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Subtitle: Das bankbezogene österreichische CEE-Exposure unter kritischer Analyse des „TripleA“
Textbook, 2009, 35 Pages
Author: Mag. Georg Schilling
Subject: Economics / Business: Banking, Stock Exchanges, Insurance, Accounting
Details
Institution/College: Vienna University of Economics and Business Administration
Year: 2009
Pages: 35
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-34135-1
ISBN (Book): 978-3-640-33719-4
Wissenschaftliche Offenlegung von (elementar-) stochastischen (Fehl-) Behauptungen betreffend die so genannte „an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit“ bei Bond-Ratings unter Tangierung der (medialen) Kontroverse zwischen Prof Dr. Paul KRUGMAN, Vizekanzler DI Josef PRÖLL, EZB-Ratsmitglied ÖNB-Gouverneur Prof Dr. Ewald NOWOTNY und WKO-Präsident Dr. Christoph LEITL
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Abstract
In der folgenden wissenschaftlichen Arbeit wir der Frage nachgegangen, was de facto das "TripleA"-Ratingsymbol mit der - so genannten - "an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit" (wie etwa von Rating-"Papst" Dr. Oliver EVERLING gebraucht) zu tun hat. Es wird - vor dem Hintergrund der CEE-Exposure österreichischer Banken, praxisbezogen untersucht, ob im Rahmen der besagten Wortfolge der - so genannten - "an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit - aus ratingprozess-praktischer,"sachverständiger" und kommunikations-"politischer" Perspektive faktisch-seriöser Argumentationsspielraum besteht.
Excerpt (computer-generated)
Wissenschaftliche Untersuchungen der Gegenwart der Finanzkrise
Österreich im Schatten des
Staatsbankrotts? Das bankbezogene
österreichische CEE-Exposure unter
kritischer Analyse des ,,TripleA"
Wissenschaftliche Offenlegung von (elementar-) stochastischen
(Fehl-) Behauptungen betreffend die so genannte ,,an Sicherheit
grenzende Wahrscheinlichkeit" bei Bond-Ratings unter Tangierung
der (medialen) Kontroverse zwischen Prof Dr Paul KRUGMAN,
Vizekanzler DI Josef PRÖLL, EZB-Ratsmitglied ÖNB-Gouverneur
Prof Dr Ewald NOWOTNY und WKO-Präsident Dr Christoph LEITL
Mag.rer.soc.oec. Georg Schilling
Zweck der Arbeit: Wissenschaftlich-praktische Behandlung der Frage
Wien, 20.5.2009
Georg Schilling
Verbandsverantwortlichkeit Abschied vom Schuldstrafrecht?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
1.1 Einführung (insbes aus lebensnaher, ö Perspektive) 3
1.2 Gang der Untersuchung 5
1.3 Die Worte ,,Wahrscheinlichkeit"; ferner ,,Sicherheit" 6
1.3.1 Das Wort ,,Wahrscheinlichkeit" in den Wirtschaftswissenschaften 6
1.3.2 Das Wort ,,Wahrscheinlichkeit" in der Umgangssprache 10
1.3.3 Das Wort ,,Wahrscheinlichkeit" in den Rechtswissenschaften 11
1.3.4 Das Wort ,,Sicherheit" in der Umgangssprache 12
1.3.5 Das Wort ,,Sicherheit" in der Wissenschaft 13
1.3.6 Das so genannte ,,Ratingsymbol" des ,,Triple A" 14
1.3.7 Die Worte von EVERLING zum ,,Triple A" auf seiner HP 17
1.3.8 EVERLING zum ,,Triple A" auf DEUTSCHLANDRADIO 18
1.3.9 EVERLING in ACHLEITNER/EVERLING/NIGGEMANN 18
1.3.10
Die ,,Newsletter"-Worte von EVERLING anno 2002 19
1.3.11
Die Worte von EVERLING in KIENBAUM/BÖRNER 20
1.3.12
Die Wortfolge im ,,Rating"-Kontext von SCHNEIDER et al 20
1.3.13
Die Wortfolge im ,,Rating"-Kontext des [d]BVRA 22
1.3.14
Die Worte von TRIEU iZm dem Deutsche Post Bank AG - Rating . 22
1.3.15
Die Worte von KNEPEL auf der HP der BANKINGCLUB GmbH 23
1.3.16
SCHUMANN iRd Firmenkunden-Rating iZm ,,Basel II" 23
1.3.17
Die Behauptungen der TECH DATA 24
1.3.18
Implikationen für die (,,Rating"-,,Prozess"-)Praxis ? 25
1.4 Zusammenfassung und skeptisch-ambivalenter Ausblick 27
2
Georg Schilling
Verbandsverantwortlichkeit Abschied vom Schuldstrafrecht?
1 Einleitung
1.1
Einführung (insbes aus lebensnaher, ö Perspektive)
Die jüngste Kontroverse1 zwischen Wirtschaftsnobelpreisträger Prof Dr Paul Robin
KRUGMAN2 sowie zwischen dem ö Vizekanzler und ö Finanzminister DI Josef
PRÖLL3 im Kontext ,,der" Wirtschafts-Krise(n) und des so genannten
,,Ost(europa)risikos"4 (mancher ö Banken, wobei die Dimension dieses sog ,,
CEE-
Exposure
" zT kontroversiell5 betrachtet wird) sowie die Aussagen von WKO-
1 Siehe hierzu ua etwa HÖLLER auf der Online-Version der FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND
(http://www.ftd.de/politik/europa/:Star%F6konom-unter-Beschuss-Krugman-erz%FCrnt-%D6sterreich-
mit-Pleitethese/500919.html, ,,Starökonom unter Beschuss Krugman erzürnt Österreich mit Pleite-
These, Abrufdatum 21.4.2009), ferner etwa EVANS-PRITCHARD am 16.4. 2009 auf der Online-Version
des TELEGRAPH http://www.telegraph.co.uk/finance/newsbysector/banksandfinance/5165814/Austria-
alleges-economic-warfare-after-Krugman-comments.html, ,,Austria alleges ,economic warfare` after
Krugman comments", Abrufdatum 21.4.2009), fernerhin etwa HÄMMERLI in der Online-Version des
SPIEGEL vom 16.4.2009, http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,619411,00.html, ,,Starökonom
Krugmann [erg: wohl gemeint: KRUGMAN] Österreich wehrt sich gegen Bankrott-Warnung",
Abrufdatum 21.4.2009), siehe ferner HÄMMERLI am 16.4.2009 in der Online-Version des MANAGER
MAGAZIN (http://www.manager-magazin.de/geld/artikel/0,2828,619304,00.html, ,,Paul Krugman
Droht Österreich der Staatsbankrott ?", Abrufdatum 21.4.2009).
2 Siehe hierzu ua WURZ am 14.5. 2009 in THE VIENNA RIEVIEW
(http://www.viennareview.net/story/02565-krugman-vs-austria , ,,Krugman vs. Austria", Abrufdatum
20.5.2009), ferner etwa MENZEL auf der HP des HANDELSBLATTES
(http://www.handelsblatt.com/politik/international/oesterreich-schiesst-scharf-gegen-krugman;2241289 ,
,,Staatsbankrott: Österreich schießt scharf gegen Krugman", Abrufdatum 19.5.2009), ferner siehe etwa
BAUERNEBEL (http://www.oe24.at/wirtschaft/Oesterreich_droht_der_Staatsbankrott___0451644.ece ,
,,Nobelpreisträger: Österreich droht Staatsbankrott", Abrufdatum 10.5.2009). Zum Blog Prof Dr
KRUGMANs siehe auf der HP der NEW YORK TIMES
(http://krugman.blogs.nytimes.com/2009/04/15/austria/?apage=4#comment-167339 , ,,The Conscience of
a Liberal", Abrufdatum 1.5.2009).
3 Zu PRÖLL und Fragen des ,,Ratings" von Ö siehe ua auch SCHELLHORN in der Online-Version
der PRESSE vom 20.2.2009 (http://diepresse.com/text/home/wirtschaft/international/454570, ,,Josef Pröll
auf dem ,,Catwalk" der Ratingagenturen", Abrufdatum 15.4.2009).
4 Siehe hierzu ua SCHRAGL, die am 4.3.2009 in indirekter Rede KLAR wiedergebend auf der
Homepage des BÖRSE EXPRESS ua formuliert: ,,Das grösste Risiko liege sicher im Engagement in
CEE.", (vgl hierzu http://www.boerse-express.com/pages/753065 , ,,Fitch Ratings bestätigt Österreichs
,,AAA"-Rating", Abrufdatum 28.4.2009).
5 Siehe hierzu etwa HAIDER/WEITMAYR auf der HP des WIRTSCHAFTSBLATTES vom
20.4.2009, (http://www.wirtschaftsblatt.at/archiv/371074/index.do, ,,Nach historischer Rally droht
historischer Absturz", Abrufdatum 5.5.2009), aA soweit ersichtlich etwa WALLNER im Rahmen
eines sog ,,Brief Review" der INDUSTRIELLENVEREINIGUNG
3
Georg Schilling
Verbandsverantwortlichkeit Abschied vom Schuldstrafrecht?
Präsident Dr. Christoph LEITL6, fernerhin die Worte von ÖNB-Gouverneur und EZB-
Ratsmitglied Prof. Dr. Ewald NOWOTNY7, belegen (implizit) im Kontext der Frage
eines sog (ö8)
Staatsbankrottes
9 - ua auch die Bedeutung eines ,,Rating"10 (zu Deutsch:
Klassifizieren, Einstufen, Benoten)11, etwa von ,,Ratings" von Anleihen12 (,,Bonds"13),
ua Staatsanleihen.14 Ö hat so wie ,,derzeit" auch D - momentan ,,bekanntermaßen" ein
so genanntes ,,Triple A" Rating15. Die folgende Arbeit untersucht den Gebrauch des so
6 Siehe hierzu ua WURZ am 14.5. 2009 in THE VIENNA RIEVIEW
(http://www.viennareview.net/story/02565-krugman-vs-austria , ,,Krugman vs. Austria", Abrufdatum
20.5.2009).
7 Siehe hierzu ua etwa ORF ONLINE (http://www.orf.at/090415-
37272/?href=http%3A%2F%2Fwww.orf.at%2F090415-37272%2F37273txt_story.html , ,,Pröll: Neid auf
Ostengagement", Abrufdatum 20.5.2009), ferner etwa KARNER auf der HP des sog
FÖHRENBERGKREISES FINANZWIRTSCHAFT,
(http://fbkfinanzwirtschaft.wordpress.com/2009/04/15/nowotny-widerspricht-vehement-aber-vergisst-
manche-fakten/ , ,,Nowotny widerspricht Krugman verhement aber vergisst manche Fakten",
Abrufdatum 19.5.2009), siehe des weiteren etwa GUTLEDERER/MITTWOLLEN auf der HP von
REUTERS DEUTSCHLAND (http://de.reuters.com/article/deEuroRpt/idDELE63738020090414 ,
,,OeNB weist Aussagen Krugmans über Staatsbankrott zurück", Abrufdatum 15.5.2009).
8 Generell kann vermerkt werden, dass
Ö
anno 1811 bankrott war;
D
war 1923 und 1948
zahlungsunfähig; Dänemark etwa um ein weiteres Bsp anzuführen 1813; Argentinien etwa
bekanntermaßen anno 2002.
9 Siehe hierzu gleichwohl nicht en detail etwa KOLERUS in GELD-MAGAZIN 200). 8f.
10 Zur Bedeutung des Wortes siehe ua EVERLING/SCHNECK 2004: 87; ferner etwa HERRLING
1998: 135, wobei konstruktiv-kritisch festzuhalten ist, dass HERRLING im Rahmen seiner ,,Erklärung"
,,des" Wortes ,,Rating" nicht (ganz grds) zwischen verschiedenen Bedeutungsakzenten des Rating klar
differenziert, ja überhaupt darauf den Leser/die Leserin aufmerksam macht, ganz zu schweigen davon,
dass einerseits seine Rating-,,Definition" (die ua auf den Begriff ,,der" so genannten ,,
Bonität
" verweist)
nicht zwischen unterschiedlichen ,,Bonitäts"-Verständnissen im Rahmen seiner Erläuterung ,,der"
(vermeintlich (!) einzigen!) Bedeutung des Wortes ,,Rating" (klar und deutlich) hinweist, andererseits der
Autor mit keinem einzigen Wort darauf hinweist (oder zumindest andeutet!), dass ein ,,Rating" nicht stets
von so genannten ,,Rating-Agenturen" vorgenommen werden muss.
11 Das Wort ,,raten" und ,,Rating" klingt allerdings typischerweise für viele Sprecher/innen wesentlich
,,besser", ,,wichtiger" und ,,bedeutender".
12 STEINER/BRUNS 2007: 192 halten iZm Anleihen ua fest: ,,Bei Anleihen, die die höchste
Ratingnote aufweisen, spricht man von Triple A Papieren. Bis hin zu den Noten Baa3 bei
Moody′s
und
BBB bei
S&P
und
Fitch
wird den Anleihen eine Investmentqualität (Investment Grade) bescheinigt."
13 Der Autor dankt ua Herrn Prof Dr Otto DROSG für die Bereitschaft zum wissenschaftlichen,
lebensnahen und praxisbezogenen Diskurs und spricht fernerhin ua seinen Dank aus Herrn Prof Dr
Wolfgang OBENAUS sowie fernerhin ua auch Herrn Mag. Michael RAAB, M.A. insbesondere
dahingehend, das Interesse im Zuge der Lehrveranstaltungen zur Thematik ,,Rating" sowie ,,Triple A"
(deroeinst) im ,,Kern" (mit-)geweckt zu haben.
14 Zu einem Verständnis von Anleihen im Kontext der so genannten ,,öffentlichen Verschuldung"
siehe ua NOWOTNY/ZAGLER 2009: 488, ferner etwa ZIMMERMANN/HENKE 2001: 176.
15 Siehe hierzu ua SCHRAGL am 4.3.2009 auf der Homepage des BÖRSE EXPRESS
(http://www.boerse-express.com/pages/753065 , ,,Fitch Ratings bestätigt Österreichs ,,AAA"-Rating",
Abrufdatum 28.4.2009).
4
Georg Schilling
Verbandsverantwortlichkeit Abschied vom Schuldstrafrecht?
genannten ,,
Triple A
" welches ua auch nicht zuletzt für D oder Ö16 (sehr) von
Bedeutung ist - im Rahmen von so genannten (externen) ,,Ratings"17 im Zuge von so
genannten ,,Rating-Verfahren"18 durch so genannte Rating-Agenturen19 wie ua
STANDARD & POOR′S CORPORATION (kurz: S& P′S), MOODY′S INVESTORS
SERVICE (kurz: MOODY′S), FITCH (AMR; kurz: FITCH)20, MERILL LYNCH21
oder etwa EURORATINGS.
1.2
Gang der Untersuchung
Im Folgenden wird ein kurzer historischer Abriss der Stochastik vorgenommen, in
welchem bereits die Kernproblematik dargelegt wird. Unterschiede zu
umgangssprachlichen ,,Sprachspielen" werden klar dargelegt. Sodann wird der
Missbrauch dieser Wortfolge im Rahmen des Ratings, ua von Staatsanleihen dargelegt.
Hierbei wird insbesondere auf Aussagen ua von EVERLING eingegangen. Es wird
insbesondere untersucht, wie die Bedeutung des Rating-Symbols ,,AAA" von mehreren
Autoren zT unterschiedlich erklärt wird. Diese zT gewagten Unterstellungen und zT
16 Siehe hierzu ua SUSTALA in der Online-Version des STANDARD vom 20.4.2009,
http://derstandard.at/?url=/?id=1237229962168 , ,,Österreich ,,könnte AAA-Note verlieren"",
Abrufdatum 21.4.2009).
17 OLFERT/REICHEL 2008: 284 halten fest: ,,Rating ist eine Form der Kreditwürdigkeitsprüfung, die
in den USA um die Jahrhundertwende entstanden ist (Moody′s um 1900, Standard & Poor′s 1916). Es
überprüft die Ausfallwahrscheinlichkeit eines Kredits, wobei das Ergebnis dieser Überprüfung in einer
Note zusammengefasst wird."
18 Zu den (zT unterschiedlichen) so genannten Rating-Verfahren siehe ua nicht zuletzt
DIMITRAKOPOULOS/SPAHR in ACHLEITNER/EVERLING 2004: 213f.
19 Hinzuweisen ist in diesem Kontext ua, dass der ö Vizekanzler und Finanzminister DI PRÖLL unter
anderem in einem Interview mit PÜHRINGER in der Online-Version des Magazins FORMAT vom
17.4.2009 (auf Seite 17) festhält, dass es bedauerlich sei, dass es ,,abseits der Rating-Agenturen leider
keine Instrumente der Einschätzungen für die Finanzmärkte gibt." (vgl.
http://www.format.at/articles/0916/524/239499/josef-proell-interview-rating-agenturen-rate-agenturen ,
,,Josef Pröll im Interview: Rating-Agenturen sollten besser Rate-Agenturen heißen", Abrufdatum
20.4.2009). ACHLEITNER (2001: 525) formuliert ua, dass Rating-Agenturen ,,mit Hilfe von
Qualitätsstufen von AAA bis D die Erwartungswerte der Verluste" bewerten würden. Dazu ist sachlich-
kritisch zu vermerken, dass ,,AAA" lediglich eine (!) Art der symbolischen Darstellungen ist, die nicht
jede Rating-Agentur heranzieht. In dieser generellen Formulierung ist ACHLEITNER sohin inkorrekt,
was sie auch selber (ACHLEITNER 2001: 550) in Gestalt der Abbildung 15 (Rating-Skala von Standard
& Poor′s und Moody′s) belegt. Kurz: Die Autorin widerspricht sich zT selber (!). Zur Aufgabe von
Rating-Agenturen siehe ua (obschon sehr knapp, gleichwohl zT treffend und igZ im Ergebnis prägnant)
AHRENS 2006: 61: ,,Die Ratingagenturen bewerten bei Anleihen va die Wahrscheinlichkeit [sic!] für die
Zahlung der Zinsen und Rückzahlung des Kapitals."
20 MaW: FITCH Asset Management Ratings.
21 Ferner werden ua eventuell genannt werden können: ENF (Euronation France, Paris) oder CPR
(Companhia Portugesa de Rating S.A: Lissabon).
5
Georg Schilling
Verbandsverantwortlichkeit Abschied vom Schuldstrafrecht?
aus seriöser Perspektive - ,wissenschaftlich und lebensnah betrachtet, unhaltbaren
Fehlbehauptungen werden einer nüchternen, sachlichen, praxisbezogenen und
wissenschaftlichen Analyse unterzogen.
1.3
Die Worte ,,Wahrscheinlichkeit"; ferner ,,Sicherheit"
1.3.1 Das Wort ,,Wahrscheinlichkeit" in den Wirtschaftswissenschaften
Zu vermerken ist ferner Folgendes: In den Wirtschaftswissenschaften22 - existiert
iRd sog ,,
Entscheidungstheorie
23" im Zuge von sog ,,Entscheidungsproblemen unter
Unsicherheit
24"-, das Wort ,,Wahrscheinlichkeit25" (zahlreiche AutorInnen26
unterscheiden zwischen ,,der" sog objektiven Wahrscheinlichkeit27 bzw. sog
objektiven
22 NEUS (2005: 37) hält dazu fest: ,,Für ökonomisch relevante Entscheidungen lassen sich
objektive
Wahrscheinlichkeiten
(wie die Wahrscheinlichkeit von je 1/37 für eine der ganzen Zahlen von 0 bis 36
beim Roulette) gewöhnlich nicht angeben." NEUS führt allerdings weiter aus, existierende
,,Informationen" über ,,Zukunftsentwicklungen" [sic!] könne man so NEUS ,,jedoch in
subjektiven
Abschätzungen
" [sic!] wie NEUS formuliert ,,umsetzen" [sic!].
23 Vgl diesbzgl ua etwa SCHNECK 1993: 631, der vermerkt: ,,Die Wahrscheinlichkeiten sind
insbesondere in der Entscheidungstheorie (Risikosituation) von Bedeutung."
24 SCHWARZE (1997: 27) etwa vermerkt, dass ,,im Zusammenhang mit Entscheidungsproblemen
unter Unsicherheit häufig der Begriff der
subjektiven Wahrscheinlichkeit
", die im Folgenden im
Rahmen dieser Arbeit näher behandelt wird, ,,auftauchen" würde.
25 Hinzuweisen ist, dass aus wissenschaftlicher Sicht, etwa auf dem Boden der Wissenschaftstheorie
aber auch auf jenem etwa der betriebswirtschaftlichen Teildisziplin der Investitionsrechnung, wie etwa
KRUSCHWITZ (1995: 251-252) dies festhält, ,,verschiedene miteinander konkurrierende Wahr-
scheinlichkeitsinterpretationen" existieren, ,,va" sei die Unterscheidung zwischen ,,
objektiver
Wahrscheinlichkeit
" und ,,
subjektiver Wahrscheinlichkeit
" nennenswert. LOISTL (1994: 97) etwa
deutet diese Kontroverse auch an, indem er (ua) von einer ,,Diskussion über Inhalte des
Wahrscheinlichkeits-Begriffs" schreibt. Was die sog ,,subjektive Wahrscheinlichkeit(sdefinition)"
anbetrifft, so wird etwa mit BLEYMÜLLER/GEHLERT/GÜLICHER (2008: 28) vermerkt: ,,In vielen
Fällen, beispielsweise bei Entscheidungssituationen im Wirtschaftsleben, lassen sich
Wahrscheinlichkeiten weder unter Verwendung der klassischen noch unter Zuhilfenahme der statistischen
Wahrscheinlichkeitsdefinition bestimmen." Man müsse sich dann so
BLEYMÜLLER/GEHLERT/GÜLICHER (2008: 28) ,,sogenannter subjektiver Wahrscheinlichkeiten"
bedienen. Ferner halten RASCH/HERRENDÖRFER/BOCK/GUIARD (1996: 30) ua fest: ,,[...]Will man
vor dem Versuch eine a priori-Wahrscheinlichkeit angeben oder ohne Versuch die Wahrscheinlichkeit
ermitteln, so kann man versuchen, den Überzeugtheitsgrad [sic!] zu quantifizieren." Festzuhalten ist, dass
letztlich allerdings - entgegen dem oben genannten Artenspektrum zufolge DROSG das entscheidende
Kriterium für alle (!) Arten von Wahrscheinlichkeit Folgendes ist: die Unterscheidung zwischen sog
theoretischer Wahrscheinlichkeit
einerseits gegenüber sog praktischer
Wahrscheinlichkeit
andererseits (private Mitteilung von Prof Dr. Otto DROSG vom 18.3.2009).
26 Vgl etwa RÜGER (1999: 120f).
27 RÜGER (1999: 120) etwa verweist darauf, dass es die ,,objektive Wahrscheinlichkeit" in wie er
schreibt ,,drei Versionen" gäbe: ,,als klassische (a priori) Wahrscheinlichkeit, als frequentistische (a
posteriori) Wahrscheinlichkeit und als logische Wahrscheinlichkeit.
6
Georg Schilling
Verbandsverantwortlichkeit Abschied vom Schuldstrafrecht?
Wahrscheinlichkeiten28 - nicht zuletzt die, auf dem Gedanken der
Symmetrie
29
fußende, mit dem sog ,,
Gesetz des zwingenden Grundes
"30 und dem sog ,,
Prinzip
vom unzureichenden Grund
"31 in (enge) Verbindung gebrachte sog ,,
klassische
"
Wahrscheinlichkeit32 (auch ,,Wahrscheinlichkeit nach Laplace"33, ,,Laplace′sche
Wahrscheinlichkeit[sdefinition]"34 oder sog ,,logische Wahrscheinlichkeit"35 genannt,
28 RÜGER (1999: 120) etwa verweist darauf, dass es ,,drei Versionen" der sog ,,objektiven
Wahrscheinlichkeit" gebe: die sog ,,klassische" (a priori) Wahrscheinlichkeit, die sog ,,frequentistische"
(a posteriori) Wahrscheinlichkeit" sowie die sog ,,logische" Wahrscheinlichkeit. Zur sog ,,klassischen
Definition der Wahrscheinlichkeit" siehe ua ZÖFEL (2003: 19).
29 MISES (1951: 85) etwa, will (erfolglos) die Vertreter der sog ,,a priori-Auffassung" widerlegen und
sie zu seiner wissenschaftlich unhaltbaren - Behauptung überreden, was ihm keinesfalls gelingt, wenn
er schreibt: ,,Wenn man einmal einen Vertreter der a priori-Auffassung zu einer deutlichen Erklärung
zwingt, was er eigentlich unter der vollkommenen Homogenität versteht, so beschränkt er sich schließlich
auf die Forderung, daß der Schwerpunkt des Körpers mit dem geometrischen Mittelpunkt
zusammenfallen muß und falls der Befragte über genügende Kenntnis der Mechanik verfügt daß die
Trägheitsmomente für die zwölf Kanten als Drehachsen gleich [sic!] sein sollen": Das Wort ,,gleich" sagt
überhaupt nichts aus. Was heißt ,,gleich"? MISES müsste sagen, dass es z.B. auf ein ppm (part per
million) genau muss. KEEL (1992: 8) stellt etwa klar, dass betreffend die sog ,,klassische"
Wahrscheinlichkeit eine sog ,,faire (symmetrische) Münze" zu werfen ist. Er stellt fernerhin klar, dass das
vorgenommene Zufallsexperiment auf der sog ,,
Gleich
wahrscheinlichkeit" basiert: ,,Die
Versuchsanordnung (faire Münze) gibt" so KEEL (1992:8) ,,keinen Anlass, einen der möglichen
Ausgänge [maW: den Ausgang ,,Kopf" oder den Ausgang ,,Zahl" bei Werfen der sog ,,symmetrischen"
Münze] zu bevorzugen." RÜGER 1999: 120 hält fest, dass es um ,,Symmetrieeigenschaften des
betreffenden Zufallsexperiments" iZm der sog ,,klassischen" Wahrscheinlichkeit gehe.
30 Siehe hierzu ua DILLMANN (1990: 1).
31 Diese ,,Prinzip" bestehe zufolge LEINER (2004: 73) in Folgendem: ,,(man hat dann keinen
zureichenden Grund, dem Ereignis z.B. eine größere Chance zuzumessen)". RÜGER 1999: 123 vermerkt
in diesem Kontext: ,,Dabei wird die Anwendung des Prinzips vom unzureichenden Grund entweder durch
Symmetrieeigenschaften (klassische Wahrscheinlichkeit), als logische Prämisse (logische
Wahrscheinlichkeit) oder in Form subjektiven Vorwissens (subjektive Wahrscheinlichkeit)
gerechtfertigt." DILLMANN 1990: 7 vermerkt iZm dem sog ,,Prinzip vom unzureichenden Grund":
,,Dabei bedeutet ,,unzureichender Grund", daß keine Gründe für die Begründung der Behauptung
unterschiedlicher Plausibilität der endlich vielen verschiedenen Alternativen vorliegen, weshalb
Gleichverteilung als vernünftigste [sic!] Annahme angesehen wird."
32 Zur sog ,,klassischen" Wahrscheinlichkeit siehe ua KEEL (1992:8), BOSCH (1997: 302),
HEINRICH (2006: 219), ZEIDLER (1996: 1020f), ZÖFEL (2003: 18-19),
SCHAICH/EBERHARD/KÖHLE/SCHWEITZER/WEGNER (1993: 19f), STOYAN (1993: 90). Verfehlt
ist in diesem Zusammenhang etwa der (vermeintliche) ,,Einwand" etwa von SPIEGEL/STEPHENS
(2003: 161) gegen diese Wahrscheinlichkeit(sdefinition).
33 Vergleiche diesbezüglich etwa BIERMANN/GROSSER (1999: 194). Meist wird diese
Wahrscheinlichkeitsdefinition anhand eines idealisierten (!), perfekt (!) symmetrischen Würfels erläutert.
Verfehlt ist hingegen etwa das Wort von VOLKART 2008: 211, der vermerkt: ,,Häufig sind
Wahrscheinlichkeiten nicht objektiv quantifizierbar (wie es zum Beispiel bei wiederholtem Würfeln mit
einem Würfel möglich ist, wo die Wahrscheinlichkeit eine bestimmte Augenzahl zu erzielen, bei gegen
unendlich [sic!] strebenden Versuchen genau bei 1/6 liegt), sondern es lassen sich lediglich so genannte
subjektive Wahrscheinlichkeiten annehmen."
34 So etwa EPELT/HARTUNG (2004: 24-25).
35 So etwa MEISSNER (2004: 228).
7
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