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Das kunsthistorische Zitat-Arrangement im Videoclip 'closer' und dessen Bedeutung

Termpaper, 2007, 24 Pages
Author: Lydia Prexl
Subject: Communications: Miscellaneous

Details

Event: Bild und Raum im Videoclip
Institution/College: University of Mannheim (Seminar für Medien- und Kommunikationswissenschaft)
Category: Termpaper
Year: 2007
Pages: 24
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V128143
ISBN (E-book): 978-3-640-34337-9
ISBN (Book): 978-3-640-34379-9

Abstract

Es ist inzwischen gängige Lehrmeinung, dass Videoclips über ihre Funktion als reine Instrumente der Verkaufsförderung hinausgehen. Mit der Geburt des Fernsehsenders MTV im Jahre 1981 kam es zu einer intensiven Symbiose von Musikindustrie, Werbung, Fernsehen und Unterhaltung: die bereits zuvor verschränkten Bereiche arbeiteten nun an einer Dauerwerbesendung für ein vorwiegend junges Publikum, welche unter dem Tarnmantel der Unterhaltung Werbe-Musikclips quasi endlos aneinanderreihte. Neumann-Braun spricht von einer „Ästhetisierung von Werbung und Konsum“, bei der Programm und Werbung zusammenfallen und zu einem werbestrategischen Mittel zur Musikvermarktung verschmelzen. Mit der Konzeption des neuen Senders wurden laut Keazor und Wübbena „die einzelnen Clips in einen völlig neuen Kontext gerückt, der in der Folge entscheidend auf ihre Produktion und ihr Erscheinungsbild einwirken sollte.“ In der Konsequenz wandte sich die Videoclip-Produktion ab von der standardisierten Fließbandproduktion hin zu der Entwicklung einer eigenständigen Kunstform. Videoclips waren nicht länger Pausenfüller, sondern Mittel zur Karriereförderung und zur Steigerung des Bekanntheitsgrads. Um sich von der Konkurrenz zu unterscheiden und einen eigenen Stil zu etablieren, kreierten einige Künstler und Bands komplexe Strukturen aus Zeichen- und Verweissystemen, die weit über einen reinen Vermarktungsfilm hinausgehen. Bei diesen Formen des Musikvideos sind die Bilder ein vollwer-tiger Teil des Ganzen, sodass von Gesamtkunstwerken die Rede ist. [...] Die vorliegende Arbeit untersucht Kunstzitate und deren Bedeutung in Nine Inch Nails Videoclip closer. Im ersten Teil werde ich zunächst den Liedtext, die Lyrics, vor dem Hintergrund des Gesamtalbums analysieren. Der zweite Teil widmet sich der visuellen Umsetzung des Textes in Bilder. Dabei stehen kunsthistorischen Zitat-Arrangements im Vordergrund der betrachtung. Ziel ist, deren Bedeutung für das Video closer exemplarisch an drei Beispielen aufzuzeigen und zu erläutern.


Excerpt (computer-generated)

I

Inhalt

Inhalt I

1. Einleitung: Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit 1

2. closer ­ Die Lyrics 3

2.1. The Downward Spiral 3

2.2. Das Lied closer 9

2.3. Zusammenfassung der Zwischenergbnisse 11

3. closer ­ Das Video 11

3.1. Francis Bacons Figure with Meat 13

3.2. Joel-Peter Witkins Manuel Osorio 15

3.3. Rudolf Hausners Forum der einwärts gewendeten Optik 17

4. Zusammenfassung der Ergebnisse 18

Literaturverzeichnis 20

Ehrenwörtliche Erklärung 22


II

"Nine Inch Nails represents perhaps the most unlikely success story in contemporary popular

culture, having bludgeoned the mainstream into submission with a distinctly individual

brand of music that′s as uncompromising as it is personal. Combining the aggression of hea-

vy metal, the tribal rhythms of dance music, the unyielding clatter of industrial rock and

unflinchingly lurid lyrics that confront alienation, obsession, twisted sex, torture, self-

destruction, rage and despair, Nine Inch Nails takes the dance-noise style [...] to its logical

extreme."1

,,What am I hearing here that my own garbage dispoal can′t tell me?"2

1 Huxley (1997): S.3.

2 Huxley (1997): S.131.


1

1.

Einleitung: Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit

Es ist inzwischen gängige Lehrmeinung, dass Videoclips über ihre Funktion als reine

Instrumente der Verkaufsförderung hinausgehen. Mit der Geburt des Fernsehsenders

MTV im Jahre 1981 kam es zu einer intensiven Symbiose von Musikindustrie, Werbung,

Fernsehen und Unterhaltung3: die bereits zuvor verschränkten Bereiche arbeiteten

nun an einer Dauerwerbesendung für ein vorwiegend junges Publikum, welche unter

dem Tarnmantel der Unterhaltung Werbe-Musikclips quasi endlos aneinanderreihte.

Neumann-Braun spricht von einer ,,Ästhetisierung von Werbung und Konsum"4, bei der

Programm und Werbung zusammenfallen und zu einem werbestrategischen Mittel zur

Musikvermarktung verschmelzen. Mit der Konzeption des neuen Senders wurden laut

Keazor und Wübbena ,,die einzelnen Clips in einen völlig neuen Kontext gerückt, der in

der Folge entscheidend auf ihre Produktion und ihr Erscheinungsbild einwirken soll-

te."5 In der Konsequenz wandte sich die Videoclip-Produktion ab von der standardisier-

ten Fließbandproduktion hin zu der Entwicklung einer eigenständigen Kunstform.

Videoclips waren nicht länger Pausenfüller, sondern Mittel zur Karriereförderung und

zur Steigerung des Bekanntheitsgrads. Um sich von der Konkurrenz zu unterscheiden

und einen eigenen Stil zu etablieren, kreierten einige Künstler und Bands komplexe

Strukturen aus Zeichen- und Verweissystemen, die weit über einen reinen Vermark-

tungsfilm hinausgehen. Bei diesen Formen des Musikvideos sind die Bilder ein vollwer-

tiger Teil des Ganzen, sodass von Gesamtkunstwerken die Rede ist.6

Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht der aufmerksamkeitserregende Videoclip closer von

Nine Inch Nails, welcher der ohnehin erfolgreichen Band einen enormen Popularitäts-

schub bescherte. Das Video thematisiert Masochismus, Gewalt, Sex und Kontroll- und

Machtausübung und greift einmal mehr Tabuthemen auf. Trent Reznor, Gründer und

3 Vgl. Keazor/Wübbena (2005): S.67.

4 Neumann-Braun (2006): S.15.

5 Keazor/Wübbena (2005): S.67.

6 http://de.wikipedia.org/wiki/Videoclip ­ 15.05.2007.


2

einziges festes Mitglied der Band, erzählt selbst von seinem ,,obsessive desire to find

extremes."7

Eine kurze Episode aus der Geschichte der Band soll als Einstieg dienen und einen

Einblick in die außergewöhnliche Thematik der Songs und Musik geben: Im Jahre 1992

produzierte Nine Inch Nails ein Musikvideo zu happiness in slavery, welches kurze Zeit

später auf den Index gesetzt wurde. Das Video zeigt einen Mann, dargestellt von dem

Performance-Künstler Bob Flanagan, der sich in eine Foltermaschine schnallt, die ihn

vergewaltigt und anschließend tötet. Das Video wurde häufig als ,,the most shockingly

graphic thing in the history of music video"8 bezeichnet. Reznor erläutert in einer Stel-

lungnahme seine Motivation für den Dreh:

It wasn′t a conscious decision to make the most vulgar thing we could do to get

press, which it could easily be attacked as being. But it was a chance for me to

finally be able to do something I wanted without having to ask someone who

has no fucking idea. The question came up: How far can we take this? I said,

,Let′s just take it as far as we think is right. Forget that it′s a music video, forget

standards and censorship.′ Fortunately or unfortunately, depending on how you

look at it, it′s unplayable.9

Nine Inch Nails greift kontroverse und tabuisierte Themen wie Folterung und Sadoma-

sochismus auf. Der Sänger Reznor erklärt: ,,I′m not afraid to think about certain things

you aren′t supposed to think about. I mean, I do wonder what it would be like to kill

somebody, though I′m not going to do it. But I know why people idolize serial killers."10

Die Band überschreitet alle Grenzen des Schicklichen und setzt sich über Normen und

Regeln hinweg. Insofern ist es wenig erstaunlich, dass sich Nine Inch Nails gerade

aufgrund ihrer Umstrittenheit großer Beliebtheit erfreuen.

Die vorliegende Arbeit untersucht Kunstzitate und deren Bedeutung in Nine Inch Nails

Videoclip closer. Im ersten Teil werde ich zunächst den Liedtext, die Lyrics, vor dem

Hintergrund des Gesamtalbums analysieren. Der zweite Teil widmet sich der visuellen

Umsetzung des Textes in Bilder. Dabei stehen kunsthistorischen Zitat-Arrangements

7 Huxley (1997): S.9.

8 Huxley (1997): S.89.

9 Huxley (1997): S.89.

10 Huxley (1997): S.4.


3

im Vordergrund der betrachtung. Ziel ist, deren Bedeutung für das Video closer exem-

plarisch an drei Beispielen aufzuzeigen und zu erläutern.

2.

closer ­ Die Lyrics

Das Lied closer erschien 1994 und ist Teil des Konzeptalbaums The Downward Spiral.

Ein Konzeptalbum ,,ist ein Musikalbum, bei dem die einzelnen Titel nicht isoliert, son-

dern in ihrer Beziehung zu den anderen Teilen des Albums als Gesamtwerk betrachtet

werden"11. Im Gegensatz zu einem normalen Album erzählt ein Konzeptalbum also eine

zusammenhängende Geschichte. Wie Salvatore und Cancellieri feststellen, kann clo-

ser daher nicht unabhängig vom Gesamtkontext, sondern nur vor dem Hintergrund des

kompletten Albums analysiert werden: ,,It is a concept work with a definite and percei-

vable story and development of ideas. Because of this, each song can only be fully rea-

lized within the body of the whole. Any given track, taken out of context, is incomple-

te."12 Im Folgenden werde ich daher zunächst auf das Gesamtwerk The Downward

Spiral eingehen, bevor ich im zweiten Abschnitt das Lied closer ausführlich bespreche.

2.1.

The Downward Spiral

Das 1994 veröffentlichte Album handelt von den Bemühungen einer Person, sich der

Kontrolle durch Religion und Gesellschaft zu entziehen; die Mittel zum Erreichen die-

ses Ziels sind Sex und Gewalt. Die tragische Entwicklung des Protagonisten gipfelt im

Titeltrack, der zugleich Höhepunkt und tiefen Absturz verdeutlicht: Der Protagonist

begeht Selbstmord, erfährt jedoch im letzten Song eine Katharsis. Huxley kommen-

tiert: ,,The songs chroninicle a willing descent into self-destruction, via sex, drugs,

violence and suicide"13 und Reznor selbst spezifiziert:

The big overview was of somebody who systematically throws away every

aspect of his life and what′s around him, from personal relationships to religi-

on. This person is giving up to a certain degree, but also finding some peace by

getting rid of things that were bogging him down.14

11 http://de.wikipedia.org/wiki/Konzeptalbum ­ 15.05.2007.

12Salvatore/Cancel ieri, http://www.4degreez.com/nailz/ninterpretations/downspiral.html ­ 15.05.2007.

13 Huxley (1997): S.120.

14 Huxley (1997): p.120.



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