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Untertitel: Subsistenz und Vegetation in der Urnenfelderzeit
Magisterarbeit, 2005, 146 Seiten
Autor: Daniel Günther
Fach: Archäologie
Details
Jahr: 2005
Seiten: 146
Note: 2,0
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-36516-6
ISBN (Buch): 978-3-640-36488-6
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Zusammenfassung / Abstract
In der vorliegenden Arbeit wurden Material und Methode der Probenbearbeitung, sowie die Ergebnisse der archäobotanischen Untersuchung des urnenfelderzeitlichen Fundortes Konstanz-Staad Hörlepark vorgestellt. Aufgabenstellung dieser Untersuchung war die Rekonstruktion der Landwirtschaft und der Vegetation des Fundortes. Ziel war es über den Vergleich mit den archäobotanischen Ergebnissen anderer zeitgleicher Fundorte allgemeine Entwicklungstendenzen des Ackerbaus herauszuarbeiten. Als Grundlage für alle weiteren Untersuchungen war es ein wichtiges Ziel, die Datierung der Seeufersiedlung zu klären.
Textauszug (computergeneriert)
Archäobotanik der Pfahlbausiedlung
Konstanz-Staad Hörlepark
(Baden-Württemberg)
- Subsistenz und Vegetation
in der Urnenfelderzeit -
Magisterarbeit zur Vorlage an der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Eberhard-
Karls-Universität Tübingen
Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters
Abteilung Jüngere Ur- und Frühgeschichte
Vorgelegt von
Daniel Günther
am 03.03.2005
Danksagung
Hiermit möchte ich den Menschen meinen herzlichen Dank aussprechen, die mich beim
Gelingen dieser Arbeit unterstützt haben.
Mein Dank gilt Prof. Dr. M. K. H. Eggert und Prof. Dr. M. Rösch für die Annahme des
Themas.
Ich möchte besonders Prof. Dr. M. Rösch und seinem Team in Hemmenhofen danken, die
mich stets sehr hilfsbereit und freundlich unterstützt haben. Insbesondere T. Märkle M.A. ist
in dieser Hinsicht besonders hervorzuheben. Auch Prof. Dr. M. Rösch und Dipl.-Biol. E.
Fischer waren mir bei der Bestimmung der Pflanzenreste und durch verschiedene
Diskussionen zu meinem Thema eine wertvolle Hilfe.
Für zahlreiche Anregungen und Diskussionen möchte ich Dr. S. Riehl, Chr. Herbig M.A. und
Dr. U Maier meinen Dank aussprechen.
Dr. H. Schlichtherle und Dr. M. Mainberger danke ich für die Bereitstellung der Proben und
der Grabungsunterlagen.
Insbesondere möchte ich mich bei meinen aufmerksamen Korrekturleserinnen T. Märkle
M.A., S. Meyer, Dr. M. Doll, A. Kottmann M.A. und Chr. Günther M.A. / M.B.A. bedanken.
T. Märkle M.A., Dr. J. Serangeli und M. Malina gaben mir viele wertvolle Hinweise zur
Bildbearbeitung mit dem Computer.
Zuletzt schulde ich noch meiner Frau Christina Günther tiefen Dank, die mir stets eine
liebevolle und verständnisvolle Unterstützung war.
Inhaltsverzeichnis
Seite
1. Einleitung
2
1.1. Aufgabenstellung und Ziele
2
1.2. Gliederung
3
2. Lage des Fundortes
4
3. Geologie
5
4. Klima
7
5. Vegetation
7
6. Archäologische Grundlagen
9
6.1. Forschungsgeschichte
9
6.2. Funde und Befunde
11
6.3. Datierung
15
7. Material und Methode
18
8. Rezente ökologische Verbreitung der Arten und Bestimmung der Taxa
20
9. Kulturpflanzen
53
9.1. Neuer Spelzweizen
66
10. Sammelwirtschaft
69
11. Vegetation um Konstanz-Staad Hörlepark
74
11.1. Vorbemerkungen
74
11.2. Rekonstruktion der Vegetation
75
11.2.1. Wälder
75
11.2.2. Uferzone
77
11.2.3. Unkrautflora
77
11.2.4. Grünland
78
11.2.5. Sonstige
79
11.2.6. Haftdoldenverband
81
12. Zusammenfassung
84
13. Literatur
88
14. Anhang
97
1
1. Einleitung
In der vorliegenden Arbeit werden die Ergebnisse der archäobotanischen Untersuchungen des
urnenfelderzeitlichen Fundortes Konstanz-Staad Hörlepark vorgelegt.
Die Urnenfelderzeit ist von vielfältigen Veränderungen und Umbrüchen gekennzeichnet. Die
materiellen Hinterlassenschaften dieser Zeit unterscheiden sich deutlich von denen der
vorangegangenen neolithischen und bronzezeitlichen Kulturen. Erste Objekte aus Eisen treten
in dieser Zeit auf.
Am Ende der Urnenfelderzeit wird ein Umbruch in der Siedlungstradition sichtbar. Die
Erforschung der Urnenfelderzeit hat insbesondere im Bereich der Seeufersiedlungen eine
besondere Bedeutung. Die Tradition, Pfahlbausiedlungen an den Seeufern zu errichten, bricht
mit dem Ende der Urnenfelderzeit aus bisher ungeklärter Ursache ab.
Die Archäobotanik liefert wichtige Anstöße zur Erforschung dieser Veränderungen in der
materiellen Kultur und in der Siedlungstradition. Einerseits kann sie Hinweise zur
Wirtschaftsgeschichte, andererseits wichtige Informationen zu Standortfaktoren wie
Vegetation und klimatischer Situation geben.
Wirtschaftsarchäologische Untersuchungen befassen sich mit der Subsistenz prähistorischer
Menschen, also mit den Lebensbereichen, die für die Existenz menschlicher Gemeinschaften
grundlegend sind. Diese bestimmen nicht nur große Teile des damaligen Alltags, sondern
haben in mannigfacher Weise Auswirkungen auf die gesamte Vielfalt der Kultur.1
1.1. Aufgabenstellung und Ziele
Die Aufgabe dieser Arbeit ist die Erforschung der wirtschaftlichen Subsistenz und der
Vegetation der urnenfelderzeitlichen Siedlung Konstanz-Staad Hörlepark. Diskutiert wird
auch die Datierung dieses Fundortes, die bislang noch nicht eindeutig geklärt ist.
Ein wichtiger Teil dieser Arbeit ist der Vergleich mit anderen Siedlungen der Urnenfelderzeit.
Ziel ist es, allgemeine Entwicklungstendenzen im Ackerbau und in der Pflanzennutzung
dieser Zeit festzuhalten.
Die Anzahl der archäobotanisch untersuchten Siedlungen aus dieser Zeit ist sehr begrenzt.
Vom Bodensee wurde bislang lediglich Material der Stationen Hagnau-Burg2,
Unteruhldingen3, Konstanz-Langenrain4, sowie Konstanz-Rauenegg5 vorgelegt. Die beiden
1 Gross-Klee 1997, 13.
2 Rösch 1996 a, 239 ff.
3 Rösch 1993 b, 38 ff.
4 Bertsch 1932, 305 ff.
2
letztgenannten Untersuchungen aus den 1930er Jahren können aufgrund anderer methodischer
Herangehensweise nur bedingt zu Vergleichen herangezogen werden. Weitere
archäobotanische Ergebnisse von Feuchtbodensiedlungen im süddeutschen und Schweizer
Raum sind von den urnenfelderzeitlichen6 Siedlungen ,,Wasserburg Buchau"7, Zürich-
Mozartstrasse8 Zürich-Alpenquai9, Ürschhausen-Horn10, Zug-Sumpf11 und Hauterive-
Champréveyres12 bekannt. Andere archäobotanische Untersuchungen von Siedlungen wie
z.B. Burkheim Vogtsburg13, Wiesloch-Weinäcker14 oder Stuttgart-Mühlhausen15 mit verkohlt
erhaltenen Makroresten sind mit einigen Vorbehalten zu erwähnen. Die
Erhaltungsbedingungen von botanischem Material sind dort erheblich schlechter und das
Artenspektrum ist deshalb stark eingeschränkt.
In Anbetracht des unzureichenden Forschungsstands der Archäobotanik für die
Urnenfelderzeit, stellt die hier vorgelegte Untersuchung der Siedlung Konstanz-Staad
Hörlepark eine grundlegende Ergänzung dar.
1.2. Gliederung
Die Arbeit ist in mehrere Abschnitte gegliedert. Als Einführung in das Thema werden Lage,
Geologie, Klima und Vegetation von Konstanz-Staad Hörlepark beschrieben. Anschließend
werden die Forschungsgeschichte zum Fundort sowie die archäologischen Befunde und
Funde mit besonderer Berücksichtigung der Stratigraphie dargestellt, sowie die Datierung des
Fundortes diskutiert.
Im botanischen Teil wird auf das Probenmaterial und dessen Aufbereitung sowie allgemeine
Untersuchungsmethoden eingegangen. Zum einen werden zuerst alle in den Proben
nachgewiesenen Pflanzenarten hinsichtlich ihrer rezenten ökologischen Verbreitung
5 Bertsch/Bertsch 1947
6 Die in Deutschland übliche Bezeichnung Urnenfelderzeit wird von den Schweizer Archäologen aufgrund der
dort fehlenden Urnenfelder zumeist vermieden. Aus diesem Grund ist die Bezeichnung Urnenfelderzeit in der
Schweiz auch nicht zutreffend (Z. B. Rychner 1998, 70 ff.). Stattdessen wird dort die Bezeichnung
Spätbronzezeit für die Stufen Reinecke BZ D, Ha A und Ha B verwendet. In der deutschen Archäologie wird der
Begriff Spätbronzezeit lediglich für die Reinecke-Stufe BZ D benutzt. Um eine einfache Handhabung zu
ermöglichen, wird hier sowohl für die deutschen als auch für die Schweizer Fundorte der Begriff Urnenfelderzeit
verwendet. Dieser Begriff beschreibt dabei lediglich einen Zeitabschnitt und macht keinerlei Aussagen über die
Kultur und vor allem nicht über die Formenkreise der Fundobjekte.
7 Bertsch 1931.
8 Brombacher & Dick 1987, 198 ff.
9 Neuweiler 1935.
10 Feigenwinter 1992.
11 Jacomet & Karg 1996.
12 Jaquat 1989.
13 Küster 1988.
14 Rösch 1993 a.
15 Piening 1988.
3
beschrieben. Zum anderen werden die Bestimmungsmerkmale der gefundenen Pflanzenreste
der Kulturpflanzen sowie der wichtigsten Wildpflanzen erläutert.
Nachdem die Tendenzen im Ackerbau in Konstanz-Staad Hörlepark diskutiert und mit
anderen urnenfelderzeitlichen Fundorten verglichen werden, wird die Sammelwirtschaft
dieser Siedlung betrachtet werden. Danach wird die Vegetation von Konstanz-Staad
rekonstruiert.
Abschließend werden in einer Synthese alle Ergebnisse der Untersuchung zusammenfassend
vorgestellt und diskutiert.
4
2. Lage des Fundortes
Der Fundort Konstanz-Staad Hörlepark liegt am Bodensee im Nordosten der Halbinsel
Bodanrück, etwa 3 km südöstlich der Insel Mainau.
Abb. 1: Lage Konstanz-Staad Maßstab 1:25.000.
Dort befindet sich der Hohenegger Bergrücken an dessen südlichem Ende sich eine kleine
Landzunge in den See erstreckt. Der Geländesporn dient noch heute als Fähranleger. Die
Station liegt südlich der Hornspitze, auf der sich heute der Fährhafen befindet, auf einer Höhe
von 393,56 m ü. NN. Seewärts in Richtung Ostnordost zieht sich durch die prähistorische
Siedlung eine Geländerippe.
5
Abb. 2: Lageplan Konstanz-Staad Hörlepark Dr. M. Mainberger, Ortsakten LDA
Hemmenhofen.
3. Geologie
Die Landschaft in Konstanz-Staad wird durch Jungmoränen mit ihren typischen
Ablagerungen und Geländeformen bestimmt. Die Siedlung lag wie der gesamte Bodensee im
Stammbecken des würmzeitlichen Rheingletschers. Dieser reichte in seiner maximalen
Ausdehnung weit über das Bodenseebecken hinaus bis an den Südrand des Federseebeckens
sowie bis an die Westgrenze des zentralen Hegaus. Im Hinterland von Konstanz-Staad
befinden sich einige wenige Drumlinfelder. Geschiebemergel der Grundmoräne, alpine
Schotter und Gesteine der Molasse sind das basenreiche und karbonatreiche
Ausgangsmaterial der Bodenbildung. Die allgemeine Bodenbildung setzte im Alleröd ein, sie
6
führte zur Entstehung von Parabraunerden mit einer geringen Entkalkungstiefe. Lößböden
fehlen im Bodenseegebiet völlig.16
4. Klima
Das Klima des Bodensees ist gekennzeichnet durch relative Niederschlagsarmut, durch milde
Winter und mäßig warme Sommer. Es entspricht nach Lang (1973) einer Übergangssituation
zwischen maritimem Klima (weniger als 15 °C) und kontinentalem Klima (mehr als 20 °C).
Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt in Konstanz 8,9 °C. Die Julimitteltemperatur
schwankt in Seenähe zwischen 17,5 und 18,1 °C. Die Januarmitteltemperatur liegt bei etwa 0
°C. Mit weniger als 100 Frosttagen liegt das Bodenseegebiet unter dem Durchschnitt der
angrenzenden Gebiete.17 Die mittleren jährlichen Niederschläge betragen auf dem Bodanrück
über 800 mm.18 Ursachen für das günstige Klima sind die relativ niedrige Lage des
Bodensees, die ausgleichende Wirkung des Wassers mit seiner hohen Fähigkeit, Wärme zu
speichern, die Reflexionswirkung des Seespiegels, das häufige Auftreten von Föhn-
Wetterlagen und die besonders im Herbst häufigen Nebel, welche die nächtliche
Wärmereflexion, allerdings auch die Einstrahlung am Tage vermindern.19
5. Vegetation
Die heutige Vegetation des Bodensees ist völlig vom Menschen geprägt, nur kleine Teile in
Feuchtgebieten sind noch als natürlich zu bezeichnen. Lang (1973) hat die potentielle
natürliche Vegetation des Gebietes weitgehend untersucht und kartiert.
Die Karte der potentiellen natürlichen Vegetation wurde nach der heutigen realen Vegetation
unter Heranziehung von pollenanalytischen Untersuchungen und Studien aus Archiven der
Forstwirtschaft erstellt.20
Seine Karte zeigt, dass sich an das Siedlungsareal der urnenfelderzeitlichen Menschen aus
Konstanz-Staad Hörlepark direkt am See landwärts Buchenwälder anschließen. Er schließt in
dieser Kategorie die Pflanzengesellschaften Luzulo-Fagetum, Asperulo-Fagetum und Carici-
Fagetum mit ein.21 Jedoch erwähnt er, dass diese Untergliederung der Buchenwälder in
Simsen-, Waldmeister- und Seggen-Buchenwälder erhebliche Schwierigkeiten bereitet. Dies
16 Schlichtherle 1985, 13 ff.
17 Lang 1973, 16.
18 Ebd.., 21.
19 Ebd. 1973, 20.
20 Ebd.. 187 f.
21 Ebd.. Abb. 36 & 37.
7
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