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Bürgernahe Sprache im Englischen

Subtitle: Plain English

Scholary Paper (Seminar), 2008, 23 Pages
Author: Nike Hirschbiegel
Subject: English - Grammar, Style, Working Technique

Details

Event: Redaktionstheorie
Institution/College: University of Applied Sciences Flensburg (Wirtschaft)
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2008
Pages: 23
Grade: 1,7
Language: German
Archive No.: V130446
ISBN (E-book): 978-3-640-39024-3
ISBN (Book): 978-3-640-39040-3

Abstract

„Lebensberechtigungsbescheinigung“ statt Aufenthaltsgenehmigung oder „bedarfsgesteuerte Fußgängerfurt“ statt Ampel. Mit Beamtensprache haben wir selbst in unserer Muttersprache schon Schwierigkeiten. Auch im Englischen häufen sich seit Jahren die Beschwerden über unverständliches „Fachchinesisch“ in Rechts- und Behördentexten oder technischen Texten. In dieser Arbeit geht es um die bürgernahe Sprache im Englischen, dem sogenannten „plain English“. Außer den Richtlinien, die verschiede Experten aufgestellt haben, geht es im Folgenden um die Gründe für bürgernahe Sprache, und ihre direkte Anwendung in der technischen Redaktion. Die Tipps und Empfehlungen richten sich vor allem an die Autoren von Firmen- und Behördentexten, Kundenverträgen, Rechtstexten und Bedienungsanleitungen. Während meiner Recherchen stieß ich zum Teil auch auf Tipps für die Erstellung von Emails und schöngeistiger Literatur, auf die ich jedoch im Einzelnen nicht weiter eingehen möchte- die beschriebenen Richtlinien lassen sich natürlich in gewissem Maße auch hierfür verwenden. Fast alle Experten, deren Artikel und Bücher ich zu diesem Thema las, betonen, dass es sich bei ihren Empfehlungen nur um Richtlinien, und nicht um festgelegte Regeln handle. Ob ein Text wirklich eindeutig geschrieben ist, kann letztendlich nicht anders überprüft werden, als ihn einer geeigneten Zielgruppe vorzuführen und die Reaktion zu überprüfen. (Cutts 2004: 3) „Guidelines are aids to the writer, they are not meant to supplant human judgement.“ (Steinberg 1991: 86) 1.1 Wichtigkeit von bürgernaher Sprache Gerade bei Texten, die Menschen über einen Sachverhalt informieren sollen, wie Anleitungen oder Firmenanschreiben, ist es wichtig, dass der Leser die Information richtig und vollständig versteht. Ist dies nicht der Fall, führt es nicht nur zu Verärgerung, sondern kann sogar gefährlich werden. Im besten Falle verschwendet ein schlechter Text lediglich die Zeit (und damit auch Geld) des Lesers, im schlimmsten Falle kann es zu Verletzungen oder zum Tod des Lesers kommen, wenn z.B. Anleitungen für elektrische Geräte missverstanden werden.


Excerpt (computer-generated)

Bürgernahe Sprache

im Englischen

Seminararbeit im Fach Redaktionstheorie

an der Fachhochschule Flensburg

im Studiengang Internationale Fachkommunikation

4. Semester

vorgelegt von

Nike Hirschbiegel

Flensburg, April 2008


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 1

1.1 Wichtigkeit von bürgernaher Sprache 1

1.2 Was ist ,,plain English"? 1

2 Die ,,plain English" - Bewegung in den USA und England 3

3 ,,Plain English"- Empfehlungen 4

3.1 Sätze kürzen und Schachtelsätze entschärfen 4

3.1.1 Teilen und Trennen 4

3.1.2 Teilen und anders zusammenfügen 5

3.1.3 Listen machen 5

3.2 Einfache und eindeutige Wörter bevorzugen 5

3.3 Knapper schreiben 8

3.4 Aktiv bevorzugen 9

3.4.1 Wann das Passiv verwendet werden sollte 10

3.5 Kräftige Verben benutzen 10

3.6 Negationen vermeiden ­ Sätze positiv bilden 11

3.7 Geschlechtsspezifische Anreden vermeiden 11

3.8 Korrekte Zeichensetzung beachten 12

3.9 Mythen hinterfragen 13

3.10 Effektives Planen 14

3.11 Leserfreundliche Strukturen verwenden 15

3.11.1 Alternative Strukturierungen verwenden 16

3.12 Bessere Anleitungen erstellen 16

4 Auswirkungen von ,,plain English" auf Nicht-Muttersprachler 17

5 ,,Plain English" = Übersetzungsgerechtes Schreiben? 17

6 Schlusswort 18

2


1 Einleitung

,,Lebensberechtigungsbescheinigung" statt Aufenthaltsgenehmigung oder ,,bedarfsgesteuerte

Fußgängerfurt" statt Ampel. Mit Beamtensprache haben wir selbst in unserer Muttersprache

schon Schwierigkeiten. Auch im Englischen häufen sich seit Jahren die Beschwerden über

unverständliches ,,Fachchinesisch" in Rechts- und Behördentexten oder technischen Texten

.

In dieser Arbeit geht es um die bürgernahe Sprache im Englischen, dem sogenannten ,,plain

English". Außer den Richtlinien, die verschiede Experten aufgestellt haben, geht es im

Folgenden um die Gründe für bürgernahe Sprache, und ihre direkte Anwendung in der

technischen Redaktion. Die Tipps und Empfehlungen richten sich vor allem an die Autoren

von Firmen- und Behördentexten, Kundenverträgen, Rechtstexten und Bedienungs-

anleitungen. Während meiner Recherchen stieß ich zum Teil auch auf Tipps für die Erstellung

von Emails und schöngeistiger Literatur, auf die ich jedoch im Einzelnen nicht weiter

eingehen möchte- die beschriebenen Richtlinien lassen sich natürlich in gewissem Maße auch

hierfür verwenden.

Fast alle Experten, deren Artikel und Bücher ich zu diesem Thema las, betonen, dass es sich

bei ihren Empfehlungen nur um Richtlinien, und nicht um festgelegte Regeln handle. Ob ein

Text wirklich eindeutig geschrieben ist, kann letztendlich nicht anders überprüft werden, als

ihn einer geeigneten Zielgruppe vorzuführen und die Reaktion zu überprüfen. (Cutts 2004: 3)

,,Guidelines are aids to the writer, they are not meant to supplant human judgement." (Steinberg 1991: 86)

1.1 Wichtigkeit von bürgernaher Sprache

Gerade bei Texten, die Menschen über einen Sachverhalt informieren sollen, wie Anleitungen

oder Firmenanschreiben, ist es wichtig, dass der Leser die Information richtig und vollständig

versteht. Ist dies nicht der Fall, führt es nicht nur zu Verärgerung, sondern kann sogar

gefährlich werden. Im besten Falle verschwendet ein schlechter Text lediglich die Zeit (und

damit auch Geld) des Lesers, im schlimmsten Falle kann es zu Verletzungen oder zum Tod

des Lesers kommen, wenn z.B. Anleitungen für elektrische Geräte missverstanden werden.

1.2 Was ist ,,plain English"?

Was genau ist nun ,,plain English"? Martin Cutts, Auto des Buches ,,Oxford Guide to Plain

English" definiert es als:

"The writing and setting out of essential information in a way that gives a co-operative, motivated person

a good chance of understanding it at first reading, and in the same sense the writer meant it to be

understood." (Cutts 2004: 4)

1


Er erklärt seine Definition weiter damit, dass ein Text nur so anspruchsvoll und kompliziert

sein darf, dass er von den Lesern seiner Zielgruppe vollständig und richtig verstanden wird.

Dazu gehört seiner Meinung nach auch eine passende Dokumentstruktur und eine

übersichtliche Gestaltung des Dokuments.

In seinem Buch ,,The Penguin Guide to Plain English" definiert Harry Blamires "plain

English" wie folgt:

,,We are looking then for usage which is genuine and direct, unspoiled by any hint of the bogus or the

pretentious, English which is clear and open as the day, which claims no special attention to itself but

rather melts away into what it conveys." (Blamires 2000: 1)

Gründe für die Verwendung von ,,plain English" sind: (Mazur 2000: 2)

- Die Leser verstehen die Texte besser.

- Die Leser bevorzugen bürgernahe Sprache.

- Die Leser finden die Informationen schneller.

- Dokumente können leichter aktualisiert werden.

- Die Leser können leichter zu Handlungen angeleitet werden.

- Dokumente sind kosteneffizienter.

Bürgernahe Texte führen dazu, dass weniger Leser verärgert auf ein Anschreiben reagieren.

Wer den Text nicht versteht und die Firma/Behörde erst anrufen muss, um Klarheit zu

kriegen, ist verärgert. (Toleti 2007: 43)

Handelt es sich um ein amtliches Schreiben, bleibt dem Leser oft nichts anderes übrig, als

sich mit seinem Ärger abzufinden. Handelt es sich jedoch um eine Bedienungsanleitung, so

kann sich der Ärger auf das Kaufverhalten beim nächsten Mal auswirken- wer sich an

stundenlanges Herumprobieren und Telefonieren erinnert, kauft wohl kaum noch einmal bei

derselben Firma ein.

Obwohl es in dieser Arbeit um die bürgernahe Sprache im Englischen geht, lassen sich die

meisten Richtlinien auch für das Verfassen deutscher Texte verwenden.

Gleich ob im Deutschen oder im Englischen, die meisten Empfehlungen von Experten zum

Thema bürgernahe Sprache lauten:

1. Lieber Aktiv statt Passiv benutzen.

2. Vermeidung von Nominalisierungen.

3. Persönliche Anrede verwenden.

4. Vermeidung von unnötigen Fachausdrücken und Wortneuschöpfungen.

5. Vermeidung von verschachtelten Sätzen.

2


2 Die ,,plain English"-Bewegung in den USA und England

Bereits in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren wurden in den USA Forderungen nach

einfachem Englisch laut. Verbraucherorganisationen wendeten sich an die Massenmedien, um

auf besondere Fälle von ,,Amts-Kaudawelsch" und ,,Fachchinesisch" in Rechtstexten und

Behördenformularen aufmerksam zu machen. Sie forderten ,,plain language" oder auch ,,plain

English". Daraufhin wurden 1978 zunächst in New York und später in vielen anderen

Bundesstaaten Gesetze erlassen, die eine klare Ausdrucksweise in Verträgen und formalen

Anschreiben vorschrieben. Im Jahr 1998 veröffentliche Präsident Clinton einen Bericht, in

dem stand:

,, The Federal Government′s writing must be in plain language. By using plain language, we send a clear

message about what the Government is doing, what it requires, and what services it offers. Plain language

saves the Government and the private sector time, effort and money.

Plain language requirements vary from one document to another, depending on the intended audience.

Plain language documents have logical organizations, easy-to-read design features, and use:

- common, everyday words, except for necessary technical terms;

- "you" and other pronouns;

- the active voice; and

- short sentences."

(Cutts 2004: 8)

In England fand im Jahr 1979 sogar eine Buchverbrennung vor den Houses of Parliament

statt, um auf die neue ,,plain English"- Bewegung aufmerksam zu machen. Premierministerin

Thatcher veranlasste daraufhin im Jahr 1982 die Veröffentlichung einer Grundsatzerklärung,

in der die Regierungsabteilungen dazu aufgefordert wurden, ihre Formulare zu überarbeiten

und umzuschreiben. (Cutts 2004: 10)

Die Ministerin überwachte den Fortschritt der Verbesserungsarbeiten persönlich, was für

viele Abteilungen ein zusätzlicher Ansporn war. Durch ihren Einsatz gab es bereits in den

späten 1980ern kaum noch Regierungsformulare, die nicht in ,,plain English" formuliert

waren. Dadurch wurden auch die lokalen Regierungen beeinflusst. In einigen Rathäusern gibt

es spezielle ,,plain English" Committees, die die Einhaltung der Regeln überwachen.

Dabei war nicht nur die Zufriedenheit der Bürger ein Grund für die Änderungen, sondern

auch wirtschaftliche Vorteile.

,, Plain language documents and forms save money. Companies and governments in the United States and

the United Kingdom have found they can save thousands and sometimes millions of dollars every year by

rewriting their forms and documents." (Steinberg 1991: 47)


3



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