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Termpaper, 2007, 27 Pages
Author: Lydia Prexl
Subject: Communications: Methods and Research Logic
Details
Year: 2007
Pages: 27
Grade: 1,7
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-34930-2
ISBN (Book): 978-3-640-34903-6
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Abstract
Es ist inzwischen gängige Lehrmeinung, dass Videoclips über ihre Funktion als reine Instrumente der Verkaufsförderung hinausgehen. Mit der Geburt des Fernsehsenders MTV im Jahre 1981 kam es zu einer intensiven Symbiose von Musikindustrie, Werbung, Fernsehen und Unterhaltung . Die bereits zuvor verschränkten Bereiche arbeiteten nun an einer Dauerwerbesendung für ein vorwiegend junges Publikum, welche unter dem Tarnmantel der Unterhaltung Werbe-Musikclips quasi endlos aneinanderreihte. Neumann-Braun spricht von einer „Ästhetisierung von Werbung und Konsum“ bei der Programm und Werbung zusammenfallen und zu einem werbestrategischen Mittel der Musikvermarktung verschmelzen. Mit der Konzeption des neuen Senders wurden laut Keazor und Wübbena „die einzelnen Clips in einen völlig neuen Kontext gerückt, der in der Folge entscheidend auf ihre Produktion und ihr Erscheinungsbild einwirken soll-te.“ In der Konsequenz wandte sich die Videoclip-Produktion ab von der standardisier-ten Fließbandproduktion hin zu der Entwicklung einer eigenständigen Kunstform. Vi-deoclips waren nicht länger Pausenfüller, sondern Mittel zur Karriereförderung und zur Steigerung des Bekanntheitsgrads. Um sich von der Konkurrenz zu unterscheiden und einen eigenen Stil zu etablieren, kreierten einige Künstler und Bands komplexe Struk-turen aus Zeichen- und Verweissystemen, die weit über einen reinen Vermarktungsfilm hinausgehen. Bei diesen Formen des Musikvideos sind die Bilder ein vollwertiger Teil des Ganzen, sodass von Gesamtkunstwerken die Rede ist. Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht der aufmerksamkeitserregende Videoclip Like a Virgin von Madonna, welcher der damals noch unbekannten Sängerin einen enormen Popularitätsschub bescherte und ihren rasanten Aufstieg zum Megastar bewirkte. Das Video thematisiert die Rolle der Frau zwischen traditionellen und emanzipatorischen Geschlechterdarstellungen: Madonna schlüpft in die Rolle der unschuldigen Jungfrau und des koketten Luders zugleich. Like a Virgin verkörpert somit die kontrastierende Dichotomisierung der Frau in Hure und Heilige. Die vorliegende Arbeit untersucht die Fragestellung, inwieweit Madonna in ihrem Videoclip die Hure-Heilige-Dichotomie überwindet und somit ein neues Frauenbild jenseits tradierter patriarchaler Konstruk-te aufzeigt oder eben jene Konstrukte in affirmativer Weise fortführt.
Excerpt (computer-generated)
Universität Mannheim
Seminar für Medien- und Kommunikationswissenschaft
Methodenseminar: Methodeneinübung II
Frühjahrssemester 2007
Hu r e od e r H e i l i g e ?
D i e Üb e r w i n du n g d e r bin ä r e n Oppos i t i on a m B e is pi e l v on
M a d on n as Mu s i k vi d e o c lip L ik e a V i r gin
Hausarbeit
von
Lydia Gaukler
6. Semester Diplom-Anglistik mit wirtschaftswissenschaftlicher Qualifikation
Mannheim, den 01. Juni 2007
I
Inhalt
Inhalt I
1. Einleitung: Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit 1
2. Das Phänomen Musikvideo 3
3. Das Phänomen Madonna 5
4. Geschlechterdarstellungen in Musikvideoclips nach Bechdolf 7
5. Textanalyse 8
6. Bildanalyse 10
7. Interpretation 12
8. Zusammenfassung der Ergbnisse 15
Anhang 17
Medienverzeichnis 20
Literaturverzeichnis 21
Internetverzeichnis 23
II
,,Als ich klein war, bat mich meine Großmutter immer, nicht mit Jungs zu gehen, Jesus zu lie-
ben und ein gutes Mädchen zu sein. Ich wuchs mit zwei Vorstellungen von Frauen auf: der
Jungfrau und der Hure."1 (Madonna)
,,Let′s get it clear from the start that we′re talking about the most successful female solo pop
performer ever."2
1 Madonna zitiert nach Rooksby (2001): S. 5.
2 Garratt zitiert nach Schulze/White/Brown (1993): S.15.
1
1.
Einleitung: Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit
Es ist inzwischen gängige Lehrmeinung, dass Videoclips über ihre Funktion als reine
Instrumente der Verkaufsförderung hinausgehen. Mit der Geburt des Fernsehsenders
MTV im Jahre 1981 kam es zu einer intensiven Symbiose von Musikindustrie, Werbung,
Fernsehen und Unterhaltung3. Die bereits zuvor verschränkten Bereiche arbeiteten
nun an einer Dauerwerbesendung für ein vorwiegend junges Publikum, welche unter
dem Tarnmantel der Unterhaltung Werbe-Musikclips quasi endlos aneinanderreihte.
Neumann-Braun spricht von einer ,,Ästhetisierung von Werbung und Konsum"4 bei der
Programm und Werbung zusammenfallen und zu einem werbestrategischen Mittel der
Musikvermarktung verschmelzen. Mit der Konzeption des neuen Senders wurden laut
Keazor und Wübbena ,,die einzelnen Clips in einen völlig neuen Kontext gerückt, der in
der Folge entscheidend auf ihre Produktion und ihr Erscheinungsbild einwirken soll-
te."5 In der Konsequenz wandte sich die Videoclip-Produktion ab von der standardisier-
ten Fließbandproduktion hin zu der Entwicklung einer eigenständigen Kunstform. Vi-
deoclips waren nicht länger Pausenfüller, sondern Mittel zur Karriereförderung und zur
Steigerung des Bekanntheitsgrads. Um sich von der Konkurrenz zu unterscheiden und
einen eigenen Stil zu etablieren, kreierten einige Künstler und Bands komplexe Struk-
turen aus Zeichen- und Verweissystemen, die weit über einen reinen Vermarktungsfilm
hinausgehen. Bei diesen Formen des Musikvideos sind die Bilder ein vollwertiger Teil
des Ganzen, sodass von Gesamtkunstwerken die Rede ist.6
Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht der aufmerksamkeitserregende Videoclip Like a
Virgin von Madonna, welcher der damals noch unbekannten Sängerin einen enormen
Popularitätsschub bescherte und ihren rasanten Aufstieg zum Megastar bewirkte. Das
Video thematisiert die Rolle der Frau zwischen traditionellen und emanzipatorischen
Geschlechterdarstellungen: Madonna schlüpft in die Rolle der unschuldigen Jungfrau
und des koketten Luders zugleich. Like a Virgin verkörpert somit die kontrastierende
3 Vgl. Keazor/Wübbena (2005): S.67.
4 Neumann-Braun (2006): S.15.
5 Keazor/Wübbena (2005): S.67.
6 http://de.wikipedia.org/wiki/Videoclip 25.05.2007.
2
Dichotomisierung der Frau in Hure und Heilige. Die vorliegende Arbeit untersucht die
Fragestellung, inwieweit Madonna in ihrem Videoclip die Hure-Heilige-Dichotomie
überwindet und somit ein neues Frauenbild jenseits tradierter patriarchaler Konstruk-
te aufzeigt oder eben jene Konstrukte in affirmativer Weise fortführt.
Die Idee zu der Arbeit stammt aus der Untersuchung von Nicoläa Grigat, welche in ih-
rem Buch unter dem Titel Madonnabilder: dekonstruktive Ästhetik in den Videobildern
Madonnas der Frage nachgeht, inwieweit Madonna soziokulturelle Stereotype und
Clichés bestätigt oder dekonstruiert. Anhand einer exemplarischen Analyse von sechs
Videoclips zeigt die Wissenschaftlerin, dass sich die Madonnabilder einer eindeutigen
Lesart entziehen und sowohl als affirmativ-traditionell als auch als entlarvend rezipiert
werden können. In dieser Ambivalenz sieht sie den Erfolg Madonnas begründet. So
kommt Grigat in ihrer qualitativen Studie zu dem Ergebnis, dass ein Zusammenhang
zwischen Madonnas ,Starsein′ und der Ästhetik der Musikvideoclips besteht, da eine
Ästhetik der Gegensätze sich bestens dazu eigne, ein möglichst heterogenes Publikum
anzusprechen.
Ausgehend von Grigats Untersuchung widmet sich die vorliegende Arbeit der For-
schungsfrage, ob Madonna durch die Visualisierung der Frau als Hure und Jungfrau
zugleich den Gegensatz zwischen diesen beiden konträren Auffassungen überwindet.
Anders als Grigats Studie basiert die vorliegende Arbeit auf einem Text-Bild-Vergleich.
Auch ist der Fokus ein anderer: Im Mittelpunkt der Betrachtungen steht nicht die Erklä-
rung des ökonomischen Erfolgs Madonnas aufgrund ihrer Musikvideoästhetik, sondern
der Versuch, Madonnas Videoclip von dem Hintergrund ihres vermittelten Frauenbildes
kritisch zu beleuchten und zu hinterfragen.
Im ersten Teil werde ich zunächst den Liedtext analysieren. Der zweite Teil widmet sich
der visuellen Umsetzung des Textes in Bilder. Im Anschluss an die Analyse soll eine
Einordnung des Clips in das Modell Ute Bechdolfs hinsichtlich der Darstellung der Frau
versucht werden. Zuvor erfolgt eine kurze Einführung in das Phänomen Musikvideo und
das Phänomen Madonna.
3
2.
Das Phänomen Musikvideo
Aufgrund seiner komplexen ästhetischen Möglichkeiten sowie durch seine tägliche
Verfügbarkeit und hohe Verbreitung stellt das Musikvideo ein nicht zu unterschätzen-
des Medium dar. Das Musikvideo ist mittlerweile zu einem akademisch anerkannten
Untersuchungsgegenstand avanciert, welches des wissenschaftlichen Diskurses be-
darf. Wie wir bereits festgehalten haben, ist ein Videoclip ein Werbespot für ein Musik-
produkt, welches Konsumförderung und Vermarktungszwecken dient. Im Gegensatz zu
einem reinen Werbespot weisen Videoclips jedoch Unterhaltungscharakter auf, sodass
ihr immanenter Werbecharakter verschleiert wird. Oder, in Faulstichs Worten: ,,[Im
Videoclip] verschmilzt künstlerische Avantgarde mit Werbung und Kommerz"7.
Für Videoclips gibt es keine vorgeschrieben Form. Sie weisen jedoch neben den bereits
erwähnten weitere spezifische Charakteristika auf, die Altrogge und Amann wie folgt
benennen:
Die Schnitte folgen nicht einer filmischen Handlung, sondern eher dem Rhyth-
mus der Musik; die Farben sind grell; die Bildinhalte zielen zum Teil bewusst
auf Provokation, die Bildtechnik orientiert sich scheinbar eher am technisch
Machbaren denn an traditionellen ästhetischen Kategorien.8
Anders als im Spielfilm, in dem Musik in der Regel nur der Untermalung des visuellen
Geschehens dient, wird im Videoclip die Musik bildlich untermalt. Wie Altrogge und
Amann feststellen, dominiert das Bild die Musik: ,,Die Musik schafft nicht die audi-
ophone Untermalung und dramaturgische Verstärkung der Bilder, sondern diese sind
die Visualisierung der Musik."9 Zudem arbeiten Musikvideos häufig mit Symbolen,
abstrakten Bildern und Mythen mit der Intention, beim Zuschauer visuell-stimulierte
Assoziationen auszulösen. Musikvideos funktionieren jedoch nicht ausschließlich auf
der visuellen Ebene. Vielmehr werden verschiedene Zeichensysteme (Musik, Bild,
Sprache) miteinander kombiniert, sodass ein bedeutungsgeladener, polysemer Text
entsteht.
7 Faulstich (1998): S.406.
8 Altrogge/Amann (1991): S.7.
9 Altrogge/Amann (1991): S.7.
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