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Der Schein und die Ästhetik der Macht bei Machiavelli und Nietzsche close

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Der Schein und die Ästhetik der Macht bei Machiavelli und Nietzsche

Bachelor Thesis, 2009, 53 Pages
Author: Robert Bauer
Subject: Philosophy - Early Modern Philosophy (approx. 1350 - 1600)

Details

Category: Bachelor Thesis
Year: 2009
Pages: 53
Grade: 2,3
Language: German
Archive No.: V129678
ISBN (E-book): 978-3-640-35286-9


Abstract

Heute werden im Namen Machiavellis Handbücher und Abharklisten der Macht zum alltäglichen Gebrauch für jeden daher gelaufenen Manager vertrieben. Seine Aussagen polarisieren - und das treibt die Absatzzahlen in die Höhe. Gerade zu Beginn der Neuzeit ist Machiavelli einer der ersten, der begreift, dass die Todesstunde für ein transzendentes Weltverständnis zur Legitimierung des Machtanspruchs bereits geschlagen hat. In einer solchen Welt muss sich Macht behaupten und zwar ohne Hilfe durch eine höhere Gewalt und gegen die stets volatilen Einzelinteressen der Beteiligten. Der Fürst ist nun der Vielzahl an Perspektiven ausgesetzt und muss den Blicken des Publikums standhalten. Für diese Zwecke muss sich der Herrscher der Ästhetik der Macht bedienen. Der damit inszenierte Schein wird zur Grundlage jeder realistischen Politik. Friedrich Nietzsche greift gute 350 Jahre später einige Aspekte des Florentiners auf und entwickelt sie in seiner Theorie vom Übermenschen weiter. Freilich: ihm geht es weniger um das Wissen um die Macht als vielmehr um den oft zitierten Willen zur Macht, der gewissermaßen als tief greifender Instinkt dem Menschen inne wohnt. Den genauen Zusammenhang erhält der Leser am Ende dieses Textes, doch zuvor widmen wir uns ausführlich dem Schein und der Ästhetik der Macht bei Machiavelli.


Excerpt (computer-generated)

HumboldtStudienzentrum

Der Schein und die Ästhetik der Macht bei

Machiavelli und Nietzsche

B a c h e l o r a r b e i t

Abschlussarbeit zur Erlangung des Grades eines Bachelor of Arts

im Studiengang Philosophie der Universität Ulm.

Vorgelegt von Robert Bauer im März 2009.


SCHEIN UND ÄSTHETIK DER MACHT

N I C C O L Ò M A C H I A V E L L I

F R I E D R I C H N I E T Z S C H E

R O B E R T B A U E R

P

H

I

L

O

S

O

P

H

I

E

B A C H E L O R A R B E I T

2


Inhaltsübersicht

Inhaltsübersicht 3

1 Das Wissen um Macht 5

2 Der Begriff der politischen Macht 7

3 Machiavelli und seine Zeit 9

3.1

Machiavellis Kindheit und die Medicis 9

3.2

Savonarola ­ eine Sünde gegen die Gelegenheit 10

3.3

Caterina Sforza und die List einer Mutigen 11

3.4

Machiavelli bei Cesare Borgia, dem Meister des Verrats 12

4 Der Schein und die Ästhetik der Macht 15

4.1

Konfrontation mit anderen Philosophen 15

4.1.1 Thukydides und die Politik jenseits von Gut und Böse 15

4.1.2 Platon und die Philosophenkönige 17

4.1.3 Aristoteles und der Hass der Bevölkerung 19

4.1.4 Cicero und der Irrtum über die Heuchelei 21

4.1.5 Das Neue an Machiavellis Gedanken 23

4.2

Machiavellis Menschenbild 24

4.2.1 Die menschliche Kleingläubigkeit 24

4.2.2 Egoismus als Grundprinzip 25

4.2.3 Virtù ­ die Fürstentugend 26

4.3

Die Religion als Stütze der Zivilisation 27

4.4

Die Ästhetik der Macht 29

4.4.1 Die Bedeutung der Perspektive 29

4.4.2 Die Rolle der Darstellung und der Medien 30

4.5

Der Schein der Macht 31

4.5.1 Der Schein als Bindemittel zwischen Wirklichkeit und Image 32

4.5.2 Mehr Schein als Sein 33

4.5.3 Der Fürst als Täuscher und Heuchler 33

3


5 Reaktionen und Einflüsse 35

5.1

Machiavellismus 35

5.2

Eine konstruktive Auseinandersetzung mit Machiavelli 37

5.2.1 Botero, Bodin und Bacon 37

5.2.2 Thomas Hobbes und der Preis der Menschen 38

5.2.3 Mandeville und die Laster der Gesellschaft 39

5.2.4 Helvétius und die Liebe zur Macht 39

6 Nietzsche und der Wille zur Macht 41

6.1

Menschliches 41

6.2

Die Macht des Scheins 42

6.3

Der Wille zur Macht 43

6.4

Herrenmoral und Sklavenmoral 45

6.5

Vom schöpferischen Übermenschen 46

7 Wege jenseits von Gut und Böse 48

Abkürzungen und Quellenverzeichnis 50

Primärliteratur 50

Sekundärliteratur 51

4


1 Das Wissen um Macht

Heute werden im Namen Niccolò Machiavellis1 Handbücher und Abhaklisten der

Macht zum alltäglichen Gebrauch für jeden daher gelaufenen Manager vertrie

ben. Seine Aussagen polarisieren ­ und das treibt die Absatzzahlen in die Höhe.

Gleichzeitig beschäftigen sich selbst Philosophen und Politikwissenschaftler häu

fig nur mit seinem »Il Principe«, dem Werk, das nachhaltig das politische Denken

der nachfolgenden Generationen geprägt hat. Neben der Bibel ist es eines der

meistverbreiteten Bücher der Weltliteratur (vgl. Hoeges Klappentext).

In der Geschichte der Philosophie werden Machiavellis Konzeptionen allerdings

öfter kritisiert als verstanden und gerade deshalb ist es ratsam, wenn man neben

den weiteren vielen Texten dieses großen Denkers der Renaissance auch einen

Blick auf sein Leben als Politiker und Staatsmann wirft. Denn dort lernt er in The

orie und Praxis das Wesen moderner Macht kennen.

Gerade zu Beginn der Neuzeit ist Machiavelli einer der ersten, der begreift, dass

die Todesstunde für ein transzendentes Weltverständnis zur Legitimierung des

Machtanspruchs bereits geschlagen hat. In einer solchen Welt muss sich Macht

behaupten und zwar ohne Hilfe durch eine höhere Gewalt und gegen die stets

volatilen Einzelinteressen der Beteiligten. »Dem Blick des Publikums ausgesetzt,

gerät die Macht unter die Vielzahl der Perspektiven. ,,Der Fürst" muss allen alles

scheinen, aber nichts mehr sein« (Hoeges Klappentext). Für diese Zwecke muss

sich der Herrscher der Ästhetik der Macht bedienen. Der damit inszenierte

Schein wird zur Grundlage jeder realistischen Politik.

Niccolò dient etliche Jahre lang dem Stadtstaat Florenz ­ seiner Republik ­ als

jemand, der die Heimat mehr als alles andere liebt. Sein Ziel ist es, die inneren

und äußeren Schwierigkeiten der italienischen Staaten zu überwinden, um sein

Heimatland stabilisiert und in neuem Glanz zu sehen (vgl. Viroli Klappentext).

1 1469 bis 1527. Eine ausführliche Biografie findet man beispielsweise auf niccolomachiavelli.de

(vgl. WebMachia).

5


Dabei stößt er auf folgende Fragen: Wie ergreift man die Macht, wie erhält man

sie? Wann und aus welchen Gründen verliert man sie? Wie wird aus Gewalt

Macht, aus Macht Herrschaft und aus Herrschaft Staat? Er analysiert die Tropfen

der menschlichen Begebenheiten, um daraus auf das Ganze der politischen Welt

zu schließen. Denn das Wissen um die Macht ­ und nicht die Macht ­ ist seine

bohrende Leidenschaft bis zu seinem Tod. Es bildet sein ganzes Wesen. Sie ist die

Speise, die ihm allein gebührt und für die er geboren ist.

Das Entscheidende ist allerdings, dass Machiavelli einer der wenigen Philosophen

ist, der die Menschen so beschreibt, wie sie wirklich sind und nicht so, wie sie

sein sollten. Und damit haben viele Leser bis in die heutige Zeit hart zu kämpfen.

Friedrich Nietzsche hingegen ist gute 350 Jahre später geradezu begeistert von

solchen Konzeptionen jenseits von Gut und Böse. Er greift einige Aspekte des

Florentiners auf und entwickelt sie in seiner Theorie vom Übermenschen weiter.

Freilich: ihm geht es weniger um das Wissen um die Macht als vielmehr um den

oft zitierten Willen zur Macht, der gewissermaßen als tief greifender Instinkt

dem Menschen inne wohnt. Den genauen Zusammenhang erhält der Leser im

sechsten Kapitel dieses Textes, doch zuvor widmen wir uns ausführlich dem

Schein und der Ästhetik der Macht bei Machiavelli.

6


2 Der Begriff der politischen Macht

Macht, das Vermögen, »die geistige und körperliche Fähigkeit zu etwas, das

Seinkönnen, die Potenz« (Regenbogen 393).

Auf die exakte Verwendung des Machtbegriffs wird in der Umgangssprache, aber

auch bei großen Denkern oft kein besonderer Wert gelegt. Machiavelli im Be

sonderen ist auch nicht sehr interessiert daran, dieses Wort, welches oft in Ver

bindung mit »Stärke«, »Autorität«, »Kraft«, »Einfluss« benutzt wird, theoretisch

zu definieren. Ihm geht es mehr um die Verwendung des hinter diesem Wort

Stehenden im konkreten Leben.

Trotzdem ist es für das Verständnis nötig, den Begriff der Macht in seiner ge

schichtlichen Entwicklung ein wenig genauer zu betrachten:

»Die Macht als philosophisches Problem ist eine sophistische Entdeckung« (Rit

ter 585). Dort wird bereits eine verbale Handlung in einer ungleichen Situation

zwischen zwei gegnerischen Parteien als ein Akt der Macht angesehen. Auch

wird bereits in dieser Zeit ein sehr wichtiger Herkunftsaspekt erkannt: »Das Ver

hältnis der Macht unter Menschen ist ... nicht als unmenschliche Ausnahmesitua

tion zu denken, sondern ist selbst in des Menschen Natur fundiert« (Ritter 586).

Im Gegensatz zu Aristoteles, der die Macht in einer Theorie von Herrschaft und

Knechtschaft behandelt, bei der sich die Freien »im Herrschen und Beherrscht

werden ablösen« (Ritter 586), orientiert sich das damalige christliche Verständnis

am Paulusbrief: Alle bestehende Gewalt ist immer von Gott eingerichtet und so

muss sich jeder dieser Macht unterordnen. Origenes erkennt daran richtigerwei

se das Problem der ungerechten Gewalt und differenziert schon ein wenig ge

nauer: Macht ist uns zum guten Gebrauch gegeben, ihr Missbrauch ist aber nicht

ausgeschlossen (vgl. Ritter 587).

Bei Duns Scotus (13. Jahrhundert) wird Macht als Grundprinzip alles menschli

chen Handelns angesehen: »sie verursacht alles, was verursacht werden kann,

und es gibt keine zweite letzte Ursache neben ihr« (Ritter 589). In der spanischen

Spätscholastik, namentlich bei Soto, wird darin eher ein von Gott eingegebenes

7


»Selbsterhaltungsstreben« gesehen, welches die Menschen zum Zusammenle

ben zwingt. Dieses wiederum »erfordert die Institutionalisierung von Herr

schaftsfunktionen« (Ritter 594). Freilich wird dies so interpretiert, dass Gott über

das Naturrecht indirekt eine Ordnung von Machtkonzentration wolle, aber dieser

Trieb nach Selbsterhaltung wird uns noch öfters begegnen und ist deshalb nicht

zu vernachlässigen.

8



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