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Möglichkeiten und Grenzen der Gesundheitserziehung im Schulsport

Scholary Paper (Seminar), 2006, 23 Pages
Author: Christine Beier
Subject: Sport - Sport Pedagogy, Didactics

Details

Institution/College: University of Marburg
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2006
Pages: 23
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V128800
ISBN (E-book): 978-3-640-34598-4
ISBN (Book): 978-3-640-34664-6
Notes :
Es handelte sich bei der Arbeit um eine sog. "Zulassungsarbeit"; an der Marburger Uni war es verpflichtend, solch eine Arbeit in Pädagogik zu schreiben, bevor man sich zum Examen meldet, diese Arbeit war aber NICHT die EXAMENSARBEIT.


Abstract

Was ist eigentlich Gesundheit? Was ist gesund? Wie stehen Gesundheit und Schule zueinander? In dieser Arbeit soll es um eine Auseinandersetzung mit diesen und ähnlichen Fragen gehen. Dabei soll die Annäherung zunächst auch über die nähere Betrachtung von Meinungen geschehen, die in der Gesellschaft weit verbreitet sind, jedoch teilweise jeglicher Grundlage entbehren. Kann man zum Beispiel grundsätzlich annehmen, dass Sport gesund sei? Haben wir es in der Schule tatsächlich mit lauter unsportlichen, übergewichtigen und deshalb kranken Kindern zu tun? Glaubt man vielen Darstellungen in den Medien, so kann fast kein Zweifel entstehen, dass dies so ist. Hier soll dieses Thema jedoch ein wenig differenzierter untersucht werden. Zu Beginn der Arbeit wird der Frage „Was ist Gesundheit“ nachgegangen. Dabei wird unter anderem ein Augenmerk darauf gerichtet, was die WHO zu einer Definition von Gesundheit beigetragen hat. Daran schließt sich eine Erläuterung zweier grundsätzlich zu unterscheidenden Gesundheitsmodelle an. Es geht dabei um das Risikofaktorenmodell und das Salutogenese-Modell. Im Anschluss daran folgt eine Diskussion, welchen Beitrag der Sportunterricht zu einer Gesundheitserziehung überhaupt leisten kann. Er bietet zum einen viele Möglichkeiten, die Gesundheit der Kinder zu fördern und die Schüler für die Bedeutung von Gesundheit zu sensibilisieren. Zum anderen läuft man jedoch schnell Gefahr, den Sportunterricht zu überfordern und die Bewegung als reines Mittel zum Zweck herabzustufen. Zu dieser Diskussion haben besonders BALZ (1990, 1995) und BRODTMANN (1984, 1998) einen großen Beitrag geleistet. Folglich werden ihre Ansätze im dritten Kapitel ausführlich dargestellt. Dabei handelt es sich zum einen um das Diätetik-Modell von Balz und zum anderen um Brodtmanns Vorstellungen, wie sich das Salutogenese-Modell im Schulsport anwenden ließe. Anschließend soll untersucht werden, wie begründet die weit verbreitete Annahme der „Dyade von Sport und Gesundheit“ (BALZ 1992, 257) ist. Dabei wird ein Augenmerk auf die Frage gerichtet, welche Art von Bewegung überhaupt die Gesundheit fördern kann und deshalb in den Sportunterricht integriert werden sollte. Welche Kriterien können in diesem Zusammenhang herangezogen werden? Dies bildet den Abschluss der Arbeit.


Excerpt (computer-generated)

Philipps-Universität Marburg

Institut für Sportwissenschaft und Motologie

SE Bewegung und Gesundheit

WS 2002/03

Zulassungsarbeit im Bereich Fachdidaktik Sport:

Möglichkeiten und Grenzen der Gesund-

heitserziehung im Schulsport

Christine Beier

Lehramt für Gymnasien

11. Semester

Sport und Deutsch

Abgabetermin: 20.02.2006


INHALT

1

EINLEITUNG 3

2

WAS IST GESUNDHEIT? 4

2.1

Das Risikofaktoren-Modell 6

2.2

Das Salutogenese-Modell nach Antonovsky 7

3

MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN DER GESUNDHEITSERZIEHUNG

IM SCHULSPORT 9

3.1

Diätetische Gesundheitserziehung nach Balz 11

3.2

Das angewandte Salutogenese-Modell im Schulsport nach

Brodtmann 13

3.3

Bewegung = Gesundheit? 17

4

FAZIT 18

LITERATURVERZEICHNIS 21

2


1

Einleitung

,,Denn eine Gesundheit an sich gibt es nicht, und alle Versuche ein Ding
derart zu definieren sind kläglich missraten. Es kommt auf dein Ziel, deinen
Horizont, deine Antriebe, deine Irrtümer und namentlich auf die Ideale und
Phantasmen deiner Seele an, um zu bestimmen, was selbst für deinen Leib
Gesundheit zu bedeuten habe. Somit gibt es unzählige Gesundheiten deines
Lebens."

Friedrich Nietzsche (1844-1900)

Dieses Zitat von Nietzsche soll direkt zu Beginn dieser Arbeit auf die Schwierigkei-

ten hinweisen, die mit einer Definition des Begriffs

Gesundheit

verbunden sind.

Was ist eigentlich Gesundheit? Was ist gesund? Wie stehen Gesundheit und

Schule zueinander? In dieser Arbeit soll es um eine Auseinandersetzung mit die-

sen und ähnlichen Fragen gehen. Dabei soll die Annäherung zunächst auch über

die nähere Betrachtung von Meinungen geschehen, die in der Gesellschaft weit

verbreitet sind, jedoch teilweise jeglicher Grundlage entbehren. Kann man zum

Beispiel grundsätzlich annehmen, dass Sport gesund sei? Haben wir es in der

Schule tatsächlich mit lauter unsportlichen, übergewichtigen und deshalb kranken

Kindern zu tun? Glaubt man vielen Darstellungen in den Medien, so kann fast kein

Zweifel entstehen, dass dies so ist. Hier soll dieses Thema jedoch ein wenig diffe-

renzierter untersucht werden.

Zu Beginn der Arbeit wird der Frage ,,Was ist Gesundheit" nachgegangen. Dabei

wird unter anderem ein Augenmerk darauf gerichtet, was die WHO zu einer Defini-

tion von Gesundheit beigetragen hat. Daran schließt sich eine Erläuterung zweier

grundsätzlich zu unterscheidenden Gesundheitsmodelle an. Es geht dabei um das

Risikofaktorenmodell und das Salutogenese-Modell. Im Anschluss daran folgt eine

Diskussion, welchen Beitrag der Sportunterricht zu einer Gesundheitserziehung

überhaupt leisten kann. Er bietet zum einen viele Möglichkeiten, die Gesundheit

der Kinder zu fördern und die Schüler für die Bedeutung von Gesundheit zu sensi-

bilisieren. Zum anderen läuft man jedoch schnell Gefahr, den Sportunterricht zu

überfordern und die Bewegung als reines Mittel zum Zweck herabzustufen. Zu

dieser Diskussion haben besonders BALZ (1990, 1995) und BRODTMANN (1984,

1998) einen großen Beitrag geleistet. Folglich werden ihre Ansätze im dritten Kapi-

tel ausführlich dargestellt. Dabei handelt es sich zum einen um das Diätetik-Modell

3


von Balz und zum anderen um Brodtmanns Vorstellungen, wie sich das Salutoge-

nese-Modell im Schulsport anwenden ließe.

Anschließend soll untersucht werden, wie begründet die weit verbreitete Annahme

der ,,Dyade von Sport und Gesundheit" (BALZ 1992, 257) ist. Dabei wird ein Au-

genmerk auf die Frage gerichtet, welche Art von Bewegung überhaupt die Ge-

sundheit fördern kann und deshalb in den Sportunterricht integriert werden sollte.

Welche Kriterien können in diesem Zusammenhang herangezogen werden? Dies

bildet den Abschluss der Arbeit.

2

Was ist Gesundheit?

Die wohl bekannteste Definition von Gesundheit stammt von der WHO, der Welt-

gesundheitsorganisation, aus dem Jahr 1948 (WULFHORST 2002, 20). Sie definiert

Gesundheit wie folgt:

Gesundheit ist der Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen
und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit
und Gebrechen.

An dieser Definition der WHO ist zahlreiche Kritik geübt worden. Insbesondere

wurde der utopische Charakter kritisiert, denn ein vollkommener Gesundheitszu-

stand sei unrealistisch. Zudem wurde kritisch angemerkt, dass mit der Hervorhe-

bung des Zustandes der statische Charakter von Gesundheit überbetont werde.

Auch die Überakzentuierung der subjektiven Sicht und die Vernachlässigung des

objektiven Gesundheitsgeschehens wurden bemängelt (vgl. WULFHORST 2002, S.

21).

Es existieren noch zahlreiche andere Definitionen von Gesundheit. Bei KOLIP/

HURRELMANN/ SCHNABEL

(1995, 7) wird Gesundheit

als ein Gleichgewicht verstanden, als der Zustand des objektiven und
des subjektiven Befindens einer Person, der dann gegeben ist, wenn
diese Person sich in den physischen und sozialen Bereichen ihrer
Entwicklung in Einklang mit den eigenen Möglichkeiten und Zielvorstel-
lungen und auch im Einklang mit den gegebenen äußeren Lebensbe-
dingungen befindet. Die Gesundheit ist beeinträchtigt, wenn sich in ei-
nem oder in mehreren dieser Bereiche Anforderungen ergeben, die
von der Person nicht erfüllt und nicht bewältigt werden können. (...)
Gesundheit ist demnach ein Balancezustand, der zu jedem lebensge-
schichtlichen Zeitpunkt immer erneut hergestellt werden muss.

Nach dieser Definition von KOLIP/ HURRELMANN/ SCHNABEL wird Gesundheit nicht

als passiv und statisch definiert, sondern als Aufgabe der Herstellung und Erhal-

4


tung eines Gleichgewichts zwischen der eigenen Entwicklung und den eigenen

Zielen einerseits und den Bedingungen des Lebens andererseits. Die dem Subjekt

abverlangten Eigenleistung der Integration von Wunsch und Realisierbarkeit kann,

wenn sie gelingt, zur Gesundheit führen. Insgesamt lässt sich feststellen, dass

ältere Definitionen sich mehr an körperlichen Dimensionen von Gesundheit orien-

tieren. KÜPPER/ KOTTMANN (2001, 237) ziehen einen Wörterbucheintrag von 1968

heran, in dem WAHRIG unter

gesund

versteht, dass man ,,frei von Krankheit, leis-

tungsfähig und kräftig" sei. In den letzten Jahren wurde der Blick auf den Gesund-

heitsbegriff immer ganzheitlicher und mittlerweile lässt sich wohl kaum noch eine

Definition von Gesundheit finden, die nicht auch soziale und psychische Aspekte

mit einbezieht. Dies ist auch bei der oben bereits erwähnten WHO-Erklärung zu

erkennen. Neben psychischen und sozialen wurden später auch ökologische Di-

mensionen in die Definitionen mit aufgenommen.

Aus der eher körperlichen Sichtweise wie auch aus der ganzheitlicheren Sichtwei-

se von Gesundheit erwachsen unterschiedliche Modelle, wie man Gesundheit för-

dern und erhalten kann. Einerseits gibt es die Möglichkeit sich an epidemiologi-

schen Studien orientieren, die belegen, dass bestimmte gesundheitliche Risikofak-

toren wie Übergewicht, Hypertonie, unausgewogene Ernährung oder Genussmit-

telmissbrauch mit einer Häufung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergehen.

Daraus ließe sich dann der Schluss ziehen, dass man versuchen muss, diese Ri-

sikofaktoren möglichst einzudämmen oder auszuschalten (vgl. KÜPPER/ KOTTMANN

2001, S.236). Dieser Ansatz wird im Folgenden als

Risikofaktoren-Modell

näher

erläutert. Andererseits kann man sich an der Frage orientieren, welche Vorausset-

zungen vorhanden sein müssen, damit Gesundheit überhaupt entstehen kann.

Dabei handelt es sich um einen Ansatz, der auf den israelischen Arzt Antonovsky

zurückgeht und hier als

Salutogenese-Modell

beschrieben und erörtert werden

soll.

Es ist jedoch festzuhalten, dass es eine endgültige und vollkommene Definition

von Gesundheit nicht gibt. Dies wird von unterschiedlichen Autoren immer wieder

betont (vgl. z.B. BÖS/ WYDRA/ KARISCH 1992, 16). Man kann aber versuchen, den

Begriff Gesundheit aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten, was im fol-

genden Abschnitt versucht werden soll.

5



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