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Substanzdualismus bewiesen?

Subtitle: Argument distinctio realis in der Sechsten Meditation

Termpaper, 2008, 19 Pages
Author: Radka Tomeckova
Subject: Philosophy - Philosophy of the 17th and 18th Centuries

Details

Event: PS Descartes: Meditationes de prima philosophia
Institution/College: University of Constance (Fachbereich Philosophie)
Category: Termpaper
Year: 2008
Pages: 19
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V130178
ISBN (E-book): 978-3-640-35988-2
ISBN (Book): 978-3-640-35995-0

Abstract

Gewöhnlich bezeichnen die Interpretationen die Weltkonzeption von Descartes als Cartesischer Substanzdualismus. Dieser Fachbegriff soll kurz und prägnant das Hauptcharakteristikum cartesischen Weltverständnisses resümieren: Es gibt eine Welt - vom Gott erschaffen und garantiert, in der zwei voneinander unterschiedliche Substanzen existieren - die immaterielle Substanz (bzw. mens - Geist, res cogitans - denkendes Ding mit dem Hauptattribut cogitatio - Denken) und die materielle Substanz (bzw. corporea - Körper, res extensa - ausgedehntes Ding mit dem Hauptattribut extensio - Ausdehnung). Es gibt also diesen Interpretationen nach so zu sagen zwei paralelle Welten - eine Materielle und eine Immaterielle, die nichts miteinander zu tun haben und die in scheinbare Interaktion mittels göttliche Einwirkung eintreten. In der Sechsten Meditation liefert Descartes den sogenannten Beweis der reallen Verschiedenheit vom Geist und Körper - ein Beweis für die reale Unterschiedlichkeit Cartesischen Substanzen. Dieses Argument distinctio realis kann man für ein Argument des Substanzdualismus selbst halten. In dieser Arbeit möchte ich mich mit diesem Beweis auseinandersetzen - seine Analyse und Interpretation im Zusammenhang den ganzen Meditationen kann, nämlich eine entscheidende Rolle in der Frage spielen, ob der streng genommene Substanzdualismus überhaupt haltbar ist. Zuerst werde ich den Beweis kurz vorstellen, verfassen bzw. umformulieren und versuche ihn anhand des Gesamttextes den Meditationen analysieren. Dabei werde ich mich an Hans-Peter Schütt Analyse dieses Arguments eng halten. Dann werde ich an die Hauptschwächen der Argumentation hinweisen, die auch die klassische Kritik bemerkt hatte. Letztendlich werde ich mich mit dieser Kritik beschäftigen, v.a. mit den Erwiderungen Arnauld’s, in denen die Problematik des Argumentes am exaktesten benannt worden waren. Wir werden uns dabei die Frage stellen, ob Descartes seine Stellung wirklich überzeugend verteidigt hat oder ob er diese Erwiderungen klug umgegangen ist und dann kurz auswerten versuchen, ob die Konzeption des Cartesischen Substanzdualismus, so wie diese vom Descartes vorgestellt wurde, überhaupt haltbar ist.


Excerpt (computer-generated)

Universität Konstanz

MA - Philosophie

Descartes: Meditationes de prima philosophia

HAUSARBEIT

Thema

,,Substanzdualismus bewiesen? - Argument distinctio realis

in der Sechsten Meditation"

Wintersemester 2007/08

Tomecková Radka

MA-Studentin unter Vorbehalt1


Gliederung

Einführung - 2 -

Argument distinctio realis - 3 -

Kurz zu der realen Verschiedenheit - 7 -

Klassische Kritik in den Einwänden - 8 -

Schlußfolgerung: Erfolgreiche Verteidigung? - 15 -

Literaturverzeichnis: - 17 -

- 1 -


Einführung

Gewöhnlich bezeichnen die Interpretationen die Weltkonzeption von Descartes als

Cartesischer Substanzdualismus. Dieser Fachbegriff soll kurz und prägnant das Haupt-

charakteristikum cartesischen Weltverständnisses resümieren: Es gibt eine Welt - vom Gott

erschaffen und garantiert, in der zwei voneinander unterschiedliche Substanzen existieren - die

immaterielle Substanz (bzw. mens - Geist, res cogitans - denkendes Ding mit dem Hauptattribut

cogitatio - Denken) und die materielle Substanz (bzw. corporea - Körper, res extensa -

ausgedehntes Ding mit dem Hauptattribut extensio - Ausdehnung). Es gibt also diesen

Interpretationen nach so zu sagen zwei paralelle Welten - eine Materielle und eine Immaterielle,

die nichts miteinander zu tun haben und die in scheinbare Interaktion mittels göttliche

Einwirkung eintreten.

In der Sechsten Meditation liefert Descartes den sogenannten Beweis der reallen

Verschiedenheit vom Geist und Körper - ein Beweis für die reale Unterschiedlichkeit

Cartesischen Substanzen. Dieses Argument distinctio realis kann man für ein Argument des

Substanzdualismus selbst halten.

In dieser Arbeit möchte ich mich mit diesem Beweis auseinandersetzen - seine Analyse

und Interpretation im Zusammenhang den ganzen Meditationen kann, nämlich eine

entscheidende Rolle in der Frage spielen, ob der streng genommene Substanzdualismus

überhaupt haltbar ist.

Zuerst werde ich den Beweis kurz vorstellen, verfassen bzw. umformulieren und versuche

ihn anhand des Gesamttextes den Meditationen analysieren. Dabei werde ich mich an Hans-Peter

Schütt Analyse dieses Arguments eng halten. Dann werde ich an die Hauptschwächen der

Argumentation hinweisen, die auch die klassische Kritik bemerkt hatte. Letztendlich werde ich

mich mit dieser Kritik beschäftigen, v.a. mit den Erwiderungen Arnauld′s, in denen die

Problematik des Argumentes am exaktesten benannt worden waren. Wir werden uns dabei die

Frage stellen, ob Descartes seine Stellung wirklich überzeugend verteidigt hat oder ob er diese

Erwiderungen klug umgegangen ist und dann kurz auswerten versuchen, ob die Konzeption des

Cartesischen Substanzdualismus, so wie diese vom Descartes vorgestellt wurde, überhaupt

haltbar ist.

- 2 -


Argument distinctio realis

Wie schon in der Einführung gesagt wurde, stützt die Konzeption des Cartesischen

Substanzdualismus an dem Argument distinctio realis aus der Sechsten Meditation. Dieses

Argument ist Descartes′ Versuch zu beweisen, dass die immaterielle Substanz von der materiellen

real unterschiedlich ist, d.h. zu beweisen, dass die beiden Substanzen völlig unabhängig und

voneinander getrennt existieren können und tatsächlich so in der Außenwelt existieren.

Dieser Beweis ist desto interessanter, weil er von einem weiteren Argument, sogennantem

Argument union mentis & corporis gefolgt wird, in dem Descartes eine substantielle Einheit

beiden real unterschiedlichen Substanzen in dem Menschen beweisen mag. Natürlich muss man

sich bei einem solchen Klassiker wie Descartes fragen, was genau mit den Argumenten gemeint

ist und wie man (bzw. ob man überhaupt) beide Argumente miteinander lückenlos verknüpfen

kann.

Bevor man sich aber mit dieser Frage befassen beginnt, muss man die Argumente an sich

gut verstehen, weil nicht nur ihre Vereinugung, sondern auch diese an sich problematisch sein

können. Der Hauptgrund, warum ich mich mit dem Argument distinctio realis hier

auseinandersetze, ist deshalb auch die Tatsache, dass solche Auseinandersetzung ein breites Feld

für weitere Untersuchungen der Cartesischen Philosophie eröffnet.

Das Argument für die reale Distinktion den Cartesischen Substanzen führt Descartes im

neunten Pragraph der Sechsten Meditation an:

,,Da ich weiß, dass alles, was ich klar und deutlich verstehe, in der Weise von Gott

erschaffen werden kann, wie ich es verstehe

(P1)

, ist es hinreichend, dass ich eine

Sache ohne die andere klar und deutlich verstehen kann, um gewiss zu sein, dass die

eine von der anderen verschieden ist, weil sie wenigstens von dem Gott gesondert

gesetzt werden kann

(P2)

; (...); und eben daraus also, dass ich weiß, ich existiere, und

dass ich zugleich bemerke, dass überhaupt nichts anderes (...) zu meinem Wesen

gehört außer dem allein, dass ich ein denkendes Ding bin, schließe ich zur Recht, dass

mein Wesen darin allein besteht, dass ich ein denkendes Ding bin

(P3)

. Und obwohl

ich (...) einen Körper habe, der mit mir sehr eng verbunden ist, ist es - weil ich

dennochauf der einen Seite eine klare und deutliche Idee von mir selbst habe, sofern

ich nur ein denkendes Ding, nicht ausgedehntes Ding bin, und auf der anderen Seite

eine deutliche Idee des Körpers sofern er nur ein ausgedehntes, nicht denkendes Ding

- 3 -



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