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Termpaper, 2009, 26 Pages
Author: Rebecca Brohm
Subject: Pedagogy - Miscellaneous Topics
Details
Institution/College: University of Applied Sciences Esslingen
Year: 2009
Pages: 26
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-34329-4
ISBN (Book): 978-3-640-34312-6
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Abstract
Wir leben heute in einer Welt, die sich durch ständig neue Technologien und zunehmender Globalisierung auszeichnet. Spezialisierung wird zwar gefordert, doch ist diese nach einer gewissen Zeit höchstwahrscheinlich nicht mehr ausreichend. Die Ausweitung des Dienstleistungssektors führt dazu, dass sich Unternehmen immer wieder an veränderte Wünsche von Kundengruppen anpassen müssen. Vom Einzelnen wird erwartet, dass er oder sie sich möglichst flexibel und schnell auf diese neuen Begebenheiten einlassen kann. Dies sind nur einige der gesellschaftlichen Entwicklungen, die den Ruf nach „lebenslangen Lernen“ laut werden lassen. Deutlich ist, dass Qualifizierung nur über formale Bildungswege nicht mehr ausreichend ist. Lernen als biografischer Prozess findet so Anerkennung jenseits von Zertifikaten. Bildungswege und Erwerbsbiografien sind zunehmend individualisiert. Es gilt sich seinen eigenen Lebensweg aus einer Vielzahl von Möglichkeiten herauszusuchen, sei es beruflich oder privat. Das eigene Leben ist aktiv zu gestalten. Diese Entwicklungen fordern eine weitergehende Sicht auf den Menschen als allein auf formal gewonnene Qualifikationen. Auf breiter Ebene entstand so eine Diskussion darum in welcher Weise informell und non-formal erworbene Kompetenzen erfasst und zertifiziert werden können. Hierfür braucht es entsprechende politische Rahmenbedingungen, welche in Deutschland im internationalen Vergleich noch relativ unzureichend vorhanden sind. Dies ist nicht zuletzt darin begründet, dass sich das deutsche Berufsbildungssystem durch einen hohen Grad an Formalisierung auszeichnet. Doch auch hierzulande steigt die Sensibilität für die Notwendigkeit eines Umdenkens. Verschiedene sog. „Weiterbildungspässe mit Zertifizierung informellen Lernens“ sind bereits im Umlauf. Hiermit sind erste wichtige Schritte getan. Auch für das FSJ ist es eine Frage in welcher Weise gewonnene Kompetenzen nachgewiesen werden können. Das Thema „Kompetenzerfassung“ geht also am FSJ nicht vorbei. Seit September 2008 arbeite ich selbst bei einem FSJ-Träger und begleite FSJ-Kurse. In der vorliegenden Arbeit möchte ich nach dem der Kompetenzbegriff erläutert wurde (Kap. 1) zum einen beleuchten, welche Zielsetzungen das FSJ eigentlich hat und inwieweit Kompetenzen gefördert werden (Kap. 2), zum anderen, wie diese schlussendlich erfasst werden können (Kap. 3). Dabei werde ich insbesondere den ProfilPASS für junge Menschen darstellen und auf die Anwendbarkeit im FSJ überprüfen.
Excerpt (computer-generated)
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RebeccaBrohm
Wintersemester2008/2009
2.SemesterMaster,,SozialeArbeit"
H2 -
INHALT
Abkürzungsverzeichnis 3
Einleitung 4
1. Der Kompetenzbegriff 5
1.1
Verwendetes Kompetenzverständnis 5
1.2
Schlüsselkompetenzen 6
1.3
Kompetenzentwicklung 8
2. Das Freiwillige Soziale Jahr 8
2.1
Pädagogische Zielsetzungen 9
2.2
Teilnehmende im FSJ 12
3. Kompetenzerfassung im FSJ 13
3.1
Kompetenznachweis beim BDKJ 14
3.2
Der Profilpass für junge Menschen 15
3.2.1
Kurzbeschreibung 15
3.2.2
Kompetenzdefinition 16
3.2.3
Methodologische Einordnung 16
3.2.4
Aufbau und Ablauf 18
3.2.5
Anwendbarkeit im FSJ 19
4. Schlussbetrachtung 22
Literaturverzeichnis 24
H3 -
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
BDKJ
Bund der deutschen katholischen Jugend
BMBF
Bundesministerium für Bildung und Forschung
BMFSFJ
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Bspw. beispielweise
Bzgl./bzgl.
bezüglich
DIE
Deutsches Institut für Erwachsenenbildung Bonn
EFD
Europäischer Freiwilligendienst
EMK Evangelisch-methodistische
Kirche
ESF Europäischer
Sozialfonds
ESG
Einsatzstel engruppe (Austauschgruppe für Freiwillige in ähnlichen
Einrichtungen beim BDKJ)
FÖJ
Freiwilliges
Ökologisches
Jahr
FSJ
Freiwilliges
Soziales
Jahr
IES
Institut für Entwicklungsplanung und Strukturforschung, Universität
Hannover
ISG
Institut für Sozialforschung und Gesellschaftpolitik
JFDG
Jugendfreiwilligendienstgesetz / Gesetz zur Förderung von
Jugendfreiwilligendiensten
KDV Kriegsdienstverweigerer
M.E./m.E.
meines Erachtens
u.a.
unter
anderem
z.B.
zum
Beispiel
H4 -
EINLEITUNG
Wir leben heute in einer Welt, die sich durch ständig neue Technologien und
zunehmender Globalisierung auszeichnet. Spezialisierung wird zwar gefordert, doch ist
diese nach einer gewissen Zeit höchstwahrscheinlich nicht mehr ausreichend. Die
Ausweitung des Dienstleistungssektors führt dazu, dass sich Unternehmen immer wieder
an veränderte Wünsche von Kundengruppen anpassen müssen. Vom Einzelnen wird
erwartet, dass er oder sie sich möglichst flexibel und schnell auf diese neuen
Begebenheiten einlassen kann. Dies sind nur einige der gesellschaftlichen Entwicklungen,
die den Ruf nach ,,lebenslangen Lernen" laut werden lassen. Deutlich ist, dass
Qualifizierung nur über formale Bildungswege nicht mehr ausreichend ist. Lernen als
biografischer Prozess findet so Anerkennung jenseits von Zertifikaten. Bildungswege und
Erwerbsbiografien sind zunehmend individualisiert. Es gilt sich seinen eigenen Lebensweg
aus einer Vielzahl von Möglichkeiten herauszusuchen, sei es beruflich oder privat. Das
eigene Leben ist aktiv zu gestalten.1 Diese Entwicklungen fordern eine weitergehende
Sicht auf den Menschen als allein auf formal gewonnene Qualifikationen.
Auf breiter Ebene entstand so eine Diskussion darum in welcher Weise informell und
non-formal erworbene Kompetenzen erfasst und zertifiziert werden können. Hierfür
braucht es entsprechende politische Rahmenbedingungen, welche in Deutschland im
internationalen Vergleich noch relativ unzureichend vorhanden sind. Dies ist nicht zuletzt
darin begründet, dass sich das deutsche Berufsbildungssystem durch einen hohen Grad
an Formalisierung auszeichnet. Doch auch hierzulande steigt die Sensibilität für die
Notwendigkeit eines Umdenkens. Verschiedene sog. ,,Weiterbildungspässe mit
Zertifizierung informellen Lernens" sind bereits im Umlauf. Hiermit sind erste wichtige
Schritte getan.2 Auch für das FSJ ist es eine Frage in welcher Weise gewonnene
Kompetenzen nachgewiesen werden können. Das Thema ,,Kompetenzerfassung" geht
also am FSJ nicht vorbei.
Seit September 2008 arbeite ich selbst bei einem FSJ-Träger und begleite FSJ-Kurse.
In der vorliegenden Arbeit möchte ich nach dem der Kompetenzbegriff erläutert wurde
(Kap. 1) zum einen beleuchten, welche Zielsetzungen das FSJ eigentlich hat und inwieweit
Kompetenzen gefördert werden (Kap. 2), zum anderen, wie diese schlussendlich erfasst
werden können (Kap. 3). Dabei werde ich insbesondere den ProfilPASS für junge
Menschen darstellen und auf die Anwendbarkeit im FSJ überprüfen.
1 Vgl. DIE, 4 (Stand: 10.02.09)
2 Vgl. Gnahs 2005, 262
H5 -
1. DER KOMPETENZBEGRIFF
Der Kompetenzbegriff zeichnet sich vor allem durch begriffliche Unschärfe aus. Hartig
(2008) stellt in Anlehnung an Weinert (2001) zwei wesentliche Strömungen im heutigen
wissenschaftlichen Kompetenzverständnis vor:
,,Verschiedene in wissenschaftlichen Kontexten verbreitete Verwendungen von
,Kompetenz` [widersprechen] sich teilweise gegenseitig oder [schließen sich aus]. So
werden Kompetenzen etwas als auf spezifische Kontexte bezogene kognitive
Leistungsdispositionen, aber auch als für die Bewältigung anspruchsvoller Aufgaben
notwendige Orientierungen definiert."3
Kompetenzen als kognitive Leistungsdispositionen finden sich bspw. in der PISA
Studie: ,,Lesekompetenz"; ,,naturwissenschaftliche Kompetenz". Kompetenzen wie bspw.
,,Genderkompetenz", ,,interkulturelle Kompetenz" vermischen motivationale und kognitive
Ebene.
Hartig hält fest, dass es keine allgemeingültige, nach wissenschaftlichen Kriterien
zufrieden stellende Definition von Kompetenz geben kann, da der Begriff eine zu starke
alltagssprachliche Bedeutungsvielfalt hat und bereits in zu vielen wissenschaftlichen
Kontexten unterschiedlich definiert wird.4 Daher ist es immer wichtig den Kontext
anzusehen, in welchem von Kompetenz gesprochen wird. Um Verwirrung zu vermeiden
und da der Schwerpunkt dieser Arbeit nicht auf der Erörterung dieses Begriffes liegen soll,
möchte ich mich bei der weiteren Darstellung des Kompetenzbegriffs darauf beschränken,
wie er in dieser Hausarbeit verwendet wird.
1.1 Verwendetes Kompetenzverständnis
In meiner Hausarbeit möchte ich mich an das Verständnis von Erpenbeck/von
Rosenstiel anlehnen, wonach Kompetenzen ,,solche Fähigkeiten oder Dispositionen [sind],
die ein sinnvolles und fruchtbares Handeln in offenen, komplexen, manchmal auch
chaotischen Situationen erlauben, die also ein selbstorganisiertes Handeln unter
gedanklicher und gegenständlicher Unsicherheit ermöglichen."
5
Erpenbeck/von Rosenstiel grenzen sich sehr deutlich von Kompetenz als
Leistungsdisposition ab. Kompetenzen sind für sie keine Handlungsfähigkeiten, die nur in
bestimmten Lern- und Handlungsgebieten gelten (z.B. Lesekompetenz), es geht ihnen um
Dispositionen/Fähigkeiten, die in verschiedenen Bereichen genutzt werden können um
trotz Unsicherheit handeln zu können. So ziehen sie als Beispiel die ,,interkulturelle
Kompetenz" heran, die
,,in Lateinamerika erworben [...] in Südostasien völlig wirkungslos"
6
sein kann. Interkulturelle Kompetenz ist dann nach Erpenbeck/ von Rosenstiel eine
Kompetenz, wenn sie in andere Kontexte übertragen werden kann. Kompetenzen sind
3 Hartig 2008, 15
4 Vgl. Hartig 2008, 23
5 Erpebenbeck / von Rosenstiel 2007a, XI
6 Erpenbeck/von Rosenstiel 2007a, XII
H6 -
also
,,Selbstorganisationsdispositionen des gedanklichen und gegenständlichen
Handelns."7
Fertigkeiten, Wissen und Qualifikation sind nicht der Kompetenz zu zurechnen.
Dennoch gibt es ihres Erachtens keine Kompetenzen ohne Fertigkeiten, Wissen und
Qualifikation:
,,Kompetenzen schließen Fertigkeiten, Wissen und Qualifikation ein, lassen sich aber
nicht darauf reduzieren. Bei Kompetenzen kommt einfach etwas hinzu, das die
Handlungsfähigkeit in offenen unsicheren, komplexen Situationen erst ermöglicht."8
Kompetenz kann wie die meisten psychologischen Konstrukte nicht direkt gesehen
werden, sondern ist nur anhand der tatsächlichen Performanz die Anwendung und der
Gebrauch von Kompetenz- beobachtbar.9 Häufig wird die motivationale Seite des
Handelns mit in den Kompetenzbegriff einbezogen. M.E. spielt Motivation bei der
Performanz der Kompetenz eine Rolle, jedoch nicht bei der Kompetenz an sich. Eine
Person kann zwar kompetent sein, jedoch nicht motiviert dieses zu performieren.
Zusammenfassend wird in dieser Hausarbeit Kompetenz im Sinne von Erpenbeck / von
Rosenstiel als Selbstorganisationsdisposition verstanden, die befähigt
Handlungsfähigkeiten in unterschiedliche Kontexte zu übertragen. Beobachtbar ist nur die
Performanz der Kompetenz. Rückschlüsse von der Performanz auf die Kompetenz sind in
sofern schwierig und eingeschränkt möglich, da hier auch die Motivation einer Person eine
wichtige Rolle spielt.
Bildung und Kompetenz stehen in einer sehr engen Beziehung zueinander. Da der
Fokus dieser Arbeit auf der Entwicklung von Kompetenz liegt, möchte ich darauf
verzichten den Bildungsbegriff näher zu erläutern. Es sei nur soviel gesagt, dass der
Bildungsbegriff in der Tradition der Aufklärung wertbasiert ist (z.B. Förderung
demokratischer Prozesse, aktive Zurückweisung ständischer Privilegierung, ,,Bildung für
alle"). Der Kompetenzbegriff ist demgegenüber eher neutral formuliert.10 Bspw. kann zwar
die Kompetenz einer Person sich für die eigene Meinung einzusetzen gefördert werden,
jedoch wird der Wert einer ,,Demokratie" nicht direkt mit dem Kompetenzbegriff
transportiert. Für die vorliegende Arbeit gilt, dass Kompetenzvermittlung im Rahmen von
Bildungsarbeit geschieht. Bildung macht kompetent. Der fehlende wertbasierende
demokratische Aspekt in der Kompetenz wird so durch den Bildungsbegriff ergänzt.
1.2 Schlüsselkompetenzen
Gerade im Bezug auf das Freiwillige Soziale Jahr wird häufig die besondere Förderung
sogenannter Schlüsselkompetenzen erwähnt. Gemeint sind damit Sach-, Selbst- und
Sozialkompetenz(en). Erpenbeck/ von Rosenstiel behandeln diese Schlüsselkompetenzen
als Kompetenzklassen. Kompetenzen sind dabei Dispositionen selbstorganisierten
7 Erpenbeck/ von Rosenstiel 2007a, XI
8 Erpenbeck / von Rosenstiel 2007a, XII
9 Vgl. Erpenbeck/ von Rosenstiel 2007b, XVII-XIX
10 Kölsch-Bunzen WS 2008/2009, Seminarunterlagen
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