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Diplomarbeit, 1999, 148 Seiten
Autor: Karin Kutschinske
Fach: Geowiss. / Geographie - Sonstiges
Details
Tags: Feministische Geographie
Jahr: 1999
Seiten: 148
Note: 1,3
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-34884-8
ISBN (Buch): 978-3-640-34836-7
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Zusammenfassung / Abstract
„Angst-Räume“ - Orte im öffentlichen Raum, an denen Frauen Angst haben, Opfer einer Gewalttat zu werden - sind ein klassisches Thema bei Diskussionen über geschlechtsspezifische Raumnutzung in der Geographie und Stadtplanung. In bisherigen Studien zu diesem Thema wird „Geschlecht“ weitgehend als unabhängige, erklärende Variable betrachtet, wird somit die Angst von Frauen im öffentlichen Raum geradezu als natürlich zur Wesenheit der Frau gehörend anerkannt und wird diese Angstzuschreibung immer wieder reproduziert und rezementiert. Dahinter stehende soziale Verhältnisse, die sich in Angst-Räumen lediglich baulich-räumlich manifestieren, bleiben meist unangetastet. Die vorliegende Arbeit fragt nach möglicherweise gesellschaftlich verankerten Ursachen dieser spezifischen Angst und versucht Wege daraus aufzuzeigen. Die soziale Trennlinie für Angst-Räume wird (auch) entlang der Geschlechtszugehörigkeit gesetzt. Diese Ungleichheitskategorie soll deshalb im Vordergrund stehen und der Zusammenhang zwischen Angst im öffentlichen Raum und Geschlecht identifiziert werden. So steht die Konstruktion der Geschlechterdifferenz selbst im Zentrum der Analyse. Diese Vorgehensweise verlangt die Auseinandersetzung mit feministischer Theorie (Gleichheit oder Differenz der Geschlechter) und den Bezug auf theoretische Ansätze, die zur Dekonstruktion selbstverständlicher Zuschreibungen verwendet werden können (Konstruktivismus, Diskurstheorie). Den theoretischen Überlegungen zu Raum und Geschlecht aus dekonstruktivistischer Perspektive folgen Auszüge aus Interviews mit Frauen, die als Joggerinnen die Münchner Isarauen – bei Dämmerung und Dunkelheit ein sog. „Angst-Raum“ – nutzen. Die Erhebung erfolgte unter Rückgriff sowohl auf Leitfaden gestützte, themenzentrierte, qualitative Einzelinterviews als auch auf das Instrument der Gruppendiskussion. Die Untersuchung zeigt, dass der Geschlechterdiskurs und der Angst-Raum-Diskurs miteinander verwoben sind. Ungleichheit, Hierarchie, Macht und Gewalt werden an raum-zeitlichen Angst-Raum-Situationen festgemacht und in ihnen reproduziert. Es wird deutlich, wie mächtig sowohl der Angst-Diskurs als auch die geschlechtsspezifischen Zuordnungen sind, und mit welchen Strategien die Frauen versuchen, sich davon zu befreien. Trotz dieser individuellen Aufbrüche muss das Geschlechtersystem als in sich stabil und die Angst im öffentlichen Raum als ein Stabilitätsfaktor dieses Systems erkannt werden.
Textauszug (computergeneriert)
Technische Universität München
Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
Geographisches Institut
Wissenschaftliche Arbeit zur Erlangung des akademischen Grades einer
Diplom-Geographin
Angst im öffentlichen Raum.
Die Produktion von Angst-Räumen
als Ausdruck der Geschlechterkonstruktion.
Verfasserin:
Karin Kutschinske
München, im Juni 1999
Inhaltsverzeichnis
Vorwort V
1
Einleitung 1
1.1 Ausgangslage und Problemstellung 1
1.2 Zielsetzung und Fragestellung 3
1.3 Aufbau der Arbeit 5
2
Feministische Theorie 7
2.1 Gleichheit oder Differenz der Geschlechter? 7
2.2 Feministische Standpunkttheorien 11
2.3 Theoretische Ansätze als Grundlage für den Dekonstruktivismus 13
2.3.1
Konstruktivismus 14
2.3.2
Diskurstheorie 18
2.4 Feministischer Dekonstruktivismus 19
3
Dekonstruktivismus und Angst-Räume 25
4
Raum und Geschlecht 29
4.1 Angst-Räume Raumbezogene Kriterien und Voraussetzungen 29
4.2 Tatsächliches und empfundenes Kriminalitätsrisiko 32
4.3 Sexuelle Gewalt an Frauen -
ein Strukturmerkmal patriarchaler Gesellschaften 38
4.4 Sport und geschlechtsspezifische Raumzuweisung 44
III
5 Methodisches Vorgehen 47
5.1 Entscheidung für einen qualitativen Ansatz 47
5.2 Auswahl der Gesprächspartnerinnen 48
5.3 Methoden und Ablauf der Datenerhebung 49
5.4 Vorgehensweise bei der Auswertung 51
6 Darstellung der empirischen Ergebnisse 54
6.1 Beschreibung der Gesprächspartnerinnen 54
6.2 Angst im öffentlichen Raum 56
6.2.1 Formen und Ausprägungen von Angst 57
6.2.2 Angst-Räume als "Ersatz-Arena"? 63
6.2.3 Dunkelheit als zentraler Angstauslöser 64
6.2.4 Soziales Umfeld und Medien 66
6.2.5 Motivation zur Angstüberwindung 72
6.2.6 Vertrautheit des Raumes 78
6.2.7 Wehrhaftigkeit 80
6.2.8 Bewältigungsstrategien 85
6.3 Raumaneignung und (körperliches) Empowerment 90
6.4 Geschlechterverhältnis 97
6.4.1 Weiblichkeitszwang 97
6.4.2 Akzeptanz-/Toleranzgrenze von Übergriffigkeiten 104
6.4.3 Verharren in traditionellen Geschlechterstereotypen 106
7 Zusammenfassung und Bewertung der Ergebnisse 116
8 Schlussbetrachtung 121
Literaturverzeichnis 122
Kurzdarstellung der Arbeit 133
Anhang 137
IV
Vorwort
Im Zentrum der Arbeit von Karin Kutschinske stehen sog. ,,Angst-Räume", d.h. Orte
im öffentlichen Raum, an denen Frauen Angst haben, Opfer einer Gewalttat zu werden. Diese Angst-Räume werden als Spiegel sozialer Verhältnisse, d.h. als konstruiert begriffen und insofern, als die Geschlechtszugehörigkeit eine wichtige Rolle
spielt, steht das Geschlechterverhältnis als konstruierendes zur Debatte.
Die Autorin versucht demnach, Zusammenhänge zwischen normativen Vorstellungen
und beobachtbaren Unterschieden bezüglich der Raumnutzung von Frauen und
Männern einerseits und Konstruktionen von Geschlechterdifferenz andererseits zu
entschlüsseln.
Als theoretische Grundlagen bezieht sie sich dafür auf feministische Ansätze zur
Gleichheit oder Differenz der Geschlechter und auf theoretische Ansätze (Konstruktivismus, Diskurstheorie), die für die Dekonstruktion ,,selbstverständlicher" Zuordnungen eingesetzt werden können.
Als erster Folgeschritt werden die Linien aufgezeigt, entlang derer es möglich ist,
Angst-Räume zu dekonstruieren, d.h. räumliche Positionierungen als sozial ausgehandelte zu verstehen.
Im empirischen Teil wird eine konkrete Situation untersucht, nämlich die Nutzung der
Isarauen in München als Erholungsraum für Frauen, und zwar auch in der Dämmerung und Dunkelheit, also dann, wenn gemäß ,,normaler" Konstruktion Frauen diesen
Raum eher meiden sollten, weil er für die gefährlich ist.
Acht Leitfaden gestützte, qualitative Interviews mit Frauen, die sich nicht an die üblichen Normen halten, dienen dazu, die Entstehung, Verfestigung und Gültigkeit von
gesellschaftlich sanktionierter Raumnutzung zu analysieren und Möglichkeiten eines
emanzipatorischen Verhaltens aufzuzeigen.
V
Die Arbeit ist in drei Aspekten brillant.
Erstens greift sie sehr komplexe aktuelle Theorieansätze auf und richtet sie in knapper, klarer Konzentration auf das Thema aus.
Zweitens ist der Zugang zum Thema originell und fruchtbar.
Alle anderen mir bekannten Studien zu Angst-Räumen orientieren sich am Problem von ,,Frauen als Opfer" in Parkgaragen, dunklen Parks etc. Entsprechend wird in Fragebögen und Interviews nach Opfern gefragt, und Opfer werden gefunden und beklagt. Die Analyse, wer jetzt wie zum Opfer gemacht wird, bleibt jedoch meist an der Oberfläche.
Anders in der vorliegenden Arbeit. Dadurch dass Frauen gefragt werden, die sich trotz allem trauen, werden die ganz feinen ,,Mechanismen" der Entstehung und möglicherweise der Überwindung von Angst und Opferstatus sichtbar gemacht. Die Frauen, die sich in den Interviews äußern, sind keineswegs Personen, die nie Angst haben oder sich beispielsweise von ,,normalisierenden" Medienberichten nicht beeindrucken lassen. Vielmehr wird gezeigt, wie verschiedene biographische Erfahrungen dazu führen können, dass ,,Raum nehmen" wichtiger ist als der erwartete Rückzug. Die latente Präsenz des ,,Normalen" erfordert aber eine stetige Auseinandersetzung in der Form von individuellen Überwindungsstrategien. Diese Strategien werden sehr fein differenziert nachvollziehbar geschildert.
Als dritte hervorragende Leistung ist zu nennen, dass Karin Kutschinske es geschafft hat, in ihren Interviews in derart intime Bereiche, wie es persönliche Ängste und Gewalterfahrungen sind, Einsicht zu gewinnen, und dass es ihr ebenso gelingt, die gewonnen Information gut aufzubereiten und mit klaren Kommentaren zu versehen, aber gleichzeitig der Leserin oder dem Leser Raum für eigenes Interpretieren und Verstehen lässt.
Somit stellt die Arbeit einen originären Beitrag zum Diskurs über Angst-Räume im Speziellen und soziale Konstruktionen von Raumzuweisungen im Allgemeinen dar.
München, September 1999
Prof. Verena Meier
VI
1
Einleitung
1.1 Ausgangslage und Problemstellung
"Angst-Räume" ein Thema, auf das wir bei einer Literaturrecherche zum Themenbereich "Frau und Raum" früher oder später unweigerlich stoßen. In der Fachliteratur hat sich dieser Begriff für Orte im öffentlichen Raum etabliert, an denen Frauen Angst haben, Opfer einer Gewalttat in erster Linie einer Vergewaltigung zu werden, wenn sie vor allen Dingen nachts ohne Begleitung unterwegs sind. Zu typischen Angst-Räumen zählen z. B. Parks, Tiefgaragen oder menschenleere Straßen. Ein Blick auf die Ergebnisse einer Infas-Umfrage zeigt, dass 75% aller Frauen angeben Angst zu haben, wenn sie abends und nachts allein unterwegs sind. Der Anteil der ängstlichen Frauen steigt in den Großstädten sogar auf 85% (infas 1984; zit. nach STIFTUNG MITARBEIT 1991, S. 7). In der Konsequenz bedeutet das für Frauen entweder den gänzlichen Verzicht auf Aktivitäten nach Einbruch der Dunkelheit oder zumindest eine äußerst eingeschränkte Mobilität. Letzteres bringt oft zusätzliche finanzielle Belastungen durch die als sicherer empfundene Beförderung im eigenen Auto oder im Taxi mit sich, da auch die nächtliche Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel mit den notwendigen Wartezeiten an vor allem abgelegenen Haltestellen als beängstigend beschrieben wird.
Weil wie die Daten zeigen sich viele Frauen von diesen Einschränkungen betroffen fühlen, findet dieser Sachverhalt immer wieder Erwähnung bei der Auseinandersetzung mit dem Thema "Frau und städtischer Raum". Sei es in einem allgemeineren Rahmen, wie beispielsweise Ausstellungen, in denen der "Alltag in der Stadt - aus der Sicht der Frauen" gezeigt (STIFTUNG MITARBEIT 1991) oder die Frage "Wem gehört der öffentliche Raum?" gestellt wird (KAIL/KLEEDORFER 1991), oder etwa in einer Architekturzeitschrift zum Thema "Frau und gebaute Umwelt" mit dem Titel "Kein Ort, nirgends Auf der Suche nach Frauenräumen" (ARCH+, Nr. 60,
1
1981). Darüber hinaus befassen sich Untersuchungen meist von Autorinnen und oft im Auftrag von Gleichstellungsstellen oder Frauenbeauftragten der jeweiligen Kommunen auch explizit auf kleinräumiger Ebene mit konkreten Angst-Räumen einzelner Städte. In solchen Arbeiten wird statistisch das Ausmaß der Angst der dort wohnenden Frauen aufgezeigt, die Angst-Orte der Stadt identifiziert sowie deren räumliche, Angst auslösenden Merkmale analysiert (vgl. hierzu exemplarisch STADT HEIDELBERG 1994).
Als Lösungsvorschläge zur Verminderung von Gewalt gegen Frauen im öffentlichen Raum werden schließlich planerische, städtebauliche und gestalterische Maßnahmen ausgearbeitet, wie z. B. Frauenparkplätze in Tiefgaragen und verbesserte Beleuchtungen (vgl. statt vieler den Maßnahmenkatalog von SIEMONSEN/ZAUKE 1991). Zudem werden speziell für Frauen geschaffene Instrumente wie das Nacht-Taxi gefordert oder Strategien entwickelt, die die Perspektive der Betroffenen bereits in den Planungsprozess einfließen lassen und versuchen, Angst-Räume von vornherein vermeiden zu helfen (vgl. INSTITUT FÜR LANDES- UND STADTENTWICKLUNG DES LANDES NORDRHEIN-WESTFALEN 1995). Auch das Postulat nach verstärkter Besetzung maßgeblicher Positionen in Planungsreferaten, Stadtbauämtern etc. durch Frauen spricht die Notwendigkeit an, bei der Gestaltung der Städte frauenspezifische Belange mehr zu berücksichtigen.
Die AutorInnen, die sich mit Angst-Räumen auseinandersetzen, gehen davon aus, dass räumliche Gegebenheiten (sexuelle) Gewalt an Frauen im öffentlichen Raum begünstigen bzw. hemmen können. Sie sind sich aber auch einig, dass im Raum selbst nicht die Ursache für Gewalt zu finden ist. Trotzdem das Problem aus einer standpunkttheoretischen1 Position heraus also in beschreibender Form des empirisch Vorfindbaren anzugehen, birgt jedoch auch nicht zu unterschätzende Gefahren der Zementierung der dahinter stehenden gesellschaftlichen Gegebenheiten und der Ablenkung von den eigentlichen, gesellschaftlichen Ursachen.2
1 Definition von Standpunkttheorien siehe Kap. 2.2
2 Näheres dazu siehe Kap. 3
2
Angst-Räume sind ein Abbild, sind die "baulich-räumliche Manifestierung sozialer Verhältnisse" (FRAUENSEMINAR AN DER UNI DORTMUND 1981, S. 31). Demzufolge stellt sich die Frage, welche sozialen Strukturen Angst-Räume ausdrücken.
Dem Angst-Raum-Diskurs3 zufolge haben nur Frauen Angst, und zwar haben sie Angst vor Männern (zu haben). Die soziale Trennlinie für Angst-Räume wird also (auch) entlang der Geschlechtszugehörigkeit gesetzt. Diese Ungleichheitskategorie steht bei der vorliegenden Arbeit im Vordergrund.
Es geht also übergeordnet um das Geschlechterverhältnis. Insofern müssen Aspekte, die in Angst-Räumen enthalten sind, auch dem Geschlechterverhältnis inhärent sein. Ungleiche Raumverfügung, Angst und Gewalt stehen hinter dem Terminus "Angst-Raum". Ungleichheit, Macht, Hierarchie und Gewalt sind Merkmale, die in einem patriarchalen Gesellschaftssystem das Verhältnis zwischen den Geschlechtern definieren.
1.2 Zielsetzung und Fragestellung
Im Bereich der Geographie vielmehr der feministischen Geographie wird immer wieder gefordert, "sich mit dem historisch gewachsenen und damit veränderbaren Geschlechterverhältnis auseinanderzusetzen und der Diskriminierung von Frauen entgegenzuwirken" (BOCK et al. 1989, S. 5). Diesem Postulat möchte ich in der vorliegenden Arbeit nachkommen. Es kann aber dabei nicht nur darum gehen, Angst-Räume als solche zu identifizieren und die daraus resultierenden Nachteile für Frauen darzustellen (vgl. BÄSCHLIN/MEIER 1995, S. 250).
"Die Existenz von Unterschieden in den räumlichen Verhaltensmustern von Frauen und Männern ist eine Tatsache, die im Rahmen der geographischen Frauenforschung aufgezeigt wurde. Es kann jedoch nicht genügen,
3 Definition von Diskurstheorie siehe Kap. 2.3.2
3
diese sichtbar zu machen. Vielmehr müssen die Gründe für die nach wie vor untergeordnete Stellung der Frau erforscht und analysiert werden. Hier setzt die feministische Geographie an. [...] Dies impliziert eine Veränderung der gesellschaftlichen sowie der räumlichen Verhältnisse. Es kann also im Rahmen der Geographie nicht nur darum gehen, aus räumlich inadäquaten Verhältnissen kurzfristige Bedürfnisse zu identifizieren und umzusetzen. Vielmehr müssen langfristige Perspektiven formuliert werden mit dem Ziel, die Stellung der Frau in der Gesellschaft und im Raum zu verbessern." (OSWALD 1992, S. 8).4
Ein ähnliches Ziel verfolgt auch die vorliegende Arbeit. Es geht mir nicht um einen weiteren empirischen Beleg für die Benachteiligung von Frauen und um politisch umzusetzende Lösungsvorschläge. Vielmehr interessieren mich die sozialen Hintergründe und gesellschaftlichen Zusammenhänge von Angst-Räumen, so dass am Ende das Ergebnis dieser Arbeit in Form von Wissen eine Grundlage sein kann für mögliche konkrete Schritte in der Zukunft.
Ausgangspunkt der Überlegungen war der Sachverhalt, dass die meisten Frauen bei Dunkelheit im öffentlichen Raum Angst haben. Diese Angst wird in unserem Alltagsverständnis nicht weiter hinterfragt, sondern hingenommen, wird sie uns doch als zur "Natur der Frau" gehörend vermittelt. Interessant ist jedoch, dass es auch Frauen gibt, die den Eindruck erwecken, sich über diese Angst hinwegzusetzen bzw. die bei Befragungen wie der infas-Studie ihre Angstlosigkeit äußern. Aus der Perspektive dieser Frauen werde ich die Angst-Raum-Problematik betrachten. Dies erscheint mir aus mehreren Gründen interessant: Die Möglichkeit eventueller Angstlosigkeit ist im Gegensatz zur Ängstlichkeit von Frauen hinsichtlich der Raumnutzung und Raumaneignung so gut wie nie thematisiert worden.
Die Angst sozusagen retrospektiv ins Visier zu nehmen, d. h. nach dem Prozess einer eventuellen Angstüberwindung, kann Einblicke in den [...]
4 Karin Oswald spricht hier von "der" Frau, was in der vorliegenden Arbeit als universalisierende Kategorie abgelehnt wird (was aber andererseits in Hinsicht auf die untergeordnete Stellung von Frauen in patriarchalen Systemen doch wieder zutrifft).
4
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