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Untertitel: Eine Betrachtung zu einer der persönlichsten Filmfiguren Louis Malles
Hausarbeit, 2007, 19 Seiten
Autor: Solmaz Azizi
Fach: Filmwissenschaft
Details
Institution/Hochschule: Philipps-Universität Marburg (Medienwissenschaft)
Jahr: 2007
Seiten: 19
Note: 1,7
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-35340-8
ISBN (Buch): 978-3-640-35353-8
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Zusammenfassung / Abstract
Verstehe oder verachte ich ihn? Diese Frage habe ich mir beim Betrachten der Figur des Alain Leroy in Louis Malles Das Irrlicht oft gestellt und nie wirklich beantworten können. Auch die hitzige Diskussion, die im Anschluss an unser Referat im Plenum entstand, konnte diese Unentschlossenheit nicht beruhigen - im Gegenteil. Mir wurde deutlich, wie gespalten die Geister bezüglich Alains Charakter und der Rechtfertigung seines Selbstmordes sind. Er ist einerseits ein Charakter, der durchaus Sympathien und Mitgefühl beim Zuschauer wecken kann. Andererseits ist es ebenso wahrscheinlich, dass man ihn verachtet und für seine Entscheidung, dass Leben aufzugeben, verurteilt. Gerade diese konträren Positionen sind es, die zeigen, wie spannend und facettenreich Alain Leroys Charakter ist und mit welcher Sorgfalt Malle diese komplexe Person gezeichnet hat. Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschlossen, mich in dieser Arbeit eingehender mit der Figur des Alain Leroy zu befassen und zu versuchen, sie zu durchleuchten.
Textauszug (computergeneriert)
Le Feu Follet Das Irrlicht
Eine Betrachtung zu einer der persönlichsten Filmfiguren
Louis Malles
Inhalt
Inhalt 1
1. Einleitung 2
2. Der Regisseur und sein Film 2
3. Das Irrlicht - Le Feu Follet 4
3.1 Der Hauptdarsteller 5
4. Alain Leroy - seine Gefühlswelt 6
4.1 Die Unberührbarkeit der Dinge 7
4.2 Das Erwachsenwerden 7
5. Alain Leroy - seine Umwelt 8
5.1 Alain und seine Freunde 8
5.1.1 Dubourg 8
5.1.2 Eva 9
5.1.3 Cyrille 10
5.2 Alain und die Frauen 10
5.2.1 Lydia und Dorothy 11
5.2.2 Maria 11
5.2.3 Solange 12
6. Die Fluchtmöglichkeiten 13
6.1 Der Alkohol 13
6.2 Der Selbstmord 14
7. Fazit und Schlusswort 15
8. Literatur 17
1
1. Einleitung
Verstehe oder verachte ich ihn? Diese Frage habe ich mir beim Betrachten der Figur
des Alain Leroy in Louis Malles
Das Irrlicht
oft gestellt und nie wirklich beantworten
können. Auch die hitzige Diskussion, die im Anschluss an unser Referat im Plenum
entstand, konnte diese Unentschlossenheit nicht beruhigen - im Gegenteil. Mir wurde
deutlich, wie gespalten die Geister bezüglich Alains Charakter und der Rechtfertigung
seines Selbstmordes sind. Er ist einerseits ein Charakter, der durchaus Sympathien
und Mitgefühl beim Zuschauer wecken kann. Andererseits ist es ebenso
wahrscheinlich, dass man ihn verachtet und für seine Entscheidung, dass Leben
aufzugeben, verurteilt. Gerade diese konträren Positionen sind es, die zeigen, wie
spannend und facettenreich Alain Leroys Charakter ist und mit welcher Sorgfalt Malle
diese komplexe Person gezeichnet hat. Aus diesem Grund habe ich mich dazu
entschlossen, mich in dieser Arbeit eingehender mit der Figur des Alain Leroy zu
befassen und zu versuchen, sie zu durchleuchten.
Auf den folgenden Seiten soll zunächst auf Louis Malles Beziehung zu diesem sehr
persönlichen Film eingegangen werden, ebenso wie auf die Lebensphase, in der er
sich beim Schaffen dieses Werkes befand. Weiterhin werde ich eine eingehende
Charakteranalyse Alain Leroys erstellen und ihn auch in seinem Umfeld betrachten.
Dazu werde ich mich eingehend mit seinem Freundeskreis beschäftigen, der eine
wichtige Rolle in den letzten Stunden seines Lebens spielt.
Abschließend werde ich versuchen, Alains Selbstmord anhand der
vorhergegangenen Analysen zu betrachten, um dessen Beweggründe für den Freitod
festzumachen. In einem abrundenden Fazit soll eben diese Ambivalenz, die die Figur
Alain Leroy ausmacht, definiert und erklärt werden.
2. Der Regisseur und sein Film
,,Die Leute finden es immer schwer, in meinen Filmen eine Linie zu finden, Aber ich finde es
sehr einfach: Es ist mein Leben, meine Neugier, Dinge die in meinem persönlichen Leben
geschehen sind. Was immer ich in Filmen gemacht habe ist eine Reflexion meines Lebens."1
1 Jansen, Peter W; Schütte, Wolfram (Hrsg.): Louis Malle, Reihe Film 34, Carl Hanser Verlag München Wien
1985. S. 33
2
Mit dieser Aussage beschreibt Louis Malle in wenigen Worten, wie
Das Irrlicht
zu
lesen ist, denn für den Regisseur repräsentiert der Film nicht nur einen weiteren
Meilenstein seiner Karriere, sondern er steht ebenso für eine Art Katharsis2, die er in
dieser Phase seines Lebens dringend benötigte.
Das Irrlicht
folgte auf
Privatleben3
,
welcher von vielen Kritikern stark kritisiert wurde. Der junge Regisseur verlor
daraufhin den Halt und widmete sich zunächst wieder den Ursprüngen seiner Karriere
- dem Dokumentarfilm. Er reiste mit einem kleinen Filmteam nach Algerien und
verbrachte dort insgesamt vier Monate, um sein verlorenes Selbstbewusstsein
wiederzuerlangen4. Nach seiner Rückkehr nach Paris im Herbst 1962 begann er, ein
Drehbuch über einen jungen Mann zu schreiben, der Selbstmord begeht. Da Malle
mit seinem Entwurf nicht sonderlich zufrieden war, machte ein Bekannter ihn auf den
Roman
Le Feu Follet
von Drieu la Rochelle aufmerksam, welcher eine ähnliche
Thematik behandelt. Malle hatte den Roman bereits viele Jahre zuvor gelesen und
beschloss, ihn als Vorlage für seinen Film zu verwenden. Besonders die Parallelen zu
Malles Leben, die der Roman aufweist, müssen ihn überzeugt haben. Drieu la
Rochelle beschreibt den Selbstmord einer seiner Freunde - Jacques Rigaut - welcher
immerzu seinen Suizid ankündigte, jedoch bei keinem seiner Freunde Gehör fand
und sich schließlich umbrachte. Unter Schuldgefühlen seitens Drieu la Rochelles ist
daraufhin dieser Roman entstanden, der die letzten Tage Jacques Rigauts
beschreibt.5 Auch einer von Malles Freunden hatte sich unter ähnlichen Umständen
umgebracht, wodurch sich der Regisseur auch persönlich von dem Roman ergriffen
gefühlt haben musste. Er bearbeitete ihn und schrieb erstmals alleine ein Drehbuch6.
Daran lässt sich erkennen, wie nahe ihm das Thema gegangen sein musste und wie
sehr es ihm am Herzen lag.
Doch nicht nur aufgrund des Selbstmordes von Malles Freund hatte der Regisseur
einen persönlichen Bezug zu seinem Drehbuch. Der Protagonist Alain Leroy war für
Malle in dieser Zeit eine Art Spiegelbild. Der Regisseur fühlte sich ihm sehr nahe, da
er sich in einer ähnlichen Lebensphase befand, wie seine Hauptfigur und auch er auf
der Suche nach einem Ausweg aus seiner stagnierenden Situation war:
,, In gewisser Weise versuchte ich mich hinter Drieu la Rochelle und Jacques Rigaut und
2 vgl. French, Philip (Hrsg.): Louis Malle über Louis Malle. Alexander Verlag, Berlin 1998. S. 71
3 Originaltitel: "Vie privée" (Frankreich/Italien1962)
4 vgl. French, Philip (Hrsg.): Louis Malle über Louis Malle. Alexander Verlag, Berlin 1998. S. 64
5 vgl. French, Philip (Hrsg.): Louis Malle über Louis Malle. Alexander Verlag, Berlin 1998. S. 66
3
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