Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
"Hier ist England!" - Der deutsche Dienst der BBC im Dritten Reich close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

"Hier ist England!" - Der deutsche Dienst der BBC im Dritten Reich

Termpaper, 2006, 28 Pages
Author: Magistra Artium Katharina Kullmer
Subject: German Studies - Miscellaneous

Details

Category: Termpaper
Year: 2006
Pages: 28
Grade: 1,5
Language: German
Archive No.: V129644
ISBN (E-book): 978-3-640-36101-4
ISBN (Book): 978-3-640-36071-0

Abstract

Die vorliegende Arbeit behgandelt die Rolle des Deutschen Dienstes der BBC während des Zweiten Weltkriegs. Wenn auch das Medium Radio und seine Wirkung noch unerforscht waren und es keine Vorgaben für Sendungen und Programm gab, arrangierte sich die BBC schnell mit den Umständen und schlug eine fest definierte Richtung ein. Die BBC betrieb zwar auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg ihren deutschen Dienst, das deutschsprachige Programm der BBC erlangte jedoch zwischen 1939 und 1945 seine größte Bedeutung. Das Hören von ausländischen Sendern wie der BBC war in Deutschland eine der wenigen Möglichkeiten an Informationen über die Kriegssituation und die Frontlage zu gelangen. Diese Arbeit gibt einen Überblick über die zeitgeschichtlichen Hintergründe, die Organisation und die erfolgreichsten Programme des Deutschen Dienstes der BBC.


Excerpt (computer-generated)

,,Hier ist England!"

- Der deutsche Dienst der BBC im Dritten Reich

0. Einleitung 2

I. Zeitgeschichte, Rahmen 3

II. Die BBC 4

III. (1) Die BBC im 2. Weltkrieg 6

III. (2) Der Deutsche Dienst der BBC 6

IV. Sendungen und Sendestrukturen 9

IV. (1.) Nachrichten, Interviews, Kommentare und Musik 11

IV. (2.) Die Briefe des Gefreiten Hirnschal 13

IV. (3.) ,,Frau Wernicke" 17

IV. (4.) Thomas Mann auf Sendung 18

V. Erfolg oder Misserfolg? Was hat der deutsche Dienst der BBC bewirkt? 22

Quellenangaben: 26

1


0. Einleitung

Dreimal kurz, dreimal lang ­ diese dumpfen Paukenschläge dienten seit 1939 als

Erkennungsmelodie des Deutschen Dienstes der British Broadcasting Corporation (BBC) im

Radio. Schon diese Melodie war, wie die meisten Beiträge nach einem kurzen Probelauf des

deutschen Dienstes, behutsam und bedacht zusammengestellt: Sie sollte sowohl an die

Anfangstakte der 5. Symphonie Ludwig van Beethovens erinnern als auch das Morsezeichen

für den Buchstaben ,,V" wie ,,Victory" wiedergeben und damit ein Zeichen für den nahenden

Sieg über das Hitlerregime setzen.1 Wenn auch das Medium Radio und seine Wirkung noch

unerforscht waren und es keine Vorgaben für Sendungen und Programm gab, arrangierte sich

die BBC schnell mit den Umständen und schlug eine fest bestimmte Richtung ein. Die BBC

betrieb zwar auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg ihren deutschen Dienst, das

deutschsprachige Programm der BBC erlangte jedoch zwischen 1939 und 1945 seine größte

Bedeutung. Das Hören von ausländischen Sendern wie der BBC war in Deutschland eine der

wenigen Möglichkeiten an Informationen über die Kriegssituation und die Frontlage zu

gelangen. Nicht ohne Grund installierte das deutsche Propagandaministerium Störsender, um

die Briten an der Ausstrahlung ihres Programms zu hindern. ,,Englisch inhalieren"2 nannte

man es im Volksmund, wenn man heimlich, mit der Bettdecke über dem Kopf, um jeden

verdächtigen Ton zu dämpfen, den englischen ,,Feindsender" hörte.

In meiner Ausarbeitung möchte ich einen kurzen Überblick über die zeitgeschichtlichen

Hintergründe, die Organisation und die erfolgreichsten Programme des deutschen Dienstes

der BBC geben und außerdem versuchen aufzuzeigen, was die BBC mit ihrem Wirken in

Deutschland erreicht hat.

1 Deutsches Historisches Museum (Hrsg.). Text: Hans-Ulrich Pietsch. Hier ist England - historische Aufnahmen

des Deutschen Dienstes der BBC. [Beiheft]. Frankfurt, Berlin 1998

2 Lucas, Robert. Die Briefe des Gefreiten Hirnschal. BBC-Radio-Satiren 1940-1945. 1. Auflage. Verlag für

Gesellschaftskritik. Wien 1994. Seite 259.

2


I. Zeitgeschichte, Rahmen

Als das Medium Radio noch in seinen Kinderschuhen steckte, sah seine Zukunft nicht

sonderlich viel versprechend aus. Rundfunkähnliche Übertragungen wurden zwar bereits im

Ersten Weltkrieg ausgestrahlt, da allerdings nur für den militärischen Nachrichtendienst.

Seinen Erfolg verdankt das Medium Radio vor allem seiner Nutzung für die Zivilbevölkerung

ab den 1930er Jahren und als Propaganda- und Ablenkungsinstrument im Zweiten Weltkrieg.

Der deutsche Propagandaminister Joseph Goebbels war fest entschlossen, sich das bis dato im

Privatgebrauch relativ neue Medium zu Nutze zu machen. Radio sollte als Mittel fungieren,

das die Bevölkerung bei Laune hielt, sie von dem ablenkte was sie dazu bringen könnte,

unangenehme Fragen zu stellen und sie propagandistisch zu beeinflussen. Mit dem

,,Volksempfänger" gelang es Goebbels ein eigenes Beeinflussungsinstrument zu schaffen, das

von der Hitler-Rede bis zum ,,Wunschkonzert für die Wehrmacht" genau das übertrug, was

bei der Bevölkerung ankommen sollte. Unterhaltung und Propaganda waren die

Hauptelemente des Radioprogramms der NS-Zeit. Das Radio fungierte als Stimmungsmacher,

half dabei die Führungspersönlichkeiten perfekt zu inszenieren und die Bevölkerung mittels

ständig wiederholter Parolen zum Durchhalten zu motivieren ­ und dadurch den Zweiten

Weltkrieg zu verlängern.

Bezeichnend für Goebbels Propaganda ist der Begriff der ,,Gleichschaltung", der im

Nationalsozialismus für die Zentralisierung und flächendeckende Angleichung aller

gesellschaftlichen und kulturellen Bereiche an die NSDAP stand. Diese ,,Gleichschaltung"

aller Instanzen begann im Frühjahr 1933: Den Einparteienstaat besiegelten die

Nationalsozialisten mit dem Verbot aller anderen Parteien. Die deutschen Länder verloren

ihre politische Eigenständigkeit. Auf allen Ebenen der Gesellschaft wurden Verbände und

Vereine zwangsweise aufgelöst, verboten oder in Organisationen der NSDAP überführt.

Zunächst vollzogen sich die Angleichungen nur auf politischer Ebene, später auch in den

verschiedensten anderen Bereichen. Ziel war die Verschmelzung von Partei und Staat, und

damit die Schaffung einer Gesellschaft, die einer völligen Kontrolle unterzogen war.

Besonders wichtig und tief greifend war in diesem Zusammenhang die Vereinheitlichung

aller Medien und ihrer Richtlinien und Programme. Nichtsdestotrotz wurden Radiogeräte im

Akkord produziert, die Preise sanken und die Beliebtheit von Sendungen stieg mehr und mehr

an. Nach Goebbels′ Vorstellung sollte jeder Zugriff auf einen Radioapparat haben.

3


Die deutsche Bevölkerung konnte jedoch für Informationen nicht nur auf den

propagandistischen Volksempfänger zurückgreifen, denn auch die Alliierten nutzten die

Ätherwellen für gezielte Propaganda. Verbotenerweise hörten viele Menschen so genannte

Fremdprogramme wie die ,,Stimme Amerikas", ,,Radio Moskau" oder das Programm der

britischen BBC. Sie erhofften sich von den ausländischen Sendern, insbesondere gegen

Kriegsende, verlässlichere Informationen als von den eigenen Radiosendern. Mit dem Hören

von ,,Feindsendern" begab man sich jedoch in große Gefahr: Wer erwischt wurde, musste mit

Zuchthaus oder sogar mit der Todesstrafe rechnen. So wurde beispielsweise der Jugendliche

Helmuth Hübener3 vom Volksgerichtshof wegen Abhörens von Feindsendern zum Tode

verurteilt. Er hatte Mitschriften von ausländischen Radiosendungen auf Flugblätter gedruckt

und in Hamburg verteilt. Aus Akten der Gestapo lässt sich ersehen, dass zwischen 1.

September 1939 und 31. August 1940 14110 Menschen festgenommen wurden, weil sie in

Verdacht standen ,,Feindsender" zu hören ­ nur 331 davon sollen einer Verurteilung

entgangen sein. Die übrigen, verurteilten ,,Fremdhörer" wurden zu Zuchthaus- und

Gefängnisstrafen von einem Monat bis zu fünf Jahren verurteilt.4

Während des Kriegs gingen schließlich sowohl die deutsche Seite als auch die ,,Feindsender"

dazu über als Tarnsender aufzutreten und ihre wirkliche Identität zu verschleiern. Diese so

genannte ,,schwarze Propaganda" soll jedoch im Folgenden nicht behandelt werden. In meiner

Untersuchung möchte ich vor allem auf die Frage eingehen, wie das deutsche Programm der

BBC strukturiert war, welchen Erfolg man sich davon versprach und welcher tatsächlich

eintrat.

II. Die BBC

Die British Broadcasting Corporation (BBC) wurde am 18. Oktober 1922 als British

Broadcasting

Company

von John Reith, Cecil Lewis, Arthur Burrows und Stanton Jefferies in

London als unabhängiger Radiosender gegründet. Am 14. November 1922 ging die BBC zum

ersten Mal, von einem Londoner Studio aus, auf Sendung. Wenige Tage darauf wurde bereits

zusätzlich aus Birmingham und Manchester gesendet. Die Vorstellung des Radiodirektors

John Reiths war es, einen unabhängiger Sender, der neben Bildung und Information auch

3 Schnibbe, Karl-Heinz, Holmes, Blair [Hrsg.]. Jugendliche gegen Hitler: die Helmuth-Hübener-Gruppe in

Hamburg 1941/42. Verl.-Gemeinschaft Berg. Berg am See, 1991.

4 Pütter, Conrad, Rundfunk gegen das ,,Dritte Reich". Verlag: K.G. Saur. München [u.a.] 1986. Seite 25.

4


Unterhaltung bieten sollte, zu schaffen. Die BBC, die heute mehrere Hörfunk- und

Fernsehprogramme sowie eine umfangreiche Website betreibt, ist diesen Maßstäben

weitgehend treu geblieben.

1927 wurde die British Broadcasting

Company

in British Broadcasting

Corporation

umbenannt, nachdem ihr die ,,Royal Charter" ­ in etwa dem deutschen Rundfunkstaatsvertrag

entsprechend ­ erteilt wurde. 1932 startete die BBC die ersten regelmäßigen

Kurzwellensendungen, die erste regelmäßige Fernsehsendung der BBC wurde am 2.

November 1936 ausgestrahlt ­ erste Testsendungen hatte es bereits seit 1929 gegeben. Das

Radioprogramm der BBC wurde von vielen Seiten überaus kritisch beäugt. Zeitungen

erkannten in den Radiosendungen eine Konkurrenz, die Politik wusste um das Interesse der

Bevölkerung und befürchtete eine zunehmende Beeinflussung der Menschen durch das

Medium.. Nicht nur die herrschende Regierung, sondern auch diverse Parteien und Fraktionen

erhofften sich über das Radio Einfluss nehmen zu können. Die Corporation war jedoch auf

Parteienfreundschaften nicht angewiesen, denn sie finanzierte sich seit der Gründung durch

Rundfunkgebühren. Die BBC hatte sich selbst das Ziel gesetzt, möglichst alle britischen

Staatsbürger mit ihrem Programm zu erreichen.

Die Rundfunksendungen der BBC waren ­ obwohl in englischer Sprache ­ für einen

weltweiten Hörerkreis bestimmt, vornehmlich dienten sie dazu kulturelle und

gesellschaftliche Ereignisse in den Staaten des Commonwealth bekannt zu machen. Erste

Kurzsendungen in anderen Sprachen als Englisch wurden bereits vereinzelt vor dem 2.

Weltkrieg gesendet, 1939, mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, jedoch eingestellt.

Bis dato hatte der Sender den Anspruch an sich selbst, gewissenhaft, wahrheitsgemäß und

neutral zu berichten. Dieser selbst gestellten Anforderung wurde das deutsche Programm der

BBC im Zweiten Weltkrieg und auch in anderen Sendungen des BBC World Service

wissentlich nicht gerecht. Im Verlauf des Weltkrieges entschied sich die Sendeleitung für ein

neues Konzept und versuchte fortan bei ihrem Auslandsprogramm in deutscher Sprache durch

gezielte Sendekonzepte Einfluss auf die Bevölkerung zu nehmen.

Das deutsche Programm der BBC bestand auch noch nach dem Krieg, erst 1999 wurden die

Sendungen aus Kostengründen endgültig eingestellt. Eine deutsche Internetpräsenz hat die

BBC jedoch immer noch.

5


III. (1) Die BBC im 2. Weltkrieg

Die BBC durchlief in den 40er und 50er Jahren einem starken Wandel, während dessen sich

auch die Programmstrukturen merklich änderten. Das Fernsehprogramm der BBC wurde

während des Zweiten Weltkriegs eingestellt, der Radiodienst hingegen ausgebaut und gezielt

für Propaganda genutzt. Dennoch war in der frühen Kriegszeit das deutsche

Propagandaprogramm von ,,Lord Haw Haw" weitaus interessanter als das herkömmliche

Programm der BBC. Als Reaktion auf dieses Desinteresse änderte die BBC ihr Programm,

legte einen Schwerpunkt auf Unterhaltung und setzte außerdem Kriegskorrespondenten ein,

die ,,hautnah" berichteten und mit denen man engen Kontakt hielt. Das Konzept ging auf und

die BBC mauserte sich zu einer geachteten und als verlässlich eingestuften Quelle für ihre

Hörer. Etwa die Hälfte aller Briten hörte ab 1943 die Neunuhrnachrichten der BBC.5

Zum Kriegsende hin sendete die BBC in 40 Sprachen. Propagandaminister Joseph Goebbels

wird nachgesagt, er habe einmal gesagt, dass das Radioprogramm der BBC die ,,intellektuelle

Invasion"6 Europas erfolgreich vollzogen habe.

III. (2) Der Deutsche Dienst der BBC

Am 27. September 1938 sendete die BBC erstmals auf Deutsch7. Der Beitrag bestand aus der

Übersetzung einer Rede des damaligen britischen Premierministers Neville Chamberlain.

Hinter der Übertragung steckte die Hoffnung, einen Kriegsausbruch zu verhindern, indem

man die öffentliche Meinung beeinflusste.8 Das Vorgehen der BBC war hierbei noch eher

unbedarft: Man sendete die Rede einfach über sämtliche Sender des Inlandsdienstes und

hoffte schlichtweg, dass das Ganze seinen Weg zu der deutschen Bevölkerung finden würde.

Wirklich erreicht hat die meisten Deutschen vermutlich erst die spätere Ausstrahlung der

5 Homepage der BBC (http://www.bbc.co.uk/heritage/story/index.shtml, letzter Zugriff am 01.09.2007)

6 Ebd.

7 Radio-Kurier ­ weltweit hören: Fachzeitschrift für Internationalen Rundfunkempfang. Ausgabe 99-05-10-13

(Mai 1999). Seite 11. In: Online-Archiv der ADDX e.V. (Assoziation Deutschsprachiger Kurzwellenhörer).

8 Radio-Kurier ­ weltweit hören: Fachzeitschrift für Internationalen Rundfunkempfang. Ausgabe 99-05-10-13

(Mai 1999). Seite 11. In: Online-Archiv der ADDX e.V. (Assoziation Deutschsprachiger Kurzwellenhörer).

6



Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:

Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit

Author: Claudia Nickel
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2006 Download as PDF-file for 4,99 EUR

Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens

Author: Maik Philipp
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR

This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/129644/hier-ist-england-der-deutsche-dienst-der-bbc-im-dritten-reich
please wait Please wait