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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2000, 49 Pages
Author: Alexandra Müller
Subject: Romance Languages - Spanish Studies
Details
Institution/College: Free University of Berlin (Institut für Romanistik)
Tags: Ergebisse, Korpusanlayse, Verwendung, Verbmodi, Tageszeitung, País, Modalität, Spanischen
Year: 2000
Pages: 49
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-18562-2
File size: 425 KB
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Excerpt (computer-generated)
Ergebnisse einer Korpusanalyse zur Verwendung
der Verbmodi in der spanischen Tageszeitung El Pais
Eingereicht von: Alexandra Müller
Inhaltsverzeichnis
1. Terminologische Vorbemerkungen Seite 2 – 3
1.1 Methodisches Seite 3 – 5
2. Korpusanalyse Seite 6
2.1 Zum Formeninventar in El País Seite 7 – 8
2.2 Obligatorische und wahl-obligatorische Verwendungen des SUB Seite 8 – 9
2.3 Verben der geistigen Wahrnehmung und kommunikative Verben Seite 9
2.3.1 Verben der geistigen Wahrnehmung Seite 9 – 16
2.3.2 Kommunikative Verben (verba dicendi) Seite 16 – 18
2.3.3 Verben der geistigen Wahrnehmung mit negativer Bedeutung Seite 18 – 20
2.4 Substantivische Ergänzungen Seite 20 – 23
2.5 Der Relativsatz Seite 23 – 28
2.6 Der Kausalsatz Seite 28 – 29
2.7 Der Konzessivsatz Seite 29 – 30
2.8 Modaladverbien und –wörter Seite 31
2.9 Der Konditionalsatz mit "si" Seite 32 – 34
2.10 Der Temporalsatz Seite 34 – 36
3. Ausblick: El País y la defensa del idioma Seite 36 – 39
4. Konklusion Seite 40 – 44
5. Alphabetisches Verzeichnis der im Korpus belegten Konjunktionen und Partikeln / Sigelverzeichnis Seite 45
Bibliographie Seite 46 – 47
1. Terminologische Vorbemerkungen
Um die folgende Analyse auf ein theoretisches Fundament zu stellen, sollte vorab nicht nur der Untersuchungsrahmen festgesteckt werden, sondern auch ein differenziertes modales Begriffsgerüst eingeführt werden. Deshalb kann es nicht ausbleiben, Grundbegriffe wie "Modalität" und "Modus" in ihrer Terminologie kurz zu umreißen, ohne dabei allerdings exhaustiv auf diese Problematik eingehen zu wollen.1
Das Wesen der Modalität wird in der linguistischen Literatur keineswegs einheitlich behandelt und der Terminus "Modalität" wird in recht unterschiedlichen Bedeutungen verwendet, wobei die oftmals synonyme Verwendung von "Modalität","Modus" und "Verbalmodus" nicht nur terminologisch unpräzise, sondern auch verwirrend ist.2 Dabei ist Modalität laut Knauer keine formale, sondern in erster Linie eine funktionalsemantische Kategorie, die durch eine Reihe sprachlicher Mittel ausgedrückt werden kann, zu denen neben der Intonation, den Modalpartikeln und Modalverben auch die sogenannten Verbalmodi Indikativ, Konjunktiv, Konditional und Imperativ zu rechnen sind.3 Der Terminus an sich ist ein traditionsbelasteter, von den antiken Grammatikern ererbter Begriff der europäischen Sprachwissenschaft. Ausgangspunkt ist die Grundannahme, "Modus" sage etwas aus über das Verhältnis zwischen dem Sprecher und dem, was in seiner sprachlichen Äußerung mitgeteilt wird.
So versteht F. Sommer in einer sehr frühen Arbeit aus den 20er Jahren unter "Modus" eine subjektive nach Wille und Vorstellung orientierte Stellungnahme des Sprechenden zum Verbalvorgang.4 Die Duden-Grammatik äußert sich ähnlich, indem sie ebenfalls eine Beziehung zwischen Stellungnahmme des Sprechers und verbaler Aussage herstellt:
Unter Modus versteht man die Aussageweise, die als Ausdruck einer Stellungnahme des Sprechers den Geltungsgrad der verbalen Aussage kennzeichnet.5
Auch Samuel Gili y Gaya zielt in seiner Definition auf die Betonung dieser Relation ab: Las alteraciones morfológicas conocidas con el nombre de modos expresan nuestro punto de vista subjectivo ante las acción verbal que enunciamos. Podemos pensar en el verbo como una acción o fenómeno que tiene lugar efectivamente. Nuestro juicio versa entonces sobre algo que consideramos real, con existencia objetiva. Podemos pensar también que el concepto verbal que preferimos es simplemente un acto mental nuestro, al cual no atribuimos existencia fuera de nuestro pensamiento.6 Vergleicht man diese Definitionen miteinander, fällt auf, dass sich bestimmte Schlüsselwörter wiederholen: Sprecher – Aussage – Geltung, das heißt der Sprecher mit seiner Subjektivität einerseits, das Verb, das eine Aussage über einen Vorgang macht andererseits und das, was die beiden verbindet, die Geltung, die der Sprecher dieser Aussage zumißt, seine Ansicht bezüglich der Realität des geschilderten Vorgangs.
Bereits diese wenigen, simplen Definitionen vermögen zu zeigen, dass sich das Modusproblem nicht allein durch die syntaktische Beschreibung der Beziehung der Zeichen untereinander oder durch die semantische Beschreibung der Beziehung zu den außersprachlichen Sachverhalten abdecken läßt: Es bleiben nicht beschreibbare sprachliche Erscheinungen übrig, die in Richtung linguistischer Pragmatik weisen und mit Hilfe der pragmatischen Komponente aufgearbeitet werden können: der Beziehung zwischen Zeichen und Zeichenbenutzer.
1.1 Methodisches 7
Die Dekade von 1960-1970 war in der Sprachwissenschaft von der Generativen Transformationsgrammatik geprägt, von einem Grammatikmodell also, das letztlich in das wissenschaftstheoretische Paradigma des Behaviorismus gehört. Charakteristisch für diesen Ansatz war unter anderem der Anti-Mentalismus, d.h. die Ausblendung speziell derjenigen Prozesse, die in Sprecher und Hörer bzw. in Autor und Rezipient ablaufen. Charakteristisch war weiter der Umstand, dass nicht mit Texten oder Korpora gearbeitet wurde, sondern mit selbstgemachten Beispielen, die einem idealisierten Sprecher zugeschrieben wurden. Das hinter der Transformationsgrammatik stehende Modell war mathematisch, einerseits orientiert an der Automatentheorie, andererseits an einem Semi-Thue-System, mithin an der Gruppentheorie. Das Modell war vor allem syntaktisch, die Semantik spielte eine nachgeordnete und relativ unrealistische Rolle.
Seit Beginn der siebziger Jahre hat hier, zunächst zögernd, dann immer rascher ein Paradigmenwechsel stattgefunden, der weitgehend ein Wiederanknüpfen an die phänomenologische und gestaltpsychologische Tradition bedeutet, die Anfang der dreißiger Jahre vom Behaviorismus abgelöst worden war. In diese Zeit des Umdenkens, subsumierbar unter dem Begriff der "kommunikativ-pragmatischen Wende", fällt auch die Wiederentdeckung der Sprachtheorie von Karl Bühler aus dem Jahre 1934 mit einem Zeichenmodell, das den Sprecher, den Hörer und den dargestellten Bereich der Gegenstände und Sachverhalte mit in das Zeichen einbezieht und damit zum Gegenstand der Sprachtheorie macht. 8 Gegenstand der Analyse werden jetzt konkrete Äußerungen konkreter Sprecher, auch in Form von Textkorpora.9 Typisch ist weiterhin, dass dem idealisierten Sprechsystem die Realität der tatsächlichen Sprache mit ihren Varianten und Variationen gegenübergestellt wird, und die Verwendung von Sprache in bestimmten Situationen und zu bestimmten Zwecken zum Untersuchungsgegenstand wird. Semantische und pragmatisch-kommunikative Aspekte rücken also ins Blickfeld der linguistischen Analyse.
Bedenkt man, dass insbesondere von der neueren Forschung hervorgehoben wird, dass der Konjunktiv – in "klassischen" Lehrbüchern und Grammatiken oftmals als Modus der Subordination10 par excellence charakterisiert – jedoch nicht nur von syntaktischen Kriterien geregelt wird, scheint eine korpusgestützte Analyse nicht nur zweckmäßig, sondern auch überaus sinnvoll, denn sie erlaubt es, sich dem komplexen Phänomen "Modus" sowohl auf der Ebene der Syntax als auch auf semantisch-pragmatischer Ebene zu nähern, indem die Bedeutung des Satzes und sein Kontext berücksichtigt werden können.11 Im folgenden soll ein Korpus pressesprachlicher Texte der Analyse des Modusgebrauchs im Spanischen dienen. Es handelt sich dabei um Texte der Online-Ausgabe der auflagenstärksten spanischen Tageszeitung El País, wobei der Homogenität halber ausschließlich Artikel aus der Rubrik "Internacional" verwendet wurden. Der Korpus verfügt über einen Umfang von 49.169 Wörtern und wurde weder getaggt noch durch andere Programme wie WordSmith oder Hyperbase bearbeitet. Die technische Aufbereitung der HTML-Seiten zur linguistischen Analyse beschränkte sich deshalb auf das mühsame Verfahren "Copy and Paste" zur Herausfilterung bestimmter Formen und auf die Zuhilfenahme eines auf der Programmiersprache "Visual Basic" beruhenden Makros, der die Suche nach bestimmten Lexemen oder Morphemen automatisieren und damit erleichtern konnte.
Natürlich stellt sich hier aufgrund der Beschränkung auf "nur" eine Textsorte die Frage nach der Repräsentativität der erhaltenen Daten. Dagegen ist einzuwenden, dass es sich um keine exhaustive Analyse handelt, die den Anspruch erhebt, allgemeingültige Aussagen über die Modusverwendung im Spanischen zu treffen, sondern vielmehr um einen klar begrenzten Untersuchungsrahmen mit bestimmten Fragestellungen, die es vorab zu formulieren gilt. Die Vorgehensweise, die sich im Rahmen einer korpusgestützten linguistischen Anlayse anbietet, ist induktiver Natur. Anhand des empirischen Materials sollen zum einen Aussagen über die Anwendbarkeit der normativen Regelsysteme zur Verwendung des SUB für die Pressesprache getroffen werden, wobei vor allem die Gültigkeit pragmatisch-kommunikativer Aspekte der Moduswahl für diese Textsorte problematisiert werden muss. Zum anderen soll der Korpus nach bestimmten Auffälligkeiten wie beispielsweise der Dominanz von Subjunktiv und Indikativ in bestimmten Kontexten, dem Ersatz indikativischer Tempora durch den SUB IMP auf –ra, dem oftmals beschworenen Rückgang des SUB im heutigen Spanisch und etwaigen Normabweichungen durchsucht werden. Vor dem Hintergrund der vermehrten Aufmerksamkeit, die El País der Qualität der verwendeten Sprache zum Beispiel in Form des von der Redaktion seit 1977 herausgegebenen Libro de Estilo schenkt, ist der Frage der Beachtung der Norm durch die Journalisten von besonderem Interesse, und soll deshalb in einem separaten Kapitel erörtert werden.
Faßt man das Anliegen der vorliegenden Arbeit nochmals kurz zusammen, soll eine dominant textsortenorientierte Herangehensweise verfolgt werden, die nach eventuellen Spezifika der Modusverwendung in der spanischen Pressesprache am Beispiel der Zeitung El País fragt, und die für die Moduswahl relevanten Aspekte anhand des empirischen Materials möglichst umfassend zu beschreiben versucht.
2. Korpusanalyse
[...]
1 An dieser Stelle sei auf Ralph Ludwigs zuerst als Dissertation erschienene Korpusanalyse verwiesen, der in einem ersten methodologischen Schritt eine linguistische Bestimmung von Modusfunktion und sprachlicher Modalität vornimmt (Modalität und Modus im gesprochenen Französisch, Tübingen 1988, Kap. 1). Zum Begriff der Modalität vgl. auch Irene Doval Reixa, "Die Ausdrucksmittel der Modalität im Deutschen und Spanischen aus kontrastiver Sicht", in: Moenia, 5, 1999, S. 397-412, S. 397f.
2 Zu den wenigen Grammatikern, die terminologisch präzise arbeiten, gehören etwa Emilio Alarcos Llorach, der in der Gramática de la Lengua Española, Madrid 1994, § 209 explizit zwischen modo und modalidad del enunciado (aserción, interrogación y apelación) unterscheidet und Porto Dapena, der auf die Polysemie des Begriffs modo in den romanischen Sprachen aufmerksam macht (Del indicativo al subjuntivo, Madrid 1991, S. 12ff.). Vor allem aber Knauer übt in ihrer Korpusanalyse vehement an diesem Defizit in der einschlägigen Forschungsliteratur Kritik (Der Subjuntivo im Spanischen Mexikos. Sein Wechselverhältnis zwischen Syntax, Semantik und interaktionalen Faktoren, 1998, S. 7ff. (Beihefte zur ZRPh, Bd.292)).
3 Ibid., S.
4 F. Sommer, Vergleichende Syntax der Schulsprachen, Leipzig; Berlin 1925, S. 77. Wenngleich in den Definitionen nicht von "Modalität, sondern von "Modus" die Rede ist, sind hier doch nicht nur bestimmte einzelsprachliche Morphemparadigmen, sondern auch die deren Bedeutung ausmachenden noematischen Begriffe gemeint.
5 Duden-Grammatik, 3. Aufl, 1974, § 900.
6 Samuel Gili y Gaya, Curso superior de sintaxis española, Barcelona, 7. Aufl. 1970, Kap. X.
7 Informationen zur Entwicklung und den Tendenzen der Sprachwissenschaft seit dem Beginn des 20. Jahrunderts aus dem vorzüglichen Basis-Werk Grundkurs Sprachwissenschaft Französisch von Livia Gaudino- Fallegger, Stuttgart; Düsseldorf; Leipzig 1998, Kap. 1.
8 Karl Bühler, Sprachtheorie, Stuttgart, 2. Aufl. 1965, § 2. Dazu auch Corinna Manuela Kirstein, Textlinguistische Analyse informationsbetonter Textsorten der spanischen Zeitung EL PAIS, Frankfurt a. Main 1997, S. 23ff.
9 Zur Methode der Korpusanalyse vgl. auch Olivier Soutet, Le subjonctif en français, Paris 2000, S. 6f.
10 Es ist auffallend, dass man im Fremdsprachenunterricht an den Schulen selten lernt, in welchen Sprechsituationen, in welchem situativen Kontext der Konjunktiv verwendet wird, sondern zunächst nur lernen muss, nach welchen Verben der Konjunktiv steht, stehen muss bzw. nicht stehen darf. Peter Schifko übt in seiner Studie Subjonctif und Subjuntivo Kritik an Modustheorien, die die Funktion des Konjunktivs auf die Subordination reduzieren und ihn damit zu einem "grammatikalischen Zeichen" machen. (ders., ibid., S. 168 ff.)
11 Die Trennung von semantischen und pragmatischen Faktoren ist oftmals problematisch, denn beide haben etwas Gemeinsames: Sie beziehen sich auf die Bedeutung von Ausdrücken. Aber während sich die Semantik auf die Bedeutung von Sätzen ohne Kontext bezieht, räumt die Pragmatik dem Kontext bei der Ermittlung der Bedeutung der Sätze eine besondere Stellung ein. Die semantische Bedeutung ist also die Bedeutung, die ein Ausdruck aufgrund seiner grammatischen und lexikalischen Struktur hat. Die pragmatische Bedeutung ist der Sinn, den der Ausdruck in einem wirklichen Kontext bekommt, wie auch die Definition von Tomás Albalajedo Mayordomo zeigt: "La prágmatica lingüística tiene como objeto de estudio las relaciones que existen entre las expresiones de lengua natural, los participantes en el proceso comunicativo y el contexto de comunicación" (zitiert nach Corinna Manuela Kirstein, Textlinguistische Analyse informationsbetonter Textsorten der spanischen Zeitung EL PAIS, S. 31f.).
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