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Besonderer Unterrichtsbesuch im Fach Deutsch, 12. Klasse erhöhtes Anforderungsniveau: Ödön von Horvath "Geschichten aus dem Wiener Wald"

Subtitle: Stundenthema: Mariannes Schicksal - Die Zerstörung der Frau unter dem Deckmantel der Liebe

Lesson Plan, 2008, 26 Pages
Author: Lydia Plagge
Subject: German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies

Details

Institute: Studienseminar für Berufsbildende Schulen
Category: Lesson Plan
Year: 2008
Pages: 26
Grade: sehr gut
Language: German
Archive No.: V128221
ISBN (E-book): 978-3-640-37289-8
ISBN (Book): 978-3-640-37296-6

Abstract

Es handelt sich um den Entwurf zu einem Besonderen Unterrichtsbesuch im Fach Deutsch. Gegenstand ist Horvaths Werk "Geschichten aus dem Wiener Wald". In der Stunde wird mithilfe der Standbildtechnik das Schicksal Mariannes erarbeitet. Stundenziel: Die Schüler sollen mit Hilfe mehrerer Standbilder vier Situationen in Mariannes Entwicklung darstellen und das mit der Figur der Marianne thematisierte gesellschaftliche Phänomen der Zerstörung der Frau unter dem Deckmantel der Liebe benennen und erläutern. Alle Arbeitsblätter sind enthalten.


Excerpt (computer-generated)

Studienreferendarin:

Lydia Plagge

Gruppe:

Fachrichtung:

Wirtschaft

Unterrichtsfach: Deutsch

Studienseminar --- für das Lehramt

an Berufsbildenden Schulen

Entwurf

zu

einem

Besonderen

Unterrichtsbesuch

2. Ausbildungsabschnitt

2. Besonderer Unterrichtsbesuch

(gem. Abs. 4 der DB zu § 9 PVO-Lehr II)

Unterrichtsfach: Deutsch

Kurs:

FGW 2

Tag:

12.12.2008

Zeit:

13:30 Uhr ­ 14:15 Uhr

Ort:

Raum:

Leiter des PS:

Fachleiter:

Fachlehrer:

Schulleitung:

Hospitierende:

Unterrichtseinheit:

Ödön von Horváth ,,Geschichten aus dem Wiener Wald"

Stundenthema:

Mariannes Schicksal ­

Die Zerstörung der Frau unter dem Deckmantel der Liebe


Inhaltsverzeichnis

1

Analyse des Bedingungsfeldes 2

2 Didaktisch-methodische

Konzeption 3

2.1

Analyse der curricularen Vorgaben 3

2.2

Analyse der Thematik, ihrer Komplexität und ihre fachliche Begründung 4

2.3

Auswahl- und Reduktionsentscheidungen 5

2.4

Anzustrebende Kompetenzen/Lehr- und Lernziele 6

2.4.1 Stundenlernziel 6

2.4.2 Ergebnisorientierte

Lernziele 6

2.4.3 Prozessorientierte Lernziele 6

3

Gestaltung der Verlaufsstruktur des Lernprozesses 7

4 Unterrichtsverlaufsskizze 9

Anhang 1:

Literatur 11

Anhang 2:

Kommentierter Sitzplan 13

Anhang 3:

Struktur der Unterrichtssequenz (Makrosequenz) 14

Anhang 4:

Stoffstrukturgerüst (Makrostruktur) 15

Mikrostruktur: Personenkonstellation und -konzeption 16

Anhang 5:

Tafelbild (Einstiegsphase) 17

Anhang 6:

Arbeitsauftrag Gruppe 1 18

Anhang 7:

Arbeitsauftrag Gruppe 2 19

Anhang 8:

Arbeitsauftrag Gruppe 3 20

Anhang 9:

Arbeitsauftrag Gruppe 4 21

Anhang 10:

Mariannes Entwicklung (erwartete Schülerlösungen) 22

Anhang 11:

Folie 23

Anhang 12:

didaktische Reserve/Hausaufgabe 24

1


1

Analyse des Bedingungsfeldes

Bei dem Kurs handelt es sich um den vierstündigen Kurs im Kernfach Deutsch als Abiturprüfungsfach

auf erhöhtem Anforderungsniveau im ersten Halbjahr der Qualifikationsphase des Fachgymnasiums,

der von acht Schülerinnen sowie acht Schüler besucht wird. Nur Daniel und Niek besuchen zum

wiederholten Mal das erste Jahr der Qualifikationsphase des Fachgymnasiums Technik, alle anderen

Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer gehören der Klasse FGW2-1 des Fachgymnasiums Wirtschaft

an. Nach Alter, Geschlecht und schulischer Vorbildung setzt sich die Lerngruppe wie folgt zusammen:

Alter/

17 18 19

zuletzt

Schulabschluss2

Geschlecht

besuchte

EI

weiblich

3 2 3 8

Schulform1

männlich

4 3 1 8

RS

11 11

7 5 4 16

B2

3 3

Tabelle 1: Altersstruktur

GY

2 2

16 16

Tabelle 2: Schulische Vorbildung

Neben der eher homogenen Altersstruktur kann die schulische Vorbildung der Klasse aufgrund der

unterschiedlichen Schulbiografien eher als heterogen bezeichnet werden. Dies spiegelt sich zumindest

teilweise auch in den

mündlichen Leistungen

wider, denn sowohl Dennis wie auch Katharina stechen

mit ihren häufiger weiterführenden und auch abstrahierenden Aussagen aus der Lerngruppe, die ein

befriedigendes

Abstraktions- und Konzentrationsvermögen

aufweist,

hervor. Viktoria bleibt mit

ihren Äußerungen fast ausschließlich auf der konkret-inhaltlichen Ebene stecken. Verena und Anna

sind sehr zurückhaltend und wirken zum Teil unmotiviert und desinteressiert. Niek und Daniel

beteiligen sich eher selten, wirken aber aufmerksam. Diese Schüler3 werden durch gezielte Fragen zur

Mitarbeit aufgefordert. Die mündlichen sowie schriftlichen Leistungen der einzelnen Schüler können

dem Sitzplan entnommen werden. 4

Die

Fachkompetenz

der Schüler für die heutige Stunde resultiert aus der Erstellung der

Rollenbiographien zu den vier Hauptpersonen Marianne, Alfred, Oscar und Alfreds Großmutter aus

dem Horváth-Drama, wobei jeweils vier Schüler im Sinne von Experten eine Rollenbiographie

übernommen haben und diese während der gesamten Analyse des Volksstücks präsent zu halten ist.5

Die Gruppe vermittelt in ihrem

Sozialverhalten

ein recht harmonisches Bild. In der ,normalen`

Sitzordnung spiegeln sich Freundschaften wider, dies führt aber nur selten zu störenden Ablenkungen.

Dennoch gilt es in Phasen der Gruppenarbeit gelegentlich auch, die eingefahrenen Paarkonstellationen

1 RS = Realschule, B2 = Einjährige Berufsfachschule Wirtschaft für RealschulabsolventInnen, GY =

Allgemeinbildendes Gymnasium

2 EI = Erweiterter Sekundarabschluss I (Realschule)

3 Im Folgenden wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit nur die männliche Form verwendet, gemeint sind

jedoch in der Regel beide Geschlechter.

4 Vgl. Anhang 2

5 Vgl. Anhang 2

2


bewusst aufzubrechen.6 Insgesamt zeigen die Schüler ein gutes Kommunikations- und

Kooperationsverhalten sowie Hilfsbereitschaft untereinander.

Hinsichtlich der

Methodenkompetenz

zeigen sich die Schüler sehr aufgeschlossen für verschiedene

Methoden der Themenerarbeitung. Neben dem fragend-entwickelnden Unterricht sind sie mit der

Sozialform Gruppenarbeit vertraut, diese ist jedoch ebenso wie die Präsentationsfähigkeit noch weiter

zu fördern. Insbesondere ist auf die Lautstärke der Sprechenden zu achten. Zudem gelangen die

Schüler durch handlungs- und produktionsorientierte Verfahren wie z. B. der szenischen Interpretation

zu guten Ergebnissen.7

Seit dem 21.08.2008 hospitiere ich dienstags im Rahmen des betreuten Unterrichts im Fach Deutsch

zweistündig in dieser Klasse und seit dem 25.11.2008 habe ich den Unterricht übernommen (vier

Wochenstunden). Es herrscht ein angenehmes Lernklima und ich fühle mich sehr wohl in der Klasse.

Die Schüler werden auf ihren eigenen Wunsch hin geduzt.

2 Didaktisch-methodische

Konzeption

2.1

Analyse der curricularen Vorgaben

Die curriculare Grundlage des Unterrichts bilden die Rahmenrichtlinien für das Fach Deutsch in der

gymnasialen Oberstufe8, die Vorgaben für das Zentralabitur 2010 im Kernfach Deutsch9 und die

einheitlichen Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung Deutsch10. Für das erste Halbjahr der

Qualifikationsphase ist demnach die Behandlung sozialer Dramen vorgesehen, u. a. Ödön von

Horváths ,,Geschichten aus dem Wiener Wald".11

Grundsätzlich sollen die Schüler ,,fiktionale Texte fachgerecht interpretieren können" sowie ,,Struktur

[und] Probleme erfasssen" sowie ,,Materialien unter verschiedenen Gesichtspunkten sachgerecht [...]

erschließen und ihren Informationsgehalt adressatengerecht [...] vermitteln".12 Die inhaltliche

Beschäftigung ist eigentlich nicht mit den Anforderungen zur zeitlichen Planung der

Unterrichtsinhalte für die Qualifikationsphase vereinbar, die in den Rahmenrichtlinien formuliert

sind13, wohl aber ist ein inhaltlicher Bezug zu den allerdings erst für das zweite Kursjahr

vorgeschriebenen Themen herstellbar, denn für diesen Zeitraum wird u. a. die Behandlung explizit

inhaltlicher Aspekte dramatischer Texte (Thematik, Motive, Figuren, Probleme) sowie die

6 Vgl. Kapitel 4

7 Vgl. Kapitel 4

8 Niedersächsisches Kultusministerium (1990)

9 Niedersächsisches Kultusministerium (2007)

10 KMK (2002)

11 Die auf der Grundlage des schulinternen Lehrplans formulierte Kursplanung stimmt mit dieser Einordnung

überein. Das Kursthema lautet ,,Die Inszenierung des Sozialen als dramatische Dimension" (Schäfer 2008).

12 Niedersächsisches Kultusministerium (1990), S. 8

13 Vgl. Niedersächsisches Kultusministerium (1990), S. 14 ff.

3


Auseinandersetzung mit einer literarischen Strömung, die insbesondere sozialkritische Aspekte

fokussiert, verlangt.14

Da neben der systematischen Analyse und Interpretation dramatischer Texte in aller Regel Phantasie,

Intuition und Sensibilität zur Geltung kommen sollen, sind handlungs- und produktionsorientierte

Verfahren anzuwenden15, wie z. B. das Standbildbauen, sodass auch ein unmittelbarer Bezug zum

Kursthema ,,Die Inszenierung des Sozialen als dramatische Dimension" gegeben ist.

2.2

Analyse der Thematik, ihrer Komplexität und ihre fachliche Begründung

Das Volksstück ,,Geschichten aus dem Wiener Wald" wurde 1931 in Berlin uraufgeführt.16 Noch

zuvor erhielt Ödön von Horváth auf Vorschlag Carl Zuckmayers für das Stück den Kleist-Preis. Zur

Zeit katastrophaler Arbeitslosigkeit und der Weltwirtschaftskrise gegen Ende der 20er Jahre

geschrieben, gilt es als das Meisterwerk Horváths, das Kitschelemente vorführt, um sie zu entlarven.17

Kästner formuliert treffend, dass Horváth ,,ein Wiener Volksstück gegen das Wiener Volksstück"18

schrieb. Eine ausführliche Darstellung der Thematik und die Einordnung in die Makro- und

Mikrostruktur zeigt das Stoffstrukturgerüst in Anhang 4.

Fachübergreifende Aspekte sind besonders zu dem Fach Religion gegeben, da im vorliegenden

Unterrichtsentwurf z. T. moralische und lebensweltliche Fragen aufgegriffen werden. Bezogen auf die

Unterrichtsstunde ergibt sich folgende Schichtung des Unterrichtsgegenstandes:

· psychologische Schicht: z. B. Hineindenken in die Figuren, Bedeutung gesellschaftlicher

Rahmenbedingungen für das Leben des Einzelnen

· literaturwissenschaftliche Schicht: z. B. Analyse und Interpretation dramatischer Texte

· politologische Schicht: politische Verhältnisse als Rahmen individuellen und sozialen Lebens

· geschichtswissenschaftliche Schicht: z. B. spezifische historische Ereignisse insbesondere nach

dem 1. Weltkrieg

· wirtschaftswissenschaftliche Schicht: z. B. Beeinflussung der Entwicklung gesellschaftlichen

Lebens und des Lebensverlaufs von Einzelschicksalen durch ökonomische Gegebenheiten

· philosophisch-anthropologische Schicht: z. B. Bedingtheit des menschlichen Lebens, freies

Handeln

Der Schwierigkeits- und Abstraktionsgrad der Thematik ist als mittel bis hoch einzuschätzen. Es liegt

eine hohe Komplexität und Vielschichtigkeit vor, was auch dem Stoffstrukturgerüst19 und der

Schichtungsanalyse zu entnehmen ist.

14 Vgl. Niedersächsisches Kultusministerium (1990), S. 16

15 Vgl. Niedersächsisches Kultusministerium (1990), S. 18 und KMK (2002), S. 7

16 Vgl. Wöhrle (2001), S. 118

17 Vgl. Hobek (1996), S. 5

18 Kästner (1931)

19 Vgl. Anhang 4

4


2.3

Auswahl- und Reduktionsentscheidungen

Um aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten einen Zugang zu Horváths Volksstück ,,Geschichten aus

dem Wiener Wald" zu finden20, müssen verschiedene Auswahl- und Reduktionsentscheidungen

getroffen werden.

Ein Gegenwarts- und Zukunftsbezug lässt sich aus den persönlichen Erfahrungen der Schüler auf einer

Metaebene ableiten. In ihrem Leben werden sie beispielsweise ggf. vor die Wahl gestellt, inwieweit

sie sich in einer Partnerschaft unterordnen wollen. Außerdem haben sie eine erste Altersgrenze

überschritten, in der sie die Wahl zwischen Schule und Beruf hatten (Berufsbezug). Sie müssen

Berufswahl und Familie gegeneinander abwägen und die Konsequenzen daraus tragen.

Der inhaltliche Schwerpunkt der Stunde wird auf Mariannes Entwicklung und das damit dargestellte

gesellschaftliche Phänomen der Zerstörung der Frau unter dem Deckmantel der Liebe gelegt

(literaturwissenschaftliche und psychologische Schicht21).

Die Komplexität des Themenbereiches22 erfordert entsprechend dem Prinzip der Passung von

Stoffmenge zur Lehr- und Lernkapazität und den vielfältigen interdisziplinären Bezügen des Themas

eine umfassende Auswahl.23 Die Schüler haben zu Beginn der Unterrichtssequenz in vier Gruppen

Rollenbiographien zu den vier Hauptcharakteren (Marianne, Alfred, Oskar und die Großmutter)

erarbeitet. Spezielle charakteristische Eigenschaften werden daher weitestgehend ausgeblendet,

vielmehr stehen in der Unterrichtsstunde die persönlichen Beziehungen zwischen den vier

ausgewählten Figuren im Vordergrund.24 Die übrigen Figuren werden nicht vertiefend behandelt, weil

sie keine wesentlichen Handlungsträger sind. Auf eine detaillierte Betrachtung der

Gesamtfigurenkonstellation wird demnach verzichtet, da sie für das Verständnis von Mariannes

Entwicklung irrelevant ist. Der Fokus der Betrachtung liegt auf Marianne, da sie als Opfer der

Knotenpunkt zwischen den vier genannten Figuren ist. Marianne ist zudem die einzige Person, die

einen Wandel durchläuft, während die übrigen Figuren statisch sind. Dies ist auch der Aspekt, der sich

im Rahmen der Betrachtung der Figurenkonzeption aufdrängt. Auf eine ausführliche Betrachtung der

Figurenkonzeption wird verzichtet, da sich die übrigen Figuren in ihrer Anlage wenig unterscheiden

und diese in diesem Kontext nur bedingt relevant sind.

In der Unterrichtsstunde wird neben der literaturwissenschaftlichen Schicht ebenfalls die

psychologische sowie in Teilen die wirtschaftswissenschaftliche und die philosophisch-

anthropologische Schicht berücksichtigt. Die übrigen Schichten werden in anderen Stunden der

Unterrichtseinheit berührt.25

20 Vgl. Kapitel 2.2 und Anhang 4

21 Vgl. Kapitel 2.2

22 Vgl. Kapitel 2.2

23 Vgl. Speth (2007), S. 132

24 Vgl. Anhang 4

25 Vgl. Anhang 3

5



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