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Sprechstundengespräche an der Hochschule

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2009, 23 Pages
Author: Janine Winkler
Subject: German Studies - Linguistics

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2009
Pages: 23
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V130564
ISBN (E-book): 978-3-640-36395-7
ISBN (Book): 978-3-640-36431-2

Abstract

Die Leitfragestellungen meiner Studienarbeit lauten: Gibt es zwischen Lehrenden und Studierenden ein asymmetrisches Machtverhältnis? Tragen die Gesprächspartner mit ihren kommunikativen Handlungen dazu bei, bestehende institutionelle Hierarchien zu bestätigen und wenn ja, wie? Zur Beantwortung dieser Fragen muss zunächst geklärt werden, was institutionelle Gespräche eigentlich sind und wie Sprechstundengespräche innerhalb von Hochschulgesprächen einzuordnen sind. Des Weiteren ist es nötig, die in dieser Arbeit verwendeten Begriffe zu klären. Begriffe wie Dominanz oder Macht sind in der Alltagssprache negativ konnotiert und rufen Assoziationen von Unterdrückung, Herrschaft und Gewalt hervor. Ein Wort wie Einfluss klingt demgegenüber neutral bis positiv. Zu kritisieren ist aber, dass der eher neutral wirkende Begriff Einfluss für die Analyse zu ungenau ist. Deshalb halte ich es für notwendig, die Termini Macht, Hierarchie, Asymmetrie und Dominanz in einem weiteren Schritt zu definieren, um den Gebrauch der Begriffe deutlich zu machen und eventuellen Missverständnissen vorzubeugen. Im Anschluss soll dargelegt werden, was in hochschulischen Sprechstundengesprächen typischerweise zu erwarten ist. Dazu werde ich die empirischen Ergebnisse von Boettcher/Meer (2000) nutzen, die sie auf der Grundlage des von ihnen erstellten Transkriptbands (Boettcher/Limburg/Meer/Zegers, 2005) zu Sprechstundengesprächen an der Hochschule erzielt haben. Auf dieser theoretischen Grundlage folgt der Schwerpunkt der Arbeit, die exemplarische Analyse des Sprechstundentranskripts Nr. 9 aus dem Transkriptband von Boettcher/Limburg/Meer/Zegers (2005:51-52). Zunächst wird der für dieses Transkript spezielle empirische Rahmen skizziert und eine Gliederung des Transkriptes in die Phasen des Gesprächs vorgenommen. Anschließend folgt die Analyse von Auffälligkeiten und deren Zuordnung zu den oben genannten Analysekriterien. Mit Hilfe der Analyse soll herausgearbeitet werden, in wie weit die Interaktionspartner mit ihrem Verhalten die zu erwartenden Verhaltensmuster bestätigen und welches Verhalten von den vorher getroffenen Annahmen abweicht.


Excerpt (computer-generated)

,,hm, | aber is natürlich so, dass allein schon durch den titel, das natür-

lich eigentlich sehr nahe gelegt wird,"

Sprechstundengespräche an der Hochschule

Analyse hierarchischer Ungleichheit anhand eines Beispieltranskriptes

Schriftliche Hausarbeit

Fakultät für Philologie - Germanistisches Institut

Ruhr-Universität Bochum

Seminar: Gespräche an der Hochschule WS 06/07

vorgelegt von

Winkler, Janine


Inhalt

EINLEITUNG

3

1.

SPRECHSTUNDENGESPRÄCHE AN DER HOCHSCHULE

5

1.1

Institutioneller Rahmen

5

1.2

Ungleichheit in institutionellen Gesprächen

6

1.3

Sprechstundengespräche

7

1.4

Zusammenfassung

9

2.

ANALYSE

10

2.1

Anfangsphase

10

2.2

Gesprächskern: Formulierung und Bearbeitung des Anliegens

12

2.3

Endphase

17

2.4

Schlussfolgerung

18

3.

FAZIT

19

4.

LITERATUR

21

2


EINLEITUNG

,,Keine Frage: Institutionelles Handeln bestimmt unsere Gesellschaft. Die Frage ist nur, wie

lange diese Gesellschaft es sich leisten will, daß sich die Kommunikationsverhältnisse in

den Institutionen unbegriffen reproduzieren und gegen die Handelnden verselbständi-

gen." (Hoffmann/Nothdurft, 1989:131)

Sprechstundengespräche in der Hochschule sind aus der Perspektive der Studierenden sowie

der Lehrenden von großer Bedeutung. Gerade im Bereich der Geisteswissenschaften mit hohen

Studierendenzahlen1 ist das Sprechstundengespräch eine der wenigen Möglichkeiten für Studie-

rende, den persönlichen Kontakt zu Lehrenden aufzubauen, Betreuungsangebote für das weite-

re Studium wahrzunehmen und sogar wertvolle Erfahrungen im Bereich ,,Bewerbungsgesprä-

che" zu sammeln. Aber auch Lehrenden bietet sich die Möglichkeit, sich über ihre Lehrtätigkeit

bei den Studierenden Feedback einzuholen (Boettcher/Hellermann/Meer, 2001:4). Trotzdem

werden Sprechstundengespräche sowohl von Studierenden als auch von Lehrenden häufig als

Last empfunden2. Umso wichtiger ist es deshalb, mögliche Problemfelder aufzuzeigen, um diese

besser zu verstehen und die Chancen, die Sprechstundengespräche mit sich bringen, besser

nutzen zu können.

In hochschulischen Sprechstundengesprächen zeichnen sich bestimmte Gesprächsmuster ab,

die positionsspezifische Unterschiede zwischen Lehrenden und Studierenden deutlich machen

(Meer, 2000: 19ff). Die Leitfragestellungen meiner Studienarbeit lauten:

Gibt es zwischen Lehrenden und Studierenden ein asymmetrisches Machtverhältnis? Tragen die

Gesprächspartner mit ihren kommunikativen Handlungen dazu bei, bestehende institutionelle

Hierarchien zu bestätigen und wenn ja, wie?

Zur Beantwortung dieser Fragen muss zunächst geklärt werden, was institutionelle Gespräche

1 An der Ruhr-Universität Bochum studierten im WS 2007/2008 32.607 Studierende, davon allein 12.466 im Bereich

der Geisteswissenschaften, 6.127 Studierende studierten ein Fach aus dem Bereich der Philologie. Im Vergleich

dazu studierten nur 489 Studierende Mathematik. Weitere Zahlen und Statistiken finden sich auf der Homepage

der Ruhr-Universität Bochum. Dezernat 1: Angelegenheiten der Selbstverwaltung, Hochschulstruktur und ­planung.

[URL]: ://www.uv.ruhr-uni-bochum.de/dezernat1/statistik/aktuelles/rubrik2007.pdf

2 Vgl. hierzu die Ausführungen von Boettcher, W. / Meer, D. (2000): ,,Ich hab nur ne ganz kurze Frage" ­ Umgang

mit knappen Ressourcen. Sprechstundengespräche an der Hochschule, S. 1ff.

3


eigentlich sind und wie Sprechstundengespräche innerhalb von Hochschulgesprächen3 ein-

zuordnen sind.

Des Weiteren ist es nötig, die in dieser Arbeit verwendeten Begriffe zu klären. Begriffe wie

Do-

minanz

oder

Macht

sind in der Alltagssprache negativ konnotiert und rufen Assoziationen von

Unterdrückung, Herrschaft und Gewalt hervor. Ein Wort wie

Einfluss

klingt demgegenüber neut-

ral bis positiv. Zu kritisieren ist aber, dass der eher neutral wirkende Begriff

Einfluss

für die Ana-

lyse zu ungenau ist. Deshalb halte ich es für notwendig, die Termini

Macht

,

Hierarchie

,

Asym-

metrie

und

Dominanz

in einem weiteren Schritt zu definieren, um den Gebrauch der Begriffe

deutlich zu machen und eventuellen Missverständnissen vorzubeugen.

Im Anschluss soll dargelegt werden, was in hochschulischen Sprechstundengesprächen typi-

scherweise zu erwarten ist. Dazu werde ich die empirischen Ergebnisse von Boettcher/Meer

(2000) nutzen, die sie auf der Grundlage des von ihnen erstellten Transkriptbands (Boett-

cher/Limburg/Meer/Zegers, 2005) zu Sprechstundengesprächen an der Hochschule erzielt ha-

ben.

Auf dieser theoretischen Grundlage folgt der Schwerpunkt der Arbeit, die exemplarische Analy-

se

des

Sprechstundentranskripts

Nr.

9

aus

dem

Transkriptband

von

Boett-

cher/Limburg/Meer/Zegers (2005:51-52). Zunächst wird der für dieses Transkript spezielle em-

pirische Rahmen skizziert und eine Gliederung des Transkriptes in die Phasen des Gesprächs

vorgenommen. Anschließend folgt die Analyse von Auffälligkeiten und deren Zuordnung zu den

oben genannten Analysekriterien. Mit Hilfe der Analyse soll herausgearbeitet werden, in wie

weit die Interaktionspartner mit ihrem Verhalten die zu erwartenden Verhaltensmuster bestäti-

gen und welches Verhalten von den vorher getroffenen Annahmen abweicht.

Zu beachten ist, dass ich bei der Analyse auf individuelle Erfahrungen und Wirkungen zur Un-

terstützung von Interpretationsmöglichkeiten kommunikativen Handelns zurückgreife. Mir er-

scheint eine rein objektive Analyse von transkribierten Gesprächen generell unmöglich, den-

noch unterliegt diese Arbeit einer kontrollierten Subjektivität.

3 Als Form von institutioneller Kommunikation

4


1.

SPRECHSTUNDENGESPRÄCHE AN DER HOCHSCHULE

1.1

Institutioneller Rahmen

Nach Ehlich/Rehbein sind Institutionen Formen gesellschaftlicher Vermittlung, in denen kom-

munikatives Handeln eine wichtige Rolle spielt. Institutionelle Kommunikation unterscheidet

sich grundsätzlich von so genannter Alltagskommunikation (Ehlich/Rehbein, 1994:308ff.).

Institutionelle Kommunikation vollzieht sich nach Hoffmann/Nothdurft auf der Grundlage sozial

verbreiteten Wissens über Formen kommunikativen Handelns. Dieses ,,Betriebswissen" schließe

Wissen über die Ausgangskonstellation, die wichtigsten Teilhandlungen und ihre Abfolge ein

(Hoffmann/Nothdurft, 1989:118ff.). Es kann also davon ausgegangen werden, dass die Interak-

tionspartner durch ihr Betriebswissen bewusst oder unbewusst mit bestimmten Erwartungshal-

tungen in ein Gespräch gehen, selbst wenn sie über keine eigene Erfahrung verfügen.

Ein häufiges Problem kommunikativer Praxis ist nach Hoffmann/Nothdurft die Konstellation

Laie

vs. Institutionsvertreter

. Bei der Klärung von Sachverhalten liegt eine asymmetrische Beteiligung

am Gespräch vor - der Institutionsvertreter steuert das Gespräch massiv, während dem Laien

eine reaktive Rolle (zum Beispiel in Form von Hörrückmeldungen) zukommt4. Ein weiteres Prob-

lem ist, dass Rationalität und Objektivität im universitären Kontext eine zentrale Rolle einneh-

men, weshalb Studierende die Situation an der Hochschule als anonym empfinden (Zegers,

2004:9).

Innerhalb des institutionellen Rahmens

Hochschule

finden sich unterschiedliche Gesprächssitua-

tionen (z.B. Unterrichtsgespräche oder Sprechstundengespräche), die wiederum unterschiedli-

chen Gesprächszwecken dienen.

1.2

Ungleichheit in institutionellen Gesprächen

Zur Beschreibung von Ungleichheiten in institutionellen Gesprächen - und somit auch Sprech-

stundengesprächen an der Hochschule - finden sich in der Forschungsliteratur Begriffe wie:

Macht

,

Hierarchie

,

Asymmetrie

oder auch

Dominanz

, die teils synonym, teils komplementär ge-

4 Diese Definition kann den voreiligen Rückschluss zulassen, dass der Laie in seiner reaktiven Rolle keine Möglich-

keit zur Beeinflussung des Gesprächsverlaufs hat, jedoch sind meiner Meinung nach beide Interaktionspartner am

Gesprächsverlauf beteiligt und nicht

Gefangene asymmetrischer Handlungsmöglichkeiten

, wie sich später am konk-

reten Beispiel zeigen wird.

5



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