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Die Entstehung der Stadt im vorderen Orient und heutigen Irak

Hausarbeit, 2003, 59 Seiten
Autor: Elmar Khan
Fach: Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege

Details

Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2003
Seiten: 59
Note: 1.7
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V12759
ISBN (E-Book): 978-3-638-18566-0

Dateigröße: 8161 KB


Textauszug (computergeneriert)

DIE ENTSTEHUNG DER STADT IM VORDEREN
ORIENT UND HEUTIGEN IRAK

Elmar Khan
Januar 2003

 

PRÄURBANE ENTWICKLUNG 3

MESEPOTAMIEN / DAS ZWEISTROMLAND 7

VORDERASIEN 8

DIE FRÜHZEIT DER STADT IN MESEPOTAMIEN 10

SUMERIEN / AKKADIEN 13
- Das Neu-Sumerische Reich 14
- Abriß der Stadtgeschichte 18

ASSYRIEN 21
- Ausdehnung des Reiches 22
- Höhepunkt und Fall 23
- Assyrischen Städte 24
Kalchu 25
Ninive 26
Dur-Scharrukin 27
Assur 32
- Die archaischen Ischtar-Tempel 34
- Der Ischtar-Tempel und seine Gründungsdokumente 36
- Stiftungsensemble des Brauers Schamasch-Tukulti 37

BABYLONIEN 40

Abbildungen:
 - Karten der frühen städtischen Besiedlung der Frühzeit 47
- Karten Mesepotamiens der Frühzeit 49
Zeittafel Sumeriens und Akkadiens 51
- Stadtplan von Ur 52
Zeittafel Assyriens und Babyloniens 53
- Stadtplan Ninive 54
- Stadtplan Dur-Scharrukin 55
- Stadtplan Assur 57
- Stadtplan Babylon 58

 

DIE PRÄURBANE ENTWICKLUNG

Die frühesten, dauernd bewohnten Siedlungen Seßhaftgewordener des Neolithikums (Jungsteinzeit) erscheinen im Bereiche der antiken Welt um ± 4700 v. Chr. etwa gleichzeitig in Palästina, Syrien, Mesopotamien und im Iran, in der großen halbmondförmigen Ebene, die sich vom Mittelmeer bis zum Persischen Golf erstreckt und von Gebirgen und Wüsten umgrenzt wird. Um 4400 v. Chr. nehmen diese Siedlungen Dorfformen an. Nachdem in ehemals fruchtbaren Landstrichen, seit dem Abebben der Eiszeit, Flüsse vertrockneten, Bäume zusehends verschwanden und Dürre und Hitze weite Strecken in Sand verwandelten, bot erst die Entwicklung der Haustierzucht, und dann die des Ackerbaus eine relativ sichere Nahrungsquelle. Diese neue Entwicklungen waren der einzige Ausweg, den der Mensch, der sein Schicksal nun in die eigene Hand nehmen mußte, im dumpfen Suchen ersonnen hatte.


[Abb. in Downloaddatei enthalten]
Die natürliche Vegetation zwischen dem Ende der Eiszeit und dem Beginn der landwirtschaftlichen Bebauung.

Damit schieden sich, nach Trennung der Viehzüchter und Hirten von den Jägern und Fischern, ein zweites Mal diejenigen von den anderen ab, die der Entdeckung des Fruchtanbaus folgten. So wie die Jäger ergiebige Jagdgründe und die Viehzüchter Weideland suchten, brachen sie nun auf, um nach Landstrichen zu suchen, die genügend Ackerbauerzeugnisse versprachen. Solche waren allem Anscheine nach die von großen Flüssen bewässerten und gedüngten Ufer- und Mündungslandschaften, am Nil, in Mesopotamien, am Indus, am Ganges, an den Flüssen Turkestans, am Hoangho, am Jangtsekiang. Pioniere brachen auf - die anderen drängten nach. Die städtische Entwicklung aber beginnt erst etwa 1000 Jahre nach den ersten dörflichen Siedlungen.


[Abb. in Downloaddatei enthalten]
Stadtentwicklungen/Dorfkulturen

Ihre Entstehung hat eine gesellschaftlich-wirtschaftliche Wurzel und zwei Nebenwurzeln. Erstere war gegeben durch das Bedürfnis der Ackerbauern nach gewissen Gütern, die sie im Tausch gegen ihre eigenen Erzeugnisse erstanden. Solche Güter waren: Metalle, bestimmte Steine (wie Obsidian, Malachit), Salz, Farben, Schmuck, Gefäße, Werkzeuge und Textilien. Diejenigen, die dies liefern konnten, waren Händler oder Handwerker, welche sich an günstigem wirtschaftlichen Hinterland, günstigen Verkehrslagen an Furten und Wegkreuzungen und in der Nähe reicher Auftraggeber niederließen. Handel und Handwerk entstanden aber allem Anschein nach in Ackerbausiedlungen, lange bevor sich eigene, getrennte Siedlungen für sie entwickelten.

Ausgrabungen lehren uns das Folgende: Fast überall stellen sich städtische Formen ein als neue Schichten über älteren, rein dörflichen Siedlungen; man triff auf Werkstätten verschiedener Art, Verkaufsräume, wo früher solche fehlten. Aus der Entstehung der beiden Berufe ergab sich in der Weiterentwicklung das räumliche Zentrum: der Markt als Zellkern der Stadt. Das Aufkommen von Handwerk und Handel im Ackerbaugebiet schuf die Stadt, zunächst als Zwischenform zwischen Dorf und Stadt, später als eigene Siedlung. Aber der Mensch hatte nicht bloß Warenbedürfnisse. Zwei andere Bedürfnisse bestimmten sein geschichtliches und sein geistiges Leben. Das erste Bedürfnis: Schutz des Lebens gegen räuberische und mörderische Absichten des Nachbarn und als zweites, angeboren seit Urzeiten: Orientierung im Universum, Verständnis von Werden und Vergehen, Erkenntnis der guten und bösen Kräfte im Himmel und auf der Erde.

Maßnahmen gegen Überfälle zum Schutz von Leben und Gut waren:

1. Befestigung des Dorfes durch Wall, Graben. Mauer, Palisaden
2. Verstecke, Fluchtplätze, Fluchtburgen
3. Ausbildung eines kämpferischen Kriegerstandes unter der Führung eines Häuptlings
4. Wachstationen an gefährdeten Grenzen

Die Verteilung von Fluchtburgen - es sind dies leere, befestigte Plätze an unzugänglichen, dem Seßhaftgewordenen aber bekannten Stellen- stellt neben der Verteilung der Dörfer ein besonderes Netz der Besiedlung dar. Später blieben Händler und Handwerker, manchmal auch die Bevölkerung selbst dauernd in diesen Fluchtburgen und entwickelten dort ihre Märkte.

Die Ausbildung eines eigenen, wehrhaften Standes führte zur Anlage fester Plätze für Wachtposten und Wachmannschaften und von über das Land verteilten Burgen. So entwickelte die weltliche Schutzmacht eine der dörflichen Besiedlung aufgepfropfte militärische Besiedlung, oder sie bediente sich der Fluchtburgen zum Schutze des Landes und zur Aufrechterhaltung der Ordnung, wie die herrschende Klasse sie verstand.

Das Bedürfnis der geistigen Orientierung anderseits führte aus Beobachtung von Raum und Zeit zu Astrologie, Astronomie, Sonnen-, Mond- und sonstigen Kulten. Noch vor jeder Seßhaftigkeit bewegte den Menschen die Frage nach dem Sinn von Geburt und Tod, Glück und Unglück, Tag und Nacht, die Furcht vor den Mächten der Zerstörung und der Wunsch nach Sicherheit und rechtem Tun. Dieses Bedürfnis wurde erfüllt durch jene, die angeblich all dies deuteten, erklärten und berechneten. Durch diejenigen, die scheinbar Gut und Böse unterschieden, durch die Belehrer, die Weisen, die Denker, Zauberer, Priester und die Erforscher der Ordnung. Die Bedürfnisse dieses geistigen Standes sind es, die den Ort der Sternbeobachtung, den Ort des Opfers oder sonstigen Kultes entstehen ließen, den Wohnort des Priesters, das Kloster, den Tempel. Aus diesem Bedürfnis heraus entstand ein weiterer Fixpunkt der Besiedlung, der Kultort, der Tempelbezirk, die Priesterstadt, mit all ihren Beziehungen zur Umwelt der bäuerlichen Besiedlung.

[....]


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