewählter Märkte 50
Abbildung 12: Länderauswahl mittels Filterverfahren 51
Abbildung 13: Milka Alpenmilch Schokolade 56
Abbildung 14: Betätigungsfelder möglicher Kooperationspartner 62
Abbildung 15: Goodyear Street 64
Abbildung 16: Marktabgrenzung für Milka 66
Abbildung 17: Milka Schoko und Keks 68
Abbildung 18: Cremissimo Milka Kuhflecken Eis 69
Abbildung 19: Kombinationsmöglichkeit Schwerpunkt Bekanntheit 76
1
1 Problemstellung, Zielsetzung und Struktur
1.1 Einleitung
Das Deutsche Patent- und Markenamt verzeichnete im Jahr 2007 knapp 55.000
neue Markeneintragungen.1 Die hohe Anzahl an neuen Marken und die Reiz-
überflutung durch zahlreiche Medien, stellen eine große Herausforderung für
Unternehmen dar, sich die Gunst der Konsumenten zu sichern.2 Gleichzeitig
sehen sich die Inhaber von Herstellermarken dem wachsenden Wettbewerbs-
druck von Handelsmarken gegenüber. Diese werden zunehmend stärker und
sind bei gleicher oder ähnlicher Qualität generell preisgünstiger.3 Sie verfügen
daher über einen doppelten Wettbewerbsvorteil4. Eine Studie von SEMPORA
Management Consulting hat gezeigt, dass 80 Prozent der befragten Unter-
nehmen einen zunehmenden Preiskampf als größte Herausforderung für das
Marketing ansehen.5 Wer in ihm nicht untergehen möchte, muss sich mit seinen
Produkten von der Konkurrenz abheben, sein Image stärken oder verbessern
und den Kunden so einen hohen Zusatznutzen mit dem Produkt verkaufen.6
Darüber hinaus ist in vielen Branchen eine Entwicklung zu kürzeren Produkt-
lebenszyklen bei gleichzeitig steigenden Entwicklungsaufwendungen zu er-
kennen.7
Aus diesen Veränderungen ergibt sich für die Unternehmen die Notwendigkeit
nach neuen Optionen zu suchen, um sich aus dem Feld konkurrierender
Produktkonzepte und steigender Kosten herauszuheben.8
Die Beispiele mehren sich, in denen Unternehmen mit ihren Marken
Kooperationen eingehen, um sich den Herausforderungen vereint zu stellen.9
Durch gemeinsam erstellte, markierte und vermarktete so genannte
Co-Branding Produkte, können sie, trotz Konzentration auf ihre
1 Vgl. Deutsches Patent- und Markenamt 2008, S.115, online.
2 Vgl. Binder 1996, S. 55.
3 Vgl. Kaapke 2005, S. 144.
4 Leistungsmerkmale eines Anbieters, die bedeutsam und wahrnehmbar für den Nachfrager
sind sowie dauerhaft und effizient gegenüber der Konkurrenz verteidigt werden können. Vgl.
Meffert u. a. 2008, S. 57.
5 Vgl. Sempora Management Consulting 2007, S. 8, online.
6 Vgl. Meffert u. a. 2008, S. 530.
7 Vgl. Meffert u. a. 2008, S. 453.
8 Vgl. Ohlwein / Schiele 1994, S. 577.
9 Vgl. Meffert u. a. 2008, S. 453.
2
Kernkompetenzen, mit innovativen Produkten am Markt auffallen,
Kundenwünsche befriedigen und gemeinsam Kostenvorteile generieren.
In ihren Heimatmärkten stoßen auch erfolgreiche Unternehmen zunehmend an
Wachstumsgrenzen. Ein Vordringen auf internationale Märkte ist daher für viele
Unternehmen eine Notwendigkeit, um weiter wachsen zu können. Aber auch
auf internationaler Ebene müssen sich die Unternehmen der hohen Zahl an
Konkurrenten und finanziellen Herausforderungen stellen. Es stellt sich daher
die Frage, ob auch auf internationaler Ebene nach einem Co-Branding Partner
gesucht werden sollte, um die geschilderten Herausforderungen zu überwinden
und insbesondere, ob dies eine erfolgsversprechende Möglichkeit ist den Eintritt
in einen internationalen Markt zu vollziehen.
1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit
Ziel dieser Arbeit ist es, einen allgemeingültigen Prozess für ein auf dem
Heimatmarkt durchgeführtes Co-Branding Projekt darzustellen und diesen auf
seine Anwendbarkeit als Internationalisierungsstrategie zu überprüfen. Die
Gemeinsamkeiten und Unterschiede sollen herausgearbeitet und daraus
Handlungsempfehlungen für einen Markteintritt von Milka in Spanien abgeleitet
werden.
In Kapitel 2 werden zunächst Grundlagen des Co-Brandings aufgezeigt, die die
Basis bilden, um in Kapitel 3 unter Berücksichtigung der aufgeführten
Rahmenbedingungen, Erfolgsfaktoren und Vorgehensweisen einen
idealtypischen Prozess für einen nationalen Einsatz dieser Strategie zu
erarbeiten. Eine Einordnung des Co-Brandings in die Systematisierung der
klassischen Internationalisierungsformen erfolgt in Kapitel 4, in dem ebenfalls
ein grober Überblick über die Methoden der Länderauswahl für eine
Internationalisierung gegeben wird. Die einzelnen Stufen des in Kapitel 3
erarbeiteten Co-Branding Prozesses werden daraufhin in Kapitel 4.4 auf ihre
Wirksamkeit bzw. Einsatzfähigkeit als internationale Markteintrittsstrategie
überprüft. Am Beispiel der Marke Milka und ihrem Markteintritt in Spanien wird
der modifizierte Co-Branding Prozess noch einmal praxisorientiert angewendet.
Anhand dieses Prozesses sowie der zuvor theoretisch gewonnenen Kenntnisse
werden Handlungsempfehlungen für den Fall ,,Milka in Spanien" abgeleitet.
3
2 Grundlagen des Co-Branding
Im Folgenden wird die Strategie des Co-Brandings definiert und eine Ab-
grenzung von verwandten und oft synonym genutzten Begriffen vorgenommen.
Eine Einführung in die Anchoring-and-Adjustment Theorie, die als Erklärungs-
ansatz zur Urteilsbildung für Co-Branding Produkte dient, wird gegeben bevor
generelle Chancen und Risiken aufgezeigt werden. Vorweg wird auf die
Möglichkeiten des Wachstums einer Marke durch Markenerweiterungen ein-
gegangen, die als klassische Wachstumsstrategien im Heimatmarkt verstanden
werden können.
2.1 Klassisches Wachstum durch Markenerweiterung
Markenerweiterungen können in Form von Line Extension oder Category
Extension erfolgen. Beide Möglichkeiten werden im Folgenden kurz skizziert
und dazu Vor- und Nachteile aufgezeigt.
Unter der Markenerweiterung durch Line Extension, auch Markenausdehnung
genannt, wird die Expansion einer Marke in gleiche oder verwandte Produkt-
kategorien verstanden.10 Als Beispiel hierfür kann die Anzahl an verschiedenen
Geschmacksrichtungen oder Flaschengrößen von einem Getränkehersteller wie
etwa Coca Cola angeführt werden.11 Durch die Einführung neuer Varianten
können Kundenbedürfnisse befriedigt und neue Kunden gewonnen werden.
Eine zu hohe Anzahl an Produktvarianten unter einer Marke kann zu aus-
ufernden Sortimenten, Selbstkannibalismus12 und einer Steigerung der Stück-
kosten führen. Aus diesem Grund werden inzwischen auch Bereinigungen von
Line Extensions durchgeführt.13 Bei einer Bereinigung werden wenig erfolg-
reiche Produkte aus der Produktlinie eliminiert um blockierte Kapazitäten frei-
zusetzen.14
Bei der Category Extension, auch Brand Extension genannt, wird eine Aus-
dehnung in eine völlig neue Kategorie durchgeführt. Hierdurch kann das Unter-
nehmen auch in neuen Marktsegmenten fern ihrer üblichen Produktkategorie
10 Vgl. Meffert u. a. 2008, S. 379.
11 Vgl. http://www.coca-cola-gmbh.de/markenvielfalt/index.do [12.01.2009].
12 Kannibalisierungseffekte treten auf, wenn eine interne Konkurrenz der Produkte zu beobach-
ten ist. Das heiß, wenn Kunden innerhalb eines Unternehmens von einem Produkt zur
neuen Produktvariante wechseln. Vgl. Meffert u. a. 2008, S.464.
13 Vgl. Binder 1996, S. 56.
14 Vgl. Meffert u. a. 2008, S. 405.
4
handeln. Dabei mit neuen Wettbewerbern konfrontiert zu werden ist eine
Herausforderung und gleichzeitig eine große Chance. Bei der Category
Extension kann echtes Wachstum generiert werden, da nicht gegen eigene
Produkte konkurriert wird.15 Ein Beispiel hierfür ist die Bekleidung von Camel
Active. Hierbei handelt es sich um eine Ausdehnung des Produktsortiments
eines Zigarettenherstellers von Zigaretten auf den Bereich Bekleidung.16
Markenerweiterungen bergen gegenüber der Produkteinführung unter einem
neuen Namen vielfältige Chancen, aber auch Risiken, von denen einige
exemplarisch aufgeführt werden.
Viele Kunden sind generell eher bereit das neue Produkt zu kaufen, wenn sie
der Stammmarke vertrauen und positive Erfahrungen gemacht haben. Außer-
dem kann das Unternehmen durch Markenerweiterungen neue Zielgruppen
erschließen und gleichzeitig von Synergien im Marketing-Mix profitieren. Auch
kann die Stammmarke revitalisiert und somit ihr Lebenszyklus verlängert
werden.17
Als mögliches Risiko gilt die Ablehnung der Markenerweiterung durch die
Konsumenten, weil die Stammmarke für die Erweiterung nicht stark genug ist,
das Produkt nicht zur Marke passt, es den Wünschen der Konsumenten nicht
entspricht oder Synergieeffekte überschätzt wurden und das Erweiterungs-
produkt Promotion- und Werbedefizite erleidet.18
Eine zu starke Markenerweiterung kann auch zu einer Verwässerung der Marke
führen. Darunter wird verstanden, dass das unverwechselbare Vorstellungsbild,
das die Konsumenten von einer Marke haben, langsam und ungewollt ver-
ändert wird. Dies kann dazu führen, dass die Konsumenten die Marke nicht
mehr in gleicher Weise wertschätzen.19
Zudem muss sich das Unternehmen bei Markenerweiterungen meist mit neuen
Märkten und hohen Investitionen auseinandersetzen. Das gilt sowohl für die
Category Extension, als auch für die Line Extension, etwa wenn der Getränke-
15 Vgl. Binder 1996, S. 56.
16 Vgl. http://www.camelactive.de/home.php [12.01.2009].
17 Vgl. Esch u. a. 2005a, S. 914 f.
18 Vgl. Esch u. a. 2005a, S. 916.
19 Vgl. Kirchgeorg / Klante 2005, S. 331 f.
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