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Termpaper, 2006, 28 Pages
Author: Magistra Artium Katharina Kullmer
Subject: German Studies - Miscellaneous
Details
Tags: BBC, Zweiter Weltkrieg, Radio, Thomas Mann, "Feindsender", "Gleichschaltung", NS-Zeit, Radiosendungen, Reportagen, Kurt und Willi, Frau Wernicke, British Broadcast Corporation
Year: 2006
Pages: 28
Grade: 1,5
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-36101-4
ISBN (Book): 978-3-640-36071-0
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Abstract
Die vorliegende Arbeit behgandelt die Rolle des Deutschen Dienstes der BBC während des Zweiten Weltkriegs. Wenn auch das Medium Radio und seine Wirkung noch unerforscht waren und es keine Vorgaben für Sendungen und Programm gab, arrangierte sich die BBC schnell mit den Umständen und schlug eine fest definierte Richtung ein. Die BBC betrieb zwar auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg ihren deutschen Dienst, das deutschsprachige Programm der BBC erlangte jedoch zwischen 1939 und 1945 seine größte Bedeutung. Das Hören von ausländischen Sendern wie der BBC war in Deutschland eine der wenigen Möglichkeiten an Informationen über die Kriegssituation und die Frontlage zu gelangen. Diese Arbeit gibt einen Überblick über die zeitgeschichtlichen Hintergründe, die Organisation und die erfolgreichsten Programme des Deutschen Dienstes der BBC.
Excerpt (computer-generated)
,,Hier ist England!"
- Der deutsche Dienst der BBC im Dritten Reich
0. Einleitung 2
I. Zeitgeschichte, Rahmen 3
II. Die BBC 4
III. (1) Die BBC im 2. Weltkrieg 6
III. (2) Der Deutsche Dienst der BBC 6
IV. Sendungen und Sendestrukturen 9
IV. (1.) Nachrichten, Interviews, Kommentare und Musik 11
IV. (2.) Die Briefe des Gefreiten Hirnschal 13
IV. (3.) ,,Frau Wernicke" 17
IV. (4.) Thomas Mann auf Sendung 18
V. Erfolg oder Misserfolg? Was hat der deutsche Dienst der BBC bewirkt? 22
Quellenangaben: 26
1
0. Einleitung
Dreimal kurz, dreimal lang diese dumpfen Paukenschläge dienten seit 1939 als
Erkennungsmelodie des Deutschen Dienstes der British Broadcasting Corporation (BBC) im
Radio. Schon diese Melodie war, wie die meisten Beiträge nach einem kurzen Probelauf des
deutschen Dienstes, behutsam und bedacht zusammengestellt: Sie sollte sowohl an die
Anfangstakte der 5. Symphonie Ludwig van Beethovens erinnern als auch das Morsezeichen
für den Buchstaben ,,V" wie ,,Victory" wiedergeben und damit ein Zeichen für den nahenden
Sieg über das Hitlerregime setzen.1 Wenn auch das Medium Radio und seine Wirkung noch
unerforscht waren und es keine Vorgaben für Sendungen und Programm gab, arrangierte sich
die BBC schnell mit den Umständen und schlug eine fest bestimmte Richtung ein. Die BBC
betrieb zwar auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg ihren deutschen Dienst, das
deutschsprachige Programm der BBC erlangte jedoch zwischen 1939 und 1945 seine größte
Bedeutung. Das Hören von ausländischen Sendern wie der BBC war in Deutschland eine der
wenigen Möglichkeiten an Informationen über die Kriegssituation und die Frontlage zu
gelangen. Nicht ohne Grund installierte das deutsche Propagandaministerium Störsender, um
die Briten an der Ausstrahlung ihres Programms zu hindern. ,,Englisch inhalieren"2 nannte
man es im Volksmund, wenn man heimlich, mit der Bettdecke über dem Kopf, um jeden
verdächtigen Ton zu dämpfen, den englischen ,,Feindsender" hörte.
In meiner Ausarbeitung möchte ich einen kurzen Überblick über die zeitgeschichtlichen
Hintergründe, die Organisation und die erfolgreichsten Programme des deutschen Dienstes
der BBC geben und außerdem versuchen aufzuzeigen, was die BBC mit ihrem Wirken in
Deutschland erreicht hat.
1 Deutsches Historisches Museum (Hrsg.). Text: Hans-Ulrich Pietsch. Hier ist England - historische Aufnahmen
des Deutschen Dienstes der BBC. [Beiheft]. Frankfurt, Berlin 1998
2 Lucas, Robert. Die Briefe des Gefreiten Hirnschal. BBC-Radio-Satiren 1940-1945. 1. Auflage. Verlag für
Gesellschaftskritik. Wien 1994. Seite 259.
2
I. Zeitgeschichte, Rahmen
Als das Medium Radio noch in seinen Kinderschuhen steckte, sah seine Zukunft nicht
sonderlich viel versprechend aus. Rundfunkähnliche Übertragungen wurden zwar bereits im
Ersten Weltkrieg ausgestrahlt, da allerdings nur für den militärischen Nachrichtendienst.
Seinen Erfolg verdankt das Medium Radio vor allem seiner Nutzung für die Zivilbevölkerung
ab den 1930er Jahren und als Propaganda- und Ablenkungsinstrument im Zweiten Weltkrieg.
Der deutsche Propagandaminister Joseph Goebbels war fest entschlossen, sich das bis dato im
Privatgebrauch relativ neue Medium zu Nutze zu machen. Radio sollte als Mittel fungieren,
das die Bevölkerung bei Laune hielt, sie von dem ablenkte was sie dazu bringen könnte,
unangenehme Fragen zu stellen und sie propagandistisch zu beeinflussen. Mit dem
,,Volksempfänger" gelang es Goebbels ein eigenes Beeinflussungsinstrument zu schaffen, das
von der Hitler-Rede bis zum ,,Wunschkonzert für die Wehrmacht" genau das übertrug, was
bei der Bevölkerung ankommen sollte. Unterhaltung und Propaganda waren die
Hauptelemente des Radioprogramms der NS-Zeit. Das Radio fungierte als Stimmungsmacher,
half dabei die Führungspersönlichkeiten perfekt zu inszenieren und die Bevölkerung mittels
ständig wiederholter Parolen zum Durchhalten zu motivieren und dadurch den Zweiten
Weltkrieg zu verlängern.
Bezeichnend für Goebbels Propaganda ist der Begriff der ,,Gleichschaltung", der im
Nationalsozialismus für die Zentralisierung und flächendeckende Angleichung aller
gesellschaftlichen und kulturellen Bereiche an die NSDAP stand. Diese ,,Gleichschaltung"
aller Instanzen begann im Frühjahr 1933: Den Einparteienstaat besiegelten die
Nationalsozialisten mit dem Verbot aller anderen Parteien. Die deutschen Länder verloren
ihre politische Eigenständigkeit. Auf allen Ebenen der Gesellschaft wurden Verbände und
Vereine zwangsweise aufgelöst, verboten oder in Organisationen der NSDAP überführt.
Zunächst vollzogen sich die Angleichungen nur auf politischer Ebene, später auch in den
verschiedensten anderen Bereichen. Ziel war die Verschmelzung von Partei und Staat, und
damit die Schaffung einer Gesellschaft, die einer völligen Kontrolle unterzogen war.
Besonders wichtig und tief greifend war in diesem Zusammenhang die Vereinheitlichung
aller Medien und ihrer Richtlinien und Programme. Nichtsdestotrotz wurden Radiogeräte im
Akkord produziert, die Preise sanken und die Beliebtheit von Sendungen stieg mehr und mehr
an. Nach Goebbels′ Vorstellung sollte jeder Zugriff auf einen Radioapparat haben.
3
Die deutsche Bevölkerung konnte jedoch für Informationen nicht nur auf den
propagandistischen Volksempfänger zurückgreifen, denn auch die Alliierten nutzten die
Ätherwellen für gezielte Propaganda. Verbotenerweise hörten viele Menschen so genannte
Fremdprogramme wie die ,,Stimme Amerikas", ,,Radio Moskau" oder das Programm der
britischen BBC. Sie erhofften sich von den ausländischen Sendern, insbesondere gegen
Kriegsende, verlässlichere Informationen als von den eigenen Radiosendern. Mit dem Hören
von ,,Feindsendern" begab man sich jedoch in große Gefahr: Wer erwischt wurde, musste mit
Zuchthaus oder sogar mit der Todesstrafe rechnen. So wurde beispielsweise der Jugendliche
Helmuth Hübener3 vom Volksgerichtshof wegen Abhörens von Feindsendern zum Tode
verurteilt. Er hatte Mitschriften von ausländischen Radiosendungen auf Flugblätter gedruckt
und in Hamburg verteilt. Aus Akten der Gestapo lässt sich ersehen, dass zwischen 1.
September 1939 und 31. August 1940 14110 Menschen festgenommen wurden, weil sie in
Verdacht standen ,,Feindsender" zu hören nur 331 davon sollen einer Verurteilung
entgangen sein. Die übrigen, verurteilten ,,Fremdhörer" wurden zu Zuchthaus- und
Gefängnisstrafen von einem Monat bis zu fünf Jahren verurteilt.4
Während des Kriegs gingen schließlich sowohl die deutsche Seite als auch die ,,Feindsender"
dazu über als Tarnsender aufzutreten und ihre wirkliche Identität zu verschleiern. Diese so
genannte ,,schwarze Propaganda" soll jedoch im Folgenden nicht behandelt werden. In meiner
Untersuchung möchte ich vor allem auf die Frage eingehen, wie das deutsche Programm der
BBC strukturiert war, welchen Erfolg man sich davon versprach und welcher tatsächlich
eintrat.
II. Die BBC
Die British Broadcasting Corporation (BBC) wurde am 18. Oktober 1922 als British
Broadcasting
Company
von John Reith, Cecil Lewis, Arthur Burrows und Stanton Jefferies in
London als unabhängiger Radiosender gegründet. Am 14. November 1922 ging die BBC zum
ersten Mal, von einem Londoner Studio aus, auf Sendung. Wenige Tage darauf wurde bereits
zusätzlich aus Birmingham und Manchester gesendet. Die Vorstellung des Radiodirektors
John Reiths war es, einen unabhängiger Sender, der neben Bildung und Information auch
3 Schnibbe, Karl-Heinz, Holmes, Blair [Hrsg.]. Jugendliche gegen Hitler: die Helmuth-Hübener-Gruppe in
Hamburg 1941/42. Verl.-Gemeinschaft Berg. Berg am See, 1991.
4 Pütter, Conrad, Rundfunk gegen das ,,Dritte Reich". Verlag: K.G. Saur. München [u.a.] 1986. Seite 25.
4
Unterhaltung bieten sollte, zu schaffen. Die BBC, die heute mehrere Hörfunk- und
Fernsehprogramme sowie eine umfangreiche Website betreibt, ist diesen Maßstäben
weitgehend treu geblieben.
1927 wurde die British Broadcasting
Company
in British Broadcasting
Corporation
umbenannt, nachdem ihr die ,,Royal Charter" in etwa dem deutschen Rundfunkstaatsvertrag
entsprechend erteilt wurde. 1932 startete die BBC die ersten regelmäßigen
Kurzwellensendungen, die erste regelmäßige Fernsehsendung der BBC wurde am 2.
November 1936 ausgestrahlt erste Testsendungen hatte es bereits seit 1929 gegeben. Das
Radioprogramm der BBC wurde von vielen Seiten überaus kritisch beäugt. Zeitungen
erkannten in den Radiosendungen eine Konkurrenz, die Politik wusste um das Interesse der
Bevölkerung und befürchtete eine zunehmende Beeinflussung der Menschen durch das
Medium.. Nicht nur die herrschende Regierung, sondern auch diverse Parteien und Fraktionen
erhofften sich über das Radio Einfluss nehmen zu können. Die Corporation war jedoch auf
Parteienfreundschaften nicht angewiesen, denn sie finanzierte sich seit der Gründung durch
Rundfunkgebühren. Die BBC hatte sich selbst das Ziel gesetzt, möglichst alle britischen
Staatsbürger mit ihrem Programm zu erreichen.
Die Rundfunksendungen der BBC waren obwohl in englischer Sprache für einen
weltweiten Hörerkreis bestimmt, vornehmlich dienten sie dazu kulturelle und
gesellschaftliche Ereignisse in den Staaten des Commonwealth bekannt zu machen. Erste
Kurzsendungen in anderen Sprachen als Englisch wurden bereits vereinzelt vor dem 2.
Weltkrieg gesendet, 1939, mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, jedoch eingestellt.
Bis dato hatte der Sender den Anspruch an sich selbst, gewissenhaft, wahrheitsgemäß und
neutral zu berichten. Dieser selbst gestellten Anforderung wurde das deutsche Programm der
BBC im Zweiten Weltkrieg und auch in anderen Sendungen des BBC World Service
wissentlich nicht gerecht. Im Verlauf des Weltkrieges entschied sich die Sendeleitung für ein
neues Konzept und versuchte fortan bei ihrem Auslandsprogramm in deutscher Sprache durch
gezielte Sendekonzepte Einfluss auf die Bevölkerung zu nehmen.
Das deutsche Programm der BBC bestand auch noch nach dem Krieg, erst 1999 wurden die
Sendungen aus Kostengründen endgültig eingestellt. Eine deutsche Internetpräsenz hat die
BBC jedoch immer noch.
5
III. (1) Die BBC im 2. Weltkrieg
Die BBC durchlief in den 40er und 50er Jahren einem starken Wandel, während dessen sich
auch die Programmstrukturen merklich änderten. Das Fernsehprogramm der BBC wurde
während des Zweiten Weltkriegs eingestellt, der Radiodienst hingegen ausgebaut und gezielt
für Propaganda genutzt. Dennoch war in der frühen Kriegszeit das deutsche
Propagandaprogramm von ,,Lord Haw Haw" weitaus interessanter als das herkömmliche
Programm der BBC. Als Reaktion auf dieses Desinteresse änderte die BBC ihr Programm,
legte einen Schwerpunkt auf Unterhaltung und setzte außerdem Kriegskorrespondenten ein,
die ,,hautnah" berichteten und mit denen man engen Kontakt hielt. Das Konzept ging auf und
die BBC mauserte sich zu einer geachteten und als verlässlich eingestuften Quelle für ihre
Hörer. Etwa die Hälfte aller Briten hörte ab 1943 die Neunuhrnachrichten der BBC.5
Zum Kriegsende hin sendete die BBC in 40 Sprachen. Propagandaminister Joseph Goebbels
wird nachgesagt, er habe einmal gesagt, dass das Radioprogramm der BBC die ,,intellektuelle
Invasion"6 Europas erfolgreich vollzogen habe.
III. (2) Der Deutsche Dienst der BBC
Am 27. September 1938 sendete die BBC erstmals auf Deutsch7. Der Beitrag bestand aus der
Übersetzung einer Rede des damaligen britischen Premierministers Neville Chamberlain.
Hinter der Übertragung steckte die Hoffnung, einen Kriegsausbruch zu verhindern, indem
man die öffentliche Meinung beeinflusste.8 Das Vorgehen der BBC war hierbei noch eher
unbedarft: Man sendete die Rede einfach über sämtliche Sender des Inlandsdienstes und
hoffte schlichtweg, dass das Ganze seinen Weg zu der deutschen Bevölkerung finden würde.
Wirklich erreicht hat die meisten Deutschen vermutlich erst die spätere Ausstrahlung der
5 Homepage der BBC (http://www.bbc.co.uk/heritage/story/index.shtml, letzter Zugriff am 01.09.2007)
6 Ebd.
7 Radio-Kurier weltweit hören: Fachzeitschrift für Internationalen Rundfunkempfang. Ausgabe 99-05-10-13
(Mai 1999). Seite 11. In: Online-Archiv der ADDX e.V. (Assoziation Deutschsprachiger Kurzwellenhörer).
8 Radio-Kurier weltweit hören: Fachzeitschrift für Internationalen Rundfunkempfang. Ausgabe 99-05-10-13
(Mai 1999). Seite 11. In: Online-Archiv der ADDX e.V. (Assoziation Deutschsprachiger Kurzwellenhörer).
6
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