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L'Amour, la fantasia - Orchestrierung der Polyphonie des Romans oder Djebars Umgang mit Geschichte

Scholary Paper (Seminar), 2003, 21 Pages
Author: Roswitha Geyss
Subject: Romance Languages - French Literature

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2003
Pages: 21
Grade: 1
Language: German
Archive No.: V13016
ISBN (E-book): 978-3-638-18772-5

File size: 1891 KB


Excerpt (computer-generated)

L′Amour, la fantasia - Orchestrierung der Polyphonie des Romans
oder Djebars Umgang mit Geschichte

GEYSS Roswitha

 

1. Vorwort und Grundgedanken zur Thematik  3

2. Eine Geschichte erzählen – Geschichte erzählen – Assia Djebar zwischen Geschichte, Literatur und Gedächtnis  4
2.1 Montage, Collage und Pluralität – Film und Literatur  4
2.2 Daten und Zeiten des Romans  6
2.3 Wie unterscheidet Assia Djebar „Fiction“ und „Faction“?  7
2.4 Warum ist die Fiktion von so großer Bedeutung in diesem Roman?  8

3. „Quasi una fantasia ...“ – Orchestrierung und Aufbau des Romans  9
3.1 Der Aufbau des Romans und die Parallelen zur Entwicklung der Schriftstellerin  9
3.1.1 Erster Abschnitt: Kindheit – koloniale Eroberung (1830)  ..10
3.1.2 Zweiter Abschnitt: Jugend/Heirat – die Jahre 1840 – 1845  ..12
3.1.3 Erster und zweiter Abschnitt: Liebesbriefe vs. Kriegskorrespondenz  12
3.2 Dritter Abschnitt: Vielstimmigkeit (Polyphonie)  14

4. Opernmetaphorik  16

5. Mündlichkeit – Schriftlichkeit und Übersetzungsproblematik  17
5.1 Maskuline, französische, schriftliche Geschichte und weibliche, algerische, mündliche Tradition  17
5.2 Übersetzen in die „Sprache des Eroberers“  18

6. Schlussfolgerungen  18

7. Literaturverzeichnis  21

 

1. Vorwort und Grundgedanken zur Thematik 


« Il y eut un cri déchirant – je l’entends encore au moment où je t’écris -, puis des clameurs, puis un tumulte... »1

Diese Worte aus Eugène Fromentins Werk Une année dans le Sahel bilden den Auftakt zu Assia Djebars Roman L’Amour, la fantasia, der das zentrale Thema meiner Proseminararbeit darstellen wird. Im Rahmen meiner Ausführungen möchte ich die Orchestrierung der Polyphonie, also der Mehrstimmigkeit, in L’Amour, la fantasia behandeln, bzw. ich möchte vor allem immer wieder anhand von konkreten Textausschnitten aufzeigen, wie Assia Djebar mit Geschichte umgeht. Ich will hierzu schon eines vorwegnehmen: Assia Djebar ist nicht nur Autorin, sie ist auch eine sehr exakt und authentisch arbeitende Historikerin. Diese Tatsache beeinflusst natürlich ihre Annäherung an Geschichte ganz wesentlich. Doch auf diese Problematik werde ich noch später ausführlicher im Kapitel „2.5 Wie unterscheidet Assia Djebar „Fiction“ und „Faction“?“ eingehen.

Der Roman L’Amour, la fantasia ist 1985 als erster Teil einer Tetralogie über die Geschichte und Gegenwart Algeriens entstanden. Den zweiten Teil dieser Tetralogie bildet der 1987 erschienene Roman Ombre Sultane, der dritte Teil entstand 1995 mit Vaste est la prison, und 1996 bildet schließlich das Werk Le blanc de l’Algérie den Abschluss. Da ich oft über Polyphonie, d.h. Mehrstimmigkeit sprechen werde, erscheint es mir durchaus angebracht, zunächst einmal kurz auf diesen wichtigen Begriff einzugehen.

Die Grundgedanken der Dialogizität, d.h. der Redevielfalt oder Polyphonie, wurden vom russischen Literaturwissenschaftler und Philosophen Michail Bachtin entwickelt. Laut Bachtin spiegeln sich in Worten, Äußerungen und Texten teils bündelnde, teils konkurrierende Stimmen wider. In einem polyphonen Kunstwerk, wie es der zu behandelnde Roman ist, ergänzen sich viele unterschiedliche Stimmen, Perspektiven und Weltanschauungen, die auch miteinander in Konflikt treten können. Somit steht der polyphone Roman im deutlichen Gegensatz zum monologischen Roman, bei dem eine dominante Stimme hervortritt, die alle anderenverstummen lässt2. Assia Djebar legt, wie ich im Laufe dieser Arbeit immer wieder aufzeigen werde, großen Wert auf eine möglichst umfassende Darstellung von Geschichte, die sie nie durch ihre eigenen Anschauungen dominiert. Die Stimme der Autorin ist zwar vorhanden, aber vor allem im letzten Abschnitt „Les voix ensevelies“ wird ihr Bestreben klar ersichtlich, in L’Amour, la fantasia möglichst vielen verschiedenen Stimmen (im konkreten Beispiel den Stimmen vieler unterschiedlicher algerischer Frauen) Platz und Raum zur Entfaltung zu geben, ohne diese jedoch zu dominieren.

Im Laufe meiner Proseminararbeit werde ich auch kurz auf die Verbindungen zwischen dem filmischen Schaffen der Autorin und ihrer Literatur eingehen, weil ich denke, dass dies eine ganz wesentliche Rolle in Assia Djebars Werk spielt. Hauptsächlich möchte ich jedoch anhand von zahlreichen Textzitaten zeigen, wie die Autorin mit Geschichte umgeht.

2. Eine Geschichte erzählen – Geschichte erzählen –
Assia Djebar zwischen Geschichte, Literatur und Gedächtnis

2.1 Montage, Collage und Pluralität – Film und Literatur

Assia Djebar stellt für ihre Leserschaft und somit auch für mich eine der bedeutendsten Stimmen des „weiblichen Algeriens“ dar. Nicht nur durch ihre Romane, sondern auch durch ihre Filme bringt sie die lange Zeit (und teilweise auch noch heute) nur im Verborgenen und in der Mündlichkeit existierende Kultur der algerischen Frauen zum Ausdruck. Das zentrale Thema ihrer Romane ist stets die feminine Selbstfindung und Selbsterfahrung. In den 70er und 80er Jahren beginnt sie damit, mittels Kamera und Tonband sowohl die Sprache, als auch das alltägliche Leben und das Lebensgefühl algerischer Frauen einzufangen. Sie strebt daher schon zu dieser Zeit eine Mehrstimmigkeit an. Es entstehen bedeutende Dokumentarfilme wie:

[....]


1 Fromentin, Eugène: Une année dans le Sahel. Zitiert nach: Djebar, Assia: L’Amour, la fantasia. Paris: Éditions Albin Michel, 1995, o.S.

2 vgl. „Dialogizität“. In: Nünning, Ansgar (Hrsg.): Metzler-Lexikon Literatur- und Kulturtheorie. Ansätze – Personen - Grundbegriffe. Stuttgart-Weimar: Metzler, 1998, S 111f.


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