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Die Entwicklung des Handelsplatzes Haithabu in archäologischen und historischen Quellen

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 27 Pages
Author: Matthias Toplak
Subject: Scandinavian Languages

Details

Event: Hauptseminar "Quellen und Fakten zur mittelalterlichen Geschichte des Nordens"
Institution/College: University of Cologne (Institut für Skandinavistik/Fennistik)
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2007
Pages: 27
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V127460
ISBN (E-book): 978-3-640-34244-0
ISBN (Book): 978-3-640-34249-5

Abstract

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Entstehen, der Entwicklung und dem Niedergang des Handelsplatzes von Haithabu bei Schleswig. Als Quellen für die Entwicklung Haithabus werden schriftliche Überlieferungen, wie die 'Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum' des Adam von Bremen oder die Runensteine aus dem Umland von Haithabu herangezogen, ebenso wird aber auch ein Fokus auf die archäologischen Ausgrabungen des Handelsplatzes, besonders unter Herbert Jankuhn, gelegt. Neben einer groben Ereignisgeschichte wird die Herkunft des Namens 'Haithabu' und die Namensproblematik in den historischen Quellen in einem seperaten Kapitel angesprochen. Nach einer kurzen Betrachtung der Lage Haithabus und anderer wesentlicher geografischer Faktoren wird im Hauptteil der Arbeit in drei Phasen die Entwicklung des Handelsplatzs untersucht um im letzten Kapitel die Gründe für den Untergang Haithabus darstellen zu können.


Excerpt (computer-generated)

Institut für Skandinavistik/Fennistik der Universität zu Köln

Die Entwicklung des Handelsplatzes Haithabu

in archäologischen und historischen Quellen


Hauptseminar:
Quellen und Fakten zur mittelalterlichen Geschichte des Nordens

Sommersemester 2007

Verfasser: Matthias Toplak
7. Fachsemester, Magister

Köln, den 02.11.07


2

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis 2

Einleitung 3

Kapitel 1 ­ Geschichte Haithabus 4

1.1 Chronologische Ereignisgeschichte 4

1.2 Der Name ,Haithabu′ 5

Kapitel 2 ­ Quellenlage 6

2.1 Übersicht über die historischen Quellen 6

2.2 Übersicht über die archäologischen Quellen 8

Kapitel 3 ­ Entwicklung 10

3.1 Lage und geographische Bedingungen 10

3.2 Phase I ­ Entstehung/Etablierung 12

3.3 Phase II ­ Blütezeit 13

3.4 Phase III ­ Niedergang/Zerstörung 17

Kapitel 4 ­ Interpretation 19

4.1 Gründe für den Niedergang Haithabus 19

Zusammenfassung 21

Literaturverzeichnis 23

Quellen 23

Sekundärliteratur 23

Anhang 26

Inschriften der Runensteine von Haithabu 26


3

Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit dem Entstehen, der Entwicklung und dem

Niedergang des Handelsplatzes von Haithabu.

Als Quellen für die Entwicklung Haithabus werden schriftliche Überlieferungen, wie die

Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum1

des Adam von Bremen oder die Runensteine

aus dem Umland von Haithabu2 herangezogen, ebenso wird aber auch ein Fokus auf die

archäologischen Ausgrabungen des Handelsplatzes, besonders unter Herbert Jankuhn3, gelegt.

Das erste Kapitel umfasst eine chronologische Übersicht über die Ereignisse, die sich

im Umfeld Haithabus, für dessen Entwicklung relevant, abspielen und soll die Geschichte

dieses Ortes von seinem ersten Nachweis zu Beginn des 8. Jh. bis zu seiner Zerstörung 1066

dokumentieren. Des weiteren soll die Herkunft des Namens ,Haithabu′ und die

Namensproblematik in den historischen Quellen angesprochen werden.

In dem zweiten Kapitel wird die Quellenlage beschrieben, untergliedert in historische

Quellen und archäologische Ausgrabungen, die, beginnend gegen Ende des 19. Jh., bis zu

Beginn der 1980er Jahre durchgeführt worden sind.

Auf der Grundlage dieser Quellen wird im folgenden Kapitel die Entwicklung Haithabus

untersucht. Eine kurze Beschreibung der Lage Haithabus und der geographischen

Bedingungen des Umlandes soll einen Überblick über die Gründe für die Standortwahl der

Siedlung geben, da gerade auch diese Faktoren häufig als Begründung für den späteren

Untergang der Stadt angeführt werden.

Darauf wird in drei Abschnitten ­ Entstehung/Etablierung, Blütezeit und

Niedergang/Zerstörung ­ die Entwicklung Haithabus von den ersten nachweisbaren

Siedlungsbefunden bis zur endgültigen Zerstörung und der Umsiedlung nach Schleswig

dargestellt. Dabei soll besonders die innere Ausdehnung Haithabus anhand der einzelnen

Befunde beschrieben werden.

Im letzten Kapitel werden abschließend auf den, zuvor erarbeiteten Ergebnissen, die

Gründe für den Niedergang Haithabus dargestellt.

Die Zusammenfassung soll nochmals den Erkenntnisgewinn der vorangehenden

Kapitel kurz erläutern, aber auch daraus entstehende weitere Fragestellungen ansprechen.

1 Magister Adam Bremensis, Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum in: Buchner, Rudolf (Hrsg.),

Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte des Mittelalters. Bd. 11 (Darmstadt 1968). S. 137 ­ 499.

2 Siehe Anhang S. 26 zum Wortlaut der Runensteine

3 Jankuhn, Herbert, Haithabu. Ein Handelsplatz der Wikingerzeit (8. Auflage Neumünster 1986).


4

Kapitel 1 ­ Geschichte Haithabus

1.1 Chronologische Ereignisgeschichte

Der Handelsplatz Haithabu am Haddebyer Noor, südlich der inneren Schlei, kann zusammen

mit Ribe, im westlichen Jütland, und Reric in der Wismarer Bucht als älteste frühstädtische

Siedlung im nördlichen Europa bezeichnet werden4 und wird als erstes Wirtschafts- und

Verkehrszentrum von überregionaler Form und als skandinavisches Tor zum kontinentalen

Europa gesehen5. Die Anfänge Haithabus können nach neuesten Forschungen auf die Zeit um

725 datiert werden6. Erstmals erwähnt wird der Ort erst 804 unter dem Namen

Sliesthorp

in

den

Annales regni Francorum7

, den fränkischen Reichsannalen, nachdem das zuvor

unabhängige sächsische Stammesland in den sogenannten Sachsenkriegen Karls des Großen

(772 ­ 804) unterworfen und in das Fränkische Reich eingegliedert worden war. Der

Dänenkönig Göttrik, Godofrid, wie er in den Reichsannalen genannt wird, zog in Haithabu an

der Südgrenze seines Reiches Flotte und Heer zusammen und rückte somit in das Interesse

Kaiser Karls im südlich angrenzenden fränkischen Reich, der 810 einen Angriff auf den

Dänenkönig und das strategisch gelegene Haithabu plante und nur durch den Tod Göttriks

von diesem Vorhaben abließ. Im Jahre 808, so berichten die Reichsannalen weiter, ließ

Göttrik den slawischen Handelsplatz Reric zerstören und siedelte die dort ansässigen

Kaufleute nach Sliesthorp um. Im selben Jahr ließ er das Danewerk, dessen erste

Bautätigkeiten noch vor das 8. Jh. zu datieren ist, zu einer Grenzmarkierung und ­sicherung

ausbauen, wie die Reichsannalen betonen8. Um die Mitte des 9. Jh. wurde unter der Leitung

von Ansgar, dem sogenannten Missionar des Nordens, in Haithabu die erste Kirche errichtet,

die jedoch noch nicht archäologisch nachgewiesen werden konnte. Für fast zwei Generationen

fiel Haithabu 934 nach der ,,Schlacht von Haithabu" an das Deutsche Reich und König

Heinrich I. zwang den Dänenherrscher Knut I. (Chnupa) zur Taufe und Tributzahlungen. 948

wurde Haithabu zusammen mit Ribe und Århus von Otto I. zum Bistum erhoben, die

dänischen Christen waren damit unabhängig vom Erzbistum Hamburg-Bremen. Wenige Jahre

später, 965, dem Jahr der Taufe des dänischen Königs Haraldr blátnn, besuchte der arabische

Kaufmann At-Tartûschi aus dem spanischen Tortosa Haithabu und schrieb seine Eindrücke in

4 Müller-Wille, Michael, Frühstädtische Zentren der Wikingerzeit und ihr Hinterland. Die Beispiele Ribe,

Hedeby und Reric (Mainz 2002). S. 3 f.

5 Schietzel, Kurt (Hrsg.), Berichte über die Ausgrabungen in Haithabu. Bericht 16. Stand der

siedlungsarchäologischen Forschung in Haithabu ­ Ergebnisse und Probleme (Neumünster 1981). S. 86.

6 Ebd. S. 15.

7 Annales regni Francorum in: Buchner, Rudolf (Hrsg.), Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte des

Mittelalters. Bd. 5 (Darmstadt 1968). S. 78.

8 Ebd. S. 86 f.


5

einem Reisebericht nieder9. Erst im Jahr 983 behaupteten die Dänen unter König Haraldr

blátnn mit Hilfe slawischer Stämme ihre Unabhängigkeit gegen das Deutsche Reich,

nachdem der deutsche König Otto II. noch 974 mit der Eroberung des Danewerks und der

Errichtung einer Burganlage mögliche dänische Expansionen zu unterbinden versuchte. Mit

dem Jahrtausendwechsel setzte auch der Niedergang in Haithabu ein. Für das Jahr 1020 lässt

sich die letzte Bautätigkeit in Haithabu nachweisen. Am 18.05. 1035 gab Kaiser Konrad II.

Haithabu mit der dazugehörigen Mark in Folge einer Heirat seines Sohnes mit der Tochter

Knut II. zum Freundschaftsbündnis (,,

in fedus amicitiae

")10 an den Dänenherrscher zurück,

obwohl das Heilige Römische Reich seit 983 keinen faktischen Einfluss auf den Ort mehr

hatte. 1050 kam es im Zuge der Auseinandersetzungen zwischen dem norwegischen König

Haraldr harðráði und Sven II. von Dänemark zu einer Zerstörung und Plünderung der Stadt11

und nur 16 Jahre später wurde das, nur teilweise wieder aufgebaute Haithabu von

westslawischen Stämmen erneut zerstört, wie Adam von Bremen in einer Fußnote anmerkt12.

Haithabu wurde kein zweites Mal wieder aufgebaut, die Siedlung verödete und wurde durch

Schleswig am Nordufer der Schlei ersetzt.

1.2 Der Name ,Haithabu′

In den ersten Jahrhunderten der Existenz Haithabus tauchen in den Quellen mehrere

unterschiedliche Namen für den Handelsplatz auf, die bis in neuere Zeit für Verwirrung

sorgten.

So wird in den frühen fränkischen Quellen wie den ,

Annales regni Francorum

′ der Name

Sliesthorp

erwähnt, Rimbert13 und Adam von Bremen gebrauchen den Namen

Sliaswich

oder

ähnlich lautende Varianten14. Beide Namen beziehen sich dabei auf eine Siedlung,

,

~wich/wig

′ für Bucht15, bzw. ,

thorp

′ als Bezeichnung für eine Nebensiedlung16, an dem

Fluss Schlei (,

Slia

′ oder ,

Slie

′), wie auch das heutige Schleswig am Nordufer der Schlei

gegenüber des alten Siedlungsplatzes Haithabu.

Da jedoch auf den, im Umfeld des Halbkreiswalles gefundenen Runensteinen nur ein

Ort namens

h(a)iþa bu

genannt wird, wurden

Sliesthorp

und

Sliaswich

bis in die 1930er Jahre

9 Jacob, Georg, Arabische Berichte von Gesandten an germanische Fürstenhöfe aus dem 9. und 10. Jahrhundert

(Berlin 1927). S. 29.

10 Adam Bremensis, Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum. S. 296.

11 Ebd. S. 342.

12 Ebd. S. 392.

13 Rimbert, Vita Anskarii in: Buchner, Rudolf (Hrsg.), Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte des

Mittelalters. Bd. 11 (Darmstadt 1968). S. 3 ­ 136.

14 Ebd. S. 80.

15 altenglisch

wic

, altnordisch

vik

, altfriesisch

wik

16 altfriesisch

thorp

, altnordisch u. altenglisch

þorp

, altsächsisch

tharp


6

auf die heutige Stadt Schleswig bezogen und nur

h(a)iþa bu

auf das Gelände innerhalb des

Halbkreiswalles, welcher bis zu den, in seinem Werk

Vor Oldtid

publizierten Überlegungen

des dänischen Prähistorikers Sophus Müller gegen Ende des 19. Jh. als Militärlager für das

Danewerk galt17.

Der heute im Deutschen gebräuchliche Name

Haithabu

tritt erstmals auf Altenglisch

im Reisebericht des norwegischen Kaufmannes Ottar auf. In dem Bericht aus dem 9. Jh. wird

der Ort

at

hæþum

erwähnt. Auch in den lateinischen

Chronicon de rebus Anglicis

des

angelsächsischen Geschichtsschreibers Æthelweard wird die Namensform

Haithaby

genannt18

und Adam von Bremen spricht für das Jahr 934 von "Sliaswich, quae nunc Heidiba dicitur"19.

Zu der heutigen deutschen Form des Namens führten zwei Runensteine, die ursprünglich

südlich des Halbkreiswalles standen. Dort fanden sich die Inschriften

hitha : bu

(,Skarthi-

Stein′) und

haitha x bu

(,Erik-Stein′), die als flektierte Dativformen von

HeþabyR

verstanden

werden20 und eine ,Siedlung bei der Heide′ bezeichnen.

Die heutige deutsche Form

Haithabu

beruht daher, anders als die im Dänischen gebräuchliche

Form

Hedeby,

auf einem grammatikalischen Missverständnis der Inschrift.

Kapitel 2 ­ Quellenlage

2.1 Übersicht über die historischen Quellen

Haithabu wird in vielen Quellen erwähnt, was die außergewöhnliche Bedeutung dieses

Ortes für die Urheber beider maßgeblichen Gattungen an schriftlichen Quellen ­

Reichsannalen auf der einen und kirchliche Texte auf der anderen Seite ­ unterstreicht.

Zum einen war Haithabu ­ oder

Sliesthorp

­ wohl der bedeutendste Umschlag- und

Handelsplatz im nördlichen Europa, auf der Grenze zwischen vier Völkern, den Sachsen, den

Dänen, den Friesen und den Slawen gelegen, und des weiteren öfters in seiner Geschichte ein

strategisch wichtiger Sammelpunkt für Flotte und Heer, zum anderen war Haithabu

Ausgangspunkt für die Missionierung des heidnischen Nordeuropas und zusammen mit Ribe

und Århus eines der ersten Bistümer nördlich der Grenzen des Heiligen Römischen Reiches.

So rückte Haithabu in das Interesse der fränkischen Könige und Kaiser, begonnen mit

Karl dem Großen, der 810 einen Kriegszug gegen das, als Sammelpunkt für das Heer des

17 Jankuhn, Herbert, Haithabu. Ein Handelsplatz der Wikingerzeit (8. Auflage Neumünster 1986). S. 77.

18 Laur, W., Haiðaby. §1. Namenkundliches. In: Beck, Heinrich; Geuenich, Dieter; Steuer, Heiko; Timpe, Dieter

(Hrsg.), Hoops Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 13. Greifvögel ­ Hardeknut (Göttingen

1999). S. 362.

19 Adam Bremensis, Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum. S. 228.

20 Laur, W., Haiðaby. §1. Namenkundliches. S. 362.



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