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Termpaper, 2009, 26 Pages
Author: Lydia Prexl
Subject: American Studies - Literature
Details
Year: 2009
Pages: 26
Grade: 1,3
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-34997-5
ISBN (Book): 978-3-640-35007-0
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Abstract
Ausgezeichnet mit dem Pulitzer Preis und dem New York Drama Critics' Circle Award, zählt David Mamets Glengarry Glen Ross zu den wichtigsten Dramen der amerikanischen Gegenwartsliteratur. 1983 im Cottesloe Theatre in London uraufgeführt, wurde es mit Begeisterung aufgenommen und gewann noch im gleichen Jahr den Society of West End Theatres Award for the Best Play. Seine amerikanische Premiere feierte das Stück knapp sechs Monate später im Goodman Theatre in Chicago, und erhielt einen so großen Zuspruch, dass es bereits nach wenigen Wochen an den Broadway verlagert wurde. Nachdem Mamet bereits mit American Buffalo (1973) der nationale wie internationale Durchbruch gelungen war, konnte er sich dank Glengarry Glen Ross als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Autoren der Vereinigten Staaten etablieren. Glengarry Glen Ross zeigt einen Ausschnitt von knapp vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Gruppe von Immobilienverkäufern. Anhand der vier Salesmen Shelly Levene, George Aaronow, Dave Moss und Ricky Roma sowie deren Vorgesetztem John Williamson setzt sich das Stück mit verschiedenen Facetten des Scheiterns auseinander. Als Rahmen der Handlung dient dabei ein Einbruch in das Maklerbüro. Gegliedert in zwei Akte, führt der erste Akt in einer Sequenz dreier dialogischer Einzelszenen in die Welt der Salesmen ein, wobei das Dominanzstreben der Figuren im Mittelpunkt steht. Der zweite Akt führt die einzelnen Zwiegespräche zusammen und bringt die etablierten Machtverhältnisse ins Wanken. Indem schlussendlich alle Hauptfiguren versagen, problematisiert das Stück die Auswirkungen des kapitalistischen Systems auf Individuum und Gemeinschaft. Aus diesem Grund konzentrieren sich Rezensenten des Dramas vorwiegend auf den Aspekt der Gesellschafts- und Systemkritik. [...] Allerdings sollte Glengarry Glen Ross nicht nur als ein Angriff auf die materialistischen Werte und das Leistungs- und Erfolgsdenken der amerikanischen Gesellschaft oder als ein Stück über "The American Dream […] gone bad" verstanden werden. Die Salesmen sind nicht nur Opfer, sondern auch Urheber jenes Systems, welches Menschen ausschließlich nach wirtschaftlichen Kriterien bewertet. Insofern handelt das Drama nicht nur von sozialer, sondern auch von individueller Schuld.
Excerpt (computer-generated)
Glengarry Glen Ross: Der Mythos der Frontier in der Kritik
Hausarbeit
an der Philosophischen Fakultät der
Universität Mannheim
vorgelegt am
Lehrstuhl für Amerikanistik
Universität Mannheim
von
cand. rer. phil. Lydia Prexl
10. Fachsemester Diplom-Anglistik
mit wirtschaftswissenschaftlicher Qualifikation
Mannheim, den 21. April 2009
1
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1
1. Einführung
3
2. Die Aufarbeitung des Frontiermythos
6
3.
Facetten des Scheiterns in
Glengarry Glen Ross
10
4. Das Scheitern der Salesmen Eine Analyse
13
5. Exkurs: Der amerikanische Traum als maskuliner Traum
15
6. Das Scheitern der Salesmen eine Absage an den Frontiermythos des
amerikanischen Traums?
20
Literaturverzeichnis
22
2
The myth of the American Dream [...] interests me because the natural culture is foun-
ded very much on the idea of strive and succeed. [...] That′s what forms the basis of our
economic life, and this it what forms the rest of our lives. That American myth: the idea
of something out of nothing.
David Mamet. Interview mit Matthew R. Roudané. New York. 4. Dezember 1984.
3
1. Einführung
Ausgezeichnet mit dem Pulitzer Preis und dem New York Drama Critics′ Circle Award,
zählt David Mamets
Glengarry Glen Ross
zu den wichtigsten Dramen der amerikani-
schen Gegenwartsliteratur. 1983 im Cottesloe Theatre in London uraufgeführt, wurde
es mit Begeisterung aufgenommen und gewann noch im gleichen Jahr den Society of
West End Theatres Award for the Best Play. Seine amerikanische Premiere feierte das
Stück knapp sechs Monate später im Goodman Theatre in Chicago, und erhielt einen
so großen Zuspruch, dass es bereits nach wenigen Wochen an den Broadway verla-
gert wurde.1 Nachdem Mamet bereits mit
American Buffalo
(1973) der nationale wie in-
ternationale Durchbruch gelungen war, konnte er sich dank
Glengarry Glen Ross
als
einer der bedeutendsten zeitgenössischen Autoren der Vereinigten Staaten etablieren.
Glengarry Glen Ross
zeigt einen Ausschnitt von knapp vierundzwanzig Stunden aus
dem Leben einer Gruppe von Immobilienverkäufern. Anhand der vier Salesmen Shelly
Levene, George Aaronow, Dave Moss und Ricky Roma sowie deren Vorgesetztem
John Williamson setzt sich das Stück mit verschiedenen Facetten des Scheiterns aus-
einander. Als Rahmen der Handlung dient dabei ein Einbruch in das Maklerbüro. Ge-
gliedert in zwei Akte, führt der erste Akt in einer Sequenz dreier dialogischer Einzel-
szenen in die Welt der Salesmen ein, wobei das Dominanzstreben der Figuren im Mit-
telpunkt steht. Der zweite Akt führt die einzelnen Zwiegespräche zusammen und bringt
die etablierten Machtverhältnisse ins Wanken. Indem schlussendlich alle Hauptfiguren
versagen, problematisiert das Stück die Auswirkungen des kapitalistischen Systems
auf Individuum und Gemeinschaft.
Aus diesem Grund konzentrieren sich Rezensenten des Dramas vorwiegend auf den
Aspekt der Gesellschafts- und Systemkritik. So sieht Schvey in
Glengarry Glen Ross
Mamets "purest metaphor for a society built on merciless exploitation." Nasser und Du-
arte werten das Stück als Darstellung einer auf brutalem Konkurrenzdenken basierten
Geschäftswelt und als "outcry revealing the failure of a system made by men who fight
1 "One of the finest post-war American plays" (Kane (1996): A. xvi i); "a theatrical event, altogether extra-
ordinary, an astonishing, exhilarating experience" (Cunningham zitiert in Sauer (2003): S. 152); und "a
compel ing and enlightening experience [...] a genuine Mamet masterpiece [...] biting, pungent, harrowing,
and funny" (Brustein (1987): S. 67ff.) sind nur wenige der Lobeshymnen, mit denen
Glengarry Glen Ross
überhäuft wurde. Einige wenige negative Kritiken bemängeln insbesondere die Unauthentizität und Vulga-
rität der Dialoge sowie die oberflächliche und einseitige Darstel ung des kapitalistischen Systems. (Vgl.
beispielhaft Wilson: "Glengarry is a [...] extremely foul-mouthed, indictment of corruption [...] the play is se-
verly limited.", Wilson (1984): S. 337). Watt schlussfolgert "(that to) elevate it to the status of a bitter com-
ment on the American dream would amount to cosmic foolishness. It is what it is, a slice of life that sends
you out of the theater neither transported or even informed, just cheerless." (Watt (1984): S. 337). Für eine
Zusammenstel ung und Analyse der Rezensionen zu
Glengarry Glen Ross
vgl. David K. Sauer und Janice
A. Sauer. David Mamet: A Research and Production Sourcebook. Westport, 2003, 143-180.
4
hopelessly to be winners." Roudané ist der Überzeugung, Habgier und Geiz stünden
im Mittelpunkt des Dramas und Vorlicky kommt zu dem Ergebnis,
Glengarry Glen Ross
beschreibe als "morality play" die Folgen eines korrupten Kapitalismus auf das Leben
jener Menschen "in whom human feeling is absent."2 Auch Mamet schließt sich den
Meinungen seiner Kritiker an, wenn er
Glengarry Glen Ross
als ein Werk beschreibt
"(that) concerns how business corrupts, how [...] (i)t becomes legitimate for those in
power in the business world to act unethically."3 Und an anderer Stelle erklärt er: "To
me the play is about a society with only one bottom line: How much money do you
make"4.
Allerdings sollte
Glengarry Glen Ross
nicht nur als ein Angriff auf die materialistischen
Werte und das Leistungs- und Erfolgsdenken der amerikanischen Gesellschaft oder
als ein Stück über "The American Dream [...] gone bad"5 verstanden werden. Die Sa-
lesmen sind nicht nur Opfer, sondern auch Urheber jenes Systems, welches Menschen
ausschließlich nach wirtschaftlichen Kriterien bewertet. Insofern handelt das Drama
nicht nur von sozialer, sondern auch von individueller Schuld.
Angesichts der Thematik von gesellschaftlicher und persönlicher Veantwortung kommt
der Sprache eine fundamentale Bedeutung zu.6
So bedient sich Mamet in
Glengarry
Glen Ross
einer expressiven Darstellungsweise, welche Quinn akkurat als "performati-
ve realism" bezeichnet.7 Diese Form zielt nicht darauf ab, Realität mimetisch abzubil-
den, sondern Realität durch das performative Handeln der Figuren eigenmächtig zu
kreieren: "Realism is in this case not representational but expressive, focusing on per-
formed actions [...], and making judgements of truth a matter of active construction ra-
ther that of comparison with an
a priori
reality."8 In Anlehnung an die Sprechakttheorie
von Austin fungiert die Sprache in
Glengarry Glen Ross
als aktiver Agent in der Kon-
struktion von Illusion und Wirklichkeit.
2 Schvey (1992): S. 102; Nasser;Duarte (1993/4): S. 117; Roudané (1986): S. 39; Vorlicky (1995): S. 56.
3 Mamet. Interview mit Matthew R. Roudané. 4. Dezember 1984. In: Kane (2001): S. 47.
4 Mamet zitiert in Zeifman (1992): S. 123. Selbst für eine Immobilienfirma tätig, greift Mamet in
Glengarry
Glen Ross
auf seinen eigenen Erfahrungsschatz zurück. 1969 arbeitete er für eine Firma, die er als "fly-by-
night operation" (Mamet zitiert in Bigsby (1985): S. 112) beschrieb, welche wertloses, unerschlossenes
Land in Arizona und Florida an leichtgläubige Menschen in Chicago verkaufte. Insofern sei
Glengarry Glen
Ross
der Versuch "to write about my experiences in a real-estate office" (Mamet zitiert in Nightingale
(2004): S. 89). Gleichwohl geht das Drama über eine Dokumentation persönlicher Erlebnisse hinaus.
5 Mamet zitiert in Schvey (1992): S. 89.
6 Vgl. folgende Meinungen: "true poetry in every sense of the word" (Booth zitiert in Dean (1992): S. 194);
"a kind of street poetry, a deliberately embel ished dialogue" (Roudané (1986): S. 40); "
Glengarry Glen
Ross
is about language more than anything." (Boon (1998): S. 57).
7 Vgl. Michael L. Quinn:
Anti-Theatricality and America Ideology: Mamet′s Performative Realism.
In: Rea-
lism and the American Dramatic Tradition. Hrsg. Wil iam W. Demastes. Tuscaloosa, 1996, 235-254.
8 Quinn (1996): S. 235.
5
"This play is about salesmen and sel ing, and, since selling is almost entirely utterance,
this play is about talk and sales-talk."9 Nicht Land, sondern die Sprache wird zur wich-
tigsten Ware der Salesmen.10 Dabei sind Mamets Figuren Künstler der Verstellung und
Meister im Geschichtenerzählen. Allein mithilfe geschickt gewählter Worte und gezielt
eingesetzter Rhetorik erschaffen sie Träume und Illusionen, welche so wirkungsvoll
sind, dass sich sogar wertloses Land in ein attraktives Kaufsobjekt verwandelt. Die
Sprache wird zum Werkzeug, mit welchem die Salesmen Kunden nach Belieben mani-
pulieren und täuschen können. Als Waffe und Schutzschild zugleich dient sie aber
auch dem Aufbau und der Verteidigung der eigenen Position. Insofern ist die Sprache
so sehr verformt, dass sich die Salesmen nicht länger aufrichtig mitteilen können. "The
problem is that they have so thoroughly plundered the language of private need and
self-fulfillment and deployed it for the purpose of deceit and betrayal that they no longer
have access to words that will articulate their feelings."11 Die primäre Funktion der
Sprache liegt daher nicht darin, zu kommunizieren, sondern andere zu beeinflussen
und zu dominieren. In dieser Hinsicht handelt
Glengarry Glen Ross
von individueller
Macht und von Machtmissbrauch:
"At its heart, Glengarry is a play about power."12
Im Weiteren wird insbesondere die Frage nach persönlicher und gesellschaftlicher
Schuld im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen. Hierzu wird es notwendig sein, sich
zunächst mit der Systemideologie zu befassen, bevor in einem weiteren Schritt das
Versagen der Salesmen untersucht und anschließend erklärt werden soll. Eine umfas-
sende Sprachanalyse kann hingegen nicht Gegenstand der vorliegenden Arbeit sein.
Um der Ausführlichkeit, mit welcher die Sprache in der Sekundärliteratur diskutiert
wird, teilweise gerecht zu werden, soll im Folgenden jedoch immer wieder auf sprachli-
che Besonderheiten eingegangen werden.13
9 Worster (1996): S. 63. Insofern ist Mamets Sprache nicht wie häufig fälschlicherweise behauptet rea-
listisch, sondern poetisch: "It′s not an attempt to capture language as much as it is an attempt to create
language." Mamet. Interview mit Matthew R. Roudané. 4. Dezember 1984. In: Kane (2001): S. 48f.
10 Vgl. Cul ick (1994): S. 23.
11 Bigsby (1985): S 123.
12 Abbotson (2005): S. 181.
13 Eine ausführliche Untersuchung der Sprache bietet Anne Dean:
David Mamet: Language as Dramatic
Action
. Rutherford, 1992, 189-221. Cul ick arbeitet in seinem Essay den Unterschied zwischen einem ′dis-
course of community′ und einem ′discourse of competition′ heraus. Während sich ersterer durch Vermitt-
lung, Kooperation und kommunikative Interaktion auszeichne, sei der kompetitive Diskurs manipulativ und
feindlich. In den Augen der Salesmen werde der gemeinschaftliche Diskurs jedoch als schwach, passiv
und demzufolge unmännlich wahrgenommen und mit dem Prozess des Kaufens assozi ert, wohingegen
der aktive, maskuline Diskurs des Wettstreits mit Verkaufen gleichgesetzt werde. Jonathan S. Cullick:
′Al-
ways be Closing′
. Journal of Dramatic Theory and Criticism 8.2 (1994): 23-36. Worster überträgt Austins
Sprechakttheorie auf
Glengarry Glen Ross
und beleuchtet die Macht- und Dominanzstrukturen zwischen
den Salesmen vor dem Hintergrund der Besonderheiten performativer Sprechakte. Vgl. David Worster:
How to Do Things with Salesmen
. In: David Mamet′s
Glengarry Glen Ross
: Text and Performance. Hrsg.
Leslie Kane. New York: Garland, 1996. 63-79. Cohn geht der These nach "that the way Mamet′s charac-
ters behave determines their language." (Cohn (1992): S. 111) Al erdings können seine Argumente nur
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