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Arbeitsfähigkeit älterer Arbeitnehmer - Betriebliche und individuelle Einflussfaktoren

Diploma Thesis, 2008, 94 Pages
Author: Dipl. Sozialarbeiter / Dipl. Sozialpädagoge Thomas Löhr
Subject: Health Science

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2008
Pages: 94
Grade: 2,0
Language: German
Archive No.: V128309
ISBN (E-book): 978-3-640-34562-5
ISBN (Book): 978-3-640-34554-0

Abstract

Einleitung – Zielsetzung meiner Diplomarbeit Es ist weitestgehend bekannt, dass sich die Bevölkerungsstruktur in Deutsch-land verändert. Die Bundesbevölkerung schrumpft und altert. Ab 2010 wird diese Entwicklung an Geschwindigkeit gewinnen und erfordert ein Umdenken aller Betroffener der Unternehmen, der Arbeitnehmer, der Verbände und der Politik. Die Regierung hat mit dem Ende 2005 gestarteten Bundesprojekt „Perspektive 50plus – Beschäftigungspakete für Ältere in den Regionen“ die Beschäftigungsmöglichkeiten Älterer zu einem Schwerpunkt ihrer Politik gemacht. Hierdurch soll die Anhebung des Renteneintrittalters von 65 auf 67 Jahre durch die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze für ältere Menschen unterstützt werden. Die bisherigen Maßnahmen sind jedoch noch unzurei-chend und haben keine nachhaltige Neuorientierung der Betroffenen bewirkt. Da ich in einem der 62 bundesweit ausgelobten Modellprojekte beschäftigt bin, habe ich einen praktischen Zugang zu der betroffenen Altersgruppe. Die theoretischen Hintergründe um die Auswirkungen des demographischen Wandels, die geringe Beschäftigungsquote Älterer und die Schwierigkeiten bei der Umsetzung verschiedener Maßnahmen interessieren mich und ließen mich dieses Thema für meine Diplomarbeit wählen. Der demographische Wandel in Deutschland kann in einem nahezu sicheren Korridor vorhergesagt werde. Die strukturelle Zusammensetzung der Bevölkerung wird sich durch verschiedene Faktoren verändern. Das Durchschnittsalter der bundesdeutschen Bevölkerung steigt und der seit 2003 begonnene Bevölkerungsschwund wird ab 2010 deutlich an Geschwindigkeit gewinnen. Diese Veränderungen der Bevölkerungsstruktur haben nicht nur Auswirkungen auf die Finanzierung des Rentenversicherungssystems, sondern nehmen auch gravierenden Einfluss auf die zukünftige Arbeits- und Beschäftigungsstruktur. So wird die Alterung der Bundesbevölkerung auch den Ausschnitt des Erwerbspersonenpotenzials betreffen und ab 2010 zu einer deutlichen Zunahme der Gruppe der über 50-Jährigen führen. Die Anzahl der 20- bis 30- Jährigen hingegen wird weiter abnehmen. Die Unternehmen in Deutschland müssen daher Wirtschaftskraft und Innovationsfähigkeit mit einer wachsenden Anzahl von älteren Erwerbspersonen erreichen. Die Politik hat durch den Abbau der Frühverrentungsmöglichkeiten und das Heraufsetzen der gesetzlichen Altersgrenze auf nun 67 Jahre einen Teil der gesetzlichen Rahmenbedingungen an die Entwicklungen angepasst. ...


Excerpt (computer-generated)

Arbeitsfähigkeit älterer

Arbeitnehmer ­ betriebliche und

individuelle Einflussfaktoren

Diplomarbeit

am

Institut für Gerontologie

der Hochschule Vechta

Verfasser:

Thomas Löhr

Studienrichtung:

Gerontologie

Abgabedatum:

18.01.2008


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung ­ Zielsetzung meiner Diplomarbeit 4

2 Demographischer Wandel 6

2.1 Was ist der demographische Wandel? 6

2.2 Veränderung der Altersstruktur in der Bundesrepublik

Deutschland 7

2.2.1 Die Geburtenrate 7

2.2.2 Die durchschnittliche Lebenserwartung 10

2.2.3 Der Wanderungssaldo in Deutschland 13

2.3 Schrumpfung und Alterung der deutschen Bevölkerung als

Ergebnis der demographischen Entwicklung 19

3 Aspekt der Lebensarbeitszeitverlängerung 23

3.1 Lebensverlauf und Lebensphasen 23

3.2 Die Entwicklung hin zum frühen Ruhestand 25

3.3 Anhebung der Altersgrenze zur nachhaltigen Finanzierbarkeit

der GRV 27

3.4 Finanzierbarkeit der Rentenversicherung und

Erwerbsbeteiligung Älterer 29

4 Beschäftigungssituation älterer Arbeitnehmer 32

4.1 Auswirkungen des demographischen Wandels in der

Arbeitswelt 32

4.2 Berufliche Situation älterer Arbeitnehmer in Deutschland 34

4.2.1 Definition des Arbeitnehmers 34

4.2.2 Unterschied zwischen Bevölkerungsanzahl und

Erwerbspersonen 34

4.3 Erwerbsbeteiligung älterer Arbeitnehmer 35

4.3.1 Situation und Zukunft ältere Arbeitnehmer 35

4.4 Sozialversicherungsbeschäftigte Ältere nach Betriebsgröße 41

4.5 Mitarbeitersegmentierung in Unternehmen 43

5 Faktoren der Arbeitsfähigkeit 45

5.1 Was ist die Arbeitsfähigkeit? 45

5.2 Gesundheit ­ die Voraussetzung für Erwerbsarbeit im Alter.47

5.2.1 Ansatzpunkte einer zukunftsorientierten betrieblichen

Gesundheitspolitik 50

5.3 Kompetenzen ­ der Schlüssel für betriebliche und

individuelle Laufbahngestaltung 53

5.3.1 Altersgerechte Weiterbildung 53

5.3.2 Lernförderliche Arbeitsgestaltung 55

5.3.3 Altersgemischtes Lernen im Betrieb 57

5.4 Werte und Motivation ­ individuel e Bedürfnisse für die Arbeit


im Alter 65

5.5 Arbeit ­ der betriebliche Einfluss für eine altersgerechte

Gestaltung der Arbeit 68

5.5.1 Ergonomische und altersgerechte Arbeitsgestaltung 68

5.5.2 Arbeitsorganisation und Arbeitsfähigkeit 73

5.6 Betriebliche und individuelle Einflussfaktoren - Haus der

Arbeitsfähigkeit von J. Ilmarinen 77

6 Schlusswort 81

7 Literaturverzeichnis 83


1 Einleitung ­ Zielsetzung meiner Diplomarbeit

1 Einleitung ­ Zielsetzung meiner Diplomarbeit

Es ist weitestgehend bekannt, dass sich die Bevölkerungsstruktur in Deutsch-

land verändert. Die Bundesbevölkerung schrumpft und altert. Ab 2010 wird

diese Entwicklung an Geschwindigkeit gewinnen und erfordert ein Umdenken

al er Betroffener der Unternehmen, der Arbeitnehmer, der Verbände und der

Politik.

Die Regierung hat mit dem Ende 2005 gestarteten Bundesprojekt

,,Perspektive 50plus ­ Beschäftigungspakete für Ältere in den Regionen" die

Beschäftigungsmöglichkeiten Älterer zu einem Schwerpunkt ihrer Politik

gemacht. Hierdurch sol die Anhebung des Renteneintrittalters von 65 auf 67

Jahre durch die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze für ältere Menschen

unterstützt werden. Die bisherigen Maßnahmen sind jedoch noch unzurei-

chend und haben keine nachhaltige Neuorientierung der Betroffenen bewirkt.

Da ich in einem der 62 bundesweit ausgelobten Model projekte beschäftigt

bin, habe ich einen praktischen Zugang zu der betroffenen Altersgruppe. Die

theoretischen Hintergründe um die Auswirkungen des demographischen

Wandels, die geringe Beschäftigungsquote Älterer und die Schwierigkeiten bei

der Umsetzung verschiedener Maßnahmen interessieren mich und ließen

mich dieses Thema für meine Diplomarbeit wählen.

Der demographische Wandel in Deutschland kann in einem nahezu sicheren

Korridor vorhergesagt werde. Die strukturel e Zusammensetzung der

Bevölkerung wird sich durch verschiedene Faktoren verändern. Das Durch-

schnittsalter der bundesdeutschen Bevölkerung steigt und der seit 2003

begonnene Bevölkerungsschwund wird ab 2010 deutlich an Geschwindigkeit

gewinnen. Diese Veränderungen der Bevölkerungsstruktur haben nicht nur

Auswirkungen auf die Finanzierung des Rentenversicherungssystems,

sondern nehmen auch gravierenden Einfluss auf die zukünftige Arbeits- und

Beschäftigungsstruktur.

So wird die Alterung der Bundesbevölkerung auch den Ausschnitt des

Erwerbspersonenpotenzials betreffen und ab 2010 zu einer deutlichen

Zunahme der Gruppe der über 50-Jährigen führen. Die Anzahl der 20- bis 30-

Jährigen hingegen wird weiter abnehmen.

Thomas Löhr Diplomarbeit Gerontologie

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1 Einleitung ­ Zielsetzung meiner Diplomarbeit

Die Unternehmen in Deutschland müssen daher Wirtschaftskraft und Innova-

tionsfähigkeit mit einer wachsenden Anzahl von älteren Erwerbspersonen

erreichen. Die Politik hat durch den Abbau der Frühverrentungsmöglichkeiten

und das Heraufsetzen der gesetzlichen Altersgrenze auf nun 67 Jahre einen

Teil der gesetzlichen Rahmenbedingungen an die Entwicklungen angepasst.

Ziel war hierbei vornehmlich die Finanzierbarkeit des Rentenversicherungs-

systems. Ohne betriebliche Strategien zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit, werden

aber weder die Unternehmen ihren Fachkräftemangel noch die Regierung ihr

Finanzierungsproblem lösen können.

In dieser Diplomarbeit werden zunächst die einzelnen Faktoren des demogra-

phischen Wandels und deren Auswirkungen auf die heutige und zukünftige

Zusammensetzung der bundesdeutschen Bevölkerung betrachtet.

Anschließend wird eine differenzierte Darstel ung nach formalen Qualifika-

tionen, Alter und Betriebsgröße speziel für die Gruppe der über 50-Jährigen

vorgenommen.

Danach folgt ein Einblick in die Veränderung der Lebensphasen und eine

Schilderung der gesetzlichen Maßnahmen zur Sicherung des Rentenver-

sicherungssystems.

Das vierte Kapitel befasst sich mit der Situation älterer Arbeitnehmer in

Deutschland.

Kapitel 5 beginnt mit der Definition von Arbeitsfähigkeit. Anschließend wird auf

die vier Säulen der Arbeitsfähigkeit (Gesundheit, Kompetenz, Werte und

Motivation sowie Arbeit) eingegangen. Diese bilden gleichzeitig die Bestand-

teile des Modells des ,,Haus der Arbeitsfähigkeit", welches von J. Ilmarinen

entwickelt wurde und im Anschluss erläutert wird.

Im Schlusswort fasse ich die Arbeit und ihre wichtigsten Erkenntnisse

zusammen.

Thomas Löhr Diplomarbeit Gerontologie

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2 Demographischer Wandel

2 Demographischer Wandel

2.1 Was ist der demographische Wandel?

Unter dem demographischen Wandel versteht man die Veränderung der

Altersstruktur einer Gesel schaft. Der demographische Wandel ist weder

positiv noch negativ geprägt und kann sowohl einen Bevölkerungszuwachs als

auch einen Bevölkerungsrückgang zur Folge haben. Er wird im Wesentlichen

durch drei Faktoren beeinflusst:

­

Veränderung der Fertilität (Geburtenrate)

­

Veränderung der Lebenserwartung

­

Wanderungssaldo als Ergebnis aus den Zu- und Abwanderungen einer

Gesel schaft

Eine hohe Geburtenrate und eine abnehmende Sterblichkeit führt zu einer

Verjüngung und zum Wachstum der Bevölkerung. Ein kompakter Altersaufbau

ist das Resultat.

Eine sinkende oder gleich bleibend niedrige Geburtenzahl und eine steigende

Lebenserwartung führen im Gegensatz dazu zu einer Alterung und Abnahme

der Bevölkerung. Eine unausgewogene Altersstruktur ist die Folge (vgl. Pack,

J., Buck, H., Kistler, E. et al. (2000), 8).

Thomas Löhr Diplomarbeit Gerontologie

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2 Veränderung der Altersstruktur in der Bundesrepublik Deutschland

2.2 Veränderung der Altersstruktur in der Bundesrepublik

Deutschland

2.2.1 Die Geburtenrate

Die Jahre zwischen 1945 und 1971 waren durch einen Bevölkerungszuwachs

gekennzeichnet. 1972 war erstmalig die Anzahl der Geburten geringer als die

der Todesfäl e. Dieser Trend setzte sich in den folgenden Jahren fort. Durch

ein positives Wanderungssaldo konnten dessen Folgen bis auf einzelne Jahre

kompensiert werden (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Durchschnittliche Kinderzahl je Frau -

Zusammengefasste Geburtenziffer von 1990 bis 2006 (Statistisches

Bundesamt (31.08.2007))

Für die Zukunft wird jedoch ein deutlicher Bevölkerungsrückgang erwartet.

Zum einen, weil die Zahl der Geburten nicht ausreicht, um die Anzahl der

Verstorbenen auszugleichen, wodurch ein Geburtendefizit entsteht. Und zum

anderen, weil die Anzahl der Sterbefäl e in den nächsten Jahren erheblich

Thomas Löhr Diplomarbeit Gerontologie

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2 Veränderung der Altersstruktur in der Bundesrepublik Deutschland

zunehmen werden, da wir in Folge der zunehmenden Lebenserwartung mit

immer mehr Hochbetagten zu rechnen haben. Um die Gesamtbevölkerung

konstant zu halten, müsste es also zu einer erheblichen Steigerung der

Geburtenrate kommen. Ein solcher Trend lässt sich al erdings nicht erkennen.

So lange die Geburtenhäufigkeit unter 2,1 Kinder pro Frau bleibt, schrumpft

die Müttergeneration von Jahr zu Jahr und damit auch die Anzahl der

Neugeborenen.

Zwischen 1990 und 2006 pendelte die Geburtenziffer mit leicht abnehmender

Tendenz zwischen rund 1,45 und 1,33 Kindern pro Frau (siehe Abbildung 1).

Den absoluten Tiefpunkt in dieser Zeitspanne erreichte die Geburtenziffer

1994 mit rund 1,24 Kindern pro Frau.

Dieser Effekt wurde vor al em durch den massiven Rückgang der Geburten-

rate in den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung verursacht.

Die Prognosen zum Geburtendefizit basieren auf 12 Rechenvarianten, die

sich auf Grund von verschieden kombinierten Annahmen der Faktoren

Geburtenhäufigkeit, Lebenserwartung und Wanderungssaldo ergeben. Im

Folgenden werden die Ergebnisse von vier Berechnungsvarianten dargestel t.

So grenzen die beiden in der Mitte der Grafik dargestel ten Varianten, den

Korridor ab, der sich unter der Annahme der Fortsetzung des aktuel en

demografischen Trends (Bevölkerungsgröße und Altersaufbau) ergibt.

Die äußeren Balken (,,relativ junge Bevölkerung" und ,,relativ alte Bevölker-

ung") decken die maximale Spannweite der Alterung innerhalb der Studie ab,

die unter Verwendung der in der 11. koordinierten Bevölkerungsvoraus-

berechnung berücksichtigten Faktoren für realistisch gehalten werden.

Ändert sich nicht Grundlegendes an dem aktuel en Trend, wird sich das

Geburtendefizit von Jahr zu Jahr vergrößern. Geringfügige Veränderungen

können nur Auswirkung auf das Ausmaß, nicht auf den Trend selbst haben

(vgl. Statistisches Bundesamt 2006, 13 ff.).

Thomas Löhr Diplomarbeit Gerontologie

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2 Veränderung der Altersstruktur in der Bundesrepublik Deutschland

Abbildung 2: Geburtendefizit 2005 und 2050 (Statistisches Bundesamt 2006,14)

Thomas Löhr Diplomarbeit Gerontologie

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