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Subtitle: Eine empirische Untersuchung
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 20 Pages
Author: Christine Beier
Subject: German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Details
Institution/College: University of Marburg
Year: 2004
Pages: 20
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-34876-3
ISBN (Book): 978-3-640-34828-2
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Abstract
In der vorliegenden Arbeit geht es um ein Phänomen der deutschen Sprache, das noch nicht allzu lange Beachtung in der Wortbildungsliteratur genießt. Es handelt sich dabei um i-Bildungen, die häufig fälschlicherweise auch als Teilaspekt der Kurzwortbildungen gesehen werden. In vielen Fällen fällt die Umbildung zu einem i-Wort zwar mit der Reduktion des Stammes zusammen, wie etwa bei Alki (statt Alkoholiker) oder Ami (statt Amerikaner); dies muss jedoch nicht immer der Fall sein, wie an den Beispielen Hansi (statt Hans) oder Tschüssi (statt Tschüss) leicht zu erkennen ist. Das Suffix –i scheint im Deutschen äußerst produktiv zu sein, so dass ständig neue i-Wörter spontan gebildet werden können und diese auch eine gewisse Chance haben, sich in der deutschen Sprache zu „etablieren“. Den Schwerpunkt dieser Arbeit soll jedoch ein prosodisch-morphologischer Aspekt der i-Wörter bilden. Es geht dabei um diejenige Silbe, die aus der Vollform in die i-Bildung transportiert wird und somit den neuen Wortanfang bildet. Die allgemein vertretene These besagt, dass in der deutschen Standardsprache die Tendenz zu beobachten sei, dass der linke Rand des Ausgangswortes mit dem linken Rand der neuen Form übereinstimme. Das hieße, dass im Deutschen die Form Alki den Formen Holi oder Liki vorgezogen werde. Obwohl in den meisten Arbeiten zu den i-Bildungen diese starke Linksverankerung von i-Bildungen herausgehoben wird, weisen beispielsweise Itô und Mester auch auf Ausnahmen hin, in denen dieses Muster nicht zu beobachten ist, wie etwa bei Anton -> Toni oder Rebecka -> Becki. Da meines Wissens nach bisher niemand auf die Hintergründe oder möglichen Ursachen dieser Ausnahmen eingegangen ist, möchte ich in dieser Arbeit versuchen, ein bisschen mehr Licht in diese „Verstöße“ gegen die Linksverankerungsregel zu bringen. Den Ausgangspunkt dazu bildet eine kleine empirische Arbeit, im Rahmen derer Probanden in Fragebögen aus dreisilbigen Wörtern zweisilbige i-Bildungen formen sollten. Die Annahme ist, dass es Fälle geben wird, in denen die Regel, nach der das erste Segment der Vollform gleich dem ersten Segment der i-Form sein sollte, verletzt wird. Interessant wird dann sein, mögliche Muster freizulegen, die Aufschluss darüber geben könnten, in welchen Fällen nicht die erste Silbe des vollen Wortes die Basis für das i-Wort bildet, sondern die zweite oder die dritte.
Excerpt (computer-generated)
INHALT
I. EINLEITUNG
2
1. ERSTE VORSTELLUNGEN
2
2. LITERATURÜBERBLICK
3
II. HAUPTTEIL
5
1. DER VERSUCH
5
1.1 VORÜBERLEGUNGEN
5
1.2 DARAUS FOLGENDE ANFORDERUNGEN AN DEN VERSUCH
6
1.3 DIE POPULATION
7
2. HYPOTHESEN
8
2.1 ERSTE HYPOTHESE: VOKALE UND APPROXIMANTEN WERDEN AM ANFANG DER I-BILDUNG
VERMIEDEN
8
2.1.1 Darlegung der ersten Hypothese
8
2.1.2 Prüfung der ersten Hypothese am eigenen Material:
10
2.2 ZWEITE HYPOTHESE: DIE BETONUNG DER VOLLFORM BEEINFLUSST DIE WAHL DER ERSTEN SILBE
DER I-BILDUNG
12
2.2.1 Darlegung der zweiten Hypothese
12
2.2.2 Überprüfung der zweiten Hypothese am eigenen Material
13
III. SCHLUSS
17
IV. LITERATUR
19
I. Einleitung
1. Erste Vorstellungen
In der vorliegenden Arbeit geht es um ein Phänomen der deutschen Sprache, das noch nicht
allzu lange Beachtung in der Wortbildungsliteratur genießt. Es handelt sich dabei um i-
Bildungen, die häufig fälschlicherweise auch als Teilaspekt der Kurzwortbildungen gesehen
werden. In vielen Fällen fällt die Umbildung zu einem i-Wort zwar mit der Reduktion des
Stammes zusammen, wie etwa bei
Alki
(statt
Alkoholiker
) oder
Ami
(statt
Amerikaner
); dies
muss jedoch nicht immer der Fall sein, wie an den Beispielen
Hansi (
statt
Hans
)
oder
Tschüssi
(statt
Tschüss
) leicht zu erkennen ist. I-Bildungen haben in den letzten Jahren einen
festen Platz in der deutschen Sprache eingenommen, auch wenn sich die hauptsächliche
Verwendung von i-Wörtern auf eher informellere Bereiche beschränkt. Bellmann (1980: 378)
stellt fest, dass i-Wörter besonders im Jargon innerhalb einzelner selbstbewusster Gruppen zu
finden seien. Dieser umfasst aber sowohl die Jugendsprache als auch den Ärzte-Jargon bzw.
den Wissenschaftsjargon insgesamt. Ohne auf die pragmatischen und semantischen Aspekte
dieses Themas weiter einzugehen, soll damit nur gesagt sein, dass i-Bildungen in der
deutschen Sprache nicht als marginal zu betrachten sind. Das Suffix i scheint im Deutschen
äußerst produktiv zu sein, so dass ständig neue i-Wörter spontan gebildet werden können und
diese auch eine gewisse Chance haben, sich in der deutschen Sprache zu ,,etablieren".
Den Schwerpunkt dieser Arbeit soll jedoch ein prosodisch-morphologischer Aspekt der i-
Wörter bilden. Es geht dabei um diejenige Silbe, die aus der Vollform in die i-Bildung
transportiert wird und somit den neuen Wortanfang bildet. Die allgemein vertretene These
besagt, dass in der deutschen Standardsprache die Tendenz zu beobachten sei, dass der linke
Rand des Ausgangswortes mit dem linken Rand der neuen Form übereinstimme. Das hieße,
dass im Deutschen die Form
Alki
den Formen
Holi
oder
Liki
vorgezogen werde.
Obwohl in den meisten Arbeiten zu den i-Bildungen diese starke Linksverankerung von i-
Bildungen herausgehoben wird, weisen beispielsweise Itô und Mester (1997: 120) auch auf
Ausnahmen hin, in denen dieses Muster nicht zu beobachten ist, wie etwa bei Anton -> Toni
oder Rebecka -> Becki. Da meines Wissens nach bisher niemand auf die Hintergründe oder
möglichen Ursachen dieser Ausnahmen eingegangen ist, möchte ich in dieser Arbeit
versuchen, ein bisschen mehr Licht in diese ,,Verstöße" gegen die Linksverankerungsregel zu
bringen. Den Ausgangspunkt dazu bildet eine kleine empirische Arbeit, im Rahmen derer
Probanden in Fragebögen aus dreisilbigen Wörtern zweisilbige i-Bildungen formen sollten.
2
Die Annahme ist, dass es Fälle geben wird, in denen die Regel, nach der das erste Segment
der Vollform gleich dem ersten Segment der i-Form sein sollte, verletzt wird. Interessant wird
dann sein, mögliche Muster freizulegen, die Aufschluss darüber geben könnten, in welchen
Fällen nicht die erste Silbe des vollen Wortes die Basis für das i-Wort bildet, sondern die
zweite oder die dritte. Bevor auf den Versuch und seine Ergebnisse eingegangen wird, soll
zuvor noch ein knapper Überblick über die Literaturlage zu den i-Bildungen gegeben werden.
2. Literaturüberblick
Die Untersuchungen zu den i-Bildungen im Deutschen befassen sich sowohl mit der
Rufnamenbildung auf i als auch mit i-Formen, die aus ,normalen′ Wörtern gebildet werden.
Unter anderem Féry (1997) sagt über ihre lexikalische Kategorie, dass i-Bildungen aus
Substantiven, Namen oder Adjektiven geformt werden können; die i-Bildung selbst sei jedoch
immer nominal. Es lassen sich hierzu nur wenige Gegenbeispiele, wie z.B.
supi
oder
depri
finden. Einige Ansätze beschäftigen sich besonders mit der Pragmatik und der Semantik von
Kurz- bzw. i-Wörtern. Bellmann (1980) richtet seinen Blick einerseits auf die Klassifizierung
der Kurzwörter in unisegmentale (z.B. Alu: Aluminium; Pulli: Pullover) und multisegmentale
(Schiri: Schiedsrichter; BAföG: Bundesausbildungsförderungsgesetz), andererseits auch
besonders auf die Funktion der Kurzwörter. Er weist auf die ,,soziale Nebenfunktion" der
Benutzung von Kurzwörtern hin; ,,selbstbewusste Gruppen der Gesellschaft" distanzierten
sich so nach außen hin (Bellmann 1980: 378). Häufig genannt wird zudem noch die Funktion
der Ökonomisierung durch die Verwendung von Kurzwörtern (vgl. Féry 1997: 462). Einen
historischen Aspekt von i-Wörtern greift Greule (1983/84: 208) auf, indem er i-Bildungen auf
das althochdeutsche Suffix în zurückführt, das auch dort schon eine verkleinernde Funktion
getragen hat. Greules historischer Ansatz wird ausführlich bei Werner (1996: 13ff.) diskutiert.
Was die Forschung der i-Bildungen in den letzten Jahren vor allen Dingen beschäftigte, ist die
Frage, welches Material der Vollform in der i-Bildung wieder zu finden ist. Diese Frage
ergibt sich unter anderem daraus, dass manchmal mediale Konsonanten getilgt werden und
manchmal nicht. Aus Andreas wird Andi (*Andri), aus Ferdinand jedoch Ferdi (*Feri). Ein
derivatives Erklärungsmodell dazu bietet Kenstowicz (1994: 9f.), der an englischen
Vornamen verdeutlicht, dass das Suffix i immer an eine ,,maximale Silbe" angehängt wird.
Diese maximale Silbe basiert auf der Sonoritätshierarchie, die besagt, dass in jeder Silbe ein
Segment ein Sonoritätsgipfel bilde. Vor und nach diesem Sonoritätsmaximum dürfe die
Sonorität nicht zunehmen (vgl. auch Féry 1997: 469). Die maximale Silbe ende dann an der
3
Stelle, an der das Sonoritätsminimum erreicht sei. So erklärt Kenstowicz, dass eine i-Bildung
wie Patrie nicht möglich sei, da der Liquid /r/ sonorer ist als der Plosiv /t/.
Patr
bildet also
keine wohlgeformte Silbe, wohl aber
Pat
. Sowohl Féry (1997) als auch Wiese (2001) weisen
jedoch auf die Grenzen dieses Modells hin. Beide bemerken, dass ein Sonoritätsminimum
keine prosodische Konstituente bilde. Der Maximale-Silbe-Ansatz sei rein deskriptiv, Wiese
(2001: 146) weist darauf hin, dass dieser Ansatz z.B. nicht erkläre warum gerade das
Sonoritätsminimum den ,,cutoff point" bilde und nicht etwa ein Sonoritätsmaximum. Féry
bringt Gegenbeispiele, die Kenstowicz′ Ansatz fraglich erscheinen lassen: Nach seiner
Theorie müsste etwa aus Manfred
Manfi
werden und nicht, wie aber eindeutig belegt,
Manni
.
Als ein lohnenderer Ansatz hat sich die Analyse innerhalb der Optimalitätstheorie (Prince &
Smolensky 1993) herausgestellt. Im Rahmen dieser Theorie haben unter anderem Itô und
Mester (1997), Féry (1997) und Wiese (2001) die Mechanismen der i-Bildungen untersucht.
Hier wird die Kurzform nicht als Derivat der Vollform betrachtet, sondern es wird davon
ausgegangen, dass beide Formen in einer bestimmten Korrespondenzbeziehung zueinander
stehen. Das bedeutet, dass eine Input-Form viele verschiedene Output-Formen besitzt. Die
optimale Output-Form wird mit Hilfe verschiedener universeller Beschränkungen
(Constraints)
herausgefiltert.
In
einer
modifizierten
Optimalitätstheorie,
der
Korrespondenztheorie (McCarthy & Prince 1995), wird nicht nur die Beziehung zwischen In-
und Output-Kandidaten untersucht, sondern auch die zwischen verschiedenen Output-
Formen. Für die Beziehung zwischen Vollform und i-Bildung bedeutet das, dass sie beide als
Output betrachtet werden und die i-Bildung eine bestimmte Form erfüllen muss (vgl. Féry
1997). Ohne auf die Beschränkungen im Einzelnen einzugehen, sollte nur erwähnt werden,
dass diese Constraints zum Beispiel für die prosodische Form der i-Bildung sorgen oder aber
eine möglichst große Ähnlichkeit zwischen Voll- und i-Form garantieren. Eine Beschränkung,
um die es in dieser Arbeit im Besonderen geht, ist die der Linksverankerung (L-ANCH).
Diese besagt, dass jedes Element am linken Rand von S1 einen Korrespondenten am linken
Rand von S2 haben soll (vgl. Féry 1997: 477). Mit diesem Constraint ist beispielsweise dafür
gesorgt, dass der optimale Korrespondenzpartner von
Student
Studi
und nicht
Denti
heißt.
4
II. Hauptteil
1. Der Versuch
1.1 Vorüberlegungen
Ausgangspunkt meiner Untersuchung ist zum einen die Frage: Warum wird bei i-Bildungen
immer die erste Silbe der Vollform als Basis für die i-Bildung genutzt? Und zum anderen:
Wie kommt es, dass es aber - besonders im Bereich der Hypokorismen - doch einige
Ausnahmen gibt? Ein Anstoß für diese Überlegungen stellte nicht zuletzt eine Untersuchung
von Theres Grüter dar, die anhand von männlichen Vornamen Hypokorismen im Berner
Schweizerdeutschen näher unter Betracht nimmt. Neben den offensichtlichen Unterschieden,
dass es sich in diesem Schweizer Dialekt um eine Wortbildung handelt, die ein Suffix u,
kein i trägt und in der ersten Silbe einen Umlaut bildet, ist bei Grüter eine wesentliche
Hypothese, dass im Berner Dialekt nicht immer die linksmöglichste Silbe von der Vollform in
die u-Bildung übernommen werde. Was ihre Ergebnisse im Einzelnen angeht, wird an
späterer Stelle noch näher darauf eingegangen werden. Es sei nur kurz angedeutet, dass ihre
Erklärung darauf hinaus läuft, dass Hypokorismen keine Vokale, Gleitlaute und Liquide am
Wortanfang dulden. Beginnt also der vollständige Name mit solch einem Approximanten,
kann diese erste Silbe nicht als Ansatz für die u-Bildung dienen. In dieser Arbeit möchte ich
nun prüfen, ob sich eine ähnliche Tendenz auch im Standarddeutschen nachweisen lässt.
Eine andere Überlegung haben Itô & Mester (1997: 120, Anm. 5) bereits angedeutet. Sie
halten fest, dass der linke Rand der Vollform normalerweise auch als linker Rand der i-
Bildung dient, wenn er ursprünglich unbetont ist. So etwa in dem Beispiel Schímmi
Schimánski. Sie weisen jedoch auch auf Gegenbeispiele hin wie Gústi Augúste. Im letzteren
Beispiel wird die Linksverankerungsbeschränkung (L-ANCH) zu Gunsten einer ,,head-to-
head correspondence" verletzt. Itô und Mester schließen jedoch aus, dass hier das Gewicht
der LEFT-ANCH Beschränkung in Frage gestellt wird. Sie vermuten, dass solche
Erscheinungen lediglich in den Bereich von soziolinguistischen Trends oder Kindersprache
einzuordnen seien.
,,The variability is mainly associated with nicknames, and should not be taken to weaken
the basic left-anchoring pattern, which reveals itself productively with the truncation of
productive nouns (Alki, Proli, etc.) It is well-known that nicknames (associated with
individuals), while usually observing templatic requirements, come with idiosyncrasies
and irregularities that are arguably a result of child language patterns, sound-symbolism,
and even sociological trends."
5
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