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Diplomarbeit, 2009, 121 Seiten
Autor: Maik Müller
Fach: Gesundheitswissenschaften
Details
Jahr: 2009
Seiten: 121
Note: 1,7
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-34189-4
ISBN (Buch): 978-3-640-34206-8
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Zusammenfassung / Abstract
Tatsächlich ist der Sachverhalt, altert die Gesellschaft, steigt automatisch das Alter derjenigen Personen, die in Betrieben arbeiten. Würde sich der weitere Verlauf zur Entwicklung so gestalten, dass die Erwerbsbeteiligung älterer Personen zunimmt, wächst für Betriebe die Bedeutung, ältere Mitarbeiter verstärkt in die Produktivität, Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit mit einzubeziehen. Durch den betrieblichen Altersstrukturwandel, würden sich neue Aufgaben für die Organisation ergeben, da die Arbeit und Beschäftigung von älteren Mitarbeitern gesichert werden muss. Das setzt jedoch voraus, dass auf die Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern Bezug genommen wird, um diese zu erhalten und zu fördern. Ohne weiter an dieser Stelle darauf einzugehen, kann gesagt werden, die Prognosen für die Zukunft bestätigen sowohl eine Alterung der Gesellschaft, wie auch pauschal eine Zunahme des Durchschnittsalters in den Betrieben. Daher wird ein betriebliches Handeln zum Erhalt der Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern notwendig. Das Ziel der Arbeit besteht darin, die Bedeutung von Arbeitsgestaltung als notwendige Maßnahme betrieblichen Handelns in Folge demographischer Entwicklung darzustellen. Dazu wird der Fragestellung nachgegangen, in wie weit eine bewusste Arbeitsgestaltung zum Erhalt der Leistungsfähigkeit von Beschäftigten beitragen kann. Des Weiteren werden damit im Zusammenhang folgende Fragen diskutiert: -In wie weit beeinflusst der demographische Wandel die Situation auf dem Arbeitsmarkt und in den Betrieben? -Welche Situation zeigt sich zur Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit älterer Mitarbeiter? -In welcher Form kann Arbeitsgestaltung einen positiven Effekt bewirken? -In wie weit sind die Betriebe für den Einsatz von Maßnahmen zur Arbeitsgestaltung sensibilisiert? Mit Beantwortung der Fragen, kann eine Aussage darüber getroffen werden, ob sich die Betriebe der Folgen eines demographischen Wandels bewusst sind.
Textauszug (computergeneriert)
Hochschule Vechta
Institut für Gerontologie
,,Alter(n)sgerechte Arbeitsgestaltung Erhalt
der Leistungsfähigkeit bei alternden
Belegschaften"
Diplomarbeit
Eingereicht von: Maik Müller
Vechta, den 23.01.2009
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
1.1. Problemstellung
2
1.2. Zielsetzung
3
1.3. Methodisches
Vorgehen
3
2. Demographischer Wandel in der Arbeitswelt
.
.
.
.
6
2.1. Demographische
Grundlagen 6
2.2. Prognosen
zur
Bevölkerungsentwicklung
7
2.3. Auswirkungen
auf
die
Arbeitswelt
8
3. Ältere
Arbeitnehmer
10
3.1. Der
Begriff
ältere
Arbeitnehmer
10
3.2. Arbeitsmarktpolitik
im
Wandel
11
3.3. Daten zur Erwerbssituation auf dem Arbeitsmarkt .
.
.
.
13
3.3.1. Erwerbstätige
14
3.3.2. Arbeitslose
15
3.4. Altersstruktur
in
den
Betrieben
16
4. Veränderungen im Alterungsprozess zur beruflichen Leistungsfähigkeit .
21
4.1. Wissenschaftliche
Theorien
des
Alterns
21
4.1.1. Defizittheorie
21
4.1.2. Aktivitäts-
und
Disengagementtheorie 22
4.1.3. Kompetenztheorie
23
4.2. Leistungswandel
im
Alter
23
4.2.1. Kognitive
Leistungsfähigkeit
24
4.2.2. Psychische
Leistungsfähigkeit 25
4.2.3. Physische
Leistungsfähigkeit
26
4.3. Beschäftigungsrisiken
am
Arbeitsplatz
27
4.3.1. Krankheitsrisiken
27
4.3.2. Qualifikationsrisiken
31
4.3.3. Motivationsrisiken
34
4.4. Arbeitsfähigkeit
36
4.5. Zusammenfassung
38
5. Bedeutung
von
alter(n)sgerechter
Arbeitsgestaltung . . . 40
6. Handlungsfelder für eine alter(n)sgerechte
Arbeitsgestaltung
. . 44
6.1. Altersstrukturanalyse als Voraussetzung für Maßnahmen von alter(n)s-
gerechter Arbeit
.
.
.
.
.
.
.
44
6.2. Handlungsfeld
Qualifikation 46
6.2.1. Weiterbildung
48
6.2.2. Lernförderliche
Arbeitsgestaltung
54
6.2.3. Wissenstransfer 58
6.2.4. Zusammenfassung
62
6.3. Handlungsfeld
Gesundheit
63
6.3.1. Arbeitsplatzergonomie 66
6.3.2. Arbeitszeitgestaltung
67
6.3.3. Laufbahngestaltung
74
6.3.4. Zusammenfassung
77
II
6.4. Handlungsfeld
Motivation
77
6.4.1. Vergütungsgestaltung 80
6.4.2. Führung 82
6.4.3. Zusammenfassung
85
6.5. Zwischenfazit 85
7. Umsetzung alter(n)sgerechter Arbeitsgestaltung in die Praxis
.
.
88
7.1. Empirische
Untersuchungsergebnisse 88
7.2. Good
-
Practice
Konzepte
93
7.2.1. Automobilhersteller
Audi
AG 93
7.2.2. Sanitär-
und
Heizungsfirma
Efkemann
97
8. Abschlussbetrachtung
100
Literaturverzeichnis
103
Abbildungsverzeichnis
115
Tabellenverzeichnis
116
Abkürzungsverzeichnis
117
III
1. Einleitung
Das Thema ,,Demographischer Wandel" ist in den letzten Jahren zunehmend in den Fokus
von gesellschaftlich politischen Handlungen getreten. Eine Vielzahl an Experten hat sich dazu
in Kongressen und Foren zusammengefunden, um über diese Entwicklung zu diskutieren. Das
hierbei angestrebte Ziel liegt in der Sensibilisierung von verschiedenen Akteuren. U.a. fanden
folgende Veranstaltungen statt:
- ,,Jugendwahn in der Gesellschaft ? Neue Chancen für Ältere", initiiert vom
Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg
- ,,Erfahrung ist Zukunft", initiiert vom Bundesministerium für Bildung Forschung;
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
- ,,Demographischer Wandel und Zukunft der Erwerbsarbeit"; initiiert vom Frauenhofer
Institut1
Der Auszug aus dem Angebot der genannten Veranstaltungen macht deutlich, welche
allgemeine Entwicklung national und auch international erfolgt. Nämlich eine Zunahme von
Älteren in der Bevölkerung. Damit sieht sich ein Großteil der westlichen Industrienationen
vor eine Herausforderung gestellt.
Die Alterung einer Gesellschaft beeinflusst dabei die unterschiedlichen Wirtschafts- und
Sozialbereiche. Demzufolge ist das Handlungsfeld zum demographischen Wandel sehr
komplex. Dies wird darin deutlich, wenn man einmal die lange Tätigkeit der Enquete-
Kommission betrachtet. Seit 1992 diskutiert die ,,Enquete-Kommission Demographischer
Wandel Herausforderungen unserer älter werdenden Gesellschaft an den einzelnen und die
Politik" Themen und Probleme zum Sachverhalt. Bereits 1994 wurde der erste
Zwischenbericht veröffentlicht, der u.a. die Schwerpunkte Familie und soziales Umfeld,
Wirtschaft und Arbeitsmarkt sowie die Lebenslage älterer Menschen untersuchte. Jedoch
musste festgestellt werden, dass nicht alle Fragen und Probleme im erforderlichen Umfang
beantwortet werden konnten, wodurch die Kommission in der darauf folgenden Wahlperiode
erneut tagte. 1998 erfolgte dann der zweite Zwischenbericht, welcher erstmalig Bezug zu
,,Migration und Integration" nahm. Weiterhin erfolgte eine Darstellung zum Sachverhalt
zwischen den Generationen, welcher u.a die Situation auf dem Arbeitsmarkt analysierte und
1 Veranstaltungen zu Öffentlichkeits- und Marketingstrategie demographischer Wandel
http://www.demotrans.de/de/frames_index.html (Stand: 21. Januar 2009)
1
die Integration älterer Arbeitnehmer in den Arbeitsprozess forcierte.2 Schließlich kam im Jahr
2002 der Schlussbericht heraus, der politische und gesellschaftliche Handlungsempfehlungen
beinhaltete. Darin waren u.a. Maßnahmen zur betrieblichen Personalpolitik zu finden.3
Hieraus lässt sich ableiten, dass mit dem demographischen Wandel eine veränderte Situation
von älteren Beschäftigten in den Betrieben einhergehen muss, die einen Handlungsbedarf
erforderlich machen.
1.1. Problemstellung
Tatsächlich ist der Sachverhalt, altert die Gesellschaft, steigt automatisch das Alter derjenigen
Personen, die in Betrieben arbeiten. Würde sich der weitere Verlauf zur Entwicklung so
gestalten, dass die Erwerbsbeteiligung älterer Personen zunimmt, wächst für Betriebe die
Bedeutung, ältere Mitarbeiter verstärkt in die Produktivität, Innovations- und
Wettbewerbsfähigkeit mit einzubeziehen. Durch den betrieblichen Altersstrukturwandel,
würden sich neue Aufgaben für die Organisation ergeben, da die Arbeit und Beschäftigung
von älteren Mitarbeitern gesichert werden muss. Das setzt jedoch voraus, dass auf die
Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern Bezug genommen wird, um diese zu erhalten und zu
fördern.
Ohne weiter an dieser Stelle darauf einzugehen, kann gesagt werden, die Prognosen für die
Zukunft bestätigen sowohl eine Alterung der Gesellschaft, wie auch pauschal eine Zunahme
des Durchschnittsalters in den Betrieben. Daher wird ein betriebliches Handeln zum Erhalt
der Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern notwendig.4
Auf dem siebten Düsseldorfer Forum zum Arbeits- und Sozialrecht wurde das Thema
,,Belegschaften im Wandel Handlungsmöglichkeiten für Interessenvertretungen in der
Auseinandersetzung mit demografischen Veränderungen" behandelt. Inhaltlich ging es hierbei
u.a. um die Frage: Welche Maßnahmen können erfolgen, um die Leistungsfähigkeit von
alternden Belegschaften zu wahren? Kistler erwähnte in diesem Zusammenhang den Begriff
,,humane Arbeitsgestaltung". Allerdings distanzierte Kistler sich von der Behauptung, dass
eine humane Arbeitsgestaltung durch die demographische Entwicklung notwendig wird, da
gute Arbeit ein allgemeines Menschenrecht sei. Diese Meinung wurde von weiteren
2 vgl. Deutscher Bundestag (2002), S. 12f.
3 vgl. Deutscher Bundestag (2002), S. 91
4 vgl. Buck et. al (2002), S. 16ff.
2
Teilnehmern der Veranstaltung geteilt, doch kann der demographische Wandel als Anlass
gesehen werden, um auf die gesundheitliche Situation von Arbeitnehmern hinzuweisen. So
lässt sich in den letzten Jahren eine Zunahme von Druck und Arbeitsanforderungen
konstatieren, wodurch es zu einer gesundheitlichen Verschlechterung der Belegschaft
gekommen ist. Daher wird für eine humane Arbeitsgestaltung im Sinne eines effektiven
Arbeits- und Gesundheitsschutzes und alternsgerechter Arbeitsgestaltung plädiert.5
Bei einer Betrachtung von themenrelevanter Literstur fällt auf, dass diese Aussage auf breiter
Ebene auch von Demographieexperten und Arbeitswissenschaftlern geteilt wird. Dies soll
zum Anlass genommen werden, einmal genauer zu untersuchen, was eine alternsgerechte
Arbeitsgestaltung als Beitrag zum Erhalt der Leistungsfähigkeit ausmacht.
1.2. Zielsetzung
Das Ziel der Arbeit besteht darin, die Bedeutung von Arbeitsgestaltung als notwendige
Maßnahme betrieblichen Handelns in Folge demographischer Entwicklung darzustellen. Dazu
wird der Fragestellung nachgegangen, in wie weit eine bewusste Arbeitsgestaltung zum Erhalt
der Leistungsfähigkeit von Beschäftigten beitragen kann. Des Weiteren werden damit im
Zusammenhang folgende Fragen diskutiert:
- In wie weit beeinflusst der demographische Wandel die Situation auf dem
Arbeitsmarkt und in den Betrieben?
- Welche Situation zeigt sich zur Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit älterer
Mitarbeiter?
- In welcher Form kann Arbeitsgestaltung einen positiven Effekt bewirken?
- In wie weit sind die Betriebe für den Einsatz von Maßnahmen zur Arbeitsgestaltung
sensibilisiert?
Mit Beantwortung der Fragen, kann eine Aussage darüber getroffen werden, ob sich die
Betriebe der Folgen eines demographischen Wandels bewusst sind.
1.3. Methodisches Vorgehen
Nach
Kapitel 1
, der Einleitung, folgt in
Kapitel 2
der Einfluss des demographischen Wandels
auf den Arbeitsmarkt. Hierzu werden Anfangs grundlegende demographische Daten zur
Geburtenhäufigkeit, Sterblichkeit und Migration vorgestellt und ein Vergleich zu Daten aus
5 vgl. Schneider/Lorenz (2008), S. 7f.
3
Vergangenheit, Gegenwart und zukünftigen Prognosen vorgenommen. Anschließend werden
Prognosen herangezogen, die eine Aussage zur zukünftigen Alterstruktur der
Gesamtbevölkerung bzw. zur Erwerbsbevölkerung machen. Davon abgeleitet soll eine
zukünftig ältere Erwerbsbevölkerung das Ergebnis sein.
In
Kapitel 3
soll der ältere Arbeitnehmer im Mittelpunkt der Betrachtung stehen. Hierzu
erfolgt erstmalig eine Klärung des Begriffs, um das Verständnis zu bekommen, um welche
Altersgruppe es sich hierbei handelt. Darauf aufbauend soll ein kurzer Abriss
arbeitsmarktpolitischer Veränderungen als Folge demographischer Entwicklung vorgestellt
werden. Unter Berücksichtigung der Veränderungen erfolgt anschließend eine Betrachtung
zur momentanen Arbeitssituation älterer Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt. Hierzu werden
Angaben sowohl zur Erwerbstätigkeit, als auch zur Arbeitslosigkeit gemacht. Nach
Darstellung der Situation älterer Arbeitnehmer auf Makro-Ebene erfolgt die Betrachtung auf
Mikro-Ebene, d.h. in den Betrieben. Hierbei kommt es zu einer differenzierten Feststellung,
wobei der Anteil älterer Beschäftigter nach Branche und Betriebsgröße unterschieden wird.
Aus der ermittelten Verteilung, sollen daraus die betrieblichen Altersstrukturtypen und deren
Folgen für die Zukunft Erwähnung finden.
In
Kapitel 4
geht es um die Veränderungen der Leistungsfähigkeit mit zunehmendem Alter
und deren Einfluss auf die Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit. Hierbei erfolgen zu Anfangs
Gesellschaftsbilder zum Alter anhand wissenschaftlicher Theorien und deren Betrachtung im
Zusammenhang mit altersbedingten Veränderungen. Daraus ableitend erfolgt die
Widerlegung einer weit verbreiteten, jedoch falschen Theorie, durch den erklärten
Leistungswandel hinsichtlich kognitiver, psychischer und physischer Veränderungen im
Alter. Daraus entstehen gewisse Risiken für die Arbeitsausführungen ältere Arbeitnehmer, die
so folglich dargestellt werden. Jedoch kann die Arbeitsfähigkeit durch ein Messinstrument
bestimmt werden, welches in Betrieben Anwendung finden sollte, um mögliche physische
und psychische Einschränkungen beim Arbeitnehmer festzustellen. Die Ergebnisse können
genutzt werden, um einen Handlungsbedarf bestimmen.
Kapitel 5
differenziert den Handlungsbedarf bei Beschäftigten in Ausrichtung von
alters(un)spezifischen Maßnahmen. Dazu erfolgen die Definitionen von altersgerechter und
alternsgerechten Arbeitsgestaltung sowie eine kritische Würdigung derer.
4
Anschließend erfolgt in
Kapitel 6
die Erklärung einer betrieblichen Altersstrukturanalyse.
Dabei wird mit Hilfe einer beispielhaften Abbildung das Vorgehen erklärt, um die
betriebliche Altersstruktur zu bestimmen und etwaige Risiken der Mitarbeiter damit zu
identifizieren. Daraus ableitend können Handlungsbedarf und Maßnahmen bestimmt werden.
Die möglichen Maßnahmen können dabei in verschiedene Handlungsfelder (Qualifikation,
Gesundheit und Motivation) eingeteilt werden, entsprechend ihrer frei zugeteilten Wirkung.
Diese stehen in Bezug zu den Risiken, welche in Kapitel 4 erklärt wurden. In Einteilung nach
den jeweiligen Handlungsfeldern, wird eine genauere Erklärung von verschiedenen Methoden
zur Arbeitsgestaltung mit kompensatorischen bzw. präventiven Charakter vorgenommen. Das
Ziel der Maßnahmen ist hierbei die Erhaltung und Förderung Leistungsfähigkeit für eine
möglichst lange Beschäftigung älterer Arbeitnehmer.
In
Kapitel 7
wird anhand empirischer Untersuchung der Einsatz von Maßnahmen zur
alter(n)sgerechten Arbeitsgestaltung in den Betrieben untersucht. Hieraus lässt sich ableiten,
ob die Führung von Betrieben sich der Folgen des demographischen Wandels bewusst ist und
aktiv eine Förderung der Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter unterstützt. Im Rahmen
beispielhafter Maßnahmen soll ein Blick auf die praktische Umsetzung geworfen werden.
Dazu werden Betriebe vorgestellt, die den Einsatz von Maßnahmen unter Berücksichtigung
einer durchgeführten Betriebsanalyse bereits erprobt haben und eine Aussage, zu deren
Effektivität treffen können.
Abschließend erfolgt in
Kapitel 8
eine zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und
die Beantwortung der Frage, ob die Betriebe sich dem demographischen Wandel und dessen
Folgen bewusst sind. Die für die Erarbeitung notwendige Literatur wird zum Ende hin
angefügt.
5
2. Demographischer Wandel in der Arbeitswelt
Der Inhalt dieses Abschnitts bezieht sich auf die demographischen Veränderungen in der
Bundesrepublik Deutschland. So werden Angaben zur Entwicklung der Geburtenhäufigkeit,
der Lebenserwartung und dem Wanderungsgeschehen in Vergangenheit, Gegenwart und
Zukunft gemacht. Daraus ableitend soll ein Blick auf die Altersstruktur in der Bevölkerung
geworfen werden und dessen Einfluss auf die Erwerbsbevölkerung.
2.1. Demographische Grundlagen
Die deutsche Bevölkerung wird zu nehmend älter. Diese Entwicklung lässt sich am
gestiegenen Durchschnittsalter der deutschen Bevölkerung erkennen. Im Zeitraum von 1990
bis 2005 ist das Durchschnittsalter von 39 Jahre auf 42 Jahre gestiegen.6 Mit diesem
Altersdurchschnitt zählt Deutschland mit zu einer der ältesten Nationen der Welt.7
Ursächlich hierfür ist der Alterungsprozess in der Gesellschaft, welcher von der Geburtenrate
(Fertilität) und Lebenserwartung (Mortalität) beeinflusst wird. Seit den 70er Jahren ist in
Deutschland eine niedrige Geburtenrate zu verzeichnen bei gleichzeitig stets steigender
Lebenserwartung. So liegt nach Angaben des Statistischen Bundesamtes von 2007 die
durchschnittliche Zahl an Kindern pro Frau bei 1,36. Vor 20 Jahren waren es noch 1,43
Kinder pro Frau. Im Vergleich dazu stieg die durchschnittliche Lebenserwartung von heute
Neugeborenen bei Männern von 71,7 Jahren auf 76,5 Jahre und bei Frauen von 78,2 Jahren
auf 82,1 Jahre.8 Dies bedeutet in der Konsequenz, dass bei Status quo in Zukunft mehr ältere
Menschen über 65 Jahre, jüngeren Menschen unter 20 Jahren gegenüber stehen werden.9
Deutschland wird also in Zukunft von einer älteren Bevölkerung gestaltet werden, weil die
Zahl an jungen Menschen zu gering steigt und der Anteil älterer Menschen zu wenig
abnimmt, sodass es zu keinem Ausgleich kommen kann. Man spricht von einer geringen
Bevölkerungsdynamik.10
Die Bevölkerungsdynamik wird neben Fertilität und Mortalität zusätzlich durch Migration
beeinflusst, d.h. durch die Zahl der Ein- und Auswanderer und deren Altersstruktur.11 In
6 vgl. Statistisches Bundesamt (2006a), S. 38
7 vgl. Esche et al. (2006), S. 25
8 vgl. Statistisches Bundesamt (2008a), S. 677
9 vgl. Roßnagel (2008), S. 3
10 vgl. Geschonke (2008a), S. 24
11 vgl. Geschonke (2008a), S. 25
6
Deutschland lebten Ende 2007 etwa 82,22 Millionen Menschen.12 Das sind etwa 320.000
Menschen weniger als 2002.13 Dieser Bevölkerungsrückgang lässt sich seit den letzten Jahren
konstatieren. Das Geburtendefizit kann nicht mehr ausreichend durch Wanderungssalden
ausgeglichen werden, da die Zahl der Zuzüge in den letzten Jahren abgenommen hat und nun
mit den Fortzügen fast ein gleiches Niveau erreichte. So gab es 2006 etwa 662 000 Zuzüge
und etwa 639 000 Fortzüge.14
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wird sich die Bevölkerungsentwicklung in
Deutschland zukünftig auch weiter großen Veränderungen unterziehen.
2.2. Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung
Anhand stetiger Bevölkerungsentwicklung ist es möglich, langfristige Prognosen unter
Annahmen verschiedener Szenarien zu ermitteln. Die 11. Bevölkerungsvorausberechnung
2006 hat damit im Zusammenhang, unter Berücksichtigung vergangener Entwicklungen,
Szenarien zur künftigen Geburtenentwicklung, Lebenserwartung und Wanderung erstellt.
Jedoch soll an dieser Stelle nur das Szenario erwähnt werden, wovon die
Bevölkerungswissenschaftler am ehesten ausgehen.
Nach derzeitigem Standpunkt ist zu vermuten, dass im Jahr 2050 jede Frau 1,4 Kinder zur
Welt bringt, wobei sich das Gebäralter um weitere 1,6 Jahre erhöhen wird.15
Unter Berücksichtigung besserer Lebensumstände und einer Weiterentwicklung der
medizinischen und sozialen Versorgung kann davon ausgegangen werden, dass die
Lebenserwartung in den kommenden Jahren zudem weiter ansteigt. Jedoch wird damit
gerechnet, dass die Lebenserwartung nicht mehr so drastisch ansteigt, wie in den letzten
Jahren auf Grund vieler bereits ausgeschöpfter Potentiale z.B. niedriger
Säuglingssterblichkeitsrate. Vielmehr werden es zukünftig die älteren Menschen sein, die mit
einem längeren Leben die durchschnittliche Lebenserwartung beeinflussen. Unter der
Vorraussetzung, das der medizinische Fortschritt sich wie bisher fortsetzt, steht die
Hauptannahme im Focus, dass die Lebenserwartung von Neugeborenen im Jahr 2050 für
Männer bei 83,5 Jahren und für Frauen bei 88,0 Jahren liegen wird.16
Im Hinblick auf das zukünftige Wanderungsgeschehen lassen sich aus vergangen Zahlen oder
Entwicklungen nur sehr vage Trends ableiten. Politische, wirtschaftliche oder ökologische
12 vgl. Statistisches Bundesamt (2008a), S. 28
13 vgl. Statistisches Bundesamt (2008a), S. 42
14 vgl. Statistisches Bundesamt (2008a), S. 57
15 vgl. Statistisches Bundesamt (2006a), S. 8f.
16 vgl. Statistisches Bundesamt (2006a), S. 16
7
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