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Von der Rationalität der Tagesschau - Das Konzept der Öffentlichkeit von Jürgen Gerhards

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2001, 36 Pages
Author: Sebastian Götte
Subject: Communications: Theories, Models, Terms and Definitions

Details

Event: Öffentliche Kommunikation als System
Institution/College: http://www.uni-jena.de/ (Bereich Medienwissenschaft)
Tags: Öffentlichkeit, Kommunikation, Gerhards, Politik, politische, öffentliche, liberale
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2001
Pages: 36
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 17  Entries
Language: German
Archive No.: V1285
ISBN (E-book): 978-3-638-10805-8
ISBN (Book): 978-3-638-69647-0
File size: 213 KB
Notes :
Grundlagen und Argumentationslinien des Aufsatzes ´Politische Öffentlichkeit. Ein system- und akteurstheoretischer Bestimmungsversuch“ von JÜRGEN GERHARDS´.304 KB


Abstract

1. Welcome to the Show? ,,Eine Regierung aber, die nur noch durch die öffentlichen Leibesübungen ihres Außenministers oder den staatsmännischen Blick des Kanzlers auffällt, versinkt vor lauter Gediegenheit leicht in langweiliger Routine." (Hartmut Palmer)1 Soweit eine Meinung zum Verhältnis von Politik und Öffentlichkeit, die sicherlich eine Vielzahl von Bürgern bejahen würden. Andere wiederum hielten entgegen, dass gerade die Unscheinbarkeit einer Regierung - gemäß dem Motto ,,No news is good news." - für ihre Fähigkeiten spricht, das Land auf (Erfolgs-) Kurs zu halten. Abseits aller Meinungen jedoch gibt es natürlich die wissenschaftliche Debatte darüber, inwieweit Politik in der Öffentlichkeit in Erscheinung treten sollte, wie stark beide verquickt werden dürfen, ja was Öffentlichkeit im Hinblick auf Politik eigentlich für eine Bedeutung besitzt. Ein aktiver Teilnehmer an dieser Debatte ist der Kultursoziologe Jürgen Gerhards, der mit seinem Aufsatz zur ,,politischen Öffentlichkeit" einen Erklärungsansatz für diesen - offensichtlich gesellschaftlich bedeutenden - Teil der Öffentlichkeit entworfen hat, welcher insofern äußerst interessant ist, da er sowohl mikro- als auch makroperspektivisch argumentiert und somit die ,,unsichtbare Schranke" zwischen beiden Denkrichtungen zum Zweck einer symbiotischen Verbindung überwindet. Die Gedanken hinter dieser Arbeit waren nun folgende: Von der Oberfläche des Gerhards'schen Aufsatzes über die politische Öffentlichkeit sollte sukzessive in die Tiefe gegangen und nach dessen Wurzeln gesucht werden. Die Arbeit selber stellt nun diese Suche in umgekehrter Reihenfolge dar. Die Basis bilden die zwei zentralen Theorien der Öffentlichkeit auf der einen und die zwei Haupttheorien gesellschaftlichen Handelns auf der anderen Seite. Aus letzteren wird auf einer Zwischenebene wiederum eine kombinierte System-/Akteurs-Theorie konstruiert, die dann zusammen mit der von Gerhards favorisierten Öffentlichkeitstheorie für einen ,,system- und akteurstheoretische[n] Bestimmungsversuch"2 politischer Öffentlichkeit verwendet wird. In einem abschließenden Kapitel wird der Aufsatz noch einmal einem Vergleich mit anderen Abhandlungen über das System Öffentlichkeit unterzogen. Ziel dieses Vorgehens soll es sein, die Hintergründe hinter diesem Aufsatz über die politische Öffentlichkeit kritisch zu beleuchten, um sowohl ein besseres Verständnis für die ,,Bausteine" des Ansatzes sowie die Vorgehensweise von Gerhards zu vermitteln als auch die Plausibilität der Argumentation zu prüfen. Ziel dieses Vorgehens soll es sein, die Hintergründe hinter diesem Aufsatz über die politische Öffentlichkeit kritisch zu beleuchten, um sowohl ein besseres Verständnis für die „Bausteine“ des Ansatzes sowie die Vorgehensweise von GERHARDS zu vermitteln als auch die Plausibilität der Argumentation zu prüfen. 1 Palmer, Hartmut: ,,Das Jahr der Schurken". in: Vertretung des Landes Rheinland-Pfalz beim Bund (Hrsg.): Rückblende 2000. Hamburg: Spiegel-Verlag, 2001. S. 4f. 2 Gerhards 1994, S. 77


Excerpt (computer-generated)

Von der Rationalität der Tagesschau

Grundlagen und Argumentationslinien des Aufsatzes
,,Politische Öffentlichkeit. Ein system- und akteurstheoretischer 
Bestimmungsversuch" von Jürgen Gerhards

Jena, den 27.05.2001

Friedrich-Schiller-Universität Jena
Bereich Medienwissenschaft
Lehrstuhl ,,Grundlagen der medialen Kommunikation
und der Medienwirkung"

von

Sebastian Götte

8. FS Medienwissenschaften (NF)

WS 2000/01

 

Inhaltsverzeichnis

1. Welcome to the Show? 3

2. Steckbrief Öffentlichkeit 4

3. Das Modell der diskursiv-republikanischen Öffentlichkeit 6

3.1. Die theoretische Anlage 6
3.2. Der Platz der diskursiv-republikanischen Öffentlichkeit 7
3.3. Die Funktion der diskursiv-republikanischen Öffentlichkeit 8
3.4. Die Merkmale der diskursiv-republikanischen Öffentlichkeit 8
3.5. Die Kritik am Konzept 9

4. Das Modell der liberalen Öffentlichkeit 11

4.1. Die theoretische Anlage 11
4.2. Der Platz der liberalen Öffentlichkeit 12
4.3. Die Regeln der liberalen Öffentlichkeit 13
4.4. Die Funktion der liberalen Öffentlichkeit 13
4.5. Die Kritik am Konzept 14
4.6. Gegenüberstellung von diskursiv-republikanischer und liberaler Öffentlichkeit 14

5. Akteur versus System: Theorien gesellschaftlichen Handelns 15

5.1. Die Theorie rationalen Handelns 15
5.2. Die Systemtheorie 17
5.3. Die funktional-strukturelle Systemtheorie 18

6. Akteur meets System: Ein kombinierter Handlungstheorieansatz 20

6.1. Über die Ursachen gesellschaftlicher Differenzierung 20
6.2. Zur Unterdeterminiertheit gesellschaftlichen Handelns 21
6.3. Das kombinierte Modell gesellschaftlicher Differenzierung 22

7. Politische Öffentlichkeit zwischen System- und Akteurstheorie 24

7.1. Öffentlichkeit als Teilsystem der Gesellschaft 25
7.2. Politik als Teilsystem der Gesellschaft 27
7.3. Politische Öffentlichkeit - Politik in der Öffentlichkeit 28
7.4. Auf den Punkt gebracht ... 30

8. Kein Pro ohne Contra 31

9. Got the Masterplan? 33

10. Bibliographie 34

Abbildungsverzeichnis

Abb. 3.1.: Modell der diskursiv-republikanischen Öffentlichkeit 5
Abb. 4.1.: Modell der liberalen Öffentlichkeit 10
Abb. 6.1.: Schimancks kombiniertes Modell gesellschaftlicher Differenzierung 21
Abb. 7.1.: Charakterisierung des Öffentlichkeitssystems 25
Abb. 7.2.: Charakterisierung des politischen Systems 26
Abb. 7.3.: Die Rationalität der politischen Öffentlichkeit 28

 

1. Welcome to the Show?

,,Eine Regierung aber, die nur noch durch die öffentlichen
Leibesübungen ihres Außenministers oder den staatsmännischen
Blick des Kanzlers auffällt, versinkt vor lauter Gediegenheit
leicht in langweiliger Routine."

(Hartmut Palmer)1

Soweit eine Meinung zum Verhältnis von Politik und Öffentlichkeit, die sicherlich eine Vielzahl von Bürgern bejahen würden. Andere wiederum hielten entgegen, dass gerade die Unscheinbarkeit einer Regierung - gemäß dem Motto ,,No news is good news." - für ihre Fähigkeiten spricht, das Land auf (Erfolgs-) Kurs zu halten.

Abseits aller Meinungen jedoch gibt es natürlich die wissenschaftliche Debatte darüber, inwieweit Politik in der Öffentlichkeit in Erscheinung treten sollte, wie stark beide verquickt werden dürfen, ja was Öffentlichkeit im Hinblick auf Politik eigentlich für eine Bedeutung besitzt.

Ein aktiver Teilnehmer an dieser Debatte ist der Kultursoziologe Jürgen Gerhards, der mit seinem Aufsatz zur ,,politischen Öffentlichkeit" einen Erklärungsansatz für diesen - offensichtlich gesellschaftlich bedeutenden - Teil der Öffentlichkeit entworfen hat, welcher insofern äußerst interessant ist, da er sowohl mikro- als auch makroperspektivisch argumentiert und somit die ,,unsichtbare Schranke" zwischen beiden Denkrichtungen zum Zweck einer symbiotischen Verbindung überwindet.
Die Gedanken hinter dieser Arbeit waren nun folgende: Von der Oberfläche des Gerhards′schen Aufsatzes über die politische Öffentlichkeit sollte sukzessive in die Tiefe gegangen und nach dessen Wurzeln gesucht werden. Die Arbeit selber stellt nun diese Suche in umgekehrter Reihenfolge dar. Die Basis bilden die zwei zentralen Theorien der Öffentlichkeit auf der einen und die zwei Haupttheorien gesellschaftlichen Handelns auf der anderen Seite. Aus letzteren wird auf einer Zwischenebene wiederum eine kombinierte System-/Akteurs-Theorie konstruiert, die dann zusammen mit der von Gerhards favorisierten Öffentlichkeitstheorie für einen ,,system- und akteurstheoretische[n] Bestimmungsversuch"2 politischer Öffentlichkeit verwendet wird. In einem abschließenden Kapitel wird der Aufsatz noch einmal einem Vergleich mit anderen Abhandlungen über das System Öffentlichkeit unterzogen.
Ziel dieses Vorgehens soll es sein, die Hintergründe hinter diesem Aufsatz über die politische Öffentlichkeit kritisch zu beleuchten, um sowohl ein besseres Verständnis für die ,,Bausteine" des Ansatzes sowie die Vorgehensweise von Gerhards zu vermitteln als auch die Plausibilität der Argumentation zu prüfen.

Ziel dieses Vorgehens soll es sein, die Hintergründe hinter diesem Aufsatz über die politische Öffentlichkeit kritisch zu beleuchten, um sowohl ein besseres Verständnis für die „Bausteine“ des Ansatzes sowie die Vorgehensweise von GERHARDS zu vermitteln als auch die Plausibilität der Argumentation zu prüfen.

2. Steckbrief Öffentlichkeit

„Je mehr Öffentlichkeit hergestellt wird, desto mehr
Sauerstoff wird in die Demokratie hineingepumpt.“

(Günter Wallraff)3

Öffentlichkeit ist „eine in ihrer historischen Ausprägung und wissenschaftlichen Interpretation uneinheitliche gesellschaftspolitische Kategorie, die im weitesten Sinn die Gesamtheit derjenigen Verhältnisse umfasst, in denen sich der gesellschaftliche Austausch und die Bildung öffentlicher Meinung abspielen.“4 Diese Definition, zu lesen auf den Seiten des Informationsportals WISSEN.DE, macht bereits deutlich, dass sich die Annäherung an ein präzises Konzept von Öffentlichkeit nicht ganz einfach gestalten dürfte. Hinzu kommt, dass der Begriff an sich noch relativ neuen Datums ist, was vor allem seiner Lage und Bedeutung in der Gesellschaft geschuldet ist.

Der Begriff der Öffentlichkeit ist fest in zwei zentrale Kontexte moderner Gesellschaften eingebettet: Demokratie und Politik. Das bedeutet gleichzeitig, dass Öffentlichkeit, so wie sie im folgenden verstanden werden soll, überwiegend in Staaten der „westlichen Welt“ zu finden ist.

Dort hat sie ihr Aufkommen im 18.Jh. dem Geist der Aufklärung zu verdanken, der unter anderem auch das Verhältnis von Privatem und nicht Privatem neu ordnete. So wurden z.B. Glaubens- und Gewissensfragen in die Privatsphäre verlagert5, während sich neue Themenfelder für öffentliche Diskussionen herausbildeten. In „Salons, Aristokratentreffs und Kaffeehausgesellschaften“6 entstanden Debatten über politische Probleme im allgemeinen und die Teilnahme größerer Kreise des Volkes an politischen Entscheidungsprozessen im besonderen. Vorerst beschränkte sich dieser Diskurs natürlich auf die Schichten des Bürgertums, breitete sich jedoch um den Anfang des 19.Jhs. von dort auch langsam in die „einfache“ Bevölkerung aus.

[...]


1 Palmer, Hartmut: ,,Das Jahr der Schurken". in: Vertretung des Landes Rheinland-Pfalz beim Bund (Hrsg.): Rückblende 2000. Hamburg: Spiegel-Verlag, 2001. S. 4f.

2 Gerhards 1994, S. 77

3 aus einem Interview mit Günter Wallraff in „Telepolis“. http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/2454/1.html. (06.09.1998)

4 http://www.wissen.de, Stichwort „Öffentlichkeit“

5 vgl. Sarcinelli (2000), S. 421

6 ebd.


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