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"We are all falklanders now"

Subtitle: Eine Analyse des Falkland-Malwinen Konfliktes 1982 anhand des „critical geopolitics“ – Ansatzes

Termpaper, 2007, 21 Pages
Author: Dennis Walkenhorst
Subject: Politics - International Politics - Topic: Peace and Conflict Studies, Security

Details

Event: Einführung in die Internationalen Beziehungen
Institution/College: Bielefeld University
Category: Termpaper
Year: 2007
Pages: 21
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V130095
ISBN (E-book): 978-3-640-39139-4
ISBN (Book): 978-3-640-39156-1

Abstract

Der Beginn der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Großbritannien und Argentinien um die Falklandinseln im März 1982 erschien für viele Akteure zur damaligen Zeit als vollkommen unverhältnismäßig und unverständlich. So bezeichnete der damalige US –Präsident Ronald Reagan die Auseinandersetzung als einen nicht nachvollziehbaren „dispute over the sovereignty of that little ice-cold bunch of land down there” zwischen zwei Alliierten im Kampf gegen den Kommunismus, sollte den Briten aber schließlich doch die Unterstützung der Vereinigten Staaten zusichern. In der Tat ist auch heute, rund 25 Jahre später, noch die Frage, warum 236 britische und 700 argentinische Soldaten für die vermeintlich unbedeutenden Inseln kurz vor der Antarktis (die zum damaligen Zeitpunkt 1.800 Menschen und 60.000 Schafe beheimateten) sterben mussten, ein vieldiskutiertes Thema. So erscheinen Erklärungsversuche für die Auseinandersetzung anhand der „klassischen“ Theorien der Internationalen Beziehungen äußerst problematisch und unzureichend. Die wichtigsten Denkschulen der internationalen Beziehungen würden wohl behaupten, dieser Krieg hätte gar nicht stattfinden dürfen. [...] Es schien also für beide Seiten um einen „symbolischen“ Krieg zu gehen. Sinnvoll erscheint deshalb der Versuch einer Analyse anhand eines „anders denkenden“ Ansatzes: dem der „Kritischen Geopolitik“ (oder auch „critical geopolitics“ nach Ò Tuathail). Innerhalb dieser Hausarbeit wird zunächst der Falklandkrieg als solcher kurz abgerissen, historische Grundlagen sowie die postmoderne Theorie der Kritischen Geopolitik erläutert und schließlich das „kritisch- geopolitische Auge“ mit besonderem Fokus auf die Medien- und Regierungskommunikation in Großbritannien angewendet werden. Durch Sprache erschaffene Geografien und Raumbilder sollen erkannt, analysiert und gedeutet werden. Des Weiteren sollen die tieferen Motive eben dieser Art von Geopolitik herausgearbeitet und die Wirkung auf die Bevölkerung erkannt werden. Ziel ist also nicht die Frage nach dem „warum?“ ausschöpfend zu beantworten, sondern vielmehr die Frage nach dem „wie?“: Wie wirkten Raumbildern und geschaffene Identitäten in der Regierungs- und Medienkommunikation zu Beginn des Krieges? Wie halfen geopolitische Diskurse den Krieg zu legitimieren? Welche Interessen lagen hinter diesen Interpretationen der geopolitischen Wirklichkeit? Diese Fragen aufzuwerfen und anhand von konkreten Beispielen analysierend zu beantworten ist Ziel dieser Arbeit.


Excerpt (computer-generated)

Universität Bielefeld

Fakultät für Soziologie

Lehr- und Forschungsbereich Politikwissenschaft

WS 2006/2007

,,Einführung in die Internationalen Beziehungen II"

,,We are all falklanders now"

Eine Analyse des Falkland- Malwinen Konfliktes 1982

anhand des ,,critical geopolitics" ­ Ansatzes.

Dennis Walkenhorst


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Der Falklandkonflikt 4

2.1 ,,Falklands" oder ,,Malvinas"? 4

2.2 Argentinische Invasion 5

2.3 Britische Reaktion 6

3. Die Theorie der Kritischen Geopolitik 7

3.1 Der Begriff der Geopolitik: Mackinder, Ratzel und Haushofer 7

3.2 Kritische Geopolitik als Gegenentwurf 8

3.2.1 Methodik 9

4. Kritische Geopolitik und der Falklandkonflikt 10

4.1 Drei große Diskurse 11

4.1.1 Die Darstellung der Inseln als britisches Territorium 11

4.1.2 Der Bezug zur Situation vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 13

4.1.3 Die Analogien zu britischer Imperialgeschichte 15

4.2 Wirkung der Diskurse 17

5. Fazit 18

Literaturverzeichnis 20

2


1. Einleitung

,,Ich kann nicht verstehen, wieso sich zwei Alliierte um die Souveränität des kleinen

Stücks eiskalten Landes da unten streiten"

(Ronald Reagan, 30.4.1982)

Der Beginn der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Großbritannien und Argentinien

um die Falklandinseln im März 1982 erschien für viele Akteure zur damaligen Zeit als

vollkommen unverhältnismäßig und unverständlich. So bezeichnete der damalige US ­

Präsident Ronald Reagan die Auseinandersetzung als einen nicht nachvollziehbaren

,,dispute

over the sovereignty of that little ice-cold bunch of land down there"

zwischen zwei Alliierten

im Kampf gegen den Kommunismus, sollte den Briten aber schließlich doch die Unterstützung

der Vereinigten Staaten zusichern. In der Tat ist auch heute, rund 25 Jahre später, noch die

Frage, warum 236 britische und 700 argentinische Soldaten für die vermeintlich

unbedeutenden Inseln kurz vor der Antarktis (die zum damaligen Zeitpunkt 1.800 Menschen

und 60.000 Schafe beheimateten) sterben mussten, ein vieldiskutiertes Thema. So erscheinen

Erklärungsversuche für die Auseinandersetzung anhand der ,,klassischen" Theorien der

Internationalen Beziehungen äußerst problematisch und unzureichend. Die wichtigsten

Denkschulen der internationalen Beziehungen würden wohl behaupten, dieser Krieg hätte gar

nicht stattfinden dürfen. Weder hatten die Falklandinseln objektiv gesehen einen besonderen

machtstrategischen Wert für die Kontrahenten, noch standen sich beide Länder in den

Blockbildungen der frühen 80er Jahre gegenüber. Auf der geopolitischen Karte des Kalten

Krieges waren die Inseln ein weißer Fleck. Selbst die geringen Rohstoffvorkommen der Inseln

galten als nur schwerlich oder überhaupt nicht ausbeutbar. Der liberale

Guardian

schrieb am 3.

April 1982 kurz nach der Invasion der Falklandinseln durch Argentinien:

,,Die Falklandinseln repräsentieren keine strategischen oder kommerziellen britischen

Interessen, die einen Kampf wert wären."

(zitiert in: Ossendorf 1987: 237)

Auch gab es einige Möglichkeiten zur diplomatischen Lösung, die USA und die UN

versuchten zunächst durch intensive Vermittlungsbemühungen die militärische

Auseinandersetzung zu verhindern. Vergeblich. Es schien also für beide Seiten um einen

,,symbolischen" Krieg zu gehen.

Sinnvoll erscheint deshalb der Versuch einer Analyse anhand eines ,,anders denkenden"

Ansatzes: dem der ,,Kritischen Geopolitik" (oder auch ,,critical geopolitics" nach Ò Tuathail).

3


Innerhalb dieser Hausarbeit wird zunächst der Falklandkrieg als solcher kurz abgerissen,

historische Grundlagen sowie die postmoderne Theorie der Kritischen Geopolitik erläutert und

schließlich das ,,kritisch- geopolitische Auge" mit besonderem Fokus auf die Medien- und

Regierungskommunikation in Großbritannien angewendet werden. Durch Sprache erschaffene

Geografien und Raumbilder sollen erkannt, analysiert und gedeutet werden. Des Weiteren

sollen die tieferen Motive eben dieser Art von Geopolitik herausgearbeitet und die Wirkung

auf die Bevölkerung erkannt werden.

Ziel ist also nicht die Frage nach dem

,,warum?"

ausschöpfend zu beantworten, sondern

vielmehr die Frage nach dem

,,wie?"

: Wie wirkten Raumbildern und geschaffene Identitäten in

der Regierungs- und Medienkommunikation zu Beginn des Krieges? Wie halfen geopolitische

Diskurse den Krieg zu legitimieren? Welche Interessen lagen hinter diesen Interpretationen der

geopolitischen Wirklichkeit? Diese Fragen aufzuwerfen und anhand von konkreten Beispielen

analysierend zu beantworten ist Ziel dieser Arbeit.

2. Der Falklandkonflikt

Um die folgende Analyse der Regierungs- und Medienkommunikation anhand des Ansatzes

der Kritischen Geopolitik nachvollziehen zu können, muss zunächst der Falklandkonflikt als

solcher und die Geschehnisse rund um den Falklandkrieg erläutert werden. Da es nicht um eine

umfangreiche militärische oder diplomatische Analyse des Konfliktes geht, wird versucht den

gesamten Konflikt und seine Ursachen möglichst komprimiert darzustellen.

2.1 ,,Falklands" oder ,,Malvinas"?

Die Besitzansprüche auf die Inseln nahe der argentinischen Küste gelten seit ihrer Entdeckung

1502 durch den Italiener Amérigo Vespucci als Begleiter einer portugiesischen Expedition als

ungeklärt. Erste Siedlungen durch Franzosen und später auch Engländer wurden um 1767

durch spanische abgelöst, die den Inseln den Namen ,,Malvinas" gaben. Klare verbalisierte

Besitzansprüche irgendeiner europäischen Macht auf das Archipel gab es jedoch bis in das 19.

Jahrhundert nicht. 1811 zogen sich auch die Spanier zurück, woraufhin die Briten 1833

zurückkehrten und das komplette Archipel, das sie als ,,Falklands" bezeichneten, besetzten.

Schon damals gab es intensive Proteste der Verwaltung in Buenos Aires, die die Inseln

aufgrund ihrer geografischen Lage vor der Küste Argentiniens und des angeblichen

,,spanischen Erbes" für sich beanspruchten. Obgleich nie ein argentinischer Staatsbürger auf

4


einer der Inseln lebte, war die ,,Malwinen -Frage" stets Teil der politischen Agenda und tief im

Bewusstsein der Bevölkerung verankert. Die Verwaltung von Buenos Aires und später der

Staat Argentinien hörten nie auf, offen und laut gegen die britische Besetzung und Verwaltung

der Falklands zu protestieren. In Großbritannien dagegen gerieten die Inseln schnell in

Vergessenheit. Insbesondere nach der Umstrukturierung der Ministerien und der daraus

folgenden Auflösung des Kolonialministeriums spielte die Falklandproblematik keinerlei Rolle

mehr auf der Agenda der britischen Regierungen bis in die 1980er Jahre. Der britischen

Bevölkerung war das ,,eisige Stück Land" zum Großteil vollkommen unbekannt. Einzig unter

den Ornithologen des Königreiches war der Name aufgrund seiner Pinguinbestände vereinzelt

ein Begriff. Dies sollte sich Anfang 1982 jedoch schnell ändern.

2.2 Argentinische Invasion

Nachdem im Dezember 1981 General Leopoldo Galtieri die Macht in der seit 1976 von Juntas

regierten Militärdiktatur Argentinien übernahm, wurde die ,,Malwinen-Frage" schnell zu einem

der wichtigsten Themen auf der politischen Agenda erhoben. Große innenpolitische Probleme,

eine lahmende Wirtschaft, sowie ständige Unruhen durch Guerillas sollten mithilfe eines

schnellen patriotischen Sieges und der ,,Rückeroberung" der Malwinen aus dem Bewusstsein

der Bevölkerung verdrängt werden. Die Falklandinseln galten schon vor Galtieris

Machtergreifung als ein Symbol des argentinischen Nationalismus. Die Bevölkerung in dem

Willen die Inseln ,,zurückzuerobern" zu einen erforderte keinen besonderen Aufwand. Das

Abziehen der letzten Einheiten der Royal Navy im Jahr 1981, sowie des Schiffs ,,HMS

Endurance" das wohl hauptsächlich als Symbol für die britische Präsenz lange Zeit vor den

Falklandinseln patrouillierte, im Zuge einer allgemeinen Verkleinerung der britischen

Streitkräfte, sowie das Nichtbeachten diverser subtiler argentinischer Invasionsdrohungen

(unter anderem auch vor der UN) veranlassten Galtieri an einen schnellen Sieg ohne

beachtenswerte Gegenwehr der Briten zu glauben. Und tatsächlich gingen die Briten Anfang

April 1982 trotz diverser Hinweise auf eine bevorstehende Invasion nicht davon aus, dass eine

solche bevorstehen könne. So landete am 19. März 1982 eine Gruppe von 60 Arbeitern einer

Schrottfirma auf der Insel Süd­Georgien und hisste dort die argentinische Fahne. Entscheidend

an diesem Umstand war die ihn begleitende Aussage des damaligen argentinischen

Außenministers Costa Mendez, der den Metallarbeitern ,,allen nötigen diplomatischen Schutz"

zu gewähren beabsichtigte. Argentinien unterstütze die Besetzung also offiziell und deutete

damit an, die Besitzansprüche auf die Inseln durchaus nicht als geklärt zu betrachten.

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