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Das Café in der Prager Literatur der Moderne

Subtitle: Produktionsstätte und Handlungsschauplatz

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2009, 21 Pages
Author: Dipl. Betriebswirt Sonja Pähl
Subject: Russian / Slavic Languages

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2009
Pages: 21
Grade: 3
Language: German
Archive No.: V127658
ISBN (E-book): 978-3-640-41397-3
ISBN (Book): 978-3-640-41038-5

Abstract

.... 2.1. Literarische Kaffeehäuser in Prag Dass sich ein Autor ein Café zu seinem „Arbeitsplatz“ wählte, könnte möglicherweise auch an eventuell engen Wohnverhältnissen oder ähnlicher soziologischer Restriktionen gelegen haben, hauptsächlich ging es jedoch um „die Schaffung eines zugleich öffentlichen und privaten Raums, der ohne ständische Gliederung zum Austausch von Meinungen, Ideen, Texten und Veröffentlichungsmöglichkeiten geeignet war.“ (Rössner, 583) Ein besonderer Anreiz könnte auch in der Publikumsstruktur der Kaffeehäuser zu finden sein. Es ist nachzuvollziehen, dass es einem Autor leichter fiel, seine Werke erst einmal einem bekannten Stammpublikum zu präsentieren, bevor er den Sprung ins kalte Wasser – nämlich in die unbekannte Öffentlichkeit – wagte. Vor allem bei experimentellen Werken oder auch bei Werken, welche eine Kritik an Gesellschaft, Geschichte oder Staat zum Inhalt haben, konnte man durch eine Präsentation in einer solchen „Halböffentlichkeit“ erst einmal ausprobieren, ob Stil, Gattung, Idee und Inhalt des Werkes beim Publikum Anklang fanden. Dass Verleger, Kritiker und Redakteure auch häufige Gäste in literarischen Cafés waren, da sie um die Anwesenheit der Künstler wussten, .....


Excerpt (computer-generated)

Hauptseminararbeit im Seminar

,,Grenzgänger" ­ deutsch schreibende tschechische AutorInnen nach 1968

Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Das Café

in der Prager Literatur der Moderne

­Produktionsstätte und Handlungsschauplatz

vorgelegt von

Sonja Pähl


Inhalt:

0. Einleitende Gedanken: ------------------------------------------------------------------------------ 3

1. Geschichte: -------------------------------------------------------------------------------------------- 4

1.1. Allgemein:--------------------------------------------------------------------------------------------------- 4

1.2. Literaturgeschichte: -------------------------------------------------------------------------------------- 6

1.3. Vergangenheitsbewältigung in der Literatur-------------------------------------------------------- 7

2. Das Café als Ort der Produktion von Literatur -------------------------------------------------- 8

2.1. Literarische Kaffeehäuser in Prag --------------------------------------------------------------------- 8

2.2. Das Café als Künstlertreff ------------------------------------------------------------------------------- 9

2.3. Das Café als Ort der Bildung --------------------------------------------------------------------------10

3. Das Café als Handlungsort in der Literatur ---------------------------------------------------- 11

3.1. Vergangenheitsbewältigung: Ota Filip und Lenka Reinerová ----------------------------------11

3.2. Entstehung und geschichtlicher Kontext ausgewählter Werke: --------------------------------13

3.3. Das Cafe Slavia in der Literatur: ---------------------------------------------------------------------15

4. Einzelne Elemente in den Café-Werken ausgewählter Schriftsteller im Vergleich------- 16

4.1. Das Publikum: --------------------------------------------------------------------------------------------16

4.2. Die Atmosphäre:------------------------------------------------------------------------------------------16

4.3. Das Lokal: -------------------------------------------------------------------------------------------------17

4.4. Der Oberkellner: -----------------------------------------------------------------------------------------18

5. Das Cafe heute: -------------------------------------------------------------------------------------- 19

Literatur:------------------------------------------------------------------------------------------------- 20

2


0. Einleitende Gedanken:

Der Araber Georgius Deodatus Damascenus (Girgis Hatalah el-Damaski) brachte 1704 den

Kaffee aus dem damaligen Kaffeezentrum Damaskus nach Prag. Erst als ,,fahrender"

Kaffeehändler, der damit begann, den Angehörigen des wohlhabenden Bürgertums in deren

eigenen Häusern Kaffee zu servieren; bereits 10 Jahre später eröffnete er auf der Kleinseite

unterhalb der Prager Burg ein erstes Kaffeehaus. Diese neue Erfindung fand sehr schnell sehr

großen Anklang in der Gesellschaft, Mitte des 19. Jahrhunderts waren im Adressbuch der

königlichen Hauptstadt Prag bereits 36 Cafés (Lehmann, Nikolaus: Adressbuch der

königlichen Hauptstadt Prag, der Stadtgemeinden Karolinenthal, Smichov und der Bergstadt

Wysehrad auf Grundlage ämtlicher Quellen bearbeitet von Nikolaus Lehmann, Prag 1859, V.

Abtheilung S.105) verzeichnet, mit steigender Tendenz. Das Kaffeehaus wurde zum

Treffpunkt für unterschiedlichstes Publikum - Künstler, Literaten, Studenten, Juden,

Geschäftsleute,...

Erste Beschreibungen der Lokale sind bereits in Jan Nerudas ,,Bildern aus dem alten Prag" zu

finden. Nach und nach jedoch verloren die Lokale den Charakter des reinen Ausschanks und

etablierten sich nicht nur zu einem einfachen Treffpunkt, sondern zu einem Ort, an welchem

man größere Teile des Tages verbrachte und gesellschaftliche sowie geschäftliche Kontakte

pflegte oder auch völlig zurückgezogen seinen eigenen Gedanken nachhängen konnte. So war

das Café gleichermaßen Ort der Ruhe und auch Ort der Kommunikation. Auch kannte man

sich in den meisten Fällen untereinander, zumindest dann, wenn man dasselbe Lokal

besuchte.

In Anbetracht der Tatsache, dass sich im Café ein nicht unerheblicher Teil des Lebens

abspielte und der Kaffee selber nicht mehr der ausschlaggebende Grund war, ein Kaffeehaus

zu besuchen, bemühte sich jeder Cafétier zum einen, seinen Gästen den Aufenthalt z. B. in

Form von ausliegenden Zeitungen, musikalischer Unterhaltung, Spiel- und Billardzimmern

oder besonderem Essensangebot so angenehm wie nur möglich zu machen, zum anderen

versuchte er auch, ein individuelles Ambiente für die jeweilige Zielgruppe seines Lokales zu

schaffen.

3


In der Folge war es nur logisch, dass sich bei Kontakten, wie er unter Stammgästen

vorkommt, Gruppen aller Art bildeten angefangen von nachbarschaftlichem Smalltalk über

literarische Stammtische bis hin zu politischen Vereinigungen. Viele dieser Gruppierungen

lassen sich nicht eindeutig voneinander trennen, da vor allem in literarischen

Zusammenschlüssen auch das alltägliche Leben, zu welchem ja schließlich z. B. die Politik

auch gehört, thematisiert wurde.

Aus diesem Grund lässt sich das Thema ,,Café und Literatur" in zwei große Bereiche trennen.

Zum einen als der Ort, an welchem Literatur entsteht und verbreitet wird, sei es in

literarischen Zirkeln, was den kommunikativen Aspekt eines Cafés zum Ausdruck bringt;

oder auch in der Abgeschiedenheit als ruhiger und inspirierender Aspekt eines Cafés. Der

andere große Bereich befasst sich mit Literatur, deren Handlung in einem bestimmten Café

spielt. Jedoch ist es notwendig, einen allgemeinen sowie einen literarischen geschichtlichen

Abriss voranzustellen, da beide Bereiche in starkem Zusammenhang mit der wechselvollen

Geschichte des Landes stehen.

1. Geschichte:

1.1. Allgemein:

Erste Tschechoslowakische Republik ­ zweiter Weltkrieg ­ kommunistisches Regime:

Nach dem Tod von Kronprinz Rudolf ging die Thronfolge auf Franz-Ferdinand von

Österreich, den Neffen des Kaisers, über. Er und seine Frau wurden 1914 Opfer eines von

bosnischen Serben verübten Attentates. Österreich griff Serbien an und hatte Hilfe von

Deutschland, der Türkei und Bulgarien. Serbien wurde von Russland, Frankreich und

Großbritannien unterstützt. Das war der Beginn des ersten Weltkrieges. Die militärische

Führung gewann an Einfluss im Staat, gleichzeitig wurden die bürgerlichen Rechte

eingeschränkt. Während der Kriegsjahre entstand die Nationalversammlung. Diese rief am 28.

Oktober 1918 die unabhängige tschechoslowakische Republik aus. Heute ist dieser Tag ein

Staatsfeiertag.

1920 nahm die Nationalversammlung die tschechische Verfassung an, Tomás Garrigue

Masaryk wurde zum Präsidenten gewählt. Wegen der multinationalen Zusammensetzung der

Bevölkerung wurden Gesetze zum Schutz von Minderheiten und Sprachen erlassen. Die

4


größte Minderheit, die Deutschen, wurden durch eine eigene Sudetendeutsche Partei

vertreten, die von Konrad Heinlein geführt wurde. Diese Partei war sehr nationalsozialistisch

und folgte den Anweisungen Adolf Hitlers, da man sich nicht gegen Deutschland stellen

wollte. Hitler ließ die Protektorate Böhmen und Mähren unter deutsche Aufsicht und

Verwaltung stellen. Eine Befreiung von dieser Aufsicht und dem Zwang war nur durch eine

Totalniederlage Deutschlands möglich. Deshalb stellte sich der zweite Weltkrieg für die

Widerstandskämpfer als vorteilhaft heraus, da sich sonst der alte Zustand wie er vor dem

Krieg existierte in der Tschechoslowakei nicht wiederherstellen ließ. Sie waren bestrebt,

diesen Krieg zu fördern, um das Land von der Vorherrschaft zu befreien. Wer sich der

Untergrundbewegung anschloss oder die Widerstandgruppe befürwortete, konnte hingerichtet

bzw. in ein Konzentrationslager gebracht werden. Die Exilregierung unter Präsident Edvard

Benes vertrat die Tschechoslowakei. Nach 1941 wurde die tschechoslowakische

kommunistische Partei in die Arbeit der Widerstandsgruppe eingeschlossen. Der Widerstand

selber wurde von Moskau aus geführt.

Die kommunistische und die nationaldemokratische Bewegung schlossen sich zusammen.

1944 kam es zum slowakischen Volksaufstand gegen die deutschen Kräfte, er wurde aber

bereits nach zwei Monaten niedergeschlagen. 1943 schloss Präsident Benes ein Bündnis mit

der Sowjetunion. Zwei Jahre später, nämlich 1945, erreichte die rote Armee Prag, wo die

deutsche Armee schließlich kapitulierte. In der ersten Zeit nach dem Krieg, fanden

Umsiedlungen und Vertreibungen der deutschen Bevölkerung der Tschechoslowakei statt,

denen durch den Krieg eine allgemeine Feindseligkeit entgegengebracht wurde. Rechte

Vorkriegsparteien wurden verboten, alle zugelassenen Parteien waren Regierungsparteien, so

auch die kommunistische Partei. Diese gewann 1946 die Wahlen. Um an noch mehr Macht zu

gelangen, infiltrierte sie in den anderen Regierungsparteien und auch in den Streitkräften und

des Sicherheitsorganen des Staates. Weitere Wahlsiege sicherte sich die Partei dadurch, dass

sie selber die Liste aufstellte, nach der ein Kandidat zu wählen war. Die Kommunisten

schufen damit eine totalitäre Welt, nachdem sie die Macht übernommen hatten. Jeder

Versuch, sich davon zu befreien, wurde von der Sowjetunion mit Gewalt beantwortet. Fünf

Länder des Warschauer Pakts beendeten 1968 den Prager Frühling durch Einsatz ihrer

Streitkräfte.

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