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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 19 Pages
Author: Hagen Augustin
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Details
Institution/College: University of Mannheim (Seminar für deutsche Philologie)
Tags: Christus Medicus, Medizingeschichte, Hartmann von Aue, Konrad von Würzburg, Wolfram von Eschenbach, Asklepios, Apollo
Year: 2003
Pages: 19
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-18791-6
File size: 384 KB
Die Arbeit befasst dich mit der Motivgeschichte des Christus Medicus von den antiken Vorbildern bis zur poetischen Realisierung in der ma. Literatur unter theologischen, mythologischen, medizinhistorischen und literaturgeschichtlichen Aspekten.
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Excerpt (computer-generated)
Uni Mannheim
HS „Medizin und Naturwissenschaften
in der dt. poetischen Lit. des Mittelalters“
Der Christus-Medicus-Gedanke:
Motivgeschichte und literarische Gestaltung in der
mittelhochdeutschen Dichtung
Hagen Augustin
12.02.2003
Inhalt
Einleitung 2
1. Grundlagen 2
1.1 Iatrotheologie und theurgische Medizin 2
1.1.1 Asklepios 3
1.1.2 Theurgische Praxis des Asklepios-Kultes 4
1.1.3 Apollo Medicus 6
1.2 Kulturhistorische Wurzeln der medizinischen Erkenntnisgewinnung 7
2. Christus Medicus 10
3. Der Christus-Medicus-Gedanke in Hartmanns „Der arme Heinrich“ und anderen Werken mittelhochdeutscher Dichtung. 13
3.1 Hartmanns von Aue „Der arme Heinrich“ 13
3.1.1 Prüfung oder Strafe Gottes? 13
3.1.2 Heinrichs Heilung 14
3.2 Weitere Beispiele 16
3.2.1 Konrads von Würzburg „Engelhard“ 16
3.2.2 Konrads von Würzburg „Silvester“ 17
3.2.3 Wolframs von Eschenbach „Parzival“ 17
3.3 Erzählstruktur und Christus-Medicus-Gedanke 18
4. Bibliographie 19
Einleitung
Der Christus-Medicus-Gedanke, wie er immer wieder in theologischen und medizinischen Schriften des Mittelalters, aber auch in der poetischen Literatur (wie z.B. bei Hartmann von Aue) vorkommt, hat seine Wurzeln schon in der frühsten, vorchristlichen Zeit der kulturgeschichtlichen Anfänge des Abendlandes. Ziel dieser Arbeit ist es sowohl die philosophisch-religiösen, wie auch die kultisch-rituellen Aspekte des Heilgottglaubens in ihrer historischen Kontinuität von der heidnischen Antike bis zur christlichen Neuzeit darzustellen, wie es im Rahmen des Umfangs einer Hausarbeit möglich ist. Besonders berücksichtigt soll hier die poetische Ausgestaltung des Christus-Medicus-Gedanken in „Der arme Heinrich“ von Hartmann von Aue werden.
Die in Kapitel 1 vorgestellten Grundlagen mythologischer, medizinhistorischer und wissenschaftsgeschichtlicher Natur sollen die nötigen Hintergründe liefern um die These von der ununterbrochenen Präsenz eines Heilgottglaubens in der abendländischen Kultur zu untermauern. Kapitel 2 soll die Genese des Christus- Medicus-Gedanken näher beschreiben und Kapitel 3 der Hausarbeit beschäftigt sich mit der literarischen Gestaltung des Motivs in der deutschen poetischen Literatur des Mittelalters unter besonderer Berücksichtigung Hartmanns von Aue.
1. Grundlagen
1.1 Iatrotheologie und theurgische Medizin
Die Iatrotheologie (<gr. iatros „Arzt“; gr. iatreia „Heilung“) basiert auf der Annahme, dass Krankheiten, unabhänging von möglicherweise erkennbaren natürlichen Ursachen, „unmittelbarer Ausdruck göttlichen Wollens und Handeln“1 sind, und somit also als Teil eines göttlichen Plans anzusehen sind. Krankheit wurde in diesem Zusammenhang als göttliche Strafe interpretiert, gottgefälliges Handeln wurde demnach als die beste Prophylaxe vor Erkrankungen angesehen. Die theurgische Medizin, abgeleitet von gr. theos („Gott“) und gr. ergon („Werk, Arbeit“), kann als die „Wissenschaft vom göttlichen Heilhandeln“2 definiert werden. Krankheit und Gesundheit, sowie das Erkranken und das Gesunden unterliegen, so die Annahme, göttlichem Einfluss (die Iatrotheologie bildet hierbei das sinnstiftende Element bei der Suche nach den Ursachen der Erkrankung). Der gläubige Patient konnte seinen Gesundheitszustand durch kultische Heilhandlungen, mit Hilfe eines Priesterarztes, positiv beinflussen. Die Orte, an denen die theurgische Medizin praktiziert wurden, waren in der Antike die gottgeweihten Tempel. Verbreitete antike Heilkulte waren in Ägypten der Imhotep-Heilkult und in Griechenland der Asklepios- Heilkult.
1.1.1 Asklepios
Der ägyptische Imhotep-Heilkult geht auf den gleichnamigen, historisch belegten, Priesterarzt zurück, der etwa 3000 v.Chr. gelebt hat. Zweieinhalb Jahrtausende später hatte sich die überlieferte Figur des Imhotep zum Heilgott entwickelt, dessen Heilkult eine besondere Stellung im späten Ägypten einnahm3. Ungefähr zur selben Zeit begann sich auch ein ähnlicher Kult in Griechenland zu verbreiten (im 3. und 4. Jahrhundert v. Chr. bereits über ganz Griechenland). Dort war es Asklepios, dem Mythos zufolge Sohn Apollons und der Nymphe Koronis, der die zentrale Figur des Heilkultes bildete. Asklepios , der im Lateinischen den Namen Aesculapius (dt. Äskulap) bekam, geht eventuell, wie Imhotep, auf einen realen Arzt im archaischen Griechenland zurück und soll um 1260 v. Chr. in Epidauros geboren worden sein. Im Mythos wuchs Asklepios bei dem Zentauren Chiron auf, der ihn in der Heilkunst unterwies. Schon bald vermochte der begnadete Arzt sogar den durch Poseidon getöteten Helden Hippolytos zum Leben zu erwecken, worauf er sich den Zorn Hades’ zuzog. Zur Strafe, sich über die Gesetze der Natur (und der Götter) hinweggesetzt zu haben, wurde er von Zeus mit einem Blitz erschlagen. Nachdem Apollon aus Rache die blitzeschmiedenden Zyklopen tötete, besänftigte ihn Zeus indem er Asklepios wieder das Leben schenkte, allerdings in Form des Sternbildes Serpens. So wurde die Heilschlange zum magischen Tier Asklepios’, der Äskulap- Stab ist bis heute ein verbreitetes medizinisches Symbol.
Als die Begründer der Asklepiaden, die zugleich Ärztegemeinschaft und Priesterschule waren, gelten im Mythos die Kinder des Heilgottes. Darunter Hygieia, Göttin der Gesundheit und ihres Schutzes (der Hygiene) und Panakeia, die Göttin der Arzneien (bedeutete Allheilkraut, bzw. bezeichnete einen Gruppe von Pflanzen mit vielfältigen Heilzwecken4).
[....]
1 Eckart 1990: 83
2 Eckart 1990: 35
3 Hierzu: Pollak (1968): 10ff.
4 Lücke 1999: 83.
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