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Untersuchungen zu den Ursachen und Auswirkungen juveniler Adipositas

Examensarbeit, 2008, 122 Seiten
Autor: Steven Kiefer
Fach: Pädagogik - Sonstiges

Details

Kategorie: Examensarbeit
Jahr: 2008
Seiten: 122
Note: 1,5
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V129405
ISBN (E-Book): 978-3-640-35280-7
ISBN (Buch): 978-3-640-35293-7
Anmerkungen :
Diese Zulassungsarbeit (Examensarbeit bzw. Wissenschaftliche Arbeit im Rahmen des 1. Staatsexamens) bietet einen detaillierten Überblick über Adipositas und darüber hinaus eine selbst an drei verschiedenen Schulen durchgeführte Studie, die das Ernährungsverhalten, Freizeitverhalten und Adipositas interdependent untersucht.


Zusammenfassung / Abstract

1. Einleitung 1 2. Definitionen und Begriffsbestimmungen 3 2.1 Definition von Adipositas 4 2.1.1 Allgemeine Definition der Adipositas 4 2.1.2 Adipositas bei Kindern und Jugendlichen 9 2.2 Methoden zur Bestimmung von Adipositas 11 2.2.1 Body Mass Index (BMI) 12 2.2.2 Der Broca-Index (BI) 13 2.2.3. Waist-to-hip-ratio (WHR) – Fettverteilung 14 2.2.4 Hüftumfangsmessungen 16 2.2.5 Hautfaltendickemessungen 16 2.2.6 Weitere Diagnosemöglichkeiten 17 3. Prävalenzen und Verbreitung von Adipositas in Deutschland 20 4. Folgen von Adipositas 25 4.1 Medizinische Folgeerkrankungen durch Adipositas 26 4.1.1 Diabetes mellitus Typ 2: 26 4.1.2 Kardiopulmonale Erkrankungen 27 4.1.3 Orthopädische Folgen 28 4.1.4 Weitere Begleit- und Folgeerkrankungen 29 4.2 Psychosoziale Folgen 31 4.3 Ökonomische Folgen von Adipositas 36 5. Ursachen und Erklärungsansätze für Adipositas 38 5.1 Ernährungsverhalten 39 5.1.1 Der Energieverbrauch 41 5.1.2 Die Energiezufuhr 44 5.1.3 Nahrungsqualität und Essverhalten 45 5.2 Körperliche Aktivität 49 5.3 Umgebungsbedingungen und familiäre Einflüsse 51 5.3.1 Umgebungsbedingungen 51 5.3.2. Familiäre Einflüsse 53 5.4 Genetik 55 6. Eigene Studie 61 6.1 Zielsetzung der Studie 61 6.2 Studiendesign und Messmethode 62 6.3 Untersuchungsergebnisse 63 6.3.1 Wirkungsmechanismus Ernährung 69 6.3.2 Wirkungsmechanismus Freizeitverhalten – körperliche Aktivität 6.3.3 Zusammenfassung/Schlussfolgerung 77 7. Schlussbetrachtung/Ausblick 81 8. Verzeichnis der verwendeten Abkürzungen 88 9. Literaturverzeichnis 89 9.1. Nachschlagewerke 89 9.2. Internetquellen 89 9.3. Andere Literatur 90 10. Anhang 99 10.1 Grafiken aus Sekundärliteratur 99 10.2 Anhang des empirischen Teils (Studie) 107 10.3 Quellenachweise für Internetquellen (Screenshots)114


Textauszug (computergeneriert)

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Die Arbeit wurde betreut von:

Institut für Erziehungswissenschaften

Abteilung Unterrichtsforschung

Untersuchungen zu den Ursachen und Auswirkungen

juveniler Adipositas

Wissenschaftliche Arbeit im Rahmen der

1. Staatsexamensprüfung zum Lehramt an Gymnasien

an der

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Brsg.

Freiburg, März 2008

Vorgelegt von:

Steven Kiefer


Inhalt

Inhalt

1. Einleitung 1

2. Definitionen und Begriffsbestimmungen 3

2.1 Definition von Adipositas 4

2.1.1 Allgemeine Definition der Adipositas 4

2.1.2 Adipositas bei Kindern und Jugendlichen 9

2.2 Methoden zur Bestimmung von Adipositas 11

2.2.1 Body Mass Index (BMI) 12

2.2.2 Der Broca-Index (BI) 13

2.2.3. Waist-to-hip-ratio (WHR) ­ Fettverteilung 14

2.2.4 Hüftumfangsmessungen 16

2.2.5 Hautfaltendickemessungen 16

2.2.6 Weitere Diagnosemöglichkeiten 17

3. Prävalenzen und Verbreitung von Adipositas in Deutschland 20

4. Folgen von Adipositas 25

4.1 Medizinische Folgeerkrankungen durch Adipositas 26

4.1.1 Diabetes mellitus Typ 2: 26

4.1.2 Kardiopulmonale Erkrankungen 27

4.1.3 Orthopädische Folgen 28

4.1.4 Weitere Begleit- und Folgeerkrankungen 29

4.2 Psychosoziale Folgen 31

4.3 Ökonomische Folgen von Adipositas 36

5. Ursachen und Erklärungsansätze für Adipositas 38

5.1 Ernährungsverhalten 39

5.1.1 Der Energieverbrauch 41

5.1.2 Die Energiezufuhr 44

5.1.3 Nahrungsqualität und Essverhalten 45

5.2 Körperliche Aktivität 49

5.3 Umgebungsbedingungen und familiäre Einflüsse 51

5.3.1 Umgebungsbedingungen 51

5.3.2. Familiäre Einflüsse 53

I


Inhalt

5.4 Genetik 55

6. Eigene Studie 61

6.1 Zielsetzung der Studie 61

6.2 Studiendesign und Messmethode 62

6.3 Untersuchungsergebnisse 63

6.3.1 Wirkungsmechanismus Ernährung 69

6.3.2 Wirkungsmechanismus Freizeitverhalten ­ körperliche Aktivität 74

6.3.3 Zusammenfassung/Schlussfolgerung 77

7. Schlussbetrachtung/Ausblick 81

8. Verzeichnis der verwendeten Abkürzungen 88

9. Literaturverzeichnis 89

9.1. Nachschlagewerke 89

9.2. Internetquellen 89

9.3. Andere Literatur 90

10. Anhang 99

10.1 Grafiken aus Sekundärliteratur 99

10.2 Anhang des empirischen Teils (Studie) 107

10.3 Quellenachweise für Internetquellen (Screenshots) 114

II


Verzeichnis der im Text verwendeten Abbildungen

Verzeichnis der im Text verwendeten Abbildungen

Abbildung 1: Classification of adults according to BMI 7

Abbildung 2: Androides (oben) und gynoides (unten) Fettverteilungsmuster 14

Abbildung 3: Häufigkeit von Übergewicht und Adipositas in Abhängigkeit von Alter und

Geschlecht. VERA-Studie 22

Abbildung 4: Die Verbreitung von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und

Jugendlichen in Deutschland 24

Abbildung 5: Typisches Beispiel für Fußabdrücke normalgewichtiger (links) und

übergewichtiger (rechts) Probanden 28

Abbildung 6: Depressionsrisiko von Übergewichtigen und Normalgewichtigen 33

Abbildung 7: Lebensqualität übergewichtiger und adipöser Kinder und Jugendlicher 35

Abbildung 8: Positive und negative Korrelation zwischen BMI und Fett- bzw.

Kohlenhydrataufnahme 46

Abbildung 9: Teufelskreis aus Übergewicht und Vermeidung von Aktivität. 51

Abbildung 10: BMI und Intrapaar-Korrelation bei ein- und zweieiigen Zwillingen, die

getrennt und gemeinsam aufgewachsen sind 56

Abbildung 11: Gewichtszunahme erbidentischer Zwillinge (in kg) nach 100 Tagen

Überernährung. Jeder Punkt gibt die Gewichtszunahme des Zwillingspaares an:

Projektion auf Ordinate Zwilling A bzw. auf Abszisse Zwilling B 58

Abbildung 12: Biopsychosoziales Modell der Entstehung und Aufrechterhaltung von

Übergewicht und Adipositas 83

III


1. Einleitung

,,Rokal [ein Altsteinzeitmensch] zeigte ins Wasser und flüsterte: » Da liegt ein

Wels! Ein Riese!« Faskons Augen funkelten. »Der darf uns nicht entwischen! «

Wortlos nahmen beide ihre schwere Harpune in die Wurfhand. Die Zeit schien

stillzustehen. Ihre Bewegungen waren ganz langsam. Geräuschlos setzten sie

Fuß vor Fuß. »Wirf!«, zischte Faskon und im selben Augenblick fuhr Rokals

Harpune dem Fisch in die Seite. Der Wels schnellte an die Oberfläche, peitschte

das Wasser ... Und dann traf Faskons Harpune ihn dicht hinter dem Kopf. »Er

hat noch zu viel Kraft! Ich kann kaum die Leine halten!«, schrie Rokal und wi-

ckelte die Schnur um einen Erlenstumpf herum. Blitzschnell hob Faskon die

leichte Harpune vom Boden auf und schleuderte sie mit aller Kraft in den

Fischleib. Erst als auch Rokal seine leichte Harpune warf, war der Kampf ge-

wonnen. Jetzt sprang Faskon ins Wasser und wälzte den Fisch die Uferkante

hinauf. [...] »Noch niemals haben wir einen Wels gefangen, der so lang ist wie

ich«, sagte Faskon und zog die leichte Harpune aus dem Fischleib. [...] Faskon

kniete sich hin, schob seine Arme unter den Fisch und stand mit seiner Last auf.

Rokal schulterte den Erlenstab, auf den sie die kleinen Fische zum Tragen auf-

gereiht hatten, nahm die Jagdwaffen hoch und folgte dem Freund."

(Dirk Lornsen, Rokal der Steinzeitjäger)1

1. Einleitung

Diese aus einem Jugendbuch entnommene Romanpassage ist zwar fiktiver

Natur, jedoch wird sehr deutlich illustriert, wie der menschliche Körper pro-

grammiert ist, um in urzeitlichen Verhältnissen zu überleben. In Zeiten, in de-

nen der Mensch immer wieder mit Nahrungsmittelknappheit zu kämpfen hatte,

war es ein evolutionsbiologisch großer Vorteil, dass Nahrungsmittelverfügbar-

keiten genutzt werden konnten, um Reserven für künftige Hungerperioden zu

schaffen. Zudem war die Nahrungsmittelbeschaffung mit großen Anstrengun-

1 Lornsen, Dirk: Rokal der Steinzeitjäger. Thienemann Verlag 1987, S. 33-34.

1


1. Einleitung

gen verbunden und der Verzehr von beispielsweise Fleisch oder Fisch musste

zunächst durch einen großen Energieaufwand in Form von Jagd und Nah-

rungsmitteltransport verdient werden. Die heutigen Verhältnisse der Industrie-

nationen sind dagegen von einem großen Nahrungsmittelüberangebot geprägt,

die Lebensmittel können ohne kraftaufwändige Prozeduren erworben werden

und der Energiebedarf zur Aufrechterhaltung der Körpertemperatur wurde

durch Wohnungen, Kleidung und Technologien stark reduziert. Der menschli-

che Organismus, der darauf ausgerichtet ist, einer potenziellen Hungersnot prä-

ventiv entgegenzuwirken, arbeitet heutzutage also kontraproduktiv, was sich

mittlerweile zu einer ,,globalen Epidemie"2 [sprich Adipositas] entwickelt hat.

Die Prävalenz adipöser Menschen hat sich, auch in Deutschland, was durch

neueste Untersuchungsergebnisse belegt werden konnte, stark erhöht und be-

sonders die große Anzahl übergewichtiger und adipöser Kinder und Jugendli-

cher hat besorgniserregende Zustände erreicht. Ziel meiner Arbeit wird es sein

zu untersuchen, welche komplexen Folgen Adipositas für den Menschen haben

können, insbesondere für Kinder und Jugendliche, um darüber hinaus zu er-

gründen, welche wissenschaftlich dokumentierten Gründe für die Entwicklung

und Aufrechterhaltung einer Adipositas in Frage kommen. In diesem Rahmen

werde ich eine selber konzipierte und durchgeführte Studie vorstellen, die der

Frage nachgeht, welchen Einfluss der Bildschirmmedienkonsum und das damit

einhergehende Ernährungsverhalten auf die Körperkonstitution von Kindern

und Jugendlichen besitzt, um darüber hinaus zu eruieren, ob sich altersspezifi-

sche Risikogruppen hinsichtlich der untersuchten Aspekte und Merkmale er-

kennen lassen.

Nach derzeitigem Forschungsstand lassen sich die Folgen von Adipositas in

drei Gruppen klassifizieren, die sich in einem komplexen Zusammenspiel beein-

flussen. So haben Übergewicht und Adipositas große medizinische Folgen, ö-

2 WHO Technical Report Series (2000), S. II.

(Zur Zitierweise in dieser Arbeit: Alle Titel werden in den Anmerkungen mit Kurztiteln zitiert.

Diese werden im Literaturverzeichnis wie folgt aufgelöst: I. Nachschlagewerke: Abgekürzter

Lexikontitel, Artikelname und Seiten-/Spaltenzahl; II. Internetquellen: Internetadresse, Datum,

Uhrzeit (Screenshot im Anhang); III. Andere Literatur: Name des Verfassers, Titel, Jahr und

Seitenzahl.)

2


2. Definitionen und Begriffsbestimmungen

konomische Konsequenzen und besonders für Kinder und Jugendliche, aber

auch für Erwachsene, psychosoziale Folgen.3 Denn der ,,zunehmenden Zahl

Übergewichtiger steht eine Verschlankung des Schönheitsideals entgegen"4, was

weitreichende psychische bis hin zu körperlichen Auswirkungen für die Betrof-

fenen haben kann.

Und auch bei der Analyse der Ursachen für Übergewicht und Adipositas ist

zu erkennen, dass sich diese gegenseitig beeinflussen, was enorm erschwert zu

gewichten, wie groß die Anteile der einzelnen Faktoren für die Entstehung und

Aufrechterhaltung von Übergewicht und Adipositas sind. Nach derzeitigem

Forschungsstand hat sich herauskristallisiert, dass das Ernährungsverhalten, der

Energieverbrauch in Form von körperlicher Aktivität und die Umwelteinflüsse

entscheidende Einflussgrößen darstellen. Zudem zeigen neueste Untersuchun-

gen, dass genetische Faktoren nicht zu unterschätzen sind und wesentlich mit

beeinflussen können, wie sich die körperliche Entwicklung der Menschen ges-

taltet.5

Die Ursachenforschung und die Analyse der Folgen der Adipositas nehmen

in der Adipositasforschung einen besonderen Stellenwert ein. Denn erst durch

das Wissen um die Auswirkungen und Ursachen von Übergewicht und Adiposi-

tas ist es möglich, daraus abgeleitete Interventions- und Präventionsmaßnahmen

zu entwickeln.

2. Definitionen und Begriffsbestimmungen

In den folgenden Kapiteln werde ich zunächst definieren, was man sich un-

ter einer Adipositas vorzustellen hat und ab wann ein Mensch als adipös klassi-

fiziert wird. In diesem Rahmen wird es wichtig sein, häufig auftretende begriffli-

che Missverständnisse auszuräumen, indem ich eine Abgrenzung von der Adi-

3 Einen Überblick über die Folgen von Adipositas für Jugendliche und Erwachsene liefert:

WHO Technical Report Series (2000), Kapitel 4 und 6.

4 Ehlert (2002), S. 499.

5 Einen Überblick über die Ursachen von Adipositas für Jugendliche und Erwachsene liefert:

WHO Technical Report Series (2000), Kapitel 7.

3


2. Definitionen und Begriffsbestimmungen

positas zu verwandten Begriffen vornehmen werde. Darüber hinaus gilt es zu

klären, was die Besonderheiten bei der Definition und der Bestimmung von

Adipositas im Kindes- und Jugendalter sind, um darauf aufbauend zu untersu-

chen, wie sich die derzeitige Verbreitung und die Prävalenzen dieser oft unter-

schätzten Krankheit6 gestalten.

2.1 Definition von Adipositas

Zunächst werde ich definitorische Voruntersuchungen anstellen, indem ich

von einer allgemeinen Definition ausgehend auf die Besonderheiten bei der

Adipositas im Kindes- und Jugendalter überleiten werde. Dabei ist es unum-

gänglich, hier schon den Body Mass Index zu erläutern, der eng mit den Defini-

tionen verknüpft ist und vor allem für die Bestimmung von Adipositas im Kin-

des- und Jugendalter seine Besonderheit findet. Dieser kurze Vorgriff auf die

Methoden zur Bestimmung von Adipositas wird in 2.2 ergänzt und weiter aus-

geführt.

2.1.1 Allgemeine Definition der Adipositas

Etymologisch betrachtet hat der Begriff ,Adipositas′ seinen Ursprung im

Lateinischen und schon der aktuelle Lexikoneintrag eines renommierten Medi-

zinlexikons7 zeigt, dass noch immer eine große Verwirrung um diesen Begriff

existiert, was eine einheitliche Definition und Einordnung von Adipositas und

verwandten Begrifflichkeiten selbst in der Fachliteratur erschwert.

Sucht man in diesem Lexikon nach dem Begriff ,Adipositas′, wird darauf

verwiesen, dass man unter dem Synonym ,Fettsucht′ nachzuschlagen habe.8

6 Hierbei ist anzumerken, dass sich die Autoren der Fachliteratur uneinig sind, ob Adipositas als

Krankheit anzusehen ist oder nicht. Denn laut Pudel sind ,,übergewichtige Menschen [...] keine

Patienten, weil Übergewicht keine Krankheit ist. Jedenfalls versicherungstechnisch [...]." Dage-

gen argumentiert Petermann in einem direkten Dialog mit Pudel, dass ,,vorausgesetzt Diabetes

mellitus Typ 2 oder Hypertonie eine Krankheit sind, dann ist in Analogie dazu die Adipositas

auch eine Krankheit, deren Behandlung als Leistung der Krankenkassen zu übernehmen sind".

Vgl. Petermann & Pudel (2003), S. 20, 21. ­ Ich halte es im Fortlauf meiner Arbeit mit Franz

Petermann und werde im Zusammenhang von Adipositas von einer Krankheit sprechen, da ich

es ebenso wie er für ,,paradox" halte, wenn man Adipositas als Ursache für zahlreiche Folge-

krankheiten nicht auch als Krankheit definieren würde.

7 LDM (1999)

8 Vgl. Ebd., S. 28.

4


2. Definitionen und Begriffsbestimmungen

Dort wird Fettsucht gleichbedeutend mit ,,Fettleibigkeit, Adipositas [und] Obe-

sitas"9 aufgelistet, was zeigt, dass sich selbst medizinische Lexika schwer tun mit

diesen Begrifflichkeiten umzugehen. Denn Begriffe wie ,Fettleibigkeit′ oder

,Fettsucht′ haben immer einen negativen Beigeschmack, weswegen dazu geraten

wird, auf Grund seiner Wertneutralität den Begriff ,Adipositas′ zu verwenden,

zumal ,Fettsucht′ auch von seiner Begrifflichkeit nicht zutreffend ist.10

Ein weiteres Problem, das häufig anzutreffen ist, ist der sorglose Umgang

mit den Begriffen Adipositas und Übergewicht11, dabei stellen diese beiden Beg-

riffe medizinisch betrachtet zwei völlig unterschiedliche Erscheinungsformen

dar. Adipositas bezieht sich immer auf ein ,,Übermaß an Fettgewebe, das zu

einer Beeinträchtigung der Gesundheit führt [oder führen kann]"12. Dieser

Punkt ist bei der Definition für Adipositas von enormer Bedeutung, da sich der

Begriff ,Übergewicht′ lediglich auf das absolute Gewicht bezieht und nicht dif-

ferenziert, warum ein Mensch ein bestimmtes Gewicht hat. Besonders sehr

muskulöse Menschen sind nach der Übergewichtsdefinition als übergewichtig

zu klassifizieren, da Muskelmasse ein hohes Gewicht auf die Waage bringt, je-

doch würde niemand behaupten, dass ein besonders muskulöser Mensch adipös

ist. ,,Im Normalfall haben Personen mit einem hohen Fettanteil (Adipositas)

auch ein hohes Körpergewicht (Übergewicht), während umgekehrt Personen

mit hohem Gewicht nicht unbedingt adipös sein müssen"13. Wie man diese

Problematik, zum Beispiel bei Bodybuildern, durch bestimmte Messmethoden

lösen kann, werde ich in Punkt 2.2. darstellen.

Nach diesen Vorüberlegungen und der Abgrenzung des Begriffes

,Adipositas′ zu konkurrierenden Begriffen schlage ich folgende Definition vor,

wobei man erwähnen muss, dass man den Begriff ,Adipositas′ zusammen mit

9 LDM (1999), S. 631.

10 Vgl. Pudel & Westenhöfer (1998), S. 123.

11 Man muss nur die Begriffe ,Adipositas′ und ,Übergewicht′ in den gängigen Internetsuchma-

schinen eingeben und man stößt auf zahlreiche Artikel und Online-Lexika, die keinerlei Unter-

scheidung vornehmen, was dazu führt, dass sich dieser definitorische und auch faktische Fehler

mehr und mehr in unsere Sprache einschleicht ­ zu sehen beispielsweise im Onlinelexikon

http://www.infobitte.de/free/lex/allgLex0/u/uebergewicht.htm (21.11.2007 - 14.35 Uhr

(Screenshot 10.3.5.)

12 Pudel & Westenhöfer (1998), S. 123.

13 Ebd., S. 125.

5


2. Definitionen und Begriffsbestimmungen

dem lateinischen Ursprungswort ,adiposus′ erfassen sollte, um klarzustellen,

dass das Übergewicht in Folge eines erhöhten Körperfettanteils zustande

kommt.

Adiposus hat seinen Ursprung im Lateinischen und wird übersetzt mit fett-

reich, verfettet, adipös14 und diese etymologische Wortbetrachtung lässt schon

erkennen, dass es sich bei Adipositas um eine erhöhte Fettansammlung handelt,

die zu einem Übergewicht führt. Die Definition liest sich wie folgt:

,,Adipositas (engl.) obesity; krankhaftes Übergewicht, das zu gesundheitl.

Beeinträchtigungen führt. [...] Sympt.: erhöhter Körperfettanteil." 15

Diese kurz gehaltene Definition gibt im Prinzip genau das wieder, worauf es

mir bei meinen Vorüberlegungen ankam. Adipositas ist niemals gleichzusetzen

mit einem Übergewicht, sondern dieses erhöhte Gewicht ist der Tatsache ge-

schuldet, dass ein zu hoher Körperfettanteil vorherrscht, der zu erheblichen

gesundheitlichen Schäden und Störungen führen kann, wie meine späteren Aus-

führungen zeigen werden.

Um diese Ausführungen und Unterscheidungen mit Zahlen zu untermau-

ern, werde ich erläutern, zu welchem Konsens die Wissenschaft bei der Bewer-

tung, ab wann ein Mensch als adipös gilt, gekommen ist.

Das Maß aller Dinge ist in der derzeitigen wissenschaftlichen Literatur vor

allem der Body Mass Index (BMI), ,,dessen Korrelation zur Fettgewebsmasse

bei etwa .80 liegt"16 und damit eine starke, positive Korrelation aufweist17, was

bedeutet, dass Menschen mit zunehmendem BMI in den meisten Fällen gleich-

zeitig eine prozentual erhöhte Fettgewebsmasse haben. Eine hundertprozentige

Wahrscheinlichkeit ist natürlich nicht gegeben, was auch der Korrelationswert

.80 zum Ausdruck bringt, da weitere Faktoren den BMI-Wert beeinflussen kön-

nen (siehe Muskelgewebsmasse), dennoch ist gegeben, dass tendenziell bei ei-

nem hohen BMI ein hoher Anteil Körperfettgewebe zu erwarten ist. Anhand

14 Vgl. PKW ( 2002), S. 22.

15 Ebd., S. 22.

16 Laessle (1998), S. 430.

17 Vgl. Fahrmeir et al. (2004), S. 139.

6



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