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Kleinkinderziehung und Pädagogik des Spiels im Vergleich

Subtitle: Friedrich Wilhelm August Fröbel und Maria Montessori

Termpaper, 2004, 22 Pages
Author: Diplom Pädagogin Mirjam Günther
Subject: Pedagogy - Nursery Pedagogy

Details

Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 22
Grade: 2
Language: German
Archive No.: V130386
ISBN (E-book): 978-3-640-36264-6
ISBN (Book): 978-3-640-36244-8
Notes :
Jahreshausarbeit


Abstract

Friedrich Wilhelm August Fröbel und Maria Montessori waren zwei der bekanntesten Pädagogen, besonders im Bezug auf die Erziehung kleiner Kinder und auf die Entwicklung von Kindergärten und Frühförderung von Kindern. Beide Pädagogen entwickelten ein weit ausgebautes und sehr komplexes System von Theorien über Kindererziehung und beide erprobten und belegten diese Theorien im praktischen Umgang, also in der Arbeit mit Kindern. Aufgrund dieser und vieler weiterer Parallelen, werden Fröbel und Montessori oft miteinander verglichen und zum Teil sogar gleichgesetzt. Besonders in Hinblick auf die Erziehungspraxis in ihren Kindergärten/Kinderhäusern, lässt sich eine verblüffende Ähnlichkeit in den Methoden nicht übersehen. Auch die Entwicklung und Nutzung von Spielgaben/Spielmaterial von beiden Pädagogen, unterstützt diese Gleichsetzung. Diese Arbeit stellt einen weiteren Vergleich der beiden Pädagogen dar. Dabei wird allerdings nicht nur auf die äußeren und offensichtlichen Gemeinsamkeiten und Unterschiede eingegangen, sondern es werden vor allem die theoretischen Überlegungen, die hinter der Erziehungspraxis stehen in die vergleichende Analyse aufgenommen. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf den beiden Feldern der Kleinkinderziehung und der Spielpädagogik von Montessori und Fröbel. Diese Doppelansicht ist deshalb sinnvoll, da in beiden Feldern sehr viele Verbindungen zu dem jeweils anderen vorzufinden sind.


Excerpt (computer-generated)

4. Fachsemester, DEW

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Fachbereich Erziehungswissenschaften

Jahreshausarbeit

Kleinkinderziehung und Pädagog ik des Spiels im

Verg leich:

Friedrich Wilhelm Aug ust Frö bel

u n d

Ma ria Montessori

Mirjam Günther

Abgabedatum: 09. Juni 04


Gliederung

1

Einleitung 2

2

Grundlagen der Erziehung 3

2.1

Ausgangspunkte von Erziehung 3

2.2

Anforderungen an Erziehung 3

2.3

Ziele der Erziehung 4

3

Anthropologie 4

3.1

Menschenbilder 4

3.2

Das Menschenbild vom Kind 5

4

Kleinkinderziehung 6

4.1

Wie lernen die Kleinsten? 6

4.2

Die sensiblen Perioden 7

4.3

Kernpunkte der Pädagogik 8

5

Die Pädagogik des Spiels 10

5.1

Die Bedeutung des Spielens 10

5.2

Das Spielmaterial 12

6

Zusammenfassung 18

7

Quellenverzeichnis 20

1


1 Einleitung

Friedrich Wilhelm August Fröbel und Maria Montessori waren zwei der bekanntesten

Pädagogen, besonders im Bezug auf die Erziehung kleiner Kinder und auf die Entwicklung

von Kindergärten und Frühförderung von Kindern. Beide Pädagogen entwickelten ein weit

ausgebautes und sehr komplexes System von Theorien über Kindererziehung und beide

erprobten und belegten diese Theorien im praktischen Umgang, also in der Arbeit mit

Kindern. Aufgrund dieser und vieler weiterer Parallelen, werden Fröbel und Montessori oft

miteinander verglichen und zum Teil sogar gleichgesetzt. Besonders in Hinblick auf die

Erziehungspraxis in ihren Kindergärten/Kinderhäusern, lässt sich eine verblüffende

Ähnlichkeit in den Methoden nicht übersehen. Auch die Entwicklung und Nutzung von

Spielgaben/Spielmaterial von beiden Pädagogen, unterstützt diese Gleichsetzung. Ich möchte

in dieser Arbeit einen weiteren Vergleich der beiden Pädagogen wagen. Dabei werde ich

allerdings versuchen, mich nicht nur auf die äußeren und offensichtlichen Gemeinsamkeiten

und Unterschiede zu konzentrieren, sondern ich will vor allem die theoretischen

Überlegungen, die hinter der Erziehungspraxis stehen in die vergleichende Analyse mit

einbeziehen.

Da der Umfang einer solchen Arbeit natürlich nicht annährend ausreichend wäre, um alle

einzelnen Aspekte in den pädagogischen Theorien und der Erziehungspraxis der beiden

Pädagogen zu beleuchten, möchte ich mich auf einige ausgewählte Punkte beschränken, die

mir während des Durcharbeitens der Literatur beider Autoren als entscheidend oder besonders

markant erschienen. Dies werden zunächst die grundlegenden Überlegungen beider

Pädagogen für die Erziehung sein. Danach folgen die jeweiligen Menschenbilder, welche ich

für ausschlaggebend halte, denn nur mit diesem Vorwissen, ist eine vollständige

Untersuchung der folgenden Punkte möglich.

Den Schwerpunkt meiner Arbeit werde ich auf die beiden Felder der Kleinkinderziehung und

der Spielpädagogik von Montessori und Fröbel legen. Ich halte diese Doppelansicht für

sinnvoll, da in beiden Feldern sehr viele Verbindungen zu dem jeweils anderen vorzufinden

sind. Es ergeben sich in der Analyse so viele Überschneidungen, dass ich es nicht für

ausreichend hielt, mich auf eines der beiden Felder festzulegen und das andere außen vor zu

lassen, denn es würde sich dadurch wahrscheinlich vieles dem Verständnis entziehen.

Auch in den beiden Schwerpunktfeldern muss es natürlich Grenzen in der Analyse geben, da

sie beide zu umfangreich sind, um sie bis in alle Ecken zu beleuchten. Ich werde mich auf das

konzentrieren, was ich für bedeutsam halte, um das Prinzip und System, welches die

Pädagogen verwirklichen wollen verständlich und nachvollziehbar zu machen.

2


2 Grundlagen der Erziehung

2.1 Ausgangspunkte von Erziehung

Im Fröbel′schen Verständnis gründet sich jede wirkliche Erziehung zunächst auf Religion.

Für ihn ist nur eine Erziehung, die sich in der Religion begründet sieht, eine wirkende,

erzeugende und schaffende, gleichsam eine produktive Erziehung. Unter Religion versteht

Fröbel das Wechselverhältnis von Gott und Mensch, wobei er Gott als den Grund und die

Einheit aller Dinge und den Menschen als Geschöpf Gottes definiert (vgl. Fröbel 1965, S.5).

Für Montessori ist der Ausgangspunkt für Erziehung weniger die Religion, sondern sie

wünscht sich eine Erziehung, die vom Kind ausgeht. Die Kenntnis über das menschliche

Leben sollte der Ausgangspunkt für eine Erziehung sein, ,,die das Leben als Zentrum

betrachtet" (Montessori 1994, S.42). Nach ihrer Anthropologie beginnt ,,die Größe der

menschlichen Personalität [...] mit der Geburt des Menschen." (ebd., S.33). Daher muss nach

ihrer Ansicht die Erziehung auch mit der Geburt beginnen und dies beinhaltet, dass man nicht

von einer Erziehung im herkömmlichen Sinne sprechen kann. Statt dessen fordert sie eine

,,Erziehung als Hilfe zur Entwicklung der angeborenen psychischen Kräfte des menschlichen

Individuums" (ebd., S.34).

2.2 Anforderungen an Erziehung

Fröbels erster und oberster Hauptsatz der Menschenerziehung ist die Forderung nach der

Erfassung und Behandlung der Kinder und Menschen in allseitigen Lebenszusammenhängen.

Sein zweiter Hauptsatz besagt, dass alles, was im Ganzen der Menschheit ist, auch in ihrem

kleinsten Teil, dem Kind, enthalten ist (vgl. Fröbel 1965, S. 89). Aus diesen beiden

Hauptforderungen leitet er eine tiefe Verantwortung eines jeden einzelnen Menschen für das

beständige Voranschreiten der Menschheit ab (vgl. Fröbel 1982, Band 1, S. 24).

Eine ähnlich starke Verantwortung schreibt auch Montessori der Erziehung zu. Für sie ergibt

sich aber die entscheidende Forderung für wirkliche Erziehung aus der Grundhaltung dem

Kind gegenüber. Ihrer Meinung nach muss sich jede Erziehung zur Hauptaufgabe setzen, die

verborgenen schöpferischen Kräfte im Menschen zu wecken, zu aktivieren und zu motivieren.

Dadurch soll der Mensch zur Harmonie und Normalität gelangen, worin sie die Lösung aller

Menschheitsprobleme sieht (vgl. Montessori 1994, S.15).

3


2.3 Ziele der Erziehung

Für Fröbel ist das eigentliche Ziel von Erziehung und damit zugleich die Bestimmung aller

Dinge, ihr göttliches Wesen an sich entwickelnd darzustellen (vgl. Fröbel 1982, Band 2, S.

15). Gottes Geist wird gleichzeitig in der Einheit und Mannigfaltigkeit aller Dinge sichtbar,

da die Einheit das Gemeinsame aller Mannigfaltigkeiten ist. Jedes Ding soll also gleichsam

seine höchstmögliche Mannigfaltigkeit und somit auch seine höchstmögliche Einheit

entwickeln (vgl. Fröbel 1965, S. 6). Dies formuliert er zusammenfassend als das absolut,

unbegrenzt Allseitige, ,,das Sphärische" (ebd.). Diese sphärische Natur des Wesens muss sich

in seiner Einheit, Einzelheit und Mannigfaltigkeit darstellen (vgl. ebd.).

Montessoris Ziel für die Entwicklung der Erziehung geht in eine andere Richtung. Sie nimmt,

im Gegensatz zu Fröbel, die Erziehung aus der Begrenztheit auf den einzelnen Zögling und

seiner individuellen Entwicklung heraus, um sie in ein größeres gesellschaftliches System

hineinzusetzen und so zu erweitern. Sie will eine Erziehung von Neugeborenen, die als

Beobachtung angelegt ist, um somit die Voraussetzungen, die Gesetze oder Bedingungen des

Lebens zu beobachten und zu verstehen. Durch die Erkenntnis dieser ,,Gesetze des Lebens"

(Montessori 1994, S.42) erhofft sie sich einen neuen Stellenwert der Erziehung in der

Gesellschaft. Sie will der Gesellschaft die Notwendigkeit einer ,,Pflichterziehung" (ebd.,

S.43) aufzeigen. Ihr Ziel ist es, dass so die Erziehung Einfluss auf die Gesellschaft erwirbt.

Die Gesellschaft soll gezwungen sein, die fehlenden Mittel für die Erziehung in den Familien

zu kompensieren und soll helfen, die Kinder aufzuziehen. ,,So muss der Staat für die Kinder

sorgen." (ebd.)

3 Anthropologie

3.1 Menschenbilder

Auch das Menschenbild, welches Fröbel entwirft, ist stark an seinen religiösen Vorstellungen

orientiert. Der Mensch ist Gottes Geschöpf und der menschliche Geist ein göttliches Wesen

(vgl. Fröbel 1965, S.5). Nach Gottes Plan ist die Bestimmung eines jeden Menschen, seine

sphärische Natur auszubilden, da das sphärische Gesetz das Grundgesetz aller

Menschenbildung ist. Diese Menschenbildung muss also ebenso sphärisch und damit allseitig

sein, indem sie gleichzeitig die höchstmögliche Mannigfaltigkeit und somit auch die

höchstmögliche Einheit in jedem Wesen entwickeln und darstellen will (vgl. ebd., S.6). Um

diese Einheit zu erreichen, hat der Mensch von Kindheit an drei Grundtätigkeiten, die er

ausüben muss: das Darstellen seines Inneren Wesens, das Aufnehmen der äußeren Welt und

4



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